„Eine Medaille zu erwarten, wäre zu viel“: Der Nationaltrainer der kolumbianischen Springreiter kommt aus Veltheim Jörg Wehling Porta Westfalica. Der Countdown für die Olympischen Spiele in Tokio läuft längst für Heinrich-Hermann Engemann. Der Nationaltrainer der kolumbianischen Springreiter mit Wohnsitz in Veltheim hat alle Hände voll zu tun. Sichten der Kandidaten in Übersee und Europa, Trainingslager organisieren und die Suche nach adäquaten Vorbereitungswettbewerben für seine Schützlinge gehören dazu. Anschließend geht es für ihn und sein Team in die Quarantäne nach Aachen. Abgeschlossen sind dann auch die Planungen für das Begleit-Team mit medizinischer Betreuung und all dem, was man für ein sportliches Topereignis so braucht. Olympia in Tokio startet am 23. Juli mit der Eröffnungsfeier. Der Spring-Wettbewerbe beginnen am 31. Juli und enden am 3. August. Im Interview mit dem Mindener Tageblatt spricht Engemann über den Weg von Porta Westfalica nach Tokio, die Erfolgsaussichten seines Kolumbianers, PCR-Tests für Pferde und natürlich über den Stand der Vorbereitung, der auch einen Hauch von Olympia-Flair an die Porta bringen wird. Für Engemann sind es die vierten Olympischen Spiele. Einmal als Aktiver, zwei Mal als Co- und Disziplin-Trainer der deutschen Springreiter und nun zum ersten Mal als hauptverantwortlicher Coach Kolumbiens. Wie sicher sind Sie überhaupt, dass die Olympischen Spiele zum angegebenen Zeitpunkt stattfinden werden? Ich bin mir ziemlich sicher, dass da nichts mehr passiert. Aber natürlich hält man Kontakt zum Verband und schaut auf die Seiten des Internationalen Olympischen Komitees. Die massive öffentliche Kritik, die es in Japan gibt, bekommt man natürlich mit. Aber ich bin sicher, dass wir nach Japan fliegen werden. Können Sie sich so überhaupt auf Olympia in Tokio freuen? Auf jeden Fall, auch wenn natürlich die Atmosphäre eine andere sein wird, wenn keine oder nur wenige Zuschauer dabei sein werden. Für mich ist es die vierte Teilnahme. Aber egal wie oft man dabei ist. Der Austausch mit anderen Sportlern und der Blick auf andere Sportarten und das internationale Flair als Beteiligter ist prägend. Ich freue mich wirklich trotz der besonderen Umstände sehr auf Japan und Tokio. Wie besonders sind die Umstände denn? Ist es nur die Corona-Pandemie? Oder was macht die Vorbereitung darauf diesmal speziell? Was uns zu schaffen machte, war zunächst der Ausbruch des Herpesvirus bei Pferden im Februar. Dieses Virus hat bei Pferden den gleichen Krankheitsverlauf wie das Corona-Virus beim Menschen. Es wurde viel mehr kontrolliert und PCR-Tests auch bei Pferden durchgeführt. Manche Auflagen waren aber für die Turnier-Veranstalter mit den regelmäßigen Tests an einem Wochenende organisatorisch einfach kaum machbar. Mittlerweile hat sich die Situation aber gebessert. Was bedeutet das für Tokio? Die Hygienestandards für Pferd und Reiter wurden noch einmal verschärft. Wir fahren mit einem personell abgespeckten Team nach Tokio, das aus Tierarzt, Trainer, Reiter und Pfleger für das Pferd bestehen wird. Auf Physiotherapeuten für Mensch und Tier müssen wir verzichten, weil wir Kooperationen haben mit dem deutschen Team. Unsere Pferde fliegen auch gemeinsam mit den deutschen nach Tokio. Aber die Anzahl der Sitzplätze für das Personal ist begrenzt. Was macht den Unterschied aus, nun als Verantwortlicher eines anderen Landes bei einer Olympiade teilzunehmen? Wo liegen die Unterschiede zu ihrer vorigen Tätigkeit? Ich stehe natürlich nun in einer größeren Verantwortung, ich leiste Aufbauarbeit. Tokio ist nur eine Zwischenetappe. Es geht darum, eine konkurrenzfähige Mannschaft für die darauffolgenden hochkarätigen Wettbewerbe zusammenzustellen. Als Mannschaft haben sich Kolumbiens Springreiter leider nicht für Olympia qualifiziert. Mein Auftrag ist es, eine konkurrenzfähige Mannschaft für Olympia 2024 in Paris zusammenzustellen. Wie schwer war es für Sie überhaupt, den geeigneten Springreiter zu finden, der für Kolumbien an den Start gehen soll? Ich hatte die Möglichkeit, mir ein Bild bei den Turnieren in den USA, aber auch in Europa zu machen. Zudem konnte ich viel über Livestreams verfolgen. Ich glaube, dass ich zwei gute Reiter dabei haben werde. Wobei ja nur einer starten kann und der zweite Ersatz sein wird, falls etwas unvorhergesehenes dazwischen kommt. Wie sehen sie die Chance ihres Schützlings? Was wäre aus ihrer Sicht ein Erfolg? Die Regeln des olympischen Springturniers haben sich deutlich geändert. Im Mannschaftswettbewerb starten nur noch drei Reiter. Es gibt keine Streichergebnisse mehr. Im Einzelwettbewerb gehen 75 Springreiter an den Start. Ziel ist es, dass sich mein Schützling für den Finaldurchgang qualifiziert. Dafür ist er mit seinem Pferd auch stark genug. Natürlich entscheidet auch hier jeweils die Tagesform. Eine Medaille zu erwarten, wäre vielleicht zu viel. Aber eine gute Platzierung ist durchaus möglich. Ab wann beginnt für sie die finale Phase der Vorbereitung auf Olympia? Im Prinzip genau jetzt. Ende Juni werden meine Olympia-Starter hier zum Training nach Porta Westfalica kommen und auf unserer Anlage in Veltheim trainieren. Dann ist auch geplant, dass sie hier in Deutschland bei zwei internationalen Zwei-Sterne-Springen starten und Training unter Wettkampfbedingungen absolvieren können. Und dann ist es bis Tokio auch nicht mehr weit. Welchen persönlichen Wunsch nehmen Sie mit nach Tokio? Ich möchte mir sehr gerne wieder Sportarten anschauen, so wie ich es bei den vergangenen Olympischen Spielen auch getan habe. Allerdings weiß ich noch nicht, wie weit es für mich zu den Wettkampfstätten sein wird. Auf Japan freue ich mich sehr, auch wenn ich schon einmal in Asien gewesen bin. Man muss natürlich abwarten, was vor Ort möglich sein wird.

„Eine Medaille zu erwarten, wäre zu viel“: Der Nationaltrainer der kolumbianischen Springreiter kommt aus Veltheim

Ist mit dem Stand der Vorbereitung zufrieden und freut sich auf Tokio: Heinrich-Hermann Engemann. MT-Foto: Jörg Wehling © Jörg Wehling

Porta Westfalica. Der Countdown für die Olympischen Spiele in Tokio läuft längst für Heinrich-Hermann Engemann. Der Nationaltrainer der kolumbianischen Springreiter mit Wohnsitz in Veltheim hat alle Hände voll zu tun. Sichten der Kandidaten in Übersee und Europa, Trainingslager organisieren und die Suche nach adäquaten Vorbereitungswettbewerben für seine Schützlinge gehören dazu. Anschließend geht es für ihn und sein Team in die Quarantäne nach Aachen.

Abgeschlossen sind dann auch die Planungen für das Begleit-Team mit medizinischer Betreuung und all dem, was man für ein sportliches Topereignis so braucht. Olympia in Tokio startet am 23. Juli mit der Eröffnungsfeier. Der Spring-Wettbewerbe beginnen am 31. Juli und enden am 3. August.

Im Interview mit dem Mindener Tageblatt spricht Engemann über den Weg von Porta Westfalica nach Tokio, die Erfolgsaussichten seines Kolumbianers, PCR-Tests für Pferde und natürlich über den Stand der Vorbereitung, der auch einen Hauch von Olympia-Flair an die Porta bringen wird.

Für Engemann sind es die vierten Olympischen Spiele. Einmal als Aktiver, zwei Mal als Co- und Disziplin-Trainer der deutschen Springreiter und nun zum ersten Mal als hauptverantwortlicher Coach Kolumbiens.

Wie sicher sind Sie überhaupt, dass die Olympischen Spiele zum angegebenen Zeitpunkt stattfinden werden?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass da nichts mehr passiert. Aber natürlich hält man Kontakt zum Verband und schaut auf die Seiten des Internationalen Olympischen Komitees. Die massive öffentliche Kritik, die es in Japan gibt, bekommt man natürlich mit. Aber ich bin sicher, dass wir nach Japan fliegen werden.

Können Sie sich so überhaupt auf Olympia in Tokio freuen?

Auf jeden Fall, auch wenn natürlich die Atmosphäre eine andere sein wird, wenn keine oder nur wenige Zuschauer dabei sein werden. Für mich ist es die vierte Teilnahme. Aber egal wie oft man dabei ist. Der Austausch mit anderen Sportlern und der Blick auf andere Sportarten und das internationale Flair als Beteiligter ist prägend. Ich freue mich wirklich trotz der besonderen Umstände sehr auf Japan und Tokio.

Wie besonders sind die Umstände denn? Ist es nur die Corona-Pandemie? Oder was macht die Vorbereitung darauf diesmal speziell?

Was uns zu schaffen machte, war zunächst der Ausbruch des Herpesvirus bei Pferden im Februar. Dieses Virus hat bei Pferden den gleichen Krankheitsverlauf wie das Corona-Virus beim Menschen. Es wurde viel mehr kontrolliert und PCR-Tests auch bei Pferden durchgeführt. Manche Auflagen waren aber für die Turnier-Veranstalter mit den regelmäßigen Tests an einem Wochenende organisatorisch einfach kaum machbar. Mittlerweile hat sich die Situation aber gebessert.

Was bedeutet das für Tokio?

Die Hygienestandards für Pferd und Reiter wurden noch einmal verschärft. Wir fahren mit einem personell abgespeckten Team nach Tokio, das aus Tierarzt, Trainer, Reiter und Pfleger für das Pferd bestehen wird. Auf Physiotherapeuten für Mensch und Tier müssen wir verzichten, weil wir Kooperationen haben mit dem deutschen Team. Unsere Pferde fliegen auch gemeinsam mit den deutschen nach Tokio. Aber die Anzahl der Sitzplätze für das Personal ist begrenzt.

Was macht den Unterschied aus, nun als Verantwortlicher eines anderen Landes bei einer Olympiade teilzunehmen? Wo liegen die Unterschiede zu ihrer vorigen Tätigkeit?

Ich stehe natürlich nun in einer größeren Verantwortung, ich leiste Aufbauarbeit. Tokio ist nur eine Zwischenetappe. Es geht darum, eine konkurrenzfähige Mannschaft für die darauffolgenden hochkarätigen Wettbewerbe zusammenzustellen. Als Mannschaft haben sich Kolumbiens Springreiter leider nicht für Olympia qualifiziert. Mein Auftrag ist es, eine konkurrenzfähige Mannschaft für Olympia 2024 in Paris zusammenzustellen.

Wie schwer war es für Sie überhaupt, den geeigneten Springreiter zu finden, der für Kolumbien an den Start gehen soll?

Ich hatte die Möglichkeit, mir ein Bild bei den Turnieren in den USA, aber auch in Europa zu machen. Zudem konnte ich viel über Livestreams verfolgen. Ich glaube, dass ich zwei gute Reiter dabei haben werde. Wobei ja nur einer starten kann und der zweite Ersatz sein wird, falls etwas unvorhergesehenes dazwischen kommt.

Wie sehen sie die Chance ihres Schützlings? Was wäre aus ihrer Sicht ein Erfolg?

Die Regeln des olympischen Springturniers haben sich deutlich geändert. Im Mannschaftswettbewerb starten nur noch drei Reiter. Es gibt keine Streichergebnisse mehr. Im Einzelwettbewerb gehen 75 Springreiter an den Start. Ziel ist es, dass sich mein Schützling für den Finaldurchgang qualifiziert. Dafür ist er mit seinem Pferd auch stark genug. Natürlich entscheidet auch hier jeweils die Tagesform. Eine Medaille zu erwarten, wäre vielleicht zu viel. Aber eine gute Platzierung ist durchaus möglich.

Ab wann beginnt für sie die finale Phase der Vorbereitung auf Olympia?

Im Prinzip genau jetzt. Ende Juni werden meine Olympia-Starter hier zum Training nach Porta Westfalica kommen und auf unserer Anlage in Veltheim trainieren. Dann ist auch geplant, dass sie hier in Deutschland bei zwei internationalen Zwei-Sterne-Springen starten und Training unter Wettkampfbedingungen absolvieren können. Und dann ist es bis Tokio auch nicht mehr weit.

Welchen persönlichen Wunsch nehmen Sie mit nach Tokio?

Ich möchte mir sehr gerne wieder Sportarten anschauen, so wie ich es bei den vergangenen Olympischen Spielen auch getan habe. Allerdings weiß ich noch nicht, wie weit es für mich zu den Wettkampfstätten sein wird. Auf Japan freue ich mich sehr, auch wenn ich schon einmal in Asien gewesen bin. Man muss natürlich abwarten, was vor Ort möglich sein wird.

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