Ein Schritt voran, ein halber Schritt zurück: Vereine bieten Freiluft-Training an und kritisieren das neue Gesetz Marcus Riechmann Minden. Das Wetter spielt mit, die Ergebnisse der Aerosolforscher geben Rückenwind. Und so wagen sich die Sportvereine der Region ein wenig aus der Deckung und nehmen nach Monaten der Corona-Lethargie vorsichtig das Training unter freiem Himmel wieder auf. Sie nehmen als klare Ansage der Wissenschaft mit: Sport unter freiem Himmel gilt unter Infektions-Gesichtspunkten als ungefährlich. „Das Training der kleinen Leichtathleten hat wieder begonnen“, meldete Günther Hahn vor einigen Tagen über einen Fortschritt beim TuS Lahde/Quetzen. Doch der Abteilungsleiter musste erfahren, wie fragil die Lage weiterhin ist: Es ging einen kleinen Schritt voran und nun schon wieder einen halben zurück. Die ersten Initiativen der Klubs, vor allem die Kinder mit Übungseinheiten auf den Sportplätzen wieder in ein regelmäßiges Training zu holen, werden vom frisch in Kraft getretenen Bundesinfektionsschutzgesetz ausgebremst. Denn das vom 23. April bis zunächst 30. Juni geltende Gesetz zieht die Grenzen bei Inzidenzwerten oberhalb der 100er Marke strenger, als die Corona-Schutzverordnung des Landes NRW das bisher getan hat. Die Folge: Da im Mühlenkreis die Inzidenz noch immer weit über 100 liegt, müssen viele Sportgruppen den Betrieb wieder reduzieren oder gleich ganz einstellen. „Die Einschränkungen für Sport draußen kann ich nicht nachvollziehen, aber ich bin ja kein Experte“, sagt Hahn zu den veränderten Regelungen. Ein Einstellen des frisch aufgelegten Angebots kommt aber für ihn nicht in Frage: „Wir machen weiter“, sagt Hahn, der seit vielen Jahren die kleine Abteilung leitet. Nach den Osterferien hat er die Kinder zurück auf den Platz in Lahde geholt. „Die Kinder haben sich riesig gefreut“, berichtet er von den ersten Einheiten: „Auch wir waren erleichtert und froh, dass wir die Kinder wieder auf den Platz holen konnten. Die saßen ja doch viel zuhause.“ Gruppen von bis zu 20 jungen Sportlern im Alter bis maximal 14 Jahre durften unter der Leitung von bis zu zwei Übungsleitern trainieren. Das ist nun nur noch bei einer Inzidenz bis 100 erlaubt. Im Mindener Land gilt nunmehr: Fünf Kinder dürfen kontaktlos gemeinsam trainieren, die bis zu zwei Übungsleiter müssen frische negative Corona-Tests vorweisen. Für die Lahder ein Problem. Hahn sagt: „Wir hatten vorher Zehner-Gruppen. Die mussten wir jetzt halbieren. Dafür braucht man mehr Trainer. Auch gemeinsame Spiele fallen weg, dabei machen die immer eine Menge Spaß.“ Das auf Basisübungen reduzierte Training sei eintöniger. Das gilt vor allem für die älteren Jugendlichen, denn über 14-Jährige sind aus der Fünfer-Regelung ausgenommen. „Die trainieren dann alleine für sich“, bedauert Hahn. Doch das Training montags von 17 bis 19 Uhr führt er fort, auch das Sportabzeichen bieten der Lahder nach telefonischer Anmeldung unter (05702) 91 04 an. Nicht nur die klassischen Freiluftsportarten wie Leichtathletik oder Fußball sind in einigen Vereinen zurückgekehrt in einen kleinen Trainingsbetrieb, auch die Hallensportler nutzen die Sportplätze und Laufstrecken als Alternative zum nach wie vor untersagten Hallentraining. „Als es möglich wurde, haben wir recht schnell entschieden: Wir wollen das anbieten“, berichtet Finn Steffen. Bereits im März seien die ersten Teams auf dem Sportplatz wieder in Bewegung gewesen, erzählt der Jugendwart des Handballspielverbundes HSV Minden-Nord. „Das wurde richtig gut angenommen, auch die Eltern haben das positiv gesehen. Alle waren froh, dass sie sich wieder bewegen konnten“, berichtet Steffen. Die Einschränkung über das Bundesgesetz gefällt ihm nicht sonderlich, denn auch er sieht den Freiluftsport als unproblematisch an. Kritisch sieht er die Altersgrenze von 14 Jahren: „Wenn ein Kind Geburtstag hat, darf es am nächsten Tag nicht mehr mittrainieren“, beschreibt er ein offensichtliches Problem. Von Landessportbund heißt es, die gesetzlichen Regelungen gingen an der Wirklichkeit von Sportvereinen vorbei. Doch man setzt beim HSV die Vorgaben um: „Fünfer-Gruppen schränken uns schon ein. Wir müssen improvisieren. Aber wir haben genügend Personal, um das halbwegs auffangen zu können. Die Kinder kommen trotzdem.“

Ein Schritt voran, ein halber Schritt zurück: Vereine bieten Freiluft-Training an und kritisieren das neue Gesetz

Corona-Training beim TuS Lahde-Quetzen noch vor Inkrafttreten des Bundesgesetzes. Ideen sing gefragt: Reifen markieren die Abstände auf dem Platz in Lahde. Foto: privat © privat

Minden. Das Wetter spielt mit, die Ergebnisse der Aerosolforscher geben Rückenwind. Und so wagen sich die Sportvereine der Region ein wenig aus der Deckung und nehmen nach Monaten der Corona-Lethargie vorsichtig das Training unter freiem Himmel wieder auf. Sie nehmen als klare Ansage der Wissenschaft mit: Sport unter freiem Himmel gilt unter Infektions-Gesichtspunkten als ungefährlich.

„Das Training der kleinen Leichtathleten hat wieder begonnen“, meldete Günther Hahn vor einigen Tagen über einen Fortschritt beim TuS Lahde/Quetzen. Doch der Abteilungsleiter musste erfahren, wie fragil die Lage weiterhin ist: Es ging einen kleinen Schritt voran und nun schon wieder einen halben zurück. Die ersten Initiativen der Klubs, vor allem die Kinder mit Übungseinheiten auf den Sportplätzen wieder in ein regelmäßiges Training zu holen, werden vom frisch in Kraft getretenen Bundesinfektionsschutzgesetz ausgebremst. Denn das vom 23. April bis zunächst 30. Juni geltende Gesetz zieht die Grenzen bei Inzidenzwerten oberhalb der 100er Marke strenger, als die Corona-Schutzverordnung des Landes NRW das bisher getan hat. Die Folge: Da im Mühlenkreis die Inzidenz noch immer weit über 100 liegt, müssen viele Sportgruppen den Betrieb wieder reduzieren oder gleich ganz einstellen.

„Die Einschränkungen für Sport draußen kann ich nicht nachvollziehen, aber ich bin ja kein Experte“, sagt Hahn zu den veränderten Regelungen. Ein Einstellen des frisch aufgelegten Angebots kommt aber für ihn nicht in Frage: „Wir machen weiter“, sagt Hahn, der seit vielen Jahren die kleine Abteilung leitet. Nach den Osterferien hat er die Kinder zurück auf den Platz in Lahde geholt. „Die Kinder haben sich riesig gefreut“, berichtet er von den ersten Einheiten: „Auch wir waren erleichtert und froh, dass wir die Kinder wieder auf den Platz holen konnten. Die saßen ja doch viel zuhause.“

Gruppen von bis zu 20 jungen Sportlern im Alter bis maximal 14 Jahre durften unter der Leitung von bis zu zwei Übungsleitern trainieren. Das ist nun nur noch bei einer Inzidenz bis 100 erlaubt. Im Mindener Land gilt nunmehr: Fünf Kinder dürfen kontaktlos gemeinsam trainieren, die bis zu zwei Übungsleiter müssen frische negative Corona-Tests vorweisen. Für die Lahder ein Problem. Hahn sagt: „Wir hatten vorher Zehner-Gruppen. Die mussten wir jetzt halbieren. Dafür braucht man mehr Trainer. Auch gemeinsame Spiele fallen weg, dabei machen die immer eine Menge Spaß.“ Das auf Basisübungen reduzierte Training sei eintöniger. Das gilt vor allem für die älteren Jugendlichen, denn über 14-Jährige sind aus der Fünfer-Regelung ausgenommen. „Die trainieren dann alleine für sich“, bedauert Hahn. Doch das Training montags von 17 bis 19 Uhr führt er fort, auch das Sportabzeichen bieten der Lahder nach telefonischer Anmeldung unter (05702) 91 04 an.

Nicht nur die klassischen Freiluftsportarten wie Leichtathletik oder Fußball sind in einigen Vereinen zurückgekehrt in einen kleinen Trainingsbetrieb, auch die Hallensportler nutzen die Sportplätze und Laufstrecken als Alternative zum nach wie vor untersagten Hallentraining. „Als es möglich wurde, haben wir recht schnell entschieden: Wir wollen das anbieten“, berichtet Finn Steffen. Bereits im März seien die ersten Teams auf dem Sportplatz wieder in Bewegung gewesen, erzählt der Jugendwart des Handballspielverbundes HSV Minden-Nord. „Das wurde richtig gut angenommen, auch die Eltern haben das positiv gesehen. Alle waren froh, dass sie sich wieder bewegen konnten“, berichtet Steffen.

Die Einschränkung über das Bundesgesetz gefällt ihm nicht sonderlich, denn auch er sieht den Freiluftsport als unproblematisch an. Kritisch sieht er die Altersgrenze von 14 Jahren: „Wenn ein Kind Geburtstag hat, darf es am nächsten Tag nicht mehr mittrainieren“, beschreibt er ein offensichtliches Problem. Von Landessportbund heißt es, die gesetzlichen Regelungen gingen an der Wirklichkeit von Sportvereinen vorbei.

Doch man setzt beim HSV die Vorgaben um: „Fünfer-Gruppen schränken uns schon ein. Wir müssen improvisieren. Aber wir haben genügend Personal, um das halbwegs auffangen zu können. Die Kinder kommen trotzdem.“

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