Ein Hauch von Olympia: Kolumbiens Springreiter holt sich letzten Feinschliff in Veltheim Jörg Wehling Porta Westfalica. „Es ist richtig schön hier, fast so schön wie in meiner Heimat Kolumbien." Das findet Roberto Teran Tafur, als er auf der Reitanlage von Heinrich-Hermann Engemann und Kathrin Vieregge in Veltheim den Blick in Richtung Wesertal schweifen lässt. „Die Berge sind bei uns natürlich höher, aber hier ist es schön ruhig. Man kann hier abschalten und sich auf das konzentrieren, was demnächst ansteht", sagt der 44-jährige Profireiter, der sich hier an der Porta auf Olympia in Tokio vorbereitet. „Ich fühle mich total geehrt, mein Land dort vertreten zu dürfen. Und ich freue mich sehr darauf, auch wenn es Corona-bedingt sicher spezielle Spiele mit vielen Einschränkungen und keinen Zuschauern sein werden", sagt Teran Tafur. Dass ihn Heinrich-Hermann Engemann auserwählt hat, um als einziger Springreiter seines Landes an den olympischen Spielen teilzunehmen, erfüllt ihn mit großem Stolz. „Ich kenne Heinrich seit vielen Jahren von anderen Wettbewerben. Er ist ein Trainer, der mich auf höchstem Niveau von seiner Erfahrung profitieren lässt. Er war zehn Jahre Trainer der deutschen Springreiter, einer führenden Nation in unserem Sport", lobt Teran Tafur seinen Coach. Schon einmal hätte der Kolumbianer sein Land vor fünf Jahren vertreten können, doch sein Traum zerplatzte, weil sein Pferd erkrankte. Teran Tafur musste schweren Herzens verzichten auf Olympia in Rio de Janeiro. Doch diesmal soll es für den 44-Jährigen ein Happyend geben mit seinem ersten Olympia-Start idealerweise mit einem starken Ritt. „Roberto ist ein sehr guter Reiter, ich kenne ihn gut. Er kann hoch und weit springen. Das hat er bei anderen internationalen Turnieren mehrfach bewiesen", sagt Engemann über seinen Schützling. Allerdings kennt der Portaner auch dessen kleine Schwächen. „Er springt am besten, wenn er unter Druck steht. An einem richtig guten Tag kann es für ihn sogar zu einer Medaille reichen." Daran glaubt auch Teran Tafur. „Ich möchte mindestens das Stechen der besten 30 erreichen. Natürlich braucht man auch ein bisschen Glück", sagt der Kolumbianer. Der Grund für den Optimismus der beiden liegt auch im neuen Modus des Olympischen Springturniers begründet. „Im Gegensatz zu den Vorjahren startet jeder Reiter nach der Qualifikation bei Null. Die besten 30 der insgesamt 75 Reiter qualifizieren sich für das Stechen." Roberto Teran Tafur fühlt sich mit seinem Pferd „Dez’ Ooktoff", einem 13 Jahre alten niederländischen Warmblut-Wallach, in sehr guter Verfassung. Das Trainingslager in Veltheim dient vor allem dazu, sich besser kennenzulernen. „Wir müssen als Einheit gut funktionieren. Es ist wichtig, dass wir uns abstimmen, damit jeder vom anderen weiß, wie der andere in besonderen Situationen tickt", sagt Engemann, der darum im Training mit Teran Tafur allenfalls an Details arbeitet. „Hier in Veltheim geht es darum, die Ruhe zu finden. Denn der Trubel in Tokio wird noch groß genug sein. Da gilt es auch, sich fokussieren zu können." Für Engemann werden es die vierten Olympischen Spiele sein. Einmal hatte er als aktiver Reiter teilgenommen, zwei Mal als Bundestrainer und nun erstmals als Coach der Kolumbianer. „Die Freude ist einem schon ein wenig genommen. Wir müssen uns aber ganz auf unseren Sport konzentrieren. In Tokio werden wir in einer Blase leben und nur zwischen olympischem Dorf und dem Reitstadion pendeln. Auch darauf muss man gefasst sein", sagt Engemann. Von den weiteren Umständen in Tokio hat er sich bereits berichten lassen: „Die deutschen Dressurreiter mussten bei der Ankunft siebeneinhalb Stunden Einreiseformalitäten über sich ergehen lassen. Dazu wird es tägliche PCR-Tests geben. Und selbst beim Essen ist man von seinem Gegenüber durch eine Glasscheibe getrennt." Wiederkommen ins ländliche Ostwestfalen und Porta Westfalica möchte Teran Tafur auf jeden Fall, am besten mit einer Medaille. Denn Zeit, um sich hier in der Region umzuschauen, hatte er nicht, dafür war die Zeit zu kurz. „Einen kleinen Abstecher haben wir nach Rinteln gemacht in eine Bodega", sagt Engemann, der seinem Schützling damit heimatliches Flair bot. Denn ab kommenden Samstag geht es von Aachen, dem Quarantäne-Standortort, nach Lüttich und von dort nach Tokio in eine ganz andere Olympia-Welt.

Ein Hauch von Olympia: Kolumbiens Springreiter holt sich letzten Feinschliff in Veltheim

Roberto Tafur (links) mit seinem Pferd „Dez Ooktoff“ und Heinrich Hermann Engemann. MT- Foto: Jörg Wehling © Jörg Wehling

Porta Westfalica. „Es ist richtig schön hier, fast so schön wie in meiner Heimat Kolumbien." Das findet Roberto Teran Tafur, als er auf der Reitanlage von Heinrich-Hermann Engemann und Kathrin Vieregge in Veltheim den Blick in Richtung Wesertal schweifen lässt. „Die Berge sind bei uns natürlich höher, aber hier ist es schön ruhig. Man kann hier abschalten und sich auf das konzentrieren, was demnächst ansteht", sagt der 44-jährige Profireiter, der sich hier an der Porta auf Olympia in Tokio vorbereitet.

„Ich fühle mich total geehrt, mein Land dort vertreten zu dürfen. Und ich freue mich sehr darauf, auch wenn es Corona-bedingt sicher spezielle Spiele mit vielen Einschränkungen und keinen Zuschauern sein werden", sagt Teran Tafur.

Dass ihn Heinrich-Hermann Engemann auserwählt hat, um als einziger Springreiter seines Landes an den olympischen Spielen teilzunehmen, erfüllt ihn mit großem Stolz. „Ich kenne Heinrich seit vielen Jahren von anderen Wettbewerben. Er ist ein Trainer, der mich auf höchstem Niveau von seiner Erfahrung profitieren lässt. Er war zehn Jahre Trainer der deutschen Springreiter, einer führenden Nation in unserem Sport", lobt Teran Tafur seinen Coach.

Mit einem Lächeln: Pferdepflege im Stall. MT-Foto: Jörg Wehling - © Jörg Wehling
Mit einem Lächeln: Pferdepflege im Stall. MT-Foto: Jörg Wehling - © Jörg Wehling

Schon einmal hätte der Kolumbianer sein Land vor fünf Jahren vertreten können, doch sein Traum zerplatzte, weil sein Pferd erkrankte. Teran Tafur musste schweren Herzens verzichten auf Olympia in Rio de Janeiro. Doch diesmal soll es für den 44-Jährigen ein Happyend geben mit seinem ersten Olympia-Start idealerweise mit einem starken Ritt.

„Roberto ist ein sehr guter Reiter, ich kenne ihn gut. Er kann hoch und weit springen. Das hat er bei anderen internationalen Turnieren mehrfach bewiesen", sagt Engemann über seinen Schützling. Allerdings kennt der Portaner auch dessen kleine Schwächen. „Er springt am besten, wenn er unter Druck steht. An einem richtig guten Tag kann es für ihn sogar zu einer Medaille reichen." Daran glaubt auch Teran Tafur. „Ich möchte mindestens das Stechen der besten 30 erreichen. Natürlich braucht man auch ein bisschen Glück", sagt der Kolumbianer.

Der Grund für den Optimismus der beiden liegt auch im neuen Modus des Olympischen Springturniers begründet. „Im Gegensatz zu den Vorjahren startet jeder Reiter nach der Qualifikation bei Null. Die besten 30 der insgesamt 75 Reiter qualifizieren sich für das Stechen."

Roberto Teran Tafur fühlt sich mit seinem Pferd „Dez’ Ooktoff", einem 13 Jahre alten niederländischen Warmblut-Wallach, in sehr guter Verfassung. Das Trainingslager in Veltheim dient vor allem dazu, sich besser kennenzulernen. „Wir müssen als Einheit gut funktionieren. Es ist wichtig, dass wir uns abstimmen, damit jeder vom anderen weiß, wie der andere in besonderen Situationen tickt", sagt Engemann, der darum im Training mit Teran Tafur allenfalls an Details arbeitet. „Hier in Veltheim geht es darum, die Ruhe zu finden. Denn der Trubel in Tokio wird noch groß genug sein. Da gilt es auch, sich fokussieren zu können."

Für Engemann werden es die vierten Olympischen Spiele sein. Einmal hatte er als aktiver Reiter teilgenommen, zwei Mal als Bundestrainer und nun erstmals als Coach der Kolumbianer. „Die Freude ist einem schon ein wenig genommen. Wir müssen uns aber ganz auf unseren Sport konzentrieren. In Tokio werden wir in einer Blase leben und nur zwischen olympischem Dorf und dem Reitstadion pendeln. Auch darauf muss man gefasst sein", sagt Engemann.

Von den weiteren Umständen in Tokio hat er sich bereits berichten lassen: „Die deutschen Dressurreiter mussten bei der Ankunft siebeneinhalb Stunden Einreiseformalitäten über sich ergehen lassen. Dazu wird es tägliche PCR-Tests geben. Und selbst beim Essen ist man von seinem Gegenüber durch eine Glasscheibe getrennt."

Wiederkommen ins ländliche Ostwestfalen und Porta Westfalica möchte Teran Tafur auf jeden Fall, am besten mit einer Medaille. Denn Zeit, um sich hier in der Region umzuschauen, hatte er nicht, dafür war die Zeit zu kurz. „Einen kleinen Abstecher haben wir nach Rinteln gemacht in eine Bodega", sagt Engemann, der seinem Schützling damit heimatliches Flair bot. Denn ab kommenden Samstag geht es von Aachen, dem Quarantäne-Standortort, nach Lüttich und von dort nach Tokio in eine ganz andere Olympia-Welt.

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