Ein Facharzt macht Mut: So kann regelmäßiger Sport Krebserkrankungen vorbeugen Astrid Plaßhenrich Minden. Dr. Parvis Sadjadian hat sich bewusst für die Onkologie entschieden. Davor war der Mindener bereits Facharzt für Innere Medizin. „Onkologie ist aber das medizinische Fachgebiet, in dem die Forschung in den vergangenen Jahren auf höchstem Niveau in unverminderter Geschwindigkeit vorangetrieben wird und Fortschritte erzielt werden. Die Heilungschancen steigen immer weiter an“, sagt der Oberarzt des Johannes Wesling Klinikums. Das treibt ihn an. Ein Themengebiet, das immer zentrierter in den Blickpunkt der Forschung fällt, ist das Zusammenspiel von Sport und Krebserkrankungen. „Es ist ein noch recht junges Feld, das in der Therapie aber einen immer wichtigeren Teil einnimmt“, erklärt Sadjadian. Deshalb setzt sich das MT mit diesem komplexen Themengebiet auseinander. Der erste Teil beleuchtet, wie Sport Krebserkrankungen vorbeugen kann. Sadjadians Wechsel vor etwa 20 Jahren in Onkologie war und ist eine Herzensangelegenheit. Das merkt jeder, der mit ihm spricht. „Natürlich gehen mir einzelne Schicksale sehr nah“, sagt der Mediziner. Das sei vor allem immer dann der Fall, wenn Kinder gegen den Krebs kämpfen oder junge Mütter und Väter. Trotzdem bleibe die professionelle Distanz oberstes Gebot. Anders geht es nicht. Die Forschungsarbeiten, die sich mit Sport und Krebs beschäftigen, beobachtet der Onkologe mit Interesse, er liest viel. „Die Erkenntnisse wachsen, doch Vieles ist auch noch unbekannt“, sagt Sadjadian. Fest steht: Wer regelmäßig Sport treibt, beugt einer Krebserkrankung vor. Klinische Studien belegen, dass sportlich aktive Menschen um bis zu 30 Prozent das Risiko, an Krebs zu erkranken, senken. Hinzu kommt, dass Patienten, die vorher regelmäßig Sport getrieben haben und dennoch eine Krebsdiagnose erhalten, nachweislich ihr Rückfallrisiko verringern. Allerdings ist bislang noch nicht sicher geklärt, warum sportliche Aktivität einen direkten Einfluss auf Krebs hat. Das hat seine Gründe: Einer liegt darin, dass der Wachstum von Tumoren vielschichtigen Prozessen unterliegt. Da Bewegung allerdings nahezu alle Organsysteme anregt und auch das Gehirn positiv beeinflusst, wirkt sich dies auch auf die der Krebsentstehung zugrunde liegenden Faktoren aus. So wird die Durchblutung des gesamten Körpers gefördert, was wiederum den Krebszellen das Überleben erschwert. Zusätzlich sind die Krebszellen in ihrem Wachstum auf die Abbauprodukte von Glukose angewiesen, welche bei sportlicher Betätigung vermehrt abgebaut werden. „Sport hilft auch, Übergewicht zu vermeiden“, sagt Sadjadian, der selbst mehr als 35 Jahre Handball beim VfB Holzhausen II gespielt hat. In naher Zukunft wird Fettleibigkeit das Rauchen als Hauptursache für Krebs ablösen, da der Tabakkonsum sinkt, die Zahl übergewichtiger Menschen aber zunimmt. Der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs wurde für verschiedene Krebsarten bereits bestätigt: Darunter fallen Speiseröhrenkrebs, Dick- und Enddarmkrebs und Nierenkrebs bei beiden Geschlechtern sowie Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Gallenblasenkrebs bei Frauen. Dazu betont der Oberarzt, dass Sport positive Effekte auf die Psyche hat, die sich auf das Immunsystem niederschlagen. „Das ist nicht zu unterschätzen“, sagt der Onkologe. Weitere Mechanismen kommen hinzu: Durch das Anregen des Stoffwechsels wird beispielsweise die Kontaktzeit möglicher krebserregender Stoffe in Magen und Darm verkürzt. Zudem haben Sportler häufig eine gesündere Lebensweise: Oft wird auf übermäßigen Alkohol- oder Nikotinkonsum verzichtet. Auch die eigene Körperwahrnehmung verändert sich und wird bewusster, so dass negative Veränderungen häufig in einem früheren Stadium der Krebserkrankung wahrgenommen werden und somit einen früheren Therapiestart ermöglichen. Ein Beispiel dafür ist der typische Gewichtsverlust in den ersten sechs Monaten der Krebserkrankung. Die offizielle Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO lautet für gesunde Erwachsene, ein Trainingspensum von mindestens 150 Minuten pro Woche zu absolvieren. „Vor allem Ausdauertraining ist zu empfehlen – sei es Joggen, Radfahren, Schwimmen oder Walken. Hauptsache man ist moderat in Bewegung“, sagt Sadjadian.

Ein Facharzt macht Mut: So kann regelmäßiger Sport Krebserkrankungen vorbeugen

Zu wenig Sport und Bewegung ist ein führender Risikofaktor für Krankheiten wie Krebs. Ein Erwachsener sollte nach Angaben der WHO pro Woche mindestens 150 Minuten Sport mit moderater Intensität betreiben, etwa Joggen oder Radfahren Foto: Cavan Images/imago © imago images/Cavan Images

Minden. Dr. Parvis Sadjadian hat sich bewusst für die Onkologie entschieden. Davor war der Mindener bereits Facharzt für Innere Medizin. „Onkologie ist aber das medizinische Fachgebiet, in dem die Forschung in den vergangenen Jahren auf höchstem Niveau in unverminderter Geschwindigkeit vorangetrieben wird und Fortschritte erzielt werden. Die Heilungschancen steigen immer weiter an“, sagt der Oberarzt des Johannes Wesling Klinikums. Das treibt ihn an. Ein Themengebiet, das immer zentrierter in den Blickpunkt der Forschung fällt, ist das Zusammenspiel von Sport und Krebserkrankungen. „Es ist ein noch recht junges Feld, das in der Therapie aber einen immer wichtigeren Teil einnimmt“, erklärt Sadjadian. Deshalb setzt sich das MT mit diesem komplexen Themengebiet auseinander. Der erste Teil beleuchtet, wie Sport Krebserkrankungen vorbeugen kann.

Sadjadians Wechsel vor etwa 20 Jahren in Onkologie war und ist eine Herzensangelegenheit. Das merkt jeder, der mit ihm spricht. „Natürlich gehen mir einzelne Schicksale sehr nah“, sagt der Mediziner. Das sei vor allem immer dann der Fall, wenn Kinder gegen den Krebs kämpfen oder junge Mütter und Väter. Trotzdem bleibe die professionelle Distanz oberstes Gebot. Anders geht es nicht.

Onkologe Dr. Parvis Sadjadian.

Foto: Mühlenkreiskliniken - © Mühlenkreiskliniken
Onkologe Dr. Parvis Sadjadian.
Foto: Mühlenkreiskliniken - © Mühlenkreiskliniken

Die Forschungsarbeiten, die sich mit Sport und Krebs beschäftigen, beobachtet der Onkologe mit Interesse, er liest viel. „Die Erkenntnisse wachsen, doch Vieles ist auch noch unbekannt“, sagt Sadjadian. Fest steht: Wer regelmäßig Sport treibt, beugt einer Krebserkrankung vor. Klinische Studien belegen, dass sportlich aktive Menschen um bis zu 30 Prozent das Risiko, an Krebs zu erkranken, senken. Hinzu kommt, dass Patienten, die vorher regelmäßig Sport getrieben haben und dennoch eine Krebsdiagnose erhalten, nachweislich ihr Rückfallrisiko verringern.

Allerdings ist bislang noch nicht sicher geklärt, warum sportliche Aktivität einen direkten Einfluss auf Krebs hat. Das hat seine Gründe: Einer liegt darin, dass der Wachstum von Tumoren vielschichtigen Prozessen unterliegt. Da Bewegung allerdings nahezu alle Organsysteme anregt und auch das Gehirn positiv beeinflusst, wirkt sich dies auch auf die der Krebsentstehung zugrunde liegenden Faktoren aus. So wird die Durchblutung des gesamten Körpers gefördert, was wiederum den Krebszellen das Überleben erschwert. Zusätzlich sind die Krebszellen in ihrem Wachstum auf die Abbauprodukte von Glukose angewiesen, welche bei sportlicher Betätigung vermehrt abgebaut werden.

„Sport hilft auch, Übergewicht zu vermeiden“, sagt Sadjadian, der selbst mehr als 35 Jahre Handball beim VfB Holzhausen II gespielt hat. In naher Zukunft wird Fettleibigkeit das Rauchen als Hauptursache für Krebs ablösen, da der Tabakkonsum sinkt, die Zahl übergewichtiger Menschen aber zunimmt. Der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs wurde für verschiedene Krebsarten bereits bestätigt: Darunter fallen Speiseröhrenkrebs, Dick- und Enddarmkrebs und Nierenkrebs bei beiden Geschlechtern sowie Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Gallenblasenkrebs bei Frauen. Dazu betont der Oberarzt, dass Sport positive Effekte auf die Psyche hat, die sich auf das Immunsystem niederschlagen. „Das ist nicht zu unterschätzen“, sagt der Onkologe. Weitere Mechanismen kommen hinzu: Durch das Anregen des Stoffwechsels wird beispielsweise die Kontaktzeit möglicher krebserregender Stoffe in Magen und Darm verkürzt.

Zudem haben Sportler häufig eine gesündere Lebensweise: Oft wird auf übermäßigen Alkohol- oder Nikotinkonsum verzichtet. Auch die eigene Körperwahrnehmung verändert sich und wird bewusster, so dass negative Veränderungen häufig in einem früheren Stadium der Krebserkrankung wahrgenommen werden und somit einen früheren Therapiestart ermöglichen. Ein Beispiel dafür ist der typische Gewichtsverlust in den ersten sechs Monaten der Krebserkrankung.

Die offizielle Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO lautet für gesunde Erwachsene, ein Trainingspensum von mindestens 150 Minuten pro Woche zu absolvieren. „Vor allem Ausdauertraining ist zu empfehlen – sei es Joggen, Radfahren, Schwimmen oder Walken. Hauptsache man ist moderat in Bewegung“, sagt Sadjadian.

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