Diese Mindenerin lässt es krachen - Susanne Bäumer und ihre Leidenschaft fürs Schießen Fabian Terwey Minden. Im Handumdrehen hat Susanne Bäumer die Waffe geladen. Das Schwarzpulver ist eingefüllt, die Kugel im Lauf. Nach kurzem Innehalten schießt plötzlich ein Feuerstrahl aus der Pistole. Der gut gepolsterte Gehörschutz dämpft den lauten Knall. Die kleine Rauchwolke löst sich schnell wieder in Luft auf. Der freiwerdende Blick auf die Zielscheibe verrät: Dieser Schuss war ein Volltreffer. „Der Geruch macht süchtig. Das erinnert mich an die Silvester-Böller von früher“, sagt die 49-Jährige am Schießstand des Schützenvereins Barkhausen Porta. Der ist zu ihrem zweiten Zuhause geworden. Seit 15 Jahren übt die Wahl-Mindenerin den Sport mit der traditionellen Perkussionspistole aus und hat darin bereits Bronze bei der Deutschen Meisterschaft gewonnen. „Ich kann nicht stricken, ich kann nicht kochen, ich kann nicht nähen. Das Einzige, was ich kann, ist Schießen“, lacht Susanne Bäumer. Schon früh entwickelte sie die Leidenschaft dafür. Vorbilder wie Winnetou aus den bekannten Western-Spielfilmen brauchte es dafür nicht. „Einen Auslöser kann ich nicht benennen, ich hatte einfach schon immer sehr starkes Interesse an dem Sport. Meine Eltern haben es mir aber verboten. Stattdessen habe ich dann Fußball gespielt.“ Erst ein Ortswechsel brachte sie dann doch zum Schießen: „Wegen der Liebe bin ich von Bielefeld nach Minden gezogen. Bei meinen Schwiegereltern bin ich über eine uralte Luftpistole gestolpert.“ Nach ihrer Kündigung war die Medizinische Fachangestellte gerade für ein Dreivierteljahr arbeitslos gewesen. „Mir war langweilig, also habe ich die Zeit genutzt und mir einen Schützenverein gesucht.“ Im April gerade erst beim SV Minderheide angefangen, gewann sie im Oktober 2005 schon die Mindener Stadtmeisterschaft ihrer Altersklasse mit der Luftpistole. „Nach Barkhausen bin ich nach ein paar Jahren gewechselt. Wegen des größeren Angebots an Disziplinen. Der Verein stellt Waffen zur Verfügung. Hier kann ich mich besser entwickeln“, erklärt Bäumer. Mit aktuell 283 Mitgliedern ist der SV Barkhausen Porta größter Schützenverein im Kreis. Bäumers Schützenkollegin Inga Werth erklärt: „Hier hat man mit Jung und Alt zu tun.“ Auch für Kinder ab acht Jahren sei Schießen ein toller Sport, meint Bäumer: „Ein Zappelphilipp muss sich hier konzentrieren und kommt so zur Ruhe. Viele Eltern scheuen sich, aber der Sport hat nichts mit Gewalt zu tun.“ Der stellvertretende Vorsitzende und Jugendwart Jörg Friedland berichtet: „Aktuell schießen bei uns 22 Jugendliche. Und jedes Jahr sind wir bei den Deutschen Meisterschaften mit zehn Schützen vertreten.“ Für das Schießen mit der Perkussionspistole, deren Entwicklungsende aus dem Jahr 1860 datiert, ist zuvor ein Kurs abzulegen, andere Disziplinen erfordern dagegen einen Waffenschein. Gefordert sind Körperspannung, Konzentration und Technik. Ein Wettkampf mit bis zu 70 Schuss kann eine Stunde dauern. „Schießen ist ein echter Sport“, sagt Susanne Bäumer: „Die Anstrengung ist nur von außen nicht erkennbar. Bei Bodybuildern sieht man die Muskeln, bei mir vielleicht nur das Bäuchlein.“ Als Frau gehört sie zur Minderheit im Verein, unter den Perkussionsschützen ist sie gar die einzige. Der Weg zur DM 2019 war trotzdem ein harter. Erst über Erfolge und erfüllte Ringvorgaben bei der Vereins-, Bezirks- und Landesmeisterschaft konnte es für Susanne Bäumer gemeinsam mit rund 60 Konkurrentinnen zum Austragungsort nach Pforzheim gehen. Dort schoss sie mit 133 Ring über die Distanz von 25 Metern nur einen Ring weniger als die Deutsche Meisterin. Coronabedingt fällt die diesjährige Deutsche Meisterschaft aus. „Wie es weitergeht, ist noch nicht ganz klar. Fest steht aber, dass ich den Ehrgeiz habe, mich wieder für Pforzheim zu qualifizieren“, sagt Susanne Bäumer. Jörg Friedland erklärt: „Als Verein sind wir immer enorm stolz darauf, wenn unsere Schützen Erfolge feiern. Mit Jürgen Bödeker hatten wir zudem jemanden bei den Deutschen Meisterschaften, der sich gleich in mehreren Disziplinen qualifiziert hat.“ Susanne Bäumer kommentiert: „Das ist eine besonders bemerkenswerte Leistung.“ Sie mag es aber vornehmlich, wenn die Perkussionspistole knallt.

Diese Mindenerin lässt es krachen - Susanne Bäumer und ihre Leidenschaft fürs Schießen

Hier knallt's: Susanne Bäumer demonstriert am Schießstand des Schützenvereins Barkhausen Porta ihr Können an der Perkussionspistole. © MT-Foto: Fabian Terwey

Minden. Im Handumdrehen hat Susanne Bäumer die Waffe geladen. Das Schwarzpulver ist eingefüllt, die Kugel im Lauf. Nach kurzem Innehalten schießt plötzlich ein Feuerstrahl aus der Pistole. Der gut gepolsterte Gehörschutz dämpft den lauten Knall. Die kleine Rauchwolke löst sich schnell wieder in Luft auf. Der freiwerdende Blick auf die Zielscheibe verrät: Dieser Schuss war ein Volltreffer. „Der Geruch macht süchtig. Das erinnert mich an die Silvester-Böller von früher“, sagt die 49-Jährige am Schießstand des Schützenvereins Barkhausen Porta. Der ist zu ihrem zweiten Zuhause geworden. Seit 15 Jahren übt die Wahl-Mindenerin den Sport mit der traditionellen Perkussionspistole aus und hat darin bereits Bronze bei der Deutschen Meisterschaft gewonnen.

„Ich kann nicht stricken, ich kann nicht kochen, ich kann nicht nähen. Das Einzige, was ich kann, ist Schießen“, lacht Susanne Bäumer. Schon früh entwickelte sie die Leidenschaft dafür. Vorbilder wie Winnetou aus den bekannten Western-Spielfilmen brauchte es dafür nicht. „Einen Auslöser kann ich nicht benennen, ich hatte einfach schon immer sehr starkes Interesse an dem Sport. Meine Eltern haben es mir aber verboten. Stattdessen habe ich dann Fußball gespielt.“ Erst ein Ortswechsel brachte sie dann doch zum Schießen: „Wegen der Liebe bin ich von Bielefeld nach Minden gezogen. Bei meinen Schwiegereltern bin ich über eine uralte Luftpistole gestolpert.“ Nach ihrer Kündigung war die Medizinische Fachangestellte gerade für ein Dreivierteljahr arbeitslos gewesen. „Mir war langweilig, also habe ich die Zeit genutzt und mir einen Schützenverein gesucht.“ Im April gerade erst beim SV Minderheide angefangen, gewann sie im Oktober 2005 schon die Mindener Stadtmeisterschaft ihrer Altersklasse mit der Luftpistole.

Freude am Schießen: Susanne Bäumer lädt ihre Waffe. - © MT-Foto: Fabian Terwey
Freude am Schießen: Susanne Bäumer lädt ihre Waffe. - © MT-Foto: Fabian Terwey

„Nach Barkhausen bin ich nach ein paar Jahren gewechselt. Wegen des größeren Angebots an Disziplinen. Der Verein stellt Waffen zur Verfügung. Hier kann ich mich besser entwickeln“, erklärt Bäumer. Mit aktuell 283 Mitgliedern ist der SV Barkhausen Porta größter Schützenverein im Kreis. Bäumers Schützenkollegin Inga Werth erklärt: „Hier hat man mit Jung und Alt zu tun.“ Auch für Kinder ab acht Jahren sei Schießen ein toller Sport, meint Bäumer: „Ein Zappelphilipp muss sich hier konzentrieren und kommt so zur Ruhe. Viele Eltern scheuen sich, aber der Sport hat nichts mit Gewalt zu tun.“ Der stellvertretende Vorsitzende und Jugendwart Jörg Friedland berichtet: „Aktuell schießen bei uns 22 Jugendliche. Und jedes Jahr sind wir bei den Deutschen Meisterschaften mit zehn Schützen vertreten.“ Für das Schießen mit der Perkussionspistole, deren Entwicklungsende aus dem Jahr 1860 datiert, ist zuvor ein Kurs abzulegen, andere Disziplinen erfordern dagegen einen Waffenschein.

Vor den Klubpokalen des Schützenvereins Barkhausen Porta: Susanne Bäumer steuerte DM-Bronze bei. - © MT-Foto: Fabian Terwey
Vor den Klubpokalen des Schützenvereins Barkhausen Porta: Susanne Bäumer steuerte DM-Bronze bei. - © MT-Foto: Fabian Terwey

Gefordert sind Körperspannung, Konzentration und Technik. Ein Wettkampf mit bis zu 70 Schuss kann eine Stunde dauern. „Schießen ist ein echter Sport“, sagt Susanne Bäumer: „Die Anstrengung ist nur von außen nicht erkennbar. Bei Bodybuildern sieht man die Muskeln, bei mir vielleicht nur das Bäuchlein.“ Als Frau gehört sie zur Minderheit im Verein, unter den Perkussionsschützen ist sie gar die einzige. Der Weg zur DM 2019 war trotzdem ein harter. Erst über Erfolge und erfüllte Ringvorgaben bei der Vereins-, Bezirks- und Landesmeisterschaft konnte es für Susanne Bäumer gemeinsam mit rund 60 Konkurrentinnen zum Austragungsort nach Pforzheim gehen. Dort schoss sie mit 133 Ring über die Distanz von 25 Metern nur einen Ring weniger als die Deutsche Meisterin. Coronabedingt fällt die diesjährige Deutsche Meisterschaft aus. „Wie es weitergeht, ist noch nicht ganz klar. Fest steht aber, dass ich den Ehrgeiz habe, mich wieder für Pforzheim zu qualifizieren“, sagt Susanne Bäumer. Jörg Friedland erklärt: „Als Verein sind wir immer enorm stolz darauf, wenn unsere Schützen Erfolge feiern. Mit Jürgen Bödeker hatten wir zudem jemanden bei den Deutschen Meisterschaften, der sich gleich in mehreren Disziplinen qualifiziert hat.“ Susanne Bäumer kommentiert: „Das ist eine besonders bemerkenswerte Leistung.“ Sie mag es aber vornehmlich, wenn die Perkussionspistole knallt.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Sportmix