„Das war‘s dann!“: Rollstuhlbasketballer der Baskets 96 Rahden lösen Verein auf Ingo Notz Rahden. Eine Erfolgsgeschichte mit nationaler und internationaler Strahlkraft ist jetzt mit einem Knalleffekt zu Ende gegangen. Die Baskets 96 Rahden, einer der erfolgreichsten Rollstuhlbasketball-Vereine Europas, haben sich aufgelöst. Vom sportlichen Lebenswerk des Vereinsvorsitzenden Stephan Rehling bleibt angesichts großer finanzieller Sorgen ein Trümmerfeld – und die juristische Aufarbeitung hat gerade erst begonnen.Im Frühjahr waren die Baskets als Halbfinalist der Deutschen Meisterschaften und als Siebter des europäischen Champions Cups auf dem sportlichen Höhepunkt. Gleichwohl: Im Hintergrund gärte es schon länger. Abseits des Basketballfeldes häuften sich mit der Schließung der Vereinskneipe die Probleme, die mit der Herz-Operation des Machers Stephan Rehling nach Saisonende zeigten, wie zerbrechlich das gesamte Konstrukt der Baskets war. „Es ist eingetreten, was wir befürchtet hatten... Dank unserer Steuerberatung, die versäumt hat, für fünf Jahre Steuererklärungen abzugeben!“, fing Rehling die Hiobsbotschaft an. „Wir haben zwar noch kein offizielles Schreiben vom Finanzamt, aber wir müssen damit rechnen, für fünf Jahre Steuernachzahlungen leisten zu müssen!“ Eine Teilschuld an diesem Desaster schob Rehling der ehemaligen Steuerberatung des Vereins zu: „Die hat uns eine Rechnung geschickt, eine betriebswirtschaftliche Auflistung kann sie uns aber nicht geben. Sie hat ihr Mandat mittlerweile niedergelegt.“Die auf die Baskets zukommenden Forderungen resultieren zu einem großen Teil aus drei Punkten: den Lohnkosten für die Spieler, geldwerten Vorteilen wie Wohnungen für die Spieler und aus den Umsätzen der vereinseigenen Baskets-Kneipe „Auszeit“, die erst vor wenigen Wochen geschlossen werden musste. Die Rettungsmöglichkeit für den Spielbetrieb: Die Rahdener hätten den Verein auflösen und über eine externe Spielbetriebs-Gesellschaft und mit einem neuen Verein als Basis den Rollstuhlbasketball-Sport in der Auestadt oder an einem anderen Standort im Mühlenkreis weiterführen können: „Beim TuS Nettelstedt ist es damals ähnlich gewesen“, erinnerte Holger Lindemann an den Transfer des TuS Nettelstedt in die Spielbetriebsgesellschaft, die seit 20 Jahren als TuS N-Lübbecke hochklassigen Handballsport anbietet. Die finanziellen Probleme seien zu spät aufgefallen: „Wir hätten merken müssen, dass wir nichts unterschrieben haben und die Steuerberatung uns nichts vorgelegt hat“, sagt Rehling den Mitgliedern im Rahdener Sportheim und übernahm dafür mit Holger Lindemann die volle Verantwortung. Dabei versicherte Lindemann, dass es sich bei den Vorgängen nicht um Betrug gehandelt habe: „Die Buchführung war schlecht, aber es wurde nichts hinterzogen, es hat sich hier keiner bereichert.“ Die entstandenen Probleme seien aber so erdrückend geworden, dass sich der Vorstand nach einem gescheiterten Aufruf innerhalb des Vereins, den Neustart auf mehrere Schultern zu verteilen, zu dem letzten drastischen Schritt entschlossen habe: die Auflösung der Baskets 96 zu beantragen. „Für uns ist klar, dass an den Verein ein Haken gemacht werden muss“, sagte Holger Lindemann. Auf der Suche nach Hilfe beklagten die Baskets in Person von Stephan Rehling nicht erst jetzt, sondern schon seit Jahren, dass die Rollstuhlsportler von der Politik und dem Stadtsportverband im Stich gelassen würden und fast allen Vereinen ein Dorn im Auge seien. Beispiele für seine Sichtweise der Umstände nannte Rehling, unter anderem mit den zusätzlichen Hallenzeiten in den frühen Morgenstunden. Kommunikationsprobleme soll es auch mit der örtlichen Politik gegeben haben. Bezeichnend: Die eigentlich vertraulichen Gedanken, den Verein ohne Ersatz aufzulösen, hatten schon vor der Versammlung die Runde gemacht. Die Folge: Etliche Spieler haben bereits bei anderen Vereinen unterschrieben. „Es tut mir in der Seele weh, den Verein zu schließen – aber nach meiner Herz-Operation bin ich nicht mehr bereit, so viel Zeit zu opfern. Wir müssen nun sehen, wie wir die Sache mit Hilfe eines Insolvenzverwalters abgewickelt kriegen.“ Mit 15 Ja-Stimmen wurde die Auflösung der Baskets 96 Rahden einstimmig beschlossen. Das Ende einer Ära, das Ende des Leistungssports in Rahden! Das Ende der Baskets-Vereinsgeschichte ist der Anfang der juristischen Aufarbeitung. Mit unübersehbarer Wehmut packte Rehling seinen Koffer und rollte Richtung Ausgang des Sportheims: „Ich wünsche allen viel Erfolg. Wir sehen uns – irgendwo!“

„Das war‘s dann!“: Rollstuhlbasketballer der Baskets 96 Rahden lösen Verein auf

Rahden. Eine Erfolgsgeschichte mit nationaler und internationaler Strahlkraft ist jetzt mit einem Knalleffekt zu Ende gegangen. Die Baskets 96 Rahden, einer der erfolgreichsten Rollstuhlbasketball-Vereine Europas, haben sich aufgelöst. Vom sportlichen Lebenswerk des Vereinsvorsitzenden Stephan Rehling bleibt angesichts großer finanzieller Sorgen ein Trümmerfeld – und die juristische Aufarbeitung hat gerade erst begonnen.Im Frühjahr waren die Baskets als Halbfinalist der Deutschen Meisterschaften und als Siebter des europäischen Champions Cups auf dem sportlichen Höhepunkt. Gleichwohl: Im Hintergrund gärte es schon länger. Abseits des Basketballfeldes häuften sich mit der Schließung der Vereinskneipe die Probleme, die mit der Herz-Operation des Machers Stephan Rehling nach Saisonende zeigten, wie zerbrechlich das gesamte Konstrukt der Baskets war.

Ende des Rollbasketballs in Rahden - © Ingo Notz
Ende des Rollbasketballs in Rahden - © Ingo Notz

„Es ist eingetreten, was wir befürchtet hatten... Dank unserer Steuerberatung, die versäumt hat, für fünf Jahre Steuererklärungen abzugeben!“, fing Rehling die Hiobsbotschaft an. „Wir haben zwar noch kein offizielles Schreiben vom Finanzamt, aber wir müssen damit rechnen, für fünf Jahre Steuernachzahlungen leisten zu müssen!“ Eine Teilschuld an diesem Desaster schob Rehling der ehemaligen Steuerberatung des Vereins zu: „Die hat uns eine Rechnung geschickt, eine betriebswirtschaftliche Auflistung kann sie uns aber nicht geben. Sie hat ihr Mandat mittlerweile niedergelegt.“Die auf die Baskets zukommenden Forderungen resultieren zu einem großen Teil aus drei Punkten: den Lohnkosten für die Spieler, geldwerten Vorteilen wie Wohnungen für die Spieler und aus den Umsätzen der vereinseigenen Baskets-Kneipe „Auszeit“, die erst vor wenigen Wochen geschlossen werden musste.

Rollstuhlbasketball Rahden Abscheid von den Fans - © Ingo Notz
Rollstuhlbasketball Rahden Abscheid von den Fans - © Ingo Notz

Die Rettungsmöglichkeit für den Spielbetrieb: Die Rahdener hätten den Verein auflösen und über eine externe Spielbetriebs-Gesellschaft und mit einem neuen Verein als Basis den Rollstuhlbasketball-Sport in der Auestadt oder an einem anderen Standort im Mühlenkreis weiterführen können: „Beim TuS Nettelstedt ist es damals ähnlich gewesen“, erinnerte Holger Lindemann an den Transfer des TuS Nettelstedt in die Spielbetriebsgesellschaft, die seit 20 Jahren als TuS N-Lübbecke hochklassigen Handballsport anbietet.

Die finanziellen Probleme seien zu spät aufgefallen: „Wir hätten merken müssen, dass wir nichts unterschrieben haben und die Steuerberatung uns nichts vorgelegt hat“, sagt Rehling den Mitgliedern im Rahdener Sportheim und übernahm dafür mit Holger Lindemann die volle Verantwortung. Dabei versicherte Lindemann, dass es sich bei den Vorgängen nicht um Betrug gehandelt habe: „Die Buchführung war schlecht, aber es wurde nichts hinterzogen, es hat sich hier keiner bereichert.“

Die entstandenen Probleme seien aber so erdrückend geworden, dass sich der Vorstand nach einem gescheiterten Aufruf innerhalb des Vereins, den Neustart auf mehrere Schultern zu verteilen, zu dem letzten drastischen Schritt entschlossen habe: die Auflösung der Baskets 96 zu beantragen. „Für uns ist klar, dass an den Verein ein Haken gemacht werden muss“, sagte Holger Lindemann. Auf der Suche nach Hilfe beklagten die Baskets in Person von Stephan Rehling nicht erst jetzt, sondern schon seit Jahren, dass die Rollstuhlsportler von der Politik und dem Stadtsportverband im Stich gelassen würden und fast allen Vereinen ein Dorn im Auge seien.

Beispiele für seine Sichtweise der Umstände nannte Rehling, unter anderem mit den zusätzlichen Hallenzeiten in den frühen Morgenstunden. Kommunikationsprobleme soll es auch mit der örtlichen Politik gegeben haben. Bezeichnend: Die eigentlich vertraulichen Gedanken, den Verein ohne Ersatz aufzulösen, hatten schon vor der Versammlung die Runde gemacht. Die Folge: Etliche Spieler haben bereits bei anderen Vereinen unterschrieben. „Es tut mir in der Seele weh, den Verein zu schließen – aber nach meiner Herz-Operation bin ich nicht mehr bereit, so viel Zeit zu opfern. Wir müssen nun sehen, wie wir die Sache mit Hilfe eines Insolvenzverwalters abgewickelt kriegen.“

Mit 15 Ja-Stimmen wurde die Auflösung der Baskets 96 Rahden einstimmig beschlossen. Das Ende einer Ära, das Ende des Leistungssports in Rahden! Das Ende der Baskets-Vereinsgeschichte ist der Anfang der juristischen Aufarbeitung. Mit unübersehbarer Wehmut packte Rehling seinen Koffer und rollte Richtung Ausgang des Sportheims: „Ich wünsche allen viel Erfolg. Wir sehen uns – irgendwo!“

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