Corona spielt wieder mit: Maskenpflicht oder 2G als Ausschlusskriterium - die vierte Welle stellt dem Sport neue Aufgaben Marcus Riechmann,Jörg Wehling Minden. Wie die gesamte Gesellschaft ist auch der Sport gefangen in einer Zeitschleife. Wie bei jeder vorangegangenen Corona-Krisenlage rollt sich auch mit der vierten Welle für die Verantwortliche in den Vereinen ein ganzer Katalog an Sorgen und Fragen aus: Was dürfen wir noch anbieten? Welche Maßnahmen müssen wir treffen? Müssen wir Plätze und Hallen schließen? Klar ist seit der Konferenz der Ministerpräsidenten: Maßstab des Handelns wird nicht länger die Inzidenz sondern die Hospitalisierungsrate sein. Sie definiert, ob 3G, 2G oder 2GPlus angewendet werden, ob also Ungeimpfte noch am gesellschaftlichen Leben und damit auch am Sport teilnehmen dürfen und auch, ob die Maskenpflicht wieder verschärft wird oder gar Teil-Lockdowns verhängt werden. Wie die bundespolitischen Vorgaben in konkrete Rechtsnormen gegossen werden, wird erst die nächste Corona-Schutzverordnung des Landes NRW offenbaren. Der Landessportbund Nordrhein-Westfalen (LSB) appelliert an die Politik, keine pauschalen Schließungen von Spiel- und Sportstätten vorzunehmen. „Der Sport in unseren 18.000 Sportvereinen trägt maßgeblich zur Gesunderhaltung der Menschen bei", sagt LSB-Präsident Stefan Klett: „Mehr als eine 3G-Regel für aktives Sporttreiben draußen und 2G für drinnen lehnen wir deshalb ab." Der LSB fordert: „Kinder und Jugendliche haben unter den Einschränkungen besonders gelitten. Sie haben ein Recht auf Bewegung und sollten bei allen etwaigen Einschränkungen privilegiert werden." Dieser Haltung schließt sich auch Helmut Schemmann an. „Ich bin optimistisch, dass es jedenfalls für Kinder und Jugendliche nicht zu einem erneuten Lockdown kommen wird", sagt der Geschäftsführer des Kreissportbundes Minden-Lübbecke, doch er ist vorsichtig: „Es ist vieles offen, ich wage keine Prognose." In der krisenhaften Zeit setzt er auf die Stärke der Vereine. „Die Vereine haben in den vergangenen Monaten bereits erprobte Lösungen gefunden, auch, um Zuschauern sicher den Besuch zu ermögliche. Das ist natürlich alles lästig, aber es stehen Systeme bereit", sieht er die Klubs gut aufgestellt. Großen Beratungsbedarf in der KSB-Geschäftsstelle in Petershagen erwartet er zunächst nicht. „Die Einführung des letzten Lockdowns war kein Problem", berichtet er von der Erfahrung der zurückliegenden eineinhalb Jahre, „aber die Rückkehr zum Sport, die Wiedereröffnung hat viele Fragen aufgeworfen. Was darf ich tun? Wann und wie? Da haben wir eine Menge Gespräche geführt." Der Handball-Westfalen hat sein Testkonzept den Änderungen der Corona-Schutzverordnung angepasst. Modifiziert wurde der Punkt Zeitpunkt der Tests. So sind am Spieltag alle aktiv Spielbeteiligte, die weder den Nachweis „vollständig geimpft" oder „genesen" nachweisen können, weniger als 24 Stunden vor dem erwarteten Spielende (geplante Anwurfzeit plus 2 Stunden) zu testen. Ausgenommen hiervon sind Schülerinnen und Schüler, die an den verbindlichen Schultestungen teilgenommen haben. Andreas Tiemann, Chef der Technischen Kommission im Handball-Verband Westfalen, glaubt auch nicht, dass in Westfalen der Spielbetrieb komplett eingestellt wird, so wie es der Verband im schwer betroffenen Sachsen bereits getan hat. „Wenn unter 2G-Bedingungen gespielt werden soll, dann machen wir das. Ich sehe auch keinen Grund dafür, etwas anderes zu unternehmen. Wir haben im Handball eine Impfquote von 95 Prozent." Gleiches gilt auch nach seiner Einschätzung für den Spieltrieb im Bereich des Deutschen Handball-Bundes, also ab der 3. Liga aufwärts – mit einer Einschränkung: „Es sei denn, die Politik macht uns einen Strich durch die Rechnung." 2G bedeutet klar: Für Ungeimpfte ist die Tür zu. Das wird Sportler treffen, aber auch Trainer. Vor allem fehlende Übungsleiter könnten die Vereine in Schwierigkeiten bringen. Die Rückmeldungen aus mehreren Handballteams im Mindener Land war jedoch hoffnungsvoll: „Bei uns sind alle geimpft", berichteten mehre Trainer übereinstimmend. Folgen hat die vierte Welle auf jeden Fall für die Sportfans. Vor allem größere Zusammenkünfte von Menschen stehen im Blick der Politik. In der Handball-Bundesliga fürchten die Manager die Rückkehr der Geisterspiele. „Wenn die Zahlen sich so weiterentwickeln, wird das sicher ein Tema werden", sorgt sich Markus Kalusche. Der Geschäftsführer des Bundesligisten GWD Minden hat sich ebenso wie sein Kollege Torsten Appel beim TuS N-Lübbecke bereits für die Rückkehr der Maskenpflicht für alle Zuschauer im gesamten Innenraum entschieden. „Wir werden das bereits im Heimspiel gegen den SC Magdeburg wieder einführen", sagt Kalusche. Beim TuS gilt die Maskenpflicht vom nächsten Heimspiel an gegen den HSV Hamburg (Donnerstag, 25. November). „Es ist das Gebot der Stunde, dass wir als Verein auf diese Entwicklung schnell reagieren. Wir stehen in der Verantwortung für die Zuschauer", sagt der Lübbecker Appel. Beide Klubs haben die Änderung zusammen mit Dr. Peter Witte, dem Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene in am Minden Johannes-Wesling-Klinikum, beschlossen. Offen ist noch, ab es bei der längst etablierten 2G-Regel bleiben kann, oder ob die hohe Hospitalisierungsrate in Minden-Lübbecke den Besuch in der Kampa-Halle unter die 2G-Plus-Regel stellt und damit auch geimpfte Zuschauer einen negativen Test vorweisen müssen. Kommentar von Marcus Riechmann Im Sport stimmt die Quote Die vierte Welle schwappt über das Land und sie sorgt auch im Sport für nasse Füße, jedenfalls für kalte. Die Lage ist wohl klar: Je bedrohlicher die Hospitalisierungsrate, desto stärker werden die Einschränkungen treffen, desto weniger wird es bei 2G bleiben. Auch das ist wohl nach den Erfahrungen der ersten drei Corona-Krisenlagen sicher: Bei der gebotenen Verringerung von Kontakten werden die Maßnahmen zunächst auf den freiwilligen Sektor, auf den Hobby-Bereich der Menschen zusteuern. Auf die Reduzierung von Sozialkontakten eben. Es wird den Sport treffen. Schule und Kitas, Handel und Beruf sind erst in zweiter oder dritter Reihe dran. Wie es gehen kann, wenn die Lage aus dem Ruder läuft, sieht man in Österreich: Dort genügte 2G nicht. Die Folge: Lockdown und Impfpflicht. Auf der anderen Seite haben die Verbandsvertreter völlig recht: Eineinhalb Jahre Corona haben vor allem den Kindern und Jugendlichen wehgetan. Sie sind mindestens sportlich entwicklungsverzögert. Das darf sich nicht wiederholen. Auch die Menschen in den Vereinen sind gar und müde. Sie haben mit viel ehrenamtlicher Arbeit die Schutzvorschriften erst für Sportler und dann für Zuschauer umgesetzt. Von „Rein die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln" haben sie die Nase voll. Daher: Allemal besser als scheibchenweises Schließen und Öffnen ist eine kurze, knackige Pause in der Art des Wellenbrecher-Lockdowns. Kurz innehalten, impfen und boostern was das Zeug hält, und dann eine Rückkehr ins „normale" Leben. Der Sport hat mit einer hohen Impfquote in vielen Bereichen seine Hausaufgaben gemacht. 2G ist in vielen Mannschaften kein Problem. Keine Frage: Sport erhöht die Impfquote. Sport wirkt so gegen Corona. Das darf der Gesetzgeber bei seinen Regelungen durchaus honorieren.

Corona spielt wieder mit: Maskenpflicht oder 2G als Ausschlusskriterium - die vierte Welle stellt dem Sport neue Aufgaben

So wie hier bei einem GWD-Heimspiel im Lübbecke wird es demnächst wieder aussehen: Nur Maskottchen Tornado trägt keine Maske. Für Zuschauer wird der Mund-Nasen-Schutz wieder zur Pflicht. Foto: Noah Wedel

Minden. Wie die gesamte Gesellschaft ist auch der Sport gefangen in einer Zeitschleife. Wie bei jeder vorangegangenen Corona-Krisenlage rollt sich auch mit der vierten Welle für die Verantwortliche in den Vereinen ein ganzer Katalog an Sorgen und Fragen aus: Was dürfen wir noch anbieten? Welche Maßnahmen müssen wir treffen? Müssen wir Plätze und Hallen schließen?

Klar ist seit der Konferenz der Ministerpräsidenten: Maßstab des Handelns wird nicht länger die Inzidenz sondern die Hospitalisierungsrate sein. Sie definiert, ob 3G, 2G oder 2GPlus angewendet werden, ob also Ungeimpfte noch am gesellschaftlichen Leben und damit auch am Sport teilnehmen dürfen und auch, ob die Maskenpflicht wieder verschärft wird oder gar Teil-Lockdowns verhängt werden. Wie die bundespolitischen Vorgaben in konkrete Rechtsnormen gegossen werden, wird erst die nächste Corona-Schutzverordnung des Landes NRW offenbaren.

Der Landessportbund Nordrhein-Westfalen (LSB) appelliert an die Politik, keine pauschalen Schließungen von Spiel- und Sportstätten vorzunehmen. „Der Sport in unseren 18.000 Sportvereinen trägt maßgeblich zur Gesunderhaltung der Menschen bei", sagt LSB-Präsident Stefan Klett: „Mehr als eine 3G-Regel für aktives Sporttreiben draußen und 2G für drinnen lehnen wir deshalb ab." Der LSB fordert: „Kinder und Jugendliche haben unter den Einschränkungen besonders gelitten. Sie haben ein Recht auf Bewegung und sollten bei allen etwaigen Einschränkungen privilegiert werden."

Dieser Haltung schließt sich auch Helmut Schemmann an. „Ich bin optimistisch, dass es jedenfalls für Kinder und Jugendliche nicht zu einem erneuten Lockdown kommen wird", sagt der Geschäftsführer des Kreissportbundes Minden-Lübbecke, doch er ist vorsichtig: „Es ist vieles offen, ich wage keine Prognose." In der krisenhaften Zeit setzt er auf die Stärke der Vereine. „Die Vereine haben in den vergangenen Monaten bereits erprobte Lösungen gefunden, auch, um Zuschauern sicher den Besuch zu ermögliche. Das ist natürlich alles lästig, aber es stehen Systeme bereit", sieht er die Klubs gut aufgestellt.

Großen Beratungsbedarf in der KSB-Geschäftsstelle in Petershagen erwartet er zunächst nicht. „Die Einführung des letzten Lockdowns war kein Problem", berichtet er von der Erfahrung der zurückliegenden eineinhalb Jahre, „aber die Rückkehr zum Sport, die Wiedereröffnung hat viele Fragen aufgeworfen. Was darf ich tun? Wann und wie? Da haben wir eine Menge Gespräche geführt."

Der Handball-Westfalen hat sein Testkonzept den Änderungen der Corona-Schutzverordnung angepasst. Modifiziert wurde der Punkt Zeitpunkt der Tests. So sind am Spieltag alle aktiv Spielbeteiligte, die weder den Nachweis „vollständig geimpft" oder „genesen" nachweisen können, weniger als 24 Stunden vor dem erwarteten Spielende (geplante Anwurfzeit plus 2 Stunden) zu testen. Ausgenommen hiervon sind Schülerinnen und Schüler, die an den verbindlichen Schultestungen teilgenommen haben.

Andreas Tiemann, Chef der Technischen Kommission im Handball-Verband Westfalen, glaubt auch nicht, dass in Westfalen der Spielbetrieb komplett eingestellt wird, so wie es der Verband im schwer betroffenen Sachsen bereits getan hat. „Wenn unter 2G-Bedingungen gespielt werden soll, dann machen wir das. Ich sehe auch keinen Grund dafür, etwas anderes zu unternehmen. Wir haben im Handball eine Impfquote von 95 Prozent." Gleiches gilt auch nach seiner Einschätzung für den Spieltrieb im Bereich des Deutschen Handball-Bundes, also ab der 3. Liga aufwärts – mit einer Einschränkung: „Es sei denn, die Politik macht uns einen Strich durch die Rechnung."

2G bedeutet klar: Für Ungeimpfte ist die Tür zu. Das wird Sportler treffen, aber auch Trainer. Vor allem fehlende Übungsleiter könnten die Vereine in Schwierigkeiten bringen. Die Rückmeldungen aus mehreren Handballteams im Mindener Land war jedoch hoffnungsvoll: „Bei uns sind alle geimpft", berichteten mehre Trainer übereinstimmend.

Folgen hat die vierte Welle auf jeden Fall für die Sportfans. Vor allem größere Zusammenkünfte von Menschen stehen im Blick der Politik. In der Handball-Bundesliga fürchten die Manager die Rückkehr der Geisterspiele. „Wenn die Zahlen sich so weiterentwickeln, wird das sicher ein Tema werden", sorgt sich Markus Kalusche. Der Geschäftsführer des Bundesligisten GWD Minden hat sich ebenso wie sein Kollege Torsten Appel beim TuS N-Lübbecke bereits für die Rückkehr der Maskenpflicht für alle Zuschauer im gesamten Innenraum entschieden. „Wir werden das bereits im Heimspiel gegen den SC Magdeburg wieder einführen", sagt Kalusche. Beim TuS gilt die Maskenpflicht vom nächsten Heimspiel an gegen den HSV Hamburg (Donnerstag, 25. November).

„Es ist das Gebot der Stunde, dass wir als Verein auf diese Entwicklung schnell reagieren. Wir stehen in der Verantwortung für die Zuschauer", sagt der Lübbecker Appel. Beide Klubs haben die Änderung zusammen mit Dr. Peter Witte, dem Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene in am Minden Johannes-Wesling-Klinikum, beschlossen. Offen ist noch, ab es bei der längst etablierten 2G-Regel bleiben kann, oder ob die hohe Hospitalisierungsrate in Minden-Lübbecke den Besuch in der Kampa-Halle unter die 2G-Plus-Regel stellt und damit auch geimpfte Zuschauer einen negativen Test vorweisen müssen.

Kommentar von Marcus Riechmann

Im Sport stimmt die Quote

Die vierte Welle schwappt über das Land und sie sorgt auch im Sport für nasse Füße, jedenfalls für kalte. Die Lage ist wohl klar: Je bedrohlicher die Hospitalisierungsrate, desto stärker werden die Einschränkungen treffen, desto weniger wird es bei 2G bleiben. Auch das ist wohl nach den Erfahrungen der ersten drei Corona-Krisenlagen sicher: Bei der gebotenen Verringerung von Kontakten werden die Maßnahmen zunächst auf den freiwilligen Sektor, auf den Hobby-Bereich der Menschen zusteuern. Auf die Reduzierung von Sozialkontakten eben. Es wird den Sport treffen. Schule und Kitas, Handel und Beruf sind erst in zweiter oder dritter Reihe dran. Wie es gehen kann, wenn die Lage aus dem Ruder läuft, sieht man in Österreich: Dort genügte 2G nicht. Die Folge: Lockdown und Impfpflicht.

Auf der anderen Seite haben die Verbandsvertreter völlig recht: Eineinhalb Jahre Corona haben vor allem den Kindern und Jugendlichen wehgetan. Sie sind mindestens sportlich entwicklungsverzögert. Das darf sich nicht wiederholen. Auch die Menschen in den Vereinen sind gar und müde. Sie haben mit viel ehrenamtlicher Arbeit die Schutzvorschriften erst für Sportler und dann für Zuschauer umgesetzt. Von „Rein die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln" haben sie die Nase voll.

Daher: Allemal besser als scheibchenweises Schließen und Öffnen ist eine kurze, knackige Pause in der Art des Wellenbrecher-Lockdowns. Kurz innehalten, impfen und boostern was das Zeug hält, und dann eine Rückkehr ins „normale" Leben. Der Sport hat mit einer hohen Impfquote in vielen Bereichen seine Hausaufgaben gemacht. 2G ist in vielen Mannschaften kein Problem. Keine Frage: Sport erhöht die Impfquote. Sport wirkt so gegen Corona. Das darf der Gesetzgeber bei seinen Regelungen durchaus honorieren.

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