Ausbildung geht vor - Jula Marie Sarikouch reitet nicht nur für Turnier-Erfolge Sonja Rohlfing Bad Oeynhausen. Jula Marie Sarikouch und ihre Ponys sind ein eingeschworenes Team. Das soll sich auch nicht ändern, wenn die 16-Jährige vom RFV Großer Weserbogen zum Jahresende aus der Altersklasse der Ponyreiter herauswächst. Trotzdem wollte die Dressur-Spezialistin ihr letztes Jahr unter den „Kleinen“ noch einmal genießen. Die Corona-Pandemie hat allerdings ihre Pläne durcheinandergewirbelt. Im vorigen Jahr ritt Sarikouch auf Dandy Boy bei den Ponys in die Top Ten der Westfälischen Meisterschaft. Die Qualifikation für die Jugend-DM verpasste sie knapp. „Für dieses Jahr hatte ich mir vorgenommen, mich zu steigern. Es ist aber schwer reinzukommen, denn es gab noch nicht viele Turniere“, erzählt sie. Auch hinter den Meisterschaften stand wegen Corona ein Fragezeichen. Die Verbände planten zunächst, sagten dann ab – und richten nun doch noch Titelkämpfe aus. „Wir schauen mal, ob sie mich haben wollen“, sagt Sarikouch. Reiten gelernt hat sie hat auf den Ponys ihrer beiden älteren Schwestern, die nach der Ponyzeit auf Großpferde gewechselt sind. Durch das Studium ist bei ihnen das Reiten inzwischen weniger geworden. „Wir sind jetzt ein reiner Ponystall“, sagt die Jüngste. Vor rund zwei Jahren ist die Familie von Vlotho auf einen denkmalgeschützten Hof in Volmerdingsen gezogen. Seitdem haben sie ihre Vierbeiner direkt am Haus. „Wenn ein Pony wiehert, bin ich gleich da“, schildert die Gymnasiastin, die nach dem Abitur Medizin studieren möchte. Trainiert wird bei Wind und Wetter auf einem Übungsplatz am Hof. „Grumpy“, wie Jula Dandy Boy liebevoll nennt, sei schon speziell: „Man muss ihn für sich gewinnen.“ Anfangs sei der Wallach, der offiziell ein Kleines Deutsches Reitpferd ist, schüchtern gewesen. Inzwischen habe der als Pony eingetragene Vierbeiner viel Ausstrahlung entwickelt. „Wir haben hart gearbeitet. Das macht uns als Team aus. Er ist mein Traumpferd.“ Gestartet sind die beiden vor rund sechs Jahren in der Klasse E, jetzt sind sie auf M**-Niveau angekommen. „Das haben uns anfangs viele nicht zugetraut. Es kam sogar vor, dass gefragt wurde, ob wir überhaupt bei den Großpferden startberechtigt sind. Doch, sind wir.“ Beim Turnier im Juni in Hille, dem ersten im Kreis nach Lockerung der Corona-Beschränkungen, verpassten die beiden eine Platzierung in der M**-Dressur knapp. In der M*-Prüfung holten sie Rang zwei. „Das war cool. Zweite hinter Anne Horstmann.“ Leider habe es keine Siegerehrung gegeben. Trotzdem ist das Hiller Turnier für Jula Sarikouch ein besonderes: „Dort hatte ich seinerzeit meinen allerersten Start auf einem Shetlandpony im Führzügelwettbewerb.“ Den Pferdevirus hat Mutter Marion mitgebracht, die selbst ebenfalls am Turniersport teilgenommen hat, sich aber eher als eher Wald- und Wiesenreiterin bezeichnet. Pferdesport bedeute Verantwortung und Disziplin, aber auch Spaß und Zusammenhalt. Das habe sie gern in ihre Familie mitnehmen wollen: „Der Leistungsdruck ist die negative Seite, aber die haben wir überwunden.“ Das oberste Ziel ihrer Tochter sei es, durch vernünftige Ausbildung und mit viel Geduld ein wirklich durchlässiges Pferd zu erreichen. „In Hille habe ich von den Richtern viel positives Feedback bekommen, was Ausbildung und feines, harmonisches Reiten betrifft“, sagt sie stolz. „Das feine Reiten ist für mich das Wichtigste. Die Skala der Ausbildung ist das A und O“, betont die 16-Jährige. Diese Grundsätze gelten bei ihr auch für den sechsjährigen Rappen Very Black, einen gekörten Ponyhengst mit Perspektive Bundeschampionat, den sie ausbilden darf. Das sei ihr wichtiger als die Turniere. „Ich stelle das Pferd erst in einer Prüfung vor, wenn ich mir sicher bin, dass es funktioniert und positiv ausgeht.“ Auch deshalb ist sie nicht jedes Wochenende unterwegs, sondern sucht die Turniere gezielt aus. „Wir genießen es, die Pferde am Haus zu haben und hier etwas mit ihnen zu machen. Wir definieren Reiten nicht nur durch den Turniersport.“ Ehrgeizig ist sie trotzdem: „Das Turnier in Hille hat mich bestärkt, dass ich mit Dandy Boy bei den Großpferden vorne mithalten kann und dass es sich lohnt, weiterzumachen.“ Im nächsten Jahr wollen die beiden überregional das Juniorenlager aufmischen.

Ausbildung geht vor - Jula Marie Sarikouch reitet nicht nur für Turnier-Erfolge

Jula Marie Sarikouch vom RFV Großer Weserbogen und die Ponys Dandy Boy und Very Black sind ein eingeschworenes Team. Dafür brauchen sie nicht jedes Wochenende ein Turnier. © Foto: Sonja Rohlfing

Bad Oeynhausen. Jula Marie Sarikouch und ihre Ponys sind ein eingeschworenes Team. Das soll sich auch nicht ändern, wenn die 16-Jährige vom RFV Großer Weserbogen zum Jahresende aus der Altersklasse der Ponyreiter herauswächst. Trotzdem wollte die Dressur-Spezialistin ihr letztes Jahr unter den „Kleinen“ noch einmal genießen. Die Corona-Pandemie hat allerdings ihre Pläne durcheinandergewirbelt.

Im vorigen Jahr ritt Sarikouch auf Dandy Boy bei den Ponys in die Top Ten der Westfälischen Meisterschaft. Die Qualifikation für die Jugend-DM verpasste sie knapp. „Für dieses Jahr hatte ich mir vorgenommen, mich zu steigern. Es ist aber schwer reinzukommen, denn es gab noch nicht viele Turniere“, erzählt sie. Auch hinter den Meisterschaften stand wegen Corona ein Fragezeichen. Die Verbände planten zunächst, sagten dann ab – und richten nun doch noch Titelkämpfe aus. „Wir schauen mal, ob sie mich haben wollen“, sagt Sarikouch.

Reiten gelernt hat sie hat auf den Ponys ihrer beiden älteren Schwestern, die nach der Ponyzeit auf Großpferde gewechselt sind. Durch das Studium ist bei ihnen das Reiten inzwischen weniger geworden. „Wir sind jetzt ein reiner Ponystall“, sagt die Jüngste. Vor rund zwei Jahren ist die Familie von Vlotho auf einen denkmalgeschützten Hof in Volmerdingsen gezogen. Seitdem haben sie ihre Vierbeiner direkt am Haus. „Wenn ein Pony wiehert, bin ich gleich da“, schildert die Gymnasiastin, die nach dem Abitur Medizin studieren möchte.

Trainiert wird bei Wind und Wetter auf einem Übungsplatz am Hof. „Grumpy“, wie Jula Dandy Boy liebevoll nennt, sei schon speziell: „Man muss ihn für sich gewinnen.“ Anfangs sei der Wallach, der offiziell ein Kleines Deutsches Reitpferd ist, schüchtern gewesen. Inzwischen habe der als Pony eingetragene Vierbeiner viel Ausstrahlung entwickelt. „Wir haben hart gearbeitet. Das macht uns als Team aus. Er ist mein Traumpferd.“ Gestartet sind die beiden vor rund sechs Jahren in der Klasse E, jetzt sind sie auf M**-Niveau angekommen. „Das haben uns anfangs viele nicht zugetraut. Es kam sogar vor, dass gefragt wurde, ob wir überhaupt bei den Großpferden startberechtigt sind. Doch, sind wir.“

Beim Turnier im Juni in Hille, dem ersten im Kreis nach Lockerung der Corona-Beschränkungen, verpassten die beiden eine Platzierung in der M**-Dressur knapp. In der M*-Prüfung holten sie Rang zwei. „Das war cool. Zweite hinter Anne Horstmann.“ Leider habe es keine Siegerehrung gegeben. Trotzdem ist das Hiller Turnier für Jula Sarikouch ein besonderes: „Dort hatte ich seinerzeit meinen allerersten Start auf einem Shetlandpony im Führzügelwettbewerb.“

Den Pferdevirus hat Mutter Marion mitgebracht, die selbst ebenfalls am Turniersport teilgenommen hat, sich aber eher als eher Wald- und Wiesenreiterin bezeichnet. Pferdesport bedeute Verantwortung und Disziplin, aber auch Spaß und Zusammenhalt. Das habe sie gern in ihre Familie mitnehmen wollen: „Der Leistungsdruck ist die negative Seite, aber die haben wir überwunden.“

Das oberste Ziel ihrer Tochter sei es, durch vernünftige Ausbildung und mit viel Geduld ein wirklich durchlässiges Pferd zu erreichen. „In Hille habe ich von den Richtern viel positives Feedback bekommen, was Ausbildung und feines, harmonisches Reiten betrifft“, sagt sie stolz. „Das feine Reiten ist für mich das Wichtigste. Die Skala der Ausbildung ist das A und O“, betont die 16-Jährige. Diese Grundsätze gelten bei ihr auch für den sechsjährigen Rappen Very Black, einen gekörten Ponyhengst mit Perspektive Bundeschampionat, den sie ausbilden darf. Das sei ihr wichtiger als die Turniere. „Ich stelle das Pferd erst in einer Prüfung vor, wenn ich mir sicher bin, dass es funktioniert und positiv ausgeht.“

Auch deshalb ist sie nicht jedes Wochenende unterwegs, sondern sucht die Turniere gezielt aus. „Wir genießen es, die Pferde am Haus zu haben und hier etwas mit ihnen zu machen. Wir definieren Reiten nicht nur durch den Turniersport.“ Ehrgeizig ist sie trotzdem: „Das Turnier in Hille hat mich bestärkt, dass ich mit Dandy Boy bei den Großpferden vorne mithalten kann und dass es sich lohnt, weiterzumachen.“ Im nächsten Jahr wollen die beiden überregional das Juniorenlager aufmischen.

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