Aus der Traum: Florian Stork aus Bünde verpasst Tour de France nach schwerem Sturz Thomas Kühlmann Bielefeld. Er stand so kurz davor, sich einen Lebenstraum zu erfüllen und muss jetzt wieder bei Null beginnen: Radprofi Florian Stork vom deutschen Team Sunweb. Ein fataler Sturz bei der UAE-Tour durch die Vereinigten Arabischen Emirate Ende Februar hat den aus Bünde stammenden Pedal-Artisten sämtlicher Illusionen beraubt. Vorerst. „Ich hatte beste Chancen, mit zur Tour de France fahren zu dürfen. Darauf hatte ich intensiv hingearbeitet und mich mit Top-Ergebnissen seit meinem Profi-Debüt empfohlen", schildert der 23-Jährige die frustrierende Situation, die da nun heißt: Reha statt mögliche Rundfahrt durch Alpen und Pyrenäen. Es ist die sechste Etappe des Wettbewerbs am Persischen Golf, als das Schicksal gegen Stork gnadenlos zuschlägt. Vor diesem Teilstück war Stork auf Rang zwölf der Gesamtwertung und eine Position vor Emanuel Buchmann (Bora – hansgrohe) der beste deutsche Fahrer gewesen. Bei der ersten Bergankunft am Jebel Hafeet war er Siebter geworden, am Jebel Jais zwei Tage später hatte es zu Rang 14 gereicht. „Wir bogen bei hoher Geschwindigkeit von einer größeren Straße in eine Nebenstraße ab, als das Unglück passierte. Mehrere Fahrer übersahen ebenso wie ich eine Verkehrsinsel, in dessen Mitte zwei Stahlbügel verankert waren. Ich prallte mit der Kniescheibe des rechten Knies gegen den ersten Bügel und mit dem Oberkörper gegen den zweiten", erinnert sich Stork noch ganz genau. Die erschütternde Diagnose: Mehrere Rippenbrüche sowie eine Kniescheibenfraktur. Die anderen am Sturz beteiligten Fahrer kamen ohne schwerere Blessuren davon. Stork hingegen wurde sofort in ein Krankenhaus eingeliefert und operiert. „Eine Woche musste ich dort bleiben, bevor ich nach Hause durfte", sagt der Modell-Athlet. Zu Hause – das ist mittlerweile eine gemütliche Mietwohnung in Bielefeld, in der er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Milena Noreick lebt. Für die Studentin der Sozialen Arbeit ist es ein ungewohntes Gefühl, ihren Lebenspartner über eine nun schon so lange Zeit bei sich in heimischen Gefilden zu haben. Doch auch sie weiß, dass Florian Stork momentan den härtesten Kampf seines Lebens bestreitet, um sich wieder an die alte Form heranzukämpfen. „Noch zwei Wochen muss ich zur Stabilisierung des Knies eine Art Schiene tragen", freut sich Stork, dass er dann nicht mehr auf dieses Hilfsmittel sowie die Unterarmgehstützen angewiesen ist. Täglich macht er zudem zum Kraftaufbau schon die vom Physiotherapeuten verordneten Übungen, um den Muskelaufbau im lädierten Bein wieder voranzutreiben. „Wie für meine Freundin ist es auch für mich ungewohnt, so lange an einem Stück zu Hause zu sein. Momentan ist es Fluch und Segen zugleich. In der Normalität bin über das Jahr verteilt vielleicht gerade einmal 100 Tage daheim, den Rest des Jahres nehmen Trainingslager und Rennen ein – ein Leben aus dem Koffer praktisch. Doch meine Freundin hat mich kennengelernt, als ich bereits Profi war und ist die langen Abwesenheitszeiten daher gewohnt. Umso mehr genießen wir natürlich die gemeinsamen Momente." Mit fünf Jahren kam Florian Stork, dessen Vater Bernd Stork damals Vorsitzender des Radsportclubs Olympia Bünde ist, zum Radsport. Zum ersten Mal. Denn er entscheidet sich kurzfristig, es auch einmal mit Fußball zu versuchen: in der Bezirksliga beim VfL Holsen. Dort beweist er seine Qualitäten bis 2008 als Verteidiger und defensiver Mittelfeldspieler, bevor es ihn endgültig zum Radsport zurückzieht. Mit rasantem Erfolg. Nach dem Abitur am Freiherr-vom-Stein Gymnasium in Bünde wechselte Florian Stork direkt zum Team Sauerland NRW, für das er in der Junioren-Bundesliga fuhr: Platz vier in der Einzelwertung und Vizemeister im Team, so die Bilanz. Im folgenden Jahr wurde er Fünfter bei der Zeitfahr-DM. „Das ist schon etwas Besonders als Erstjahresfahrer", erklärt der junge Radsportler stolz. Dann, als damals 18-jähriger, bekam er einen Vertrag beim „Development Team Sunweb", der Talentschmiede für das Profiteam des Reiseanbieters. Anfang 2019 folgte der Riesensprung in das „World-Tour Team Sunweb". Nun war er Profi. Den trainingsfleißigen Sportler, der früh seine Vorliebe für das Bergfahren entdeckt hatte („als Sprinter bin ich maximal mittelmäßig"), führen seine täglichen Einheiten, die mitunter zwischen vier und sechs Stunden einnehmen, regelmäßig ins Kalletal sowie ins Wiehen- und Wesergebirge. „Die Serpentinen an der Lutterschen Egge sowie die Kletterpartie hoch zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta kenne ich mittlerweile wie meine Westentasche", erklärt Stork. Von diesen Touren ist er allerdings noch ein Stück entfernt. Ende Mai möchte er wieder auf dem Rad sitzen, um sich dann mit konstant steigenden Leistungen für die Tour de France 2022 zu empfehlen.

Aus der Traum: Florian Stork aus Bünde verpasst Tour de France nach schwerem Sturz

Florian Stork in seinem Element beim Bergtraining. Foto: Patrick Brunt © patrick brunt

Bielefeld. Er stand so kurz davor, sich einen Lebenstraum zu erfüllen und muss jetzt wieder bei Null beginnen: Radprofi Florian Stork vom deutschen Team Sunweb. Ein fataler Sturz bei der UAE-Tour durch die Vereinigten Arabischen Emirate Ende Februar hat den aus Bünde stammenden Pedal-Artisten sämtlicher Illusionen beraubt. Vorerst. „Ich hatte beste Chancen, mit zur Tour de France fahren zu dürfen. Darauf hatte ich intensiv hingearbeitet und mich mit Top-Ergebnissen seit meinem Profi-Debüt empfohlen", schildert der 23-Jährige die frustrierende Situation, die da nun heißt: Reha statt mögliche Rundfahrt durch Alpen und Pyrenäen.

Es ist die sechste Etappe des Wettbewerbs am Persischen Golf, als das Schicksal gegen Stork gnadenlos zuschlägt. Vor diesem Teilstück war Stork auf Rang zwölf der Gesamtwertung und eine Position vor Emanuel Buchmann (Bora – hansgrohe) der beste deutsche Fahrer gewesen. Bei der ersten Bergankunft am Jebel Hafeet war er Siebter geworden, am Jebel Jais zwei Tage später hatte es zu Rang 14 gereicht. „Wir bogen bei hoher Geschwindigkeit von einer größeren Straße in eine Nebenstraße ab, als das Unglück passierte. Mehrere Fahrer übersahen ebenso wie ich eine Verkehrsinsel, in dessen Mitte zwei Stahlbügel verankert waren. Ich prallte mit der Kniescheibe des rechten Knies gegen den ersten Bügel und mit dem Oberkörper gegen den zweiten", erinnert sich Stork noch ganz genau. Die erschütternde Diagnose: Mehrere Rippenbrüche sowie eine Kniescheibenfraktur. Die anderen am Sturz beteiligten Fahrer kamen ohne schwerere Blessuren davon. Stork hingegen wurde sofort in ein Krankenhaus eingeliefert und operiert. „Eine Woche musste ich dort bleiben, bevor ich nach Hause durfte", sagt der Modell-Athlet.

Florian Stork (unten rechts am Boden) zog sich bei seinem Sturz während der sechsten Etappe mehrere Rippenbrüche und eine Kniescheibenfraktur zu. Foto: dpa - © Cor Vos
Florian Stork (unten rechts am Boden) zog sich bei seinem Sturz während der sechsten Etappe mehrere Rippenbrüche und eine Kniescheibenfraktur zu. Foto: dpa - © Cor Vos

Zu Hause – das ist mittlerweile eine gemütliche Mietwohnung in Bielefeld, in der er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Milena Noreick lebt. Für die Studentin der Sozialen Arbeit ist es ein ungewohntes Gefühl, ihren Lebenspartner über eine nun schon so lange Zeit bei sich in heimischen Gefilden zu haben. Doch auch sie weiß, dass Florian Stork momentan den härtesten Kampf seines Lebens bestreitet, um sich wieder an die alte Form heranzukämpfen. „Noch zwei Wochen muss ich zur Stabilisierung des Knies eine Art Schiene tragen", freut sich Stork, dass er dann nicht mehr auf dieses Hilfsmittel sowie die Unterarmgehstützen angewiesen ist. Täglich macht er zudem zum Kraftaufbau schon die vom Physiotherapeuten verordneten Übungen, um den Muskelaufbau im lädierten Bein wieder voranzutreiben.

Täglich trainiert Florian Stork sein verletztes rechtes Knie. MT-Foto: tok - © thomas kühlmann
Täglich trainiert Florian Stork sein verletztes rechtes Knie. MT-Foto: tok - © thomas kühlmann

„Wie für meine Freundin ist es auch für mich ungewohnt, so lange an einem Stück zu Hause zu sein. Momentan ist es Fluch und Segen zugleich. In der Normalität bin über das Jahr verteilt vielleicht gerade einmal 100 Tage daheim, den Rest des Jahres nehmen Trainingslager und Rennen ein – ein Leben aus dem Koffer praktisch. Doch meine Freundin hat mich kennengelernt, als ich bereits Profi war und ist die langen Abwesenheitszeiten daher gewohnt. Umso mehr genießen wir natürlich die gemeinsamen Momente."

Mit fünf Jahren kam Florian Stork, dessen Vater Bernd Stork damals Vorsitzender des Radsportclubs Olympia Bünde ist, zum Radsport. Zum ersten Mal. Denn er entscheidet sich kurzfristig, es auch einmal mit Fußball zu versuchen: in der Bezirksliga beim VfL Holsen. Dort beweist er seine Qualitäten bis 2008 als Verteidiger und defensiver Mittelfeldspieler, bevor es ihn endgültig zum Radsport zurückzieht. Mit rasantem Erfolg.

Nach dem Abitur am Freiherr-vom-Stein Gymnasium in Bünde wechselte Florian Stork direkt zum Team Sauerland NRW, für das er in der Junioren-Bundesliga fuhr: Platz vier in der Einzelwertung und Vizemeister im Team, so die Bilanz. Im folgenden Jahr wurde er Fünfter bei der Zeitfahr-DM. „Das ist schon etwas Besonders als Erstjahresfahrer", erklärt der junge Radsportler stolz. Dann, als damals 18-jähriger, bekam er einen Vertrag beim „Development Team Sunweb", der Talentschmiede für das Profiteam des Reiseanbieters. Anfang 2019 folgte der Riesensprung in das „World-Tour Team Sunweb". Nun war er Profi.

Den trainingsfleißigen Sportler, der früh seine Vorliebe für das Bergfahren entdeckt hatte („als Sprinter bin ich maximal mittelmäßig"), führen seine täglichen Einheiten, die mitunter zwischen vier und sechs Stunden einnehmen, regelmäßig ins Kalletal sowie ins Wiehen- und Wesergebirge. „Die Serpentinen an der Lutterschen Egge sowie die Kletterpartie hoch zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta kenne ich mittlerweile wie meine Westentasche", erklärt Stork. Von diesen Touren ist er allerdings noch ein Stück entfernt. Ende Mai möchte er wieder auf dem Rad sitzen, um sich dann mit konstant steigenden Leistungen für die Tour de France 2022 zu empfehlen.

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