MT-Serie, Schiedsrichter: Aus Wölfen werden Zebras - Mindener Football-Spieler stellen sich der Herausforderung als Referee Fabian Terwey Minden. Wölfe heulen nicht nur, sie pfeifen jetzt auch. Seit gut einem Jahr gibt es die Football-Mannschaft der DJK Dom. In der derzeitigen Corona-Pause ruht zwar zwangsläufig der Ball bei den Minden Wolves, doch seiner Verpflichtung für die zweite Saison ist der NRW-Ligist bereits nachgekommen. Drei Mitglieder des Vereins haben den Schiedsrichter-Schein erworben. Damit erfüllt der Klub in seinem zweiten Jahr exakt das geforderte Soll für seine eine gemeldete Senioren-Mannschaft. Aus den Wölfen Matthis Block, Rick Enns und Alexander Gonschor werden somit plötzlich drei Zebras. Denn so nennt man die Referees im Football. Schließlich tragen sie stets ein schwarz-weiß-gestreiftes Trikot. Selbst auf dem Ärmel prangt das Tier. „Ich mag dieses Outfit“, sagt Alexander Gonschor und blickt auf dem leeren Nebenplatz am Weserstadion an sich herunter. Hier coacht der 34-Jährige sonst die Wolves. Genauer gesagt ist der Mindener Positionstrainer der Offensive-Line und damit Teil des zehnköpfigen Trainerteams. Ganz nebenbei übt der Wago-Betriebsrat nun auch das Amt des Schiedsrichter-Obmanns bei den Wolves aus. In dieser Funktion möchte Gonschor zukünftig weitere Referees aus dem Verein gewinnen und aufklärende Regelabende für das eigene Team durchführen. Anders als seine beiden Kollegen hat Gonschor bereits Erfahrung als Referee: „Ich war schon von 2007 bis 2010 Schiedsrichter im Verband Niedersachsen.“ Damals spielte Gonschor noch für die Schaumburg Rangers. In Nordrhein-Westfalen musste Gonschor die Ausbildung erneut absolvieren. Zwei Wochenend-Seminare waren vor der Corona-Krise für den Erwerb der E-Lizenz nötig. Diese erste Ausbildungsstufe von insgesamt acht bis zur höchstmöglichen Lizenz berechtigt zu Einsätzen auf den Außenpositionen des Feldes. „Als Linesman und Linejudge achten wir darauf, dass die Formationen korrekt angeordnet sind“, erklärt Gonschor: „Außerdem haben wir ein Auge auf Passbehinderungen und generelle Regelverstöße und zeigen den neuen ersten Versuch an. Bei einem Fumble markieren wir die Orte, an denen der Ball verloren geht. Dafür trägt Gonschor den schwarzen Beanbag bei sich – aus dem Englischen übersetzt: Bohnensack. Der zählt ebenso wie das Pendant für Strafen, die sogenannte gelbe Flagge, zu seiner Ausrüstung. Untereinander kommuniziert wird per Funkgerät: „Wir sind genauso ausgestattet wie die Referees, die man aus der NFL kennt.“ Eine Lautsprecher-Ansage wie man sie aus der amerikanischen Profiliga kennt, ist auf den Amateur-Plätzen allerdings nur selten möglich. „Dann muss sich der Referee vor der Pressebox aufbauen und die Strafe verkünden.“ Gonschor ist dazu noch nicht berechtigt, denn erst nach dem Erwerb der C-Lizenz, dürfen er und seine zwei Kollegen, als Hauptschiedsrichter Spiele leiten – dann ist man ein sogenannter „White Hat“ und trägt eine weiße statt einer schwarzen Schirmmütze. „Das ist mein Ziel“, verrät der 34-Jährige. Insgesamt sind mindestens fünf, in der Regel sogar sieben Schiedsrichter bei einem Spiel im Einsatz. „Die sind aber auch nötig, um auf dem Feld alles zu sehen“, meint Gonschor: „Um vorzubeugen, dass es nicht genügend Referees für ein Spiel gibt, werden anders als in anderen Sportarten zuerst Schiedsrichter für Termine gesucht, um anschließend die Partie anzusetzen.“ Und auch im Umgang mit dem Unparteiischen beobachtet Gonschor einen Unterschied zu anderen Sportarten: „Das erste, was man im Schiedsrichter-Lehrgang lernt ist, dass man immer einen Grund finden sollte, keine Strafe auszusprechen. Football ist eine Gentleman’s Sport. Dementsprechend wird man auch als Schiedsrichter behandelt.“ Das weiß Gonschor aus eigener Vergangenheit. Nun fiebern Gonschor und seine beiden Kollegen ihrem ersten Schiedsrichter-Einsatz für die Wolves entgegen. Einsatzgebiet ist vor allem der Norden von NRW und aus den Wölfen werden dann erstmals Zebras. MT-Serie Schiedsrichter „Zwischen den Fronten“ – ohne sie geht nichts. Und doch stehen sie als Erste in der Kritik. Warum werden junge Menschen Schiedsrichter? Was erleben erfahrene Pfeifenmänner? Und was tun Verbände, um dem Mangel zu begegnen? Mit der Schiedsrichter-Serie beleuchtet das MT zahlreiche Themen rund um den anspruchsvollen Job an der Pfeife.

MT-Serie, Schiedsrichter: Aus Wölfen werden Zebras - Mindener Football-Spieler stellen sich der Herausforderung als Referee

Touchdown: Football-Referee Alexander Gonschor gibt das Signal dafür, dass ein Spieler mit dem Ball in der Hand die Endzone der gegnerischen Mannschaft erreicht hat. MT- © Foto: Fabian Terwey

Minden. Wölfe heulen nicht nur, sie pfeifen jetzt auch. Seit gut einem Jahr gibt es die Football-Mannschaft der DJK Dom. In der derzeitigen Corona-Pause ruht zwar zwangsläufig der Ball bei den Minden Wolves, doch seiner Verpflichtung für die zweite Saison ist der NRW-Ligist bereits nachgekommen. Drei Mitglieder des Vereins haben den Schiedsrichter-Schein erworben. Damit erfüllt der Klub in seinem zweiten Jahr exakt das geforderte Soll für seine eine gemeldete Senioren-Mannschaft. Aus den Wölfen Matthis Block, Rick Enns und Alexander Gonschor werden somit plötzlich drei Zebras.

Denn so nennt man die Referees im Football. Schließlich tragen sie stets ein schwarz-weiß-gestreiftes Trikot. Selbst auf dem Ärmel prangt das Tier. „Ich mag dieses Outfit“, sagt Alexander Gonschor und blickt auf dem leeren Nebenplatz am Weserstadion an sich herunter. Hier coacht der 34-Jährige sonst die Wolves. Genauer gesagt ist der Mindener Positionstrainer der Offensive-Line und damit Teil des zehnköpfigen Trainerteams. Ganz nebenbei übt der Wago-Betriebsrat nun auch das Amt des Schiedsrichter-Obmanns bei den Wolves aus. In dieser Funktion möchte Gonschor zukünftig weitere Referees aus dem Verein gewinnen und aufklärende Regelabende für das eigene Team durchführen.

Holding: Football-Referee Alexander Gonschor gibt das Zeichen, dass ein Spieler, der sich nicht im Ballbesitz befand, festgehalten wurde. MT- - © Foto: Fabian Terwey
Holding: Football-Referee Alexander Gonschor gibt das Zeichen, dass ein Spieler, der sich nicht im Ballbesitz befand, festgehalten wurde. MT- - © Foto: Fabian Terwey

Anders als seine beiden Kollegen hat Gonschor bereits Erfahrung als Referee: „Ich war schon von 2007 bis 2010 Schiedsrichter im Verband Niedersachsen.“ Damals spielte Gonschor noch für die Schaumburg Rangers. In Nordrhein-Westfalen musste Gonschor die Ausbildung erneut absolvieren. Zwei Wochenend-Seminare waren vor der Corona-Krise für den Erwerb der E-Lizenz nötig. Diese erste Ausbildungsstufe von insgesamt acht bis zur höchstmöglichen Lizenz berechtigt zu Einsätzen auf den Außenpositionen des Feldes. „Als Linesman und Linejudge achten wir darauf, dass die Formationen korrekt angeordnet sind“, erklärt Gonschor: „Außerdem haben wir ein Auge auf Passbehinderungen und generelle Regelverstöße und zeigen den neuen ersten Versuch an. Bei einem Fumble markieren wir die Orte, an denen der Ball verloren geht. Dafür trägt Gonschor den schwarzen Beanbag bei sich – aus dem Englischen übersetzt: Bohnensack. Der zählt ebenso wie das Pendant für Strafen, die sogenannte gelbe Flagge, zu seiner Ausrüstung. Untereinander kommuniziert wird per Funkgerät: „Wir sind genauso ausgestattet wie die Referees, die man aus der NFL kennt.“ Eine Lautsprecher-Ansage wie man sie aus der amerikanischen Profiliga kennt, ist auf den Amateur-Plätzen allerdings nur selten möglich. „Dann muss sich der Referee vor der Pressebox aufbauen und die Strafe verkünden.“

First Down: Football-Referee Alexander Gonschor gibt das Zeichen, dass die angreifende Mannschaft mit dem ersten von vier Versuchen, die vorgegebenen zehn Yards Raumgewinn erreicht hat. MT- - © Foto: Fabian Terwey
First Down: Football-Referee Alexander Gonschor gibt das Zeichen, dass die angreifende Mannschaft mit dem ersten von vier Versuchen, die vorgegebenen zehn Yards Raumgewinn erreicht hat. MT- - © Foto: Fabian Terwey

Gonschor ist dazu noch nicht berechtigt, denn erst nach dem Erwerb der C-Lizenz, dürfen er und seine zwei Kollegen, als Hauptschiedsrichter Spiele leiten – dann ist man ein sogenannter „White Hat“ und trägt eine weiße statt einer schwarzen Schirmmütze. „Das ist mein Ziel“, verrät der 34-Jährige. Insgesamt sind mindestens fünf, in der Regel sogar sieben Schiedsrichter bei einem Spiel im Einsatz. „Die sind aber auch nötig, um auf dem Feld alles zu sehen“, meint Gonschor: „Um vorzubeugen, dass es nicht genügend Referees für ein Spiel gibt, werden anders als in anderen Sportarten zuerst Schiedsrichter für Termine gesucht, um anschließend die Partie anzusetzen.“ Und auch im Umgang mit dem Unparteiischen beobachtet Gonschor einen Unterschied zu anderen Sportarten: „Das erste, was man im Schiedsrichter-Lehrgang lernt ist, dass man immer einen Grund finden sollte, keine Strafe auszusprechen. Football ist eine Gentleman’s Sport. Dementsprechend wird man auch als Schiedsrichter behandelt.“ Das weiß Gonschor aus eigener Vergangenheit. Nun fiebern Gonschor und seine beiden Kollegen ihrem ersten Schiedsrichter-Einsatz für die Wolves entgegen. Einsatzgebiet ist vor allem der Norden von NRW und aus den Wölfen werden dann erstmals Zebras.

Gelbe Flagge: Football-Referee Alexander Gonschor gibt mit dem Wurf auf das Spielfeld das Signal, dass er eine Regelwidrigkeit beobachtet hat. MT- - © Foto: Fabian Terwey
Gelbe Flagge: Football-Referee Alexander Gonschor gibt mit dem Wurf auf das Spielfeld das Signal, dass er eine Regelwidrigkeit beobachtet hat. MT- - © Foto: Fabian Terwey

MT-Serie Schiedsrichter

„Zwischen den Fronten“ – ohne sie geht nichts. Und doch stehen sie als Erste in der Kritik. Warum werden junge Menschen Schiedsrichter? Was erleben erfahrene Pfeifenmänner? Und was tun Verbände, um dem Mangel zu begegnen? Mit der Schiedsrichter-Serie beleuchtet das MT zahlreiche Themen rund um den anspruchsvollen Job an der Pfeife.

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