Aprilscherz vor 35 Jahren: Weltklasse-Wasserballer wechseln nach Porta Michael Lorenz Minden. Es gibt Ballsportarten, die wesentlich mehr im medialen Fokus stehen als Wasserball. Zwei Protagonisten des Handballs im nassen Element sind aber den meisten Sportfans bis heute präsent: Frank Otto und Hagen Stamm. Heute vor genau 35 Jahren stand die Nachricht im Mindener Tageblatt, dass die beiden Topstars der Nationalmannschaft zum SC 80 Porta wechseln. Die Portaner spielten damals in der Bezirksklasse, der untersten Liga. Der Haken: Es war keine Nachricht, sondern ein genialer Aprilscherz, eine mittlerweile nahezu ausgestorbene Art des Humors. Um es auf die Gegenwart zu übertragen: Die Meldung war in etwa so sensationell, als wenn es heute hieße, dass Robert Lewandowski und Thomas Müller zum SC Rodenbeck wechseln. Dennoch haben den Schabernack sehr viele Leser geglaubt, unter anderem der Autor dieses Textes. Axel Müller, Vorstandsmitglied des Nachfolgevereins KSC Porta und Drummer der Mindener Kultband „Exhaust“, blickt lachend zurück: „Es ist im Nachhinein unglaublich, wie viele Leute das für bare Münze genommen haben. Auch im eigenen Verein, der damals noch jung war, hieß es: Der Club hat eh kein Geld und dann sowas! Das hatte Wolfgang Pietsch so ziemlich im Alleingang durchgezogen, das war mit den anderen gar nicht abgestimmt.“ Wolfgang Pietsch selbst erinnert sich: „Ich habe damals als Pressewart des Vereins gearbeitet und mich auch um die Vereinszeitung gekümmert. Ich meine, dass ein Jahr zuvor erstmals ein Aprilscherz im Lokalsportteil des MT stand. Ich hatte dann diese Schnapsidee und habe das Ganze mit Sportredakteur Ulrich Kuballa durchgezogen. Ich hatte auch den Hintergedanken, unseren Verein damit bekannter zu machen. Als Dankerser hatte ich natürlich auch im Hinterkopf, dass es den Wechsel eines Weltklassesportlers in die Kreisklasse 1970 hier bei uns schon einmal gegeben hat.“ Pietsch hatte die Idee des „Nettelstedter Modells“ für den SC 80 Porta: Der TuS Nettelstedt, damals in der 1. Kreisklasse, holte 1970 den Handball-Nationalspieler Herbert Lübking vom Bundesligisten Grün-Weiß Dankersen und schaffte mit ihm den Durchmarsch bis in die Bundesliga. Mittels eines nicht genannten Sponsors sollte dem SC 80 ähnliches gelingen. Pietsch war sehr kreativ in der Gestaltung des Textes: So schilderte er, wie sich die Ratsmitglieder der Stadt Porta Westfalica zwischen den Optionen„Traglufthalle für das Freibad“ und „Ausbau des Hallenbades“ für letztere Lösung entschieden hätten. Gegenüber des Saunaganges hätte eine Tribüne 1000 Zuschauern Platz bieten sollen, „die während des normalen Badebetriebs als Liegefläche genutzt werden könne“. Mithilfe einer Schubwand sollte man in dem zukünftigen Schwimmbecken die Länge von 30 auf 25 Meter verkürzen können, „um weiterhin auch Schwimmwettbewerbe zu ermöglichen“, wie es hieß. Auch an die künftigen Fans hatte Pietsch gedacht: An jenem 1. April des Jahres 1986 sollten um 17 Uhr Hagen Stamm und Frank Otto mit der Bezirksklassentruppe des SC 80 ein erstes Show-Training absolvieren. Anschließend sollte es bei freiem Eintritt eine Autogrammstunde geben. Pietsch sagt lachend: „Selbst unser damalige Vorsitzender Herbert Gläser, der damals bei der Stadtverwaltung arbeitete, wusste nichts von dem Aprilscherz und hat sehr kritische Fragen gestellt.“ Die beiden Wasserball-Legenden wurden übrigens nicht den Scherz eingeweiht. Ob sie je davon erfahren haben, ist nicht bekannt.

Aprilscherz vor 35 Jahren: Weltklasse-Wasserballer wechseln nach Porta

Frank Otto bei einem Länderspiel im August 1988 in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele. Foto: imago/Sven Simon © imago

Minden. Es gibt Ballsportarten, die wesentlich mehr im medialen Fokus stehen als Wasserball. Zwei Protagonisten des Handballs im nassen Element sind aber den meisten Sportfans bis heute präsent: Frank Otto und Hagen Stamm. Heute vor genau 35 Jahren stand die Nachricht im Mindener Tageblatt, dass die beiden Topstars der Nationalmannschaft zum SC 80 Porta wechseln. Die Portaner spielten damals in der Bezirksklasse, der untersten Liga. Der Haken: Es war keine Nachricht, sondern ein genialer Aprilscherz, eine mittlerweile nahezu ausgestorbene Art des Humors.

Um es auf die Gegenwart zu übertragen: Die Meldung war in etwa so sensationell, als wenn es heute hieße, dass Robert Lewandowski und Thomas Müller zum SC Rodenbeck wechseln. Dennoch haben den Schabernack sehr viele Leser geglaubt, unter anderem der Autor dieses Textes.

Axel Müller, Vorstandsmitglied des Nachfolgevereins KSC Porta und Drummer der Mindener Kultband „Exhaust“, blickt lachend zurück: „Es ist im Nachhinein unglaublich, wie viele Leute das für bare Münze genommen haben. Auch im eigenen Verein, der damals noch jung war, hieß es: Der Club hat eh kein Geld und dann sowas! Das hatte Wolfgang Pietsch so ziemlich im Alleingang durchgezogen, das war mit den anderen gar nicht abgestimmt.“

Hagen Stamm war später auch Wasserball-Bundestrainer. Foto: Bernd Thissen/dpa - © Bernd Thissen
Hagen Stamm war später auch Wasserball-Bundestrainer. Foto: Bernd Thissen/dpa - © Bernd Thissen

Wolfgang Pietsch selbst erinnert sich: „Ich habe damals als Pressewart des Vereins gearbeitet und mich auch um die Vereinszeitung gekümmert. Ich meine, dass ein Jahr zuvor erstmals ein Aprilscherz im Lokalsportteil des MT stand. Ich hatte dann diese Schnapsidee und habe das Ganze mit Sportredakteur Ulrich Kuballa durchgezogen. Ich hatte auch den Hintergedanken, unseren Verein damit bekannter zu machen. Als Dankerser hatte ich natürlich auch im Hinterkopf, dass es den Wechsel eines Weltklassesportlers in die Kreisklasse 1970 hier bei uns schon einmal gegeben hat.“

Pietsch hatte die Idee des „Nettelstedter Modells“ für den SC 80 Porta: Der TuS Nettelstedt, damals in der 1. Kreisklasse, holte 1970 den Handball-Nationalspieler Herbert Lübking vom Bundesligisten Grün-Weiß Dankersen und schaffte mit ihm den Durchmarsch bis in die Bundesliga. Mittels eines nicht genannten Sponsors sollte dem SC 80 ähnliches gelingen. Pietsch war sehr kreativ in der Gestaltung des Textes: So schilderte er, wie sich die Ratsmitglieder der Stadt Porta Westfalica zwischen den Optionen„Traglufthalle für das Freibad“ und „Ausbau des Hallenbades“ für letztere Lösung entschieden hätten. Gegenüber des Saunaganges hätte eine Tribüne 1000 Zuschauern Platz bieten sollen, „die während des normalen Badebetriebs als Liegefläche genutzt werden könne“. Mithilfe einer Schubwand sollte man in dem zukünftigen Schwimmbecken die Länge von 30 auf 25 Meter verkürzen können, „um weiterhin auch Schwimmwettbewerbe zu ermöglichen“, wie es hieß.

Auch an die künftigen Fans hatte Pietsch gedacht: An jenem 1. April des Jahres 1986 sollten um 17 Uhr Hagen Stamm und Frank Otto mit der Bezirksklassentruppe des SC 80 ein erstes Show-Training absolvieren. Anschließend sollte es bei freiem Eintritt eine Autogrammstunde geben.

Pietsch sagt lachend: „Selbst unser damalige Vorsitzender Herbert Gläser, der damals bei der Stadtverwaltung arbeitete, wusste nichts von dem Aprilscherz und hat sehr kritische Fragen gestellt.“ Die beiden Wasserball-Legenden wurden übrigens nicht den Scherz eingeweiht. Ob sie je davon erfahren haben, ist nicht bekannt.

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