Abstieg des FC Schalke 04: Das Herz der Fans aus dem Mindener Land blutet Sebastian Külbel Minden. Der erste Abstieg des FC Schalke 04 seit 30 Jahren hat auch dessen Anhänger im Mindener Land in Trauer versetzt. Denn auch hier gibt es eine Handvoll Fanclubs der Königsblauen – und deren Mitglieder haben deutliche Worte für die Situation ihres Herzensvereins. Holger Finke (53, Wir lassen die Sau raus Hille): „Als Schalke-Fan hat man ja schon viel erlebt, aber diese Saison toppt alles. Innerhalb von einem Jahr alles in Schutt und Asche zu legen ist gar nicht so einfach – Schalke hat’s geschafft. Es ist einfach Wahnsinn, dass das passieren konnte. Vor drei Jahren waren wir noch in der Champions League, aber dann hat die Misswirtschaft begonnen. Das Chaos kam von allen Seiten: Im Präsidium und Management wurde auf die falschen Leute gesetzt, die Spieler sind Söldner ohne Herz für den Verein. Das war alles nur noch blutleer und kein richtiger Abstiegskampf. Und bei fünf Trainern in einer Saison kann sich auch kein Spieler auf taktische Vorgaben einstellen. Zudem hat Corona gezeigt, dass Schalke auf seine Fans angewiesen ist. Das sind auch die, die jetzt am meisten leiden. Außer bei Gerald Asamoah und Mike Büskens hat man doch bei keinem im Verein das Gefühl, dass ihn der Abstieg interessiert. Jetzt geht es darum, die richtigen Leute zu finden, zum Beispiel junge Spieler aus der Knappenschmiede, die sich mit Schalke 04 identifizieren. Denn sonst wird es auch in der 2. Liga schwer.“ Ingo Römke (47, Schalke Fanclub Cherusker Petershagen): „Erst kam Corona und jetzt auch noch das, als Schalke-Fan ist man im Moment schwer gebeutelt. Wenn man Woche für Woche dieses Dilemma sieht, wird man immer frustrierter. Man konnte sich zwar auf den Abstieg einstellen, hat aber trotzdem bis zuletzt gehofft. Als es dann am Dienstag fest stand, war es trotzdem sehr bitter. Aber nach einer dermaßen schlechten Leistung über eineinhalb Jahre war es die logische Folge. Es hat einfach schon seit geraumer Zeit nicht mehr gepasst im ganzen Verein. Im Prinzip produziert Schalke seit zwei Jahren nur Negativschlagzeilen, ob nun durch Querelen im Vorstand oder die ganzen Trainerwechsel. Und die Spieler haben einfach nicht begriffen, was den Fans der Verein bedeutet. Die suchen sich jetzt alle einen neuen Klub, und wir Fans haben die ganze Häme und den Spott. Aber wir fiebern weiter mit und hoffen, dass der Abstieg nur ein Ausrutscher war. Dafür muss jetzt aber wirklich ein kompletter Neuaufbau kommen – auch mit einem anderen Trainer.“ Andreas Schierbaum (28, Blue Miner Porta): Bei dem einen oder anderen Fan ist am Dienstag sicher eine Träne geflossen. Auch wenn man sich lange darauf vorbereiten konnte, ist es trotzdem hart, wenn es dann passiert. Man muss diesen Abstieg als eine Folge von Missmanagement einordnen – nicht nur finanziell, sondern auch sportlich. Da wurden in den letzten fünf Jahren viele unglückliche Entscheidungen getroffen, vor allem im Personalmanagement rund um die Mannschaft. Für mich war es ein kapitaler Fehler, zu lange an Personen festzuhalten, die für diese Entscheidungen die Verantwortung tragen. Das zeigt sich schon daran, dass die Mannschaft offensichtlich nicht fit ist. Auch wenn die Spieler sportlich nicht alles gegeben haben, ist das bei aller Enttäuschung aber kein Grund, diese anzugreifen, was einzelne getan haben. Das ist nicht das, wofür der Verein steht. Wichtig ist, dass alle, die mit anpacken wollen, jetzt zusammenstehen. Deshalb sehe ich den Abstieg auch als große Chance an, die seit Jahren ersehnten Umbrüche endlich durchzusetzen. Und ich freue mich trotzdem auf die 2. Liga, denn da wird auch guter Fußball gespielt – ob von unserem Verein, das weiß ich aber noch nicht. Heike Herhaus (58, Königsblaue Mindener): „Es war eine harte Woche für uns, man hat ja immer noch von Spiel zu Spiel gehofft, dass es eine minimale Chance gibt. Aber als Schalke-Fan ist man leidgeprüft, ich bin mit dem Verein zum dritten Mal abgestiegen. Die Verantwortlichen wollten einfach zu viel und wären gerne auf Augenhöhe mit den Bayern. Und wer hoch hinaus will, fällt eben tief. Ich glaube, der Sportvorstand hat einfach falsch eingekauft, viele Spieler konnte man nicht so gut gebrauchen. Aber es liegt nicht nur an der Mannschaft, auch bei den Trainern hatten wir einen viel zu hohen Verschleiß. Es waren zwar immer mal wieder gute Spiele dabei, aber unterm Strich hat es einfach nicht gereicht. Ich hoffe jetzt auf einen Neuaufbau in der 2. Liga mit jungen Spielern. Und wenn dazu einer wie Huntelaar bleiben würde, wäre das natürlich auch toll. Vom Personal wird auch abhängen, wie lange Schalke in der 2. Liga bleiben muss. Man sieht ja an Hamburg, dass es dauern kann mit dem Wiederaufstieg. Die Lust auf Schalke wird trotzdem bleiben, Fan ist man eben in guten und in schlechten Zeiten.“

Abstieg des FC Schalke 04: Das Herz der Fans aus dem Mindener Land blutet

Nach dem ersten Abstieg seit 30 Jahren herrscht nicht nur auf dem Schalker Fan-Friedhof in Gelsenkirchen-West Grabesstimmung. Auch im Mindener Land trauern die Anhänger mit ihrem Verein. Foto: Moritz Müller/imago © imago images/Moritz Müller

Minden. Der erste Abstieg des FC Schalke 04 seit 30 Jahren hat auch dessen Anhänger im Mindener Land in Trauer versetzt. Denn auch hier gibt es eine Handvoll Fanclubs der Königsblauen – und deren Mitglieder haben deutliche Worte für die Situation ihres Herzensvereins.

Holger Finke (53, Wir lassen die Sau raus Hille): „Als Schalke-Fan hat man ja schon viel erlebt, aber diese Saison toppt alles. Innerhalb von einem Jahr alles in Schutt und Asche zu legen ist gar nicht so einfach – Schalke hat’s geschafft. Es ist einfach Wahnsinn, dass das passieren konnte. Vor drei Jahren waren wir noch in der Champions League, aber dann hat die Misswirtschaft begonnen. Das Chaos kam von allen Seiten: Im Präsidium und Management wurde auf die falschen Leute gesetzt, die Spieler sind Söldner ohne Herz für den Verein. Das war alles nur noch blutleer und kein richtiger Abstiegskampf. Und bei fünf Trainern in einer Saison kann sich auch kein Spieler auf taktische Vorgaben einstellen. Zudem hat Corona gezeigt, dass Schalke auf seine Fans angewiesen ist. Das sind auch die, die jetzt am meisten leiden. Außer bei Gerald Asamoah und Mike Büskens hat man doch bei keinem im Verein das Gefühl, dass ihn der Abstieg interessiert. Jetzt geht es darum, die richtigen Leute zu finden, zum Beispiel junge Spieler aus der Knappenschmiede, die sich mit Schalke 04 identifizieren. Denn sonst wird es auch in der 2. Liga schwer.“

Ingo Römke (47, Schalke Fanclub Cherusker Petershagen): „Erst kam Corona und jetzt auch noch das, als Schalke-Fan ist man im Moment schwer gebeutelt. Wenn man Woche für Woche dieses Dilemma sieht, wird man immer frustrierter. Man konnte sich zwar auf den Abstieg einstellen, hat aber trotzdem bis zuletzt gehofft. Als es dann am Dienstag fest stand, war es trotzdem sehr bitter. Aber nach einer dermaßen schlechten Leistung über eineinhalb Jahre war es die logische Folge. Es hat einfach schon seit geraumer Zeit nicht mehr gepasst im ganzen Verein. Im Prinzip produziert Schalke seit zwei Jahren nur Negativschlagzeilen, ob nun durch Querelen im Vorstand oder die ganzen Trainerwechsel. Und die Spieler haben einfach nicht begriffen, was den Fans der Verein bedeutet. Die suchen sich jetzt alle einen neuen Klub, und wir Fans haben die ganze Häme und den Spott. Aber wir fiebern weiter mit und hoffen, dass der Abstieg nur ein Ausrutscher war. Dafür muss jetzt aber wirklich ein kompletter Neuaufbau kommen – auch mit einem anderen Trainer.“

Andreas Schierbaum (28, Blue Miner Porta): Bei dem einen oder anderen Fan ist am Dienstag sicher eine Träne geflossen. Auch wenn man sich lange darauf vorbereiten konnte, ist es trotzdem hart, wenn es dann passiert. Man muss diesen Abstieg als eine Folge von Missmanagement einordnen – nicht nur finanziell, sondern auch sportlich. Da wurden in den letzten fünf Jahren viele unglückliche Entscheidungen getroffen, vor allem im Personalmanagement rund um die Mannschaft. Für mich war es ein kapitaler Fehler, zu lange an Personen festzuhalten, die für diese Entscheidungen die Verantwortung tragen. Das zeigt sich schon daran, dass die Mannschaft offensichtlich nicht fit ist. Auch wenn die Spieler sportlich nicht alles gegeben haben, ist das bei aller Enttäuschung aber kein Grund, diese anzugreifen, was einzelne getan haben. Das ist nicht das, wofür der Verein steht. Wichtig ist, dass alle, die mit anpacken wollen, jetzt zusammenstehen. Deshalb sehe ich den Abstieg auch als große Chance an, die seit Jahren ersehnten Umbrüche endlich durchzusetzen. Und ich freue mich trotzdem auf die 2. Liga, denn da wird auch guter Fußball gespielt – ob von unserem Verein, das weiß ich aber noch nicht.

Heike Herhaus (58, Königsblaue Mindener): „Es war eine harte Woche für uns, man hat ja immer noch von Spiel zu Spiel gehofft, dass es eine minimale Chance gibt. Aber als Schalke-Fan ist man leidgeprüft, ich bin mit dem Verein zum dritten Mal abgestiegen. Die Verantwortlichen wollten einfach zu viel und wären gerne auf Augenhöhe mit den Bayern. Und wer hoch hinaus will, fällt eben tief. Ich glaube, der Sportvorstand hat einfach falsch eingekauft, viele Spieler konnte man nicht so gut gebrauchen. Aber es liegt nicht nur an der Mannschaft, auch bei den Trainern hatten wir einen viel zu hohen Verschleiß. Es waren zwar immer mal wieder gute Spiele dabei, aber unterm Strich hat es einfach nicht gereicht. Ich hoffe jetzt auf einen Neuaufbau in der 2. Liga mit jungen Spielern. Und wenn dazu einer wie Huntelaar bleiben würde, wäre das natürlich auch toll. Vom Personal wird auch abhängen, wie lange Schalke in der 2. Liga bleiben muss. Man sieht ja an Hamburg, dass es dauern kann mit dem Wiederaufstieg. Die Lust auf Schalke wird trotzdem bleiben, Fan ist man eben in guten und in schlechten Zeiten.“

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