Tausende sind betroffen: Mit dem Ende der Kampa-Halle schließt sich für den Sport eine Tür Marcus Riechmann Minden (mt). Vereine, Schüler und zahlreiche weitere Nutzer der Mindener Kampa-Halle stehen vor einer ungewissen Zukunft. Sollte der Kreis Minden-Lübbecke als Betreiber die Halle mit allen Nebenanlagen außer der Kreisschwimmhalle aufgrund der beauftragten Brandschutzgutachten wie angekündigt am Jahresende schließen, geht eine hochfrequentierte und in ihrer Ausstattung in der Region einzigartige Sportanlage vom Netz. Der Kreissportbeauftragte Fido Gast informierte gestern im Moorhus in Frotheim den Kreisausschuss für Sport, Kultur und Tourismus über die Folgen der Schließung. Im kurz darauf tagenden Kreisausschuss für Schule waren die Auswirkungen für die benachbarten Berufskollegs Freiherr von Stein und Leo Sympher ein Thema. Für den Unterricht der insgesamt rund 5000 Schüler im Pflichtfach Sport werden sich die Berufsschulen die bisher allein vom Freiherr von Stein-Kolleg genutzte Kreissporthalle II teilen müssen. Auch für zahlreiche Sportvereine der Stadt sowie die Leistungsstützpunkte der Verbände stellt das Ende der Kampa-Halle ein ernstes Problem dar. Von der Schließung betroffen ist nicht nur der Hallen-Innenraum, sondern auch die Nebenanlagen wie Vip- und Gymnastikraum, Seminarraum, Kraftraum, Laufbahn und Schießkeller. Einer Anfrage der Stadtverwaltung nach zumindest teilweiser Weiternutzung der Kampa-Halle wurde von der Kreisverwaltung eine klare Absage erteilt, berichtet die Beigeordnete Regina-Dolores Stieler-Hinz. Das Sportbüro der Stadt Minden hat bereits alle Vereine angeschrieben, um den Gesamtbedarf an Ersatzzeiten in anderen Sportanlagen zu ermitteln. Nina Renner, Bereichsleiterin für Kultur und Sport bei der Stadt Minden, machte jedoch gestern in einer Stellungnahme deutlich, dass Ersatzlösungen nur schwer zu erreichen sind, da die Kapazitäten anderer Hallen ausgeschöpft sind und für Nutzer der Laufbahn und der Schießsportanlage keine Alternativen zur Verfügung stehen. „Wir werden keine 1:1-Lösung bieten können. Es müssten leider wohl alle Abstriche bei den Hallennutzungszeiten machen“, sagt Nina Renner. Auch die Zukunft der Spitzensportler ist ungeklärt. Der Bundesstützpunkt Handball sowie die Landesstützpunkte für Handball, Leichtathletik und Volleyball sind bisher in der Kampa-Halle verortet, die Sporthalle, Kraft- und Seminarraum unter einem Dach vereint. Das besondere Leistungsspektrum der Kampa-Halle als Sportstätte für den gesamten Mühlenkreis betonte Helmut Schemmann. Der Geschäftsführer des Kreissportbundes (KSB) richtete im Sportausschuss und im Gespräch mit dem Mindener Tageblatt den Blick nach vorn. Er befasste sich mit der Situation, wenn die Kampa-Halle abgerissen und von Multi-Arena sowie einer neuen Funktionssporthalle ersetzt werden würde. „Wir benötigen eine Halle, die den modernen Anforderungen gerecht wird, und zwar für Schulsport, Vereinssport und Leistungssport“, sagte Schemmann. Er hat mit dem KSB die Idee eines Sport-Campus Minden mit Sport-, Bildungs- und Büroangeboten entworfen, der an der Stelle der Kampa-Halle entstehen kann. Falls lediglich eine schlichte Sporthalle („vier Wände, Decke, Hallenboden“) als Kampa-Ersatz gebaut würde, „wäre das für die Sportentwicklung der nächsten 30 Jahre, für die Jugendförderung und die Bildungsarbeit im Sport eine Katastrophe.“ Mit dem Kreissportbund blickt Schemmann derzeit einer ungewissen Zukunft entgegen. Denn der KSB mit seinen acht Mitarbeitern hat von der Kreisverwaltung die Kündigung erhalten und muss seine Büros in der Kampa-Halle bis zum Jahresende räumen. Die Dachorganisation der 473 Sportvereine im Mühlenkreis mit insgesamt 115.000 Mitgliedern reagierte in einem offenen Brief. Viel Kraft werde nun von den Umzugsvorbereitungen gebunden, der Bund kündigte einen eingeschränkten Geschäftsbetrieb an. Das betrifft auch die Vereinsberatung im Rahmen des Förderprogramms „Moderne Sportstätten“. Wie der KSB werden auch der Betriebssportkreisverband und der Volleyballverein 1. VC Minden ihre Büros an der Hahler Straße zum Jahresende räumen müssen. Verärgert ist man beim KSB über die Abläufe der Kündigung. Zunächst habe man von der Schließungsabsicht im September aus der Presse erfahren, danach sei vom Kreis erklärt worden, dass die KSB-Büros wegen bereits umgesetzter Baumaßnahmen von der Schließung nicht betroffen seien. „Bis zum 30. Oktober wurde uns mehrfach versichert, dass der Geschäftsstellenbereich als separierter Teil betrachtet und behandelt wird“, kritisiert KSB-Präsident Jens Große und zeigt „wenig Verständnis“. Er sprach von einer „Prinzipienentscheidung“ des Landrates, die mit Blick auf die Sportentwicklung im Kreis „einfach mit einer großen Unkenntnis gefallen“ sei. Es gebe Optionen für eine neue Heimat, berichtet Schemmann, auch die Kreisverwaltung habe Angebote unterbreitet. Wann neue Räume bezugsfertig sein werden, ist offen. Für Schemmann ist klar, dass die neue Lösung gleichermaßen bezahlbar wie dauerhaft sein muss. Ein mehrmaliger Umzug belaste das Team über die Grenzen und behindere das Tagesgeschäft erheblich. Nutzer der Kampa-Halle Die Mindener Stadtverwaltung hat die sportlichen Nutzer der Kampa-Halle gelistet. Neben GWD Minden mit Profi- und Jugendmannschaften, dem Handballkreisverband und mehreren Handball-Stützpunkten belegen zahlreiche weitere Vereine die Halle für Training und Wettkämpfe. So nutzen SV 1860 Minden, Kneipp-Verein, DJK Dom Minden, VHS, Betriebssportgemeinschaft Minden und Kanuclub die Kampa-Halle und die Nebenräume. Der Schießkeller wird vom Schützenkreisverband, von den Mindener Bogenschützen, dem SV Minderheide und SLG Bastau Minden genutzt. Vor allem werden die Kampa-Halle wie auch die benachbarte Kreissporthalle II zwei von den Berufskollegs für den Schulsport benötigt. (mt)

Tausende sind betroffen: Mit dem Ende der Kampa-Halle schließt sich für den Sport eine Tür

Der Seiteneingang der Kampa-Halle zu den Büros von Kreissportbund, 1. VC Minden und Betriebssportkreisverband steht nur bis Ende Dezember offen. MT- © Foto: Riechmann

Minden (mt). Vereine, Schüler und zahlreiche weitere Nutzer der Mindener Kampa-Halle stehen vor einer ungewissen Zukunft. Sollte der Kreis Minden-Lübbecke als Betreiber die Halle mit allen Nebenanlagen außer der Kreisschwimmhalle aufgrund der beauftragten Brandschutzgutachten wie angekündigt am Jahresende schließen, geht eine hochfrequentierte und in ihrer Ausstattung in der Region einzigartige Sportanlage vom Netz.

Der Kreissportbeauftragte Fido Gast informierte gestern im Moorhus in Frotheim den Kreisausschuss für Sport, Kultur und Tourismus über die Folgen der Schließung. Im kurz darauf tagenden Kreisausschuss für Schule waren die Auswirkungen für die benachbarten Berufskollegs Freiherr von Stein und Leo Sympher ein Thema. Für den Unterricht der insgesamt rund 5000 Schüler im Pflichtfach Sport werden sich die Berufsschulen die bisher allein vom Freiherr von Stein-Kolleg genutzte Kreissporthalle II teilen müssen.

Auch für zahlreiche Sportvereine der Stadt sowie die Leistungsstützpunkte der Verbände stellt das Ende der Kampa-Halle ein ernstes Problem dar. Von der Schließung betroffen ist nicht nur der Hallen-Innenraum, sondern auch die Nebenanlagen wie Vip- und Gymnastikraum, Seminarraum, Kraftraum, Laufbahn und Schießkeller. Einer Anfrage der Stadtverwaltung nach zumindest teilweiser Weiternutzung der Kampa-Halle wurde von der Kreisverwaltung eine klare Absage erteilt, berichtet die Beigeordnete Regina-Dolores Stieler-Hinz.

Das Sportbüro der Stadt Minden hat bereits alle Vereine angeschrieben, um den Gesamtbedarf an Ersatzzeiten in anderen Sportanlagen zu ermitteln. Nina Renner, Bereichsleiterin für Kultur und Sport bei der Stadt Minden, machte jedoch gestern in einer Stellungnahme deutlich, dass Ersatzlösungen nur schwer zu erreichen sind, da die Kapazitäten anderer Hallen ausgeschöpft sind und für Nutzer der Laufbahn und der Schießsportanlage keine Alternativen zur Verfügung stehen. „Wir werden keine 1:1-Lösung bieten können. Es müssten leider wohl alle Abstriche bei den Hallennutzungszeiten machen“, sagt Nina Renner.

Auch die Zukunft der Spitzensportler ist ungeklärt. Der Bundesstützpunkt Handball sowie die Landesstützpunkte für Handball, Leichtathletik und Volleyball sind bisher in der Kampa-Halle verortet, die Sporthalle, Kraft- und Seminarraum unter einem Dach vereint.

Das besondere Leistungsspektrum der Kampa-Halle als Sportstätte für den gesamten Mühlenkreis betonte Helmut Schemmann. Der Geschäftsführer des Kreissportbundes (KSB) richtete im Sportausschuss und im Gespräch mit dem Mindener Tageblatt den Blick nach vorn. Er befasste sich mit der Situation, wenn die Kampa-Halle abgerissen und von Multi-Arena sowie einer neuen Funktionssporthalle ersetzt werden würde. „Wir benötigen eine Halle, die den modernen Anforderungen gerecht wird, und zwar für Schulsport, Vereinssport und Leistungssport“, sagte Schemmann. Er hat mit dem KSB die Idee eines Sport-Campus Minden mit Sport-, Bildungs- und Büroangeboten entworfen, der an der Stelle der Kampa-Halle entstehen kann. Falls lediglich eine schlichte Sporthalle („vier Wände, Decke, Hallenboden“) als Kampa-Ersatz gebaut würde, „wäre das für die Sportentwicklung der nächsten 30 Jahre, für die Jugendförderung und die Bildungsarbeit im Sport eine Katastrophe.“

Mit dem Kreissportbund blickt Schemmann derzeit einer ungewissen Zukunft entgegen. Denn der KSB mit seinen acht Mitarbeitern hat von der Kreisverwaltung die Kündigung erhalten und muss seine Büros in der Kampa-Halle bis zum Jahresende räumen. Die Dachorganisation der 473 Sportvereine im Mühlenkreis mit insgesamt 115.000 Mitgliedern reagierte in einem offenen Brief. Viel Kraft werde nun von den Umzugsvorbereitungen gebunden, der Bund kündigte einen eingeschränkten Geschäftsbetrieb an. Das betrifft auch die Vereinsberatung im Rahmen des Förderprogramms „Moderne Sportstätten“. Wie der KSB werden auch der Betriebssportkreisverband und der Volleyballverein 1. VC Minden ihre Büros an der Hahler Straße zum Jahresende räumen müssen.

Verärgert ist man beim KSB über die Abläufe der Kündigung. Zunächst habe man von der Schließungsabsicht im September aus der Presse erfahren, danach sei vom Kreis erklärt worden, dass die KSB-Büros wegen bereits umgesetzter Baumaßnahmen von der Schließung nicht betroffen seien. „Bis zum 30. Oktober wurde uns mehrfach versichert, dass der Geschäftsstellenbereich als separierter Teil betrachtet und behandelt wird“, kritisiert KSB-Präsident Jens Große und zeigt „wenig Verständnis“. Er sprach von einer „Prinzipienentscheidung“ des Landrates, die mit Blick auf die Sportentwicklung im Kreis „einfach mit einer großen Unkenntnis gefallen“ sei.

Es gebe Optionen für eine neue Heimat, berichtet Schemmann, auch die Kreisverwaltung habe Angebote unterbreitet. Wann neue Räume bezugsfertig sein werden, ist offen. Für Schemmann ist klar, dass die neue Lösung gleichermaßen bezahlbar wie dauerhaft sein muss. Ein mehrmaliger Umzug belaste das Team über die Grenzen und behindere das Tagesgeschäft erheblich.

Nutzer der Kampa-Halle

Die Mindener Stadtverwaltung hat die sportlichen Nutzer der Kampa-Halle gelistet. Neben GWD Minden mit Profi- und Jugendmannschaften, dem Handballkreisverband und mehreren Handball-Stützpunkten belegen zahlreiche weitere Vereine die Halle für Training und Wettkämpfe.

So nutzen SV 1860 Minden, Kneipp-Verein, DJK Dom Minden, VHS, Betriebssportgemeinschaft Minden und Kanuclub die Kampa-Halle und die Nebenräume.

Der Schießkeller wird vom Schützenkreisverband, von den Mindener Bogenschützen, dem SV Minderheide und SLG Bastau Minden genutzt.

Vor allem werden die Kampa-Halle wie auch die benachbarte Kreissporthalle II zwei von den Berufskollegs für den Schulsport benötigt. (mt)

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