Weg vom Fenster: Die HSG EURo hat ihre Handballfrauen nicht mehr für die Oberliga gemeldet Marcus Riechmann Minden/Hille. Bisweilen lohnt der Blick in amtliche Unterlagen. Erkenntnis bringt nicht nur das, was dort geschrieben steht, sondern auch das, was eben nicht notiert ist. Erhellend war daher die Lektüre der jüngsten offiziellen Mitteilungen des westfälischen Handballverbandes HVW. Dort wurden feinsäuberlich die Mannschaftsmeldungen für die kommenden Saison gelistet. Auch für die Handball-Oberliga der Frauen. 18 Mannschaften finden sich – eine große Zahl, die deutlich über den 14 Teams der abgebrochenen Corona-Saison liegt. Doch die Liste ist nicht komplett. HB Bad Salzuflen, Tabellenvierter bei Saisonschluss, fehlt ebenso wie die von personellem Aderlass stark betroffene HSG EURo, die zum Serienende auf Platz elf lag. Aufschluss bringt die Nachfrage bei Andreas Tiemann. Der Vizepräsident Spieltechnik im Verband erläutert: „Bad Salzuflen ist versehentlich nicht in der Liste. Sie haben gemeldet.“ Das Fehlen der HSG EURo hat andere Gründe: „Die HSG hat nicht gemeldet. Ich wurde informiert, dass die Mannschaft nicht mehr in der Oberliga spielen wird, weil keine spielfähige Mannschaft zur Verfügung steht“, berichtet Tiemann. Die Folge: Die HSG EURo wird in der kommenden Saison in der Bezirksliga spielen, wo die zweite Mannschaft gemeldet ist. Schmerzlich für den Funktionär, der schließlich bei der HSG und dem TuS RW Unterlübbe als einem der drei Stammvereine der Spielgemeinschaft, seine sportliche Heimat hat. Damit realisiert sich, was seit Monaten als Gerücht durch die Szene ging und im Februar noch von Jörn Haseloh, Leiter der Spielgemeinschaft, strikt zurückgewiesen wurde: Die HSG verabschiedet sich zwei Jahre nach dem gefeierten Aufstieg aus der Oberliga. Aus der „Mühlenkreisliga“ mit noch nie da gewesenen fünf Mannschaften aus dem Mindener Land wird nichts. Lit Tribe 1912, HSV Minden-Nord, Beinahe-Absteiger TSV Hahlen und Aufsteiger HSG Petershagen/Lahde werden in der Spielzeit 2020/2021 ein Quartett bilden. Jürgen Sander begründet die Überlegungen, die bei der HSG EURo dazu geführt haben, künftig nur noch auf Kreisebene Frauenhandball zu spielen. „Die Korsettstangen sind aus dem Team weggebrochen, es gab einfach nicht mehr genügend Spielerinnen“, erzählt Sander und berichtet von einem massiven personellen Aderlass: „Das war wie eine Kettenreaktion.“ Caro Pagels, Sarah Zydel und Tina Tegtmeyer hatten den Wechsel zum Verbandsligisten TuS Möllbergen angekündigt, zum Jahreswechsel wurde der Abschied von Rhea und Rahel Rodehau zum Klassenpartner Lit Tribe Germania bekannt. Es folgten weitere: Ann-Kathrin Bredemeier und Chanice Arendt schließen sich dem HSV Minden-Nord an, Lisa Danneberg wechselt zum TSV Hahlen, Joana Rodehau, Jenny Hampel und Laura Tirschler meldeten sich aus verschiedenen Gründen ab. Neue Spielerinnen waren nicht für das offenkundig sinkende Schiff zu gewinnen. „Im Kreisgebiet gibt es gar nicht genügend Potenzial für so viele Oberligisten“, sagt Sander, Spielerinnen von außerhalb zu holen „macht für uns einfach keinen Sinn.“ Bereits die beiden Oberliga-Jahre beschreibt Sander als „personelle Gratwanderung“. Sportlich habe sich die Mannschaft mit Trainer Matthias Bredemeier („Matze hat hier sehr gute Arbeit geleistet.“) wacker geschlagen, aber: „Bei uns fehlt der Unterbau, der Leistungsabstand von der 2. Mannschaft oder von den A-Mädchen nach oben ist zu groß.“ Nun habe man einen Schlussstrich gezogen und startet in der Bezirksliga den Neuaufbau. Für den Neustart ist Sander zurückgekehrt. Der langjährige Betreuer hatte sich mit dem Aufstieg vor zwei Jahren zurückgezogen, nun übernimmt der 63-jährige Handballwart des TSV Rothenuffeln in der Spielgemeinschaft wieder Verantwortung. „Ich habe die Hoffnung, dass sich hier langsam wieder etwas entwickelt“, sagt er. Mit welchem Trainer die neue Mannschaft arbeiten wird, ist offen. Matthias Bredemeier wird es nicht sein. „Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt“, sagt der 41-jährige Coach über seine beiden EURo-Jahre, „das war hier angenehm familiär.“ Er hätte gern weitergemacht: „Wenn fünf oder sechs Spielerinnen aus dem Stammkader geblieben wären, hätte man etwas versuchen und neu aufbauen können. Aber da war am Ende nichts mehr. Schade, dass es so zu Ende gegangen ist“, sagt Bredemeier. Da seine Frau Ann-Kathrin beim HSV noch ein bisschen Handball spielen will, legt der Vater zweier Kinder nach 25 Jahren als Trainer nun eine Sportpause ein: „Es ist ein Versuch, mal sehen, wie sich das anfühlen wird.“

Weg vom Fenster: Die HSG EURo hat ihre Handballfrauen nicht mehr für die Oberliga gemeldet

Lisa Danneberg hat wie fast alle anderen EURo-Spielerinnen eine neue sportliche Heimat gefunden. Sie spielt künftig für den Oberligisten TSV Hahlen. © Foto: Christian Bendig

Minden/Hille. Bisweilen lohnt der Blick in amtliche Unterlagen. Erkenntnis bringt nicht nur das, was dort geschrieben steht, sondern auch das, was eben nicht notiert ist. Erhellend war daher die Lektüre der jüngsten offiziellen Mitteilungen des westfälischen Handballverbandes HVW. Dort wurden feinsäuberlich die Mannschaftsmeldungen für die kommenden Saison gelistet. Auch für die Handball-Oberliga der Frauen. 18 Mannschaften finden sich – eine große Zahl, die deutlich über den 14 Teams der abgebrochenen Corona-Saison liegt. Doch die Liste ist nicht komplett. HB Bad Salzuflen, Tabellenvierter bei Saisonschluss, fehlt ebenso wie die von personellem Aderlass stark betroffene HSG EURo, die zum Serienende auf Platz elf lag.

Aufschluss bringt die Nachfrage bei Andreas Tiemann. Der Vizepräsident Spieltechnik im Verband erläutert: „Bad Salzuflen ist versehentlich nicht in der Liste. Sie haben gemeldet.“ Das Fehlen der HSG EURo hat andere Gründe: „Die HSG hat nicht gemeldet. Ich wurde informiert, dass die Mannschaft nicht mehr in der Oberliga spielen wird, weil keine spielfähige Mannschaft zur Verfügung steht“, berichtet Tiemann. Die Folge: Die HSG EURo wird in der kommenden Saison in der Bezirksliga spielen, wo die zweite Mannschaft gemeldet ist. Schmerzlich für den Funktionär, der schließlich bei der HSG und dem TuS RW Unterlübbe als einem der drei Stammvereine der Spielgemeinschaft, seine sportliche Heimat hat.

Damit realisiert sich, was seit Monaten als Gerücht durch die Szene ging und im Februar noch von Jörn Haseloh, Leiter der Spielgemeinschaft, strikt zurückgewiesen wurde: Die HSG verabschiedet sich zwei Jahre nach dem gefeierten Aufstieg aus der Oberliga. Aus der „Mühlenkreisliga“ mit noch nie da gewesenen fünf Mannschaften aus dem Mindener Land wird nichts. Lit Tribe 1912, HSV Minden-Nord, Beinahe-Absteiger TSV Hahlen und Aufsteiger HSG Petershagen/Lahde werden in der Spielzeit 2020/2021 ein Quartett bilden.

Jürgen Sander begründet die Überlegungen, die bei der HSG EURo dazu geführt haben, künftig nur noch auf Kreisebene Frauenhandball zu spielen. „Die Korsettstangen sind aus dem Team weggebrochen, es gab einfach nicht mehr genügend Spielerinnen“, erzählt Sander und berichtet von einem massiven personellen Aderlass: „Das war wie eine Kettenreaktion.“ Caro Pagels, Sarah Zydel und Tina Tegtmeyer hatten den Wechsel zum Verbandsligisten TuS Möllbergen angekündigt, zum Jahreswechsel wurde der Abschied von Rhea und Rahel Rodehau zum Klassenpartner Lit Tribe Germania bekannt. Es folgten weitere: Ann-Kathrin Bredemeier und Chanice Arendt schließen sich dem HSV Minden-Nord an, Lisa Danneberg wechselt zum TSV Hahlen, Joana Rodehau, Jenny Hampel und Laura Tirschler meldeten sich aus verschiedenen Gründen ab.

Neue Spielerinnen waren nicht für das offenkundig sinkende Schiff zu gewinnen. „Im Kreisgebiet gibt es gar nicht genügend Potenzial für so viele Oberligisten“, sagt Sander, Spielerinnen von außerhalb zu holen „macht für uns einfach keinen Sinn.“ Bereits die beiden Oberliga-Jahre beschreibt Sander als „personelle Gratwanderung“. Sportlich habe sich die Mannschaft mit Trainer Matthias Bredemeier („Matze hat hier sehr gute Arbeit geleistet.“) wacker geschlagen, aber: „Bei uns fehlt der Unterbau, der Leistungsabstand von der 2. Mannschaft oder von den A-Mädchen nach oben ist zu groß.“ Nun habe man einen Schlussstrich gezogen und startet in der Bezirksliga den Neuaufbau.

Für den Neustart ist Sander zurückgekehrt. Der langjährige Betreuer hatte sich mit dem Aufstieg vor zwei Jahren zurückgezogen, nun übernimmt der 63-jährige Handballwart des TSV Rothenuffeln in der Spielgemeinschaft wieder Verantwortung. „Ich habe die Hoffnung, dass sich hier langsam wieder etwas entwickelt“, sagt er. Mit welchem Trainer die neue Mannschaft arbeiten wird, ist offen.

Matthias Bredemeier wird es nicht sein. „Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt“, sagt der 41-jährige Coach über seine beiden EURo-Jahre, „das war hier angenehm familiär.“ Er hätte gern weitergemacht: „Wenn fünf oder sechs Spielerinnen aus dem Stammkader geblieben wären, hätte man etwas versuchen und neu aufbauen können. Aber da war am Ende nichts mehr. Schade, dass es so zu Ende gegangen ist“, sagt Bredemeier. Da seine Frau Ann-Kathrin beim HSV noch ein bisschen Handball spielen will, legt der Vater zweier Kinder nach 25 Jahren als Trainer nun eine Sportpause ein: „Es ist ein Versuch, mal sehen, wie sich das anfühlen wird.“

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