Was er anfasste, wurde zu Gold: MT-Interview zum 80. Geburtstag von Herbert Lübking Michael Lorenz,Marcus Riechmann Minden. Früher spielte er die gegnerischen Abwehrreihen schwindelig, heute hält Herbert Lübking sein Leben in Ordnung. Der einstige Handballstar, der mit GWD auf dem Großfeld Titel gewann und dann den TuS Nettelstedt in der Halle aus der Kreisklasse bis in die Bundesliga führte, lebt bescheiden in seinem Heimatort Dankersen. Seine Zeit widmet er der Pflege seiner kranken Ehefrau Ingrid, mit der er seit 57 Jahren verheiratet ist. „Ich komme nicht mehr groß raus“, sagt Lübking, der heute in kleinem Rahmen seinen 80. Geburtstag feiert. Im MT-Interview blickt die Handball-Ikone auf ein bewegtes Leben zurück in dem auch alles, was er als Trainer anfasste, zu Gold wurde: „Ich bin nie ab- aber oft aufgestiegen“, sagt Lübking. Herr Lübking, Zeitzeugen, die Sie im Betriebssport als Fußballer im Team von Melitta zum Gegner hatten, sagten gerne: „Der war im Fußball fast genauso gut wie im Handball.“ Wie haben Sie das empfunden? Natürlich konnte ich auch ganz ordentlich Fußball spielen, aber bei uns in Dankersen gab es nun mal keinen Fußballverein. Da bin ich halt Handballer geworden. Ich will ihnen Mal eine Geschichte erzählen: Der SV Minden 05 war in den Sechziger Jahren eine ziemlich große Nummer im Fußball, zumindest für Mindener Verhältnisse. Für das MSV-Team sollte ich in einem Pokalspiel im Weserstadion an einem Sonntagmorgen gegen den 1. FC Kaiserslautern auflaufen. Den Samstag davor hatte ich aber noch ein Handball-Länderspiel in München zu bestreiten. Ich bin danach nonstop nach Hause gefahren, um am Sonntag spielen zu können. Und was war? Es hatte über Nacht stark geschneit und der Platz war absolut unbespielbar. Als das Spiel wiederholt wurde, musste ich wieder Handball spielen. Schade. Ihre Handballlaufbahn war einzigartig. Was waren die Höhepunkte? Da gab es viele. Schon alleine der Umstand, dass ich als junger Dankerser bei den Männern Nationalspieler wurde. Hier möchte ich einhaken: Es wird immer davon geschrieben, dass Fritz Homann uns die entscheidenden Impulse gegeben hat. Der hatte sicherlich einen wichtigen Anteil am Aufstieg des Handballs in Dankersen, aber unser Trainer in der Jugend war Arnhold Kresse, der hat uns geprägt, war auch der erste Dankerser Nationalspieler. Aber der wird oft vergessen.Mit den Titelgewinnen ging es 1966 los. Seither haben Sie den inoffiziellen Titel „ewiger Weltmeister.“Ja, da haben wir in Österreich den WM-Titel gewonnen. Danach gab es keine Feldhandball-WM mehr. 1967 haben wir mit Grün-Weiß Dankersen endlich die erste Deutsche Meisterschaft gefeiert, nach dem es zuvor einige Male knapp nicht geklappt hat. Der Autokonvoi zum Rathaus, der Empfang dort, das sind unvergessene Erlebnisse. 1970 kam die Zäsur mit dem Wechsel zum TuS Nettelstedt in die Kreisklasse. Man muss das Ganze im Kontext der damaligen Zeit sehen. Wir haben damals mit Handball kein Geld verdient. Ich kann guten Gewissens behaupten, dass ich weder in Dankersen noch in Nettelstedt Geld verdient habe. Für den ersten Deutschen Meistertitel etwa haben wir ein Kaffeeservice bekommen. Ich hatte damals einfach die Chance, beruflich voranzukommen, was ja auch geklappt hat. Der Wechsel hat hohe Wellen geschlagen. Bewegt Sie das noch heute? Die ersten Jahre waren hart, und das war damals von einigen alten Weggefährten auch nicht Ordnung, das kann ich heute ja sagen. Mittlerweile begleitet mich das gar nicht mehr, außer wenn ich darauf angesprochen werde. Bei den Olympischen Spielen 1972 in München 1972 spielten Sie, der Dankerser Bernd Munck und Gummersbachs Hansi Schmidt sagten deshalb ihre Teilnahme ab. Naja, das hat mich auch gewundert. Bei Bernd Munck, mit dem ich mich heute wieder sehr gut verstehe, habe ich den starken Verdacht, dass die damalige Dankerser Spitze ein großes Interesse daran hatte, dass ich bei Olympia nicht spiele. Und dass Bernds Absage damit zu tun hatte. Mit Ihnen stieg Nettelstedt bis in die Bundesliga auf. Später führten sie den TBV Lemgo aus der Oberliga in die 2. Liga. Wie betrachten sie die Zeit nach Dankersen heute? Das hörte ja nicht mit dem TBV auf. Auch mit den Vereinen, die ich danach trainiert habe, bis ich immer nur auf- und nie abgestiegen. Später war ich ja dann auch wieder als GWD-Jugendtrainer aktiv. Insgesamt war die Zeit nach GWD schon erfolgreich, dass kann man wirklich sagen. Wären Sie lieben in der heutigen Zeit ein Top-Handballer, mit den Verdienst-Möglichkeiten und den TV-Live-Spielen vor Millionen Fans? Schwierige Frage. Ein Vorteil wäre sicherlich, dass ich in dem Fall jetzt jünger wäre (lacht).Nach der aktiven Handball-Laufbahn wurden Sie ein guter Tennisspieler. Ja, das stimmt. Das Ballgefühl vom Handball war einfach da, das passte gut zum Tennis. Bis vor wenigen Jahren habe ich Tennis mit Fritz Spannuth, Erwin Heuer und Itzer Voigt gespielt. Als ich mit dem Handball aufhörte, hatte ich auch kurz über Golf nachgedacht, aber das ist für mich Spazierengehen. Später habe ich einen Angelschein gemacht, war oft mit meinem Sohn vor Fehmarn zum Dorschangeln. Wie sieht ihr Tagesablauf heute aus? Der ist schon davon geprägt, dass es meiner Frau nicht mehr so gut geht und ich mich um sie kümmere. Ich stehe um 6.30 Uhr auf, bereite das Frühstück zu. Dann kommt das Pflegepersonal und ich gehe mit dem Hund spazieren. Dann koche ich Mittagessen, später gibt es Kaffee und Kuchen. Nach dem Abendbrot gehe ich noch eine Runde mit dem Hund und schaue dann, was es in der Flimmerkiste gibt. Kuchen gibt es übrigens täglich bei uns, ich backe auch selbst. Meinen Spezialität: Topfkuchen. Das sagen seine Dankerser Wegbegleiter Friedrich Spannuth (GWD-Meisterspieler und -trainer der 60er und 70er Jahre): „Herbert Lübking war für GWD ein Glücksfall. Mit ihm ist Dankersen groß geworden. Wir haben lange zusammengespielt, wir haben uns blind verstanden. 1967 sind wir zusammen als Spieler Meister geworden und 1970 nochmal, da war ich Trainer. Das war eine schöne Zeit.“ Horst Bredemeier (GWD-Vorsitzender): „Herbert war der mit Abstand beste Großfeldhandballer aller Zeiten. Er war damals ein Idol für alle jungen Handballer und auch mein großes Vorbild. Herbert ist eine GWD-Ikone. Er hat die große Zeit von GWD geprägt. Ohne ihn wäre GWD heute nicht das, was es ist.“ Gerhard Buddenbohm („Vater“ der GWD-Traditionsmannschaft): „Herbert war ein herausragender Spieler auf dem Feld und hat es als einer von wenigen geschafft, das Niveau nahtlos in die Halle zu übertragen. Er verband Athletik mit Eleganz und hatte ein herausragendes Wurfrepertoire.“

Was er anfasste, wurde zu Gold: MT-Interview zum 80. Geburtstag von Herbert Lübking

Ein Buch der Schätze: Herbert Lübking blättert in einer Mappe, in der er besondere Auszeichnungen wie das Ehrenbürger-Zertifikat oder die Urkunde mit der Goldenen Ehrenspange von GWD aufbewahrt. MT-Foto: Riechmann © Marcus Riechmann

Minden. Früher spielte er die gegnerischen Abwehrreihen schwindelig, heute hält Herbert Lübking sein Leben in Ordnung. Der einstige Handballstar, der mit GWD auf dem Großfeld Titel gewann und dann den TuS Nettelstedt in der Halle aus der Kreisklasse bis in die Bundesliga führte, lebt bescheiden in seinem Heimatort Dankersen. Seine Zeit widmet er der Pflege seiner kranken Ehefrau Ingrid, mit der er seit 57 Jahren verheiratet ist. „Ich komme nicht mehr groß raus“, sagt Lübking, der heute in kleinem Rahmen seinen 80. Geburtstag feiert. Im MT-Interview blickt die Handball-Ikone auf ein bewegtes Leben zurück in dem auch alles, was er als Trainer anfasste, zu Gold wurde: „Ich bin nie ab- aber oft aufgestiegen“, sagt Lübking.

Herr Lübking, Zeitzeugen, die Sie im Betriebssport als Fußballer im Team von Melitta zum Gegner hatten, sagten gerne: „Der war im Fußball fast genauso gut wie im Handball.“ Wie haben Sie das empfunden?

Natürlich konnte ich auch ganz ordentlich Fußball spielen, aber bei uns in Dankersen gab es nun mal keinen Fußballverein. Da bin ich halt Handballer geworden. Ich will ihnen Mal eine Geschichte erzählen: Der SV Minden 05 war in den Sechziger Jahren eine ziemlich große Nummer im Fußball, zumindest für Mindener Verhältnisse. Für das MSV-Team sollte ich in einem Pokalspiel im Weserstadion an einem Sonntagmorgen gegen den 1. FC Kaiserslautern auflaufen. Den Samstag davor hatte ich aber noch ein Handball-Länderspiel in München zu bestreiten. Ich bin danach nonstop nach Hause gefahren, um am Sonntag spielen zu können. Und was war? Es hatte über Nacht stark geschneit und der Platz war absolut unbespielbar. Als das Spiel wiederholt wurde, musste ich wieder Handball spielen. Schade.

Ihre Handballlaufbahn war einzigartig. Was waren die Höhepunkte?

Da gab es viele. Schon alleine der Umstand, dass ich als junger Dankerser bei den Männern Nationalspieler wurde. Hier möchte ich einhaken: Es wird immer davon geschrieben, dass Fritz Homann uns die entscheidenden Impulse gegeben hat. Der hatte sicherlich einen wichtigen Anteil am Aufstieg des Handballs in Dankersen, aber unser Trainer in der Jugend war Arnhold Kresse, der hat uns geprägt, war auch der erste Dankerser Nationalspieler. Aber der wird oft vergessen.

Mit den Titelgewinnen ging es 1966 los. Seither haben Sie den inoffiziellen Titel „ewiger Weltmeister.“

Ja, da haben wir in Österreich den WM-Titel gewonnen. Danach gab es keine Feldhandball-WM mehr. 1967 haben wir mit Grün-Weiß Dankersen endlich die erste Deutsche Meisterschaft gefeiert, nach dem es zuvor einige Male knapp nicht geklappt hat. Der Autokonvoi zum Rathaus, der Empfang dort, das sind unvergessene Erlebnisse.

1970 kam die Zäsur mit dem Wechsel zum TuS Nettelstedt in die Kreisklasse.

Man muss das Ganze im Kontext der damaligen Zeit sehen. Wir haben damals mit Handball kein Geld verdient. Ich kann guten Gewissens behaupten, dass ich weder in Dankersen noch in Nettelstedt Geld verdient habe. Für den ersten Deutschen Meistertitel etwa haben wir ein Kaffeeservice bekommen. Ich hatte damals einfach die Chance, beruflich voranzukommen, was ja auch geklappt hat.

Der Wechsel hat hohe Wellen geschlagen. Bewegt Sie das noch heute?

Die ersten Jahre waren hart, und das war damals von einigen alten Weggefährten auch nicht Ordnung, das kann ich heute ja sagen. Mittlerweile begleitet mich das gar nicht mehr, außer wenn ich darauf angesprochen werde.

Bei den Olympischen Spielen 1972 in München 1972 spielten Sie, der Dankerser Bernd Munck und Gummersbachs Hansi Schmidt sagten deshalb ihre Teilnahme ab.

Naja, das hat mich auch gewundert. Bei Bernd Munck, mit dem ich mich heute wieder sehr gut verstehe, habe ich den starken Verdacht, dass die damalige Dankerser Spitze ein großes Interesse daran hatte, dass ich bei Olympia nicht spiele. Und dass Bernds Absage damit zu tun hatte.

Mit Ihnen stieg Nettelstedt bis in die Bundesliga auf. Später führten sie den TBV Lemgo aus der Oberliga in die 2. Liga. Wie betrachten sie die Zeit nach Dankersen heute?

Das hörte ja nicht mit dem TBV auf. Auch mit den Vereinen, die ich danach trainiert habe, bis ich immer nur auf- und nie abgestiegen. Später war ich ja dann auch wieder als GWD-Jugendtrainer aktiv. Insgesamt war die Zeit nach GWD schon erfolgreich, dass kann man wirklich sagen.

Wären Sie lieben in der heutigen Zeit ein Top-Handballer, mit den Verdienst-Möglichkeiten und den TV-Live-Spielen vor Millionen Fans?

Schwierige Frage. Ein Vorteil wäre sicherlich, dass ich in dem Fall jetzt jünger wäre (lacht).

Nach der aktiven Handball-Laufbahn wurden Sie ein guter Tennisspieler.

Ja, das stimmt. Das Ballgefühl vom Handball war einfach da, das passte gut zum Tennis. Bis vor wenigen Jahren habe ich Tennis mit Fritz Spannuth, Erwin Heuer und Itzer Voigt gespielt. Als ich mit dem Handball aufhörte, hatte ich auch kurz über Golf nachgedacht, aber das ist für mich Spazierengehen. Später habe ich einen Angelschein gemacht, war oft mit meinem Sohn vor Fehmarn zum Dorschangeln.

Wie sieht ihr Tagesablauf heute aus?

Der ist schon davon geprägt, dass es meiner Frau nicht mehr so gut geht und ich mich um sie kümmere. Ich stehe um 6.30 Uhr auf, bereite das Frühstück zu. Dann kommt das Pflegepersonal und ich gehe mit dem Hund spazieren. Dann koche ich Mittagessen, später gibt es Kaffee und Kuchen. Nach dem Abendbrot gehe ich noch eine Runde mit dem Hund und schaue dann, was es in der Flimmerkiste gibt. Kuchen gibt es übrigens täglich bei uns, ich backe auch selbst. Meinen Spezialität: Topfkuchen.

Das sagen seine Dankerser Wegbegleiter

Friedrich Spannuth (GWD-Meisterspieler und -trainer der 60er und 70er Jahre): „Herbert Lübking war für GWD ein Glücksfall. Mit ihm ist Dankersen groß geworden. Wir haben lange zusammengespielt, wir haben uns blind verstanden. 1967 sind wir zusammen als Spieler Meister geworden und 1970 nochmal, da war ich Trainer. Das war eine schöne Zeit.“

Horst Bredemeier (GWD-Vorsitzender): „Herbert war der mit Abstand beste Großfeldhandballer aller Zeiten. Er war damals ein Idol für alle jungen Handballer und auch mein großes Vorbild. Herbert ist eine GWD-Ikone. Er hat die große Zeit von GWD geprägt. Ohne ihn wäre GWD heute nicht das, was es ist.“

Gerhard Buddenbohm („Vater“ der GWD-Traditionsmannschaft): „Herbert war ein herausragender Spieler auf dem Feld und hat es als einer von wenigen geschafft, das Niveau nahtlos in die Halle zu übertragen. Er verband Athletik mit Eleganz und hatte ein herausragendes Wurfrepertoire.“

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