Sport-Rückblicke: Silvester-Handballturniere waren auch immer eine Prestigefrage Michael Lorenz Minden (much). Es ist dieser ganz eigentümliche Duft, den die meisten Besucher mit den früheren Silvesterturnieren in Unterlübbe und vor allem Holzhausen II verbinden. Diesen Geruch – eine Melange aus Gegrilltem, Zigarettenrauch und Bier, dazu die rauchgeschwängerte, trübe Luft – vernahmen die Zuschauer vornehmlich in der Holzhauser Bürgerhalle, dem sogenannten „Blauen Salon“. Die knapp ein halbes Jahrhundert dauernde Tradition der heimischen Silvester-Handballturniere fällt in diesem Jahr, wie so viele Dinge auch, den Pandemie-Beschränkungen zum Opfer. Anfang der 70er-Jahre begann sie, die Tradition der Handball-Silversterturniere. Eintracht Oberlübbe spielte damals noch viele Jahre in Unterlübbe, die Oberlübber Halle wurde erst im Jahr 2007 eingeweiht. Die spezielle Luft in Holzhausen II ergab sich so: Vor dem Eingang gab es damals eine Art Vorzelt, in dem gegrillt wurde, was bei den heutigen Brandschutzverordnungen nahezu undenkbar ist. Der Grillduft zog mit dem Wind in die Halle, dort vermengte er sich mit dem Rauch von Zigaretten. Auch das Rauchen in der Halle war bis in die Nullerjahre hinein erlaubt. Hinzu kam der Geruch von Bier – und fertig war die spezielle Mixtur. Geblieben ist der Geruch von Bier, das nach wie vor direkt in der Halle gezapft wird. Andreas Kruse vom VfB Holzhausen II erinnert sich: „Es ist unglaublich: In einem Jahr haben wir 2400 Liter Bier ausgeschenkt.“ In den 80er-Jahren wurde die Bürgerhalle schließlich umgebaut, mittlerweile gibt es dort sogar ein Silvesterrestaurant. Die Silversterturniere hatten aber auch eine relativ hohe sportliche Bedeutung. Zum einen war es für viele Vereine eine Prestigefrage, einen der begehrten Silvesterpokale in der Vitrine stehen zu haben. Zum anderen war es gerade für unterklassige Teams eine besonderere Herausforderung, gegen einen vermeintlich Großen zu bestehen. Entsprechend ruppig ging es bisweilen zur Sache, Verletzungen waren keine Seltenheit. Auch GWD Minden gab sich des Öfteren bei den Silvesterturnieren die Ehre. Die zweite GWD-Mannschaft etwa war Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre beim Oberlübber Turnier der Seriensieger. Die Reserve hatte teilweise Verstärkung aus dem Profikader dabei, so wurde Ralf Niemeyer 1980 Torschützenkönig in Unterlübbe. 1990 lief der damalige Zweitligist GWD I mit dem gerade erst verpflichteten DDR-Star Rüdiger Borchardt in Unterlübbe auf, scheiterte aber am Regionalligisten Spvg. Versmold. Erst 2013 sorgten die GWD-Bundesligastars Dalibor Doder und Christoffer Rambo in der Oberlübber Sporthalle für Furore. Zu Topzeiten strömten zu beiden Turnieren zusammen etwa 700 Zuschauer, um sich vom Trubel der Weihnachts-Feiertage zu erholen und beim Bierchen rasanten Handballsport zu begutachten. In Holzhausen sorgten insbesondere mitgereiste Schlachtenbummler des TuS Möllbergen oder des befreundeten Vereins Union 73 Bad Salzuflen für „Westfalenhallen-Atmosphäre“. Andreas Kruse: „Das Turnier hatte zwischenzeitlich weniger Anziehungskraft als früher, was mit dem Niedergang unserer ersten Männermannschaft zu tun hatte. Mittlerweile zählen wir ja zu Lit 1912, und damit wurde das super aufgefangen. Früher hatten wir auch noch ein B-Turnier, das ebenfalls super besucht war und damit einen zweiten Haupttag.“ Eines hat sich aber grundlegend geändert, wie Kruse schildert. „Einst waren die Vereine beleidigt, wenn wir sie nicht zum Turnier eingeladen haben. Mittlerweile haben wir zu kratzen, um ein starkes Teilnehmerfeld auf die Beine zu stellen. Das konnte auch durch die Hinzunahme der Frauenteams und des Fußballturniers nicht vollständig aufgefangen werden. Wir sind aber optimistisch, beim 50-jährigen Jubiläum noch immer von einer Erfolgsstory sprechen zu können.“ Sollten es die Umstände in zwölf Monaten zulassen, soll die Silvesterturnier-Tradition der im kommenden Jahr fortgesetzt werden.

Sport-Rückblicke: Silvester-Handballturniere waren auch immer eine Prestigefrage

Zu Topzeiten wurden an einem Wochenende in der Holzhauser Bürgerhalle 2400 Liter Bier ausgeschenkt. Foto: p © n

Minden (much). Es ist dieser ganz eigentümliche Duft, den die meisten Besucher mit den früheren Silvesterturnieren in Unterlübbe und vor allem Holzhausen II verbinden. Diesen Geruch – eine Melange aus Gegrilltem, Zigarettenrauch und Bier, dazu die rauchgeschwängerte, trübe Luft – vernahmen die Zuschauer vornehmlich in der Holzhauser Bürgerhalle, dem sogenannten „Blauen Salon“. Die knapp ein halbes Jahrhundert dauernde Tradition der heimischen Silvester-Handballturniere fällt in diesem Jahr, wie so viele Dinge auch, den Pandemie-Beschränkungen zum Opfer.

Anfang der 70er-Jahre begann sie, die Tradition der Handball-Silversterturniere. Eintracht Oberlübbe spielte damals noch viele Jahre in Unterlübbe, die Oberlübber Halle wurde erst im Jahr 2007 eingeweiht.

Die spezielle Luft in Holzhausen II ergab sich so: Vor dem Eingang gab es damals eine Art Vorzelt, in dem gegrillt wurde, was bei den heutigen Brandschutzverordnungen nahezu undenkbar ist. Der Grillduft zog mit dem Wind in die Halle, dort vermengte er sich mit dem Rauch von Zigaretten.

Auch das Rauchen in der Halle war bis in die Nullerjahre hinein erlaubt. Hinzu kam der Geruch von Bier – und fertig war die spezielle Mixtur. Geblieben ist der Geruch von Bier, das nach wie vor direkt in der Halle gezapft wird. Andreas Kruse vom VfB Holzhausen II erinnert sich: „Es ist unglaublich: In einem Jahr haben wir 2400 Liter Bier ausgeschenkt.“ In den 80er-Jahren wurde die Bürgerhalle schließlich umgebaut, mittlerweile gibt es dort sogar ein Silvesterrestaurant.

Die Silversterturniere hatten aber auch eine relativ hohe sportliche Bedeutung. Zum einen war es für viele Vereine eine Prestigefrage, einen der begehrten Silvesterpokale in der Vitrine stehen zu haben. Zum anderen war es gerade für unterklassige Teams eine besonderere Herausforderung, gegen einen vermeintlich Großen zu bestehen. Entsprechend ruppig ging es bisweilen zur Sache, Verletzungen waren keine Seltenheit.

Auch GWD Minden gab sich des Öfteren bei den Silvesterturnieren die Ehre. Die zweite GWD-Mannschaft etwa war Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre beim Oberlübber Turnier der Seriensieger. Die Reserve hatte teilweise Verstärkung aus dem Profikader dabei, so wurde Ralf Niemeyer 1980 Torschützenkönig in Unterlübbe.

1990 lief der damalige Zweitligist GWD I mit dem gerade erst verpflichteten DDR-Star Rüdiger Borchardt in Unterlübbe auf, scheiterte aber am Regionalligisten Spvg. Versmold. Erst 2013 sorgten die GWD-Bundesligastars Dalibor Doder und Christoffer Rambo in der Oberlübber Sporthalle für Furore.

Zu Topzeiten strömten zu beiden Turnieren zusammen etwa 700 Zuschauer, um sich vom Trubel der Weihnachts-Feiertage zu erholen und beim Bierchen rasanten Handballsport zu begutachten.

In Holzhausen sorgten insbesondere mitgereiste Schlachtenbummler des TuS Möllbergen oder des befreundeten Vereins Union 73 Bad Salzuflen für „Westfalenhallen-Atmosphäre“. Andreas Kruse: „Das Turnier hatte zwischenzeitlich weniger Anziehungskraft als früher, was mit dem Niedergang unserer ersten Männermannschaft zu tun hatte. Mittlerweile zählen wir ja zu Lit 1912, und damit wurde das super aufgefangen. Früher hatten wir auch noch ein B-Turnier, das ebenfalls super besucht war und damit einen zweiten Haupttag.“

Eines hat sich aber grundlegend geändert, wie Kruse schildert. „Einst waren die Vereine beleidigt, wenn wir sie nicht zum Turnier eingeladen haben. Mittlerweile haben wir zu kratzen, um ein starkes Teilnehmerfeld auf die Beine zu stellen. Das konnte auch durch die Hinzunahme der Frauenteams und des Fußballturniers nicht vollständig aufgefangen werden. Wir sind aber optimistisch, beim 50-jährigen Jubiläum noch immer von einer Erfolgsstory sprechen zu können.“

Sollten es die Umstände in zwölf Monaten zulassen, soll die Silvesterturnier-Tradition der im kommenden Jahr fortgesetzt werden.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Handball