Sport-Rückblicke: So einte GWD-Ikone Horst Bredemeier vor 30 Jahren Handball-Deutschland Minden. Im überregionalen Sportteil des Mindener Tageblattes vom 16.November 1990 taucht eine unauffällige Randgeschichte mit der Überschrift „Hotti warnt vor Euphorie“ auf. 30 Jahre später verwundert es etwas, dass der Text, der sich mit etwas wahrlich Epochalem befasst, nicht wesentlich größer ausgefallen ist und nicht prominenter platziert wurde. Denn es geht um nicht weniger als das erste Handball-Länderspiel einer gesamtdeutschen Mannschaft nach dem Mauerfall 1989. Bundestrainer war damals der Dankerser Horst Bredemeier, der heutige Vorsitzende des TSV GWD Minden. Rückblende: Die Nationalmannschaft der Bundesrepublik Deutschland war 1989 zur B-Weltmeisterschaft in Frankreich angetreten, um den „Betriebsunfall“, den Abstieg aus der A-Gruppe, zu kitten und schnellstmöglich wieder in den Kreis der Elite zurückkehren. Doch was folgte, war die größte Schmach, der der westdeutsche Handball je erlebte: Die Mannschaft von Trainer Petre Ivanescu stieg in die C-Gruppe ab. Neuer Coach wurde Horst Bredemeier, der in jenen Jahren vier Mal zum westdeutschen Trainer des Jahres gewählt worden war. „Mein Plan war der Folgende“, blickt er zurück, „ich war ja in Personalunion Trainer von TuRu Düsseldorf und Junioren-Nationaltrainer. Ich wollte eine ganz junge A-Nationalmannschaft aufbauen, die dann so um 1995 herum um Medaillen spielt.“ Die Mannschaft der Deutschen Demokratischen Republik spielte zu der Zeit in der A-Gruppe, zählte aber nicht mehr zur absoluten Weltspitze und war 1990 WM-Achter. Im November 1989 fiel die Mauer 28 Jahre nach ihrer Errichtung, ein knappes Jahr später war Deutschland wiedervereint. Die Sportverbände fanden zusammen, so auch im Handball. Noch bevor die Handballverbände allerdings offiziell wiedervereint waren, gab es am 14. November in Kiel ein Spiel zu Gunsten der Deutschen Krebshilfe, und da spielten die Handballer aus Ost und West erstmals in einem Team, und zwar gegen Olympiasieger UdSSR. Vor 7.000 Zuschauern in der Ostseehalle gelang den Deutschen ein 19:18-Sieg, den der 22-jährige Lemgoer Volker Zerbe, eine Entdeckung Bredemeiers übrigens, am Ende mit seinem Treffer sicherstellte. „Das Spiel hatte eine immense historische Bedeutung, das war uns allen klar“, blickt „Hotti“ zurück, „und es war mehr als eine Ehre für mich, in diesem Spiel der verantwortliche Trainer zu sein. Als herausragend habe ich die Zusammenarbeit mit DDR-Nationaltrainer Klaus Langhoff empfunden, der für mich kein Co-Trainer, sondern ein gleichberechtigter Partner war. Es war überhaupt eine Riesensache für mich, Bundestrainer zu sein, denn es gab eine Menge anderer Kandidaten. Ich wäre nach der Wiedervereinigung auch ins zweite Glied zurückgegangen.“ Die oben genannte Warnung vor Euphorie erklärt der heute 68-Jährige so: „Die Leute hatten damals falsche Vorstellungen. Sie dachten, dass man die ost- und westdeutschen Sportverbände einfach zusammenführen kann und sie dann allesamt Weltspitze sein würden.“ Dazu habe natürlich auch Franz Beckenbauer seinen Teil beigetragen, mit seinem Spruch nach dem WM-Gewinn 1990, die wiedervereinigte Fußball-Nationalmannschaft sei auf Jahre hinaus unschlagbar. „Die Rechnung, die viele damals aufgemacht haben, war, das eins und eins automatisch zwei ergibt. Die ist aber, gerade in den Mannschaftssportarten, nicht aufgegangen“, sagt Bredemeier. Im Handball sei es so gewesen, dass die UdSSR und Schweden einfach eine Klasse für sich und uns auf Jahre hinaus enteilt waren. Das hat sich schon wenige Tage nach dem Benefizspiel beim Nationen-Cup gezeigt“, erzählt der ehemalige Bundestrainer. Horst Bredemeier fand sich als Bundestrainer plötzlich in einer ganz anderen Rolle wieder als gedacht, die Deutsche Einheit ist ihm gewissermaßen dazwischen gekommen: „Eine junge Mannschaft zu entwickeln und zu einer schlagkräftigen Einheit zu formen war sicherlich das, was mir am meisten gelegen hat. Plötzlich musste ich den Übergang, musste im Handball die Einheit herstellen. Ich musste dafür sorgen, dass aus den 14 Spielern, jeweils einer pro Position aus Ost und West,zwar nicht 14 Freunde wurden, aber doch Spieler, die sich gegenseitigrespektieren. Ich denke, dass uns das auch ganz gut gelungen ist,die Zusammenarbeit zwischen den ehemaligen Gegnern auf dem Feld hat jedenfalls hervorragend geklappt.“ Sportlich war ihm der Erfolg mit dem geeinten Team trotz zweier relativ guter Jahre eher nicht beschieden: Bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona wurde die Mannschaft enttäuschender Elfter. „Ich bin dann zurückgetreten, obwohl mein Vertrag noch lief“, blickt Bredemeier zurück, „die Zeit als Bundestrainer war aber eine sehr interessante, spannende Aufgabe.“

Sport-Rückblicke: So einte GWD-Ikone Horst Bredemeier vor 30 Jahren Handball-Deutschland

Das erste Spiel einer gemeinsamen deutschen Nationalmannschaft nach dem Mauerfall: Bundestrainer Horst Bredemeier erklärt dem blondgelockten Linksaußen Uwe Seidel (ASK Vorwärts Frankfurt/Oder, später Tusem Essen) am 14. November 1990 den nächsten Spielzug. Foto: imago/Sven Simon © imago/Sven Siemon

Minden. Im überregionalen Sportteil des Mindener Tageblattes vom 16.November 1990 taucht eine unauffällige Randgeschichte mit der Überschrift „Hotti warnt vor Euphorie“ auf. 30 Jahre später verwundert es etwas, dass der Text, der sich mit etwas wahrlich Epochalem befasst, nicht wesentlich größer ausgefallen ist und nicht prominenter platziert wurde. Denn es geht um nicht weniger als das erste Handball-Länderspiel einer gesamtdeutschen Mannschaft nach dem Mauerfall 1989. Bundestrainer war damals der Dankerser Horst Bredemeier, der heutige Vorsitzende des TSV GWD Minden.

Rückblende: Die Nationalmannschaft der Bundesrepublik Deutschland war 1989 zur B-Weltmeisterschaft in Frankreich angetreten, um den „Betriebsunfall“, den Abstieg aus der A-Gruppe, zu kitten und schnellstmöglich wieder in den Kreis der Elite zurückkehren. Doch was folgte, war die größte Schmach, der der westdeutsche Handball je erlebte: Die Mannschaft von Trainer Petre Ivanescu stieg in die C-Gruppe ab. Neuer Coach wurde Horst Bredemeier, der in jenen Jahren vier Mal zum westdeutschen Trainer des Jahres gewählt worden war.

„Mein Plan war der Folgende“, blickt er zurück, „ich war ja in Personalunion Trainer von TuRu Düsseldorf und Junioren-Nationaltrainer. Ich wollte eine ganz junge A-Nationalmannschaft aufbauen, die dann so um 1995 herum um Medaillen spielt.“

Die Mannschaft der Deutschen Demokratischen Republik spielte zu der Zeit in der A-Gruppe, zählte aber nicht mehr zur absoluten Weltspitze und war 1990 WM-Achter. Im November 1989 fiel die Mauer 28 Jahre nach ihrer Errichtung, ein knappes Jahr später war Deutschland wiedervereint.

Die Sportverbände fanden zusammen, so auch im Handball. Noch bevor die Handballverbände allerdings offiziell wiedervereint waren, gab es am 14. November in Kiel ein Spiel zu Gunsten der Deutschen Krebshilfe, und da spielten die Handballer aus Ost und West erstmals in einem Team, und zwar gegen Olympiasieger UdSSR. Vor 7.000 Zuschauern in der Ostseehalle gelang den Deutschen ein 19:18-Sieg, den der 22-jährige Lemgoer Volker Zerbe, eine Entdeckung Bredemeiers übrigens, am Ende mit seinem Treffer sicherstellte.

„Das Spiel hatte eine immense historische Bedeutung, das war uns allen klar“, blickt „Hotti“ zurück, „und es war mehr als eine Ehre für mich, in diesem Spiel der verantwortliche Trainer zu sein. Als herausragend habe ich die Zusammenarbeit mit DDR-Nationaltrainer Klaus Langhoff empfunden, der für mich kein Co-Trainer, sondern ein gleichberechtigter Partner war. Es war überhaupt eine Riesensache für mich, Bundestrainer zu sein, denn es gab eine Menge anderer Kandidaten. Ich wäre nach der Wiedervereinigung auch ins zweite Glied zurückgegangen.“

Die oben genannte Warnung vor Euphorie erklärt der heute 68-Jährige so: „Die Leute hatten damals falsche Vorstellungen. Sie dachten, dass man die ost- und westdeutschen Sportverbände einfach zusammenführen kann und sie dann allesamt Weltspitze sein würden.“ Dazu habe natürlich auch Franz Beckenbauer seinen Teil beigetragen, mit seinem Spruch nach dem WM-Gewinn 1990, die wiedervereinigte Fußball-Nationalmannschaft sei auf Jahre hinaus unschlagbar. „Die Rechnung, die viele damals aufgemacht haben, war, das eins und eins automatisch zwei ergibt. Die ist aber, gerade in den Mannschaftssportarten, nicht aufgegangen“, sagt Bredemeier. Im Handball sei es so gewesen, dass die UdSSR und Schweden einfach eine Klasse für sich und uns auf Jahre hinaus enteilt waren. Das hat sich schon wenige Tage nach dem Benefizspiel beim Nationen-Cup gezeigt“, erzählt der ehemalige Bundestrainer.

Horst Bredemeier fand sich als Bundestrainer plötzlich in einer ganz anderen Rolle wieder als gedacht, die Deutsche Einheit ist ihm gewissermaßen dazwischen gekommen: „Eine junge Mannschaft zu entwickeln und zu einer schlagkräftigen Einheit zu formen war sicherlich das, was mir am meisten gelegen hat. Plötzlich musste ich den Übergang, musste im Handball die Einheit herstellen. Ich musste dafür sorgen, dass aus den 14 Spielern, jeweils einer pro Position aus Ost und West,zwar nicht 14 Freunde wurden, aber doch Spieler, die sich gegenseitigrespektieren. Ich denke, dass uns das auch ganz gut gelungen ist,die Zusammenarbeit zwischen den ehemaligen Gegnern auf dem Feld hat jedenfalls hervorragend geklappt.“

Sportlich war ihm der Erfolg mit dem geeinten Team trotz zweier relativ guter Jahre eher nicht beschieden: Bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona wurde die Mannschaft enttäuschender Elfter. „Ich bin dann zurückgetreten, obwohl mein Vertrag noch lief“, blickt Bredemeier zurück, „die Zeit als Bundestrainer war aber eine sehr interessante, spannende Aufgabe.“

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