Sport-Rückblick: Vor 20 Jahren feierte die A-Jugend von GWD Minden die Deutsche Meisterschaft Michael Lorenz Minden. Vor 20 Jahren wurde GWD Minden zum bislang letzten Mal Deutscher Meister der A-Jugend-Handballer. Im Final-Hinspiel kassierte das Team von Trainer Jürgen Buhrmester zunächst eine 24:28-Niederlage beim SC Magdeburg. Diese mündete eine Woche später aber in einen der größten Triumphe der Vereinsgeschichte. Mit einem 23:19-Sieg in der damals neu gestalteten Kampa-Halle drehten die von den späteren GWD-Nationalspielern Arne Niemeyer und Jan-Fiete Buschmann angeführten Mindener den Spieß um und holten dank der Auswärtstor-Regelung den Titel an die Weser. Vor der Partie in der Magdeburger Herrmann-Gieseler-Halle standen die grün-weißen Zeichen nicht schlecht, denn das GWD-Team hatte bis dahin zwei Jahre lang kein Auswärtsspiel mehr verloren. Doch gegen die körperlich starken Bördeländer sah Minden zunächst nicht gut aus. Buhrmester stellte die Abwehr auf die 3-2-1-Variante um, und es lief etwas besser. Doch SCM-Keeper Andreas Stange machte den GWD-Werfern das Leben schwer, bis zum 5:2-Zwischenstand war er kaum zu überwinden. Minden fing sich, nutzte zwei Überzahl-Situationen und blieb bis zum 18:18 auf Augenhöhe. Dann kam es zum Duell der beiden Alpha-Tiere, namentlich Bennet Wiegert, der heutige SCM-Coach, und Arne Niemeyer, der heutige GWD-Bundesliga-Rekordschütze. Beide sind übrigens die Söhne von Handball-Ikonen: Kreisläufer Ingolf Wiegert wurde mit der DDR-Nationalmannschaft 1980 in Moskau Olympiasieger, was als größter Triumph der DDR-Sportgeschichte gilt. Der 2016 verstorbene Torhüter Rainer Niemeyer prägte die goldenen Siebziger Jahre von Grün-Weiß Dankersen entscheidend mit, wurde Meister und Pokalsieger sowie 1978 Weltmeister mit der Bundesrepublik. Die Magdeburger hatten den überragenden Niemeyer von Beginn der zweiten Halbzeit an mit einer Manndeckung neutralisiert. Beim 18:18 erwischte Niemeyer Wiegert mit einem Ellbogen-Check im Gesicht. Die Schiedsrichter-Zwillinge Bernd und Reiner Methe stellten den Blondschopf vom Platz. „Es war eine dumme Aktion von mir, man kann die Rote Karte geben“, sagte Niemeyer damals. Ohne ihren Antreiber brachen die Mindener zunächst ein, schnell stand es 27:20 für den SCM. Doch GWD berappelte sich wieder und erkämpfte vor 100 mitgereisten Fans das achtbare 28:24-Ergebnis. Das Rückspiel wurde nach klarer GWD-Führung zum Drama, und erneut stand Niemeyer im Mittelpunkt. Beim 23:19 warf er in den letzten Sekunden, von den Trainern dazu animiert, den Ball auf die Tribüne, um Zeit herauszuholen. Die Schiedsrichter, in diesem Fall das Gespann Andler/Andler, erkannten die Zeitschinderei und gaben noch einmal Freiwurf für Magdeburg. Wiegert war im Hinspiel mit 13 Toren noch der überragende Spieler. Im Rückspiel blieb er aber unauffällig, und auch mit dem letzten Wurf scheiterte er am GWD-Abwehrblock. Es war das letzte Spiel von Jürgen Buhrmester als GWD-Nachwuchstrainer, der den Spielern auch eine Art väterlicher Freund war. „Der Abschied von Jürgen fällt uns unheimlich schwer. So ein Verhältnis wie zu ihm ist einmalig“, fasste Arne Niemeyer damals zusammen. Arne Niemeyer war in den Finalspielen mit insgesamt 17 Treffern der überragende Schütze. Er blickt zurück: „Es war megacool, vor 2000 Zuschauern in der damals neu umgebauten Kampa-Halle zu spielen. Wir hatten in Jürgen Buhrmester einen absoluten Supertrainer, es war der beste, den ich je hatte. Dazu hatten wir eine geniale Mannschaft, individuell top besetzt, aber auch der Zusammenhalt war phantastisch. Das ging soweit, dass auch die Eltern größtenteils miteinander befreundet waren. Ich kann mich noch genau erinnern, dass Marcel Richter, der damals noch ein B-Jugendlicher war, meinen Hinspiel-Ausfall überragend kompensiert hat. Wir haben füreinander gefightet, waren zum Teil enge Freunde. Der Umstand, dass wir noch heute Kontakt pflegen, sagt alles über diese Truppe.“ Keeper Markus Ernst erinnert sich: „Die Kombination aus Jürgen Buhrmester, dem leitenden Jugend-Koordinator Dietmar Molthahn, der auch mal dazwischen gehauen hat, und, gerade für mich, auch Rainer Niemeyer als Trainer der 2. Mannschaft und ehemaliger Weltklasse-Keeper war einfach genial.“ Eine Dekade später schlug das Schicksal bei drei der Protagonisten der 2000er Finals gnadenlos zu. Im Jahr 2010, kurz vor dem Eintritt in den beruflichen Ruhestand, erlag Jürgen Buhrmester einem Krebsleiden. Fast alle seiner Spieler der 2000er-Meistermannschaft waren auf seiner Beerdigung zugegen und gaben ihm die letzte Ehre. Ein Jahr später waren die Hinspiel-Schiedsrichter, die damals 47-jährigen Methe-Zwillinge aus dem hessischen Vellmar, bereits zum Schiri-Gespann Nummer eins in Deutschland aufgestiegen. Nach einem Handballspiel stießen sie mit ihrem PKW frontal mit einem LKW zusammen und verloren dabei ihr Leben.

Sport-Rückblick: Vor 20 Jahren feierte die A-Jugend von GWD Minden die Deutsche Meisterschaft

Die „Raupe“ ist heutzutage völlig aus der Mode gekommen. Im Jahr 2000 war sie der letzte Schrei. Nach dem A-Jugend-Meistertitel von GWD Minden jubeln Markus Ernst (von links), Ralf Schnitker, Matthias Teinert und Michael Thielke. Fotos: Archiv Jürgen Knicker

Minden. Vor 20 Jahren wurde GWD Minden zum bislang letzten Mal Deutscher Meister der A-Jugend-Handballer. Im Final-Hinspiel kassierte das Team von Trainer Jürgen Buhrmester zunächst eine 24:28-Niederlage beim SC Magdeburg. Diese mündete eine Woche später aber in einen der größten Triumphe der Vereinsgeschichte. Mit einem 23:19-Sieg in der damals neu gestalteten Kampa-Halle drehten die von den späteren GWD-Nationalspielern Arne Niemeyer und Jan-Fiete Buschmann angeführten Mindener den Spieß um und holten dank der Auswärtstor-Regelung den Titel an die Weser.

Vor der Partie in der Magdeburger Herrmann-Gieseler-Halle standen die grün-weißen Zeichen nicht schlecht, denn das GWD-Team hatte bis dahin zwei Jahre lang kein Auswärtsspiel mehr verloren. Doch gegen die körperlich starken Bördeländer sah Minden zunächst nicht gut aus. Buhrmester stellte die Abwehr auf die 3-2-1-Variante um, und es lief etwas besser. Doch SCM-Keeper Andreas Stange machte den GWD-Werfern das Leben schwer, bis zum 5:2-Zwischenstand war er kaum zu überwinden. Minden fing sich, nutzte zwei Überzahl-Situationen und blieb bis zum 18:18 auf Augenhöhe.

Arne Niemeyer war bester Torschütze der Finals.
Arne Niemeyer war bester Torschütze der Finals.

Dann kam es zum Duell der beiden Alpha-Tiere, namentlich Bennet Wiegert, der heutige SCM-Coach, und Arne Niemeyer, der heutige GWD-Bundesliga-Rekordschütze. Beide sind übrigens die Söhne von Handball-Ikonen: Kreisläufer Ingolf Wiegert wurde mit der DDR-Nationalmannschaft 1980 in Moskau Olympiasieger, was als größter Triumph der DDR-Sportgeschichte gilt. Der 2016 verstorbene Torhüter Rainer Niemeyer prägte die goldenen Siebziger Jahre von Grün-Weiß Dankersen entscheidend mit, wurde Meister und Pokalsieger sowie 1978 Weltmeister mit der Bundesrepublik.

Die Magdeburger hatten den überragenden Niemeyer von Beginn der zweiten Halbzeit an mit einer Manndeckung neutralisiert. Beim 18:18 erwischte Niemeyer Wiegert mit einem Ellbogen-Check im Gesicht. Die Schiedsrichter-Zwillinge Bernd und Reiner Methe stellten den Blondschopf vom Platz. „Es war eine dumme Aktion von mir, man kann die Rote Karte geben“, sagte Niemeyer damals. Ohne ihren Antreiber brachen die Mindener zunächst ein, schnell stand es 27:20 für den SCM. Doch GWD berappelte sich wieder und erkämpfte vor 100 mitgereisten Fans das achtbare 28:24-Ergebnis.

Das Rückspiel wurde nach klarer GWD-Führung zum Drama, und erneut stand Niemeyer im Mittelpunkt. Beim 23:19 warf er in den letzten Sekunden, von den Trainern dazu animiert, den Ball auf die Tribüne, um Zeit herauszuholen. Die Schiedsrichter, in diesem Fall das Gespann Andler/Andler, erkannten die Zeitschinderei und gaben noch einmal Freiwurf für Magdeburg. Wiegert war im Hinspiel mit 13 Toren noch der überragende Spieler. Im Rückspiel blieb er aber unauffällig, und auch mit dem letzten Wurf scheiterte er am GWD-Abwehrblock.

Es war das letzte Spiel von Jürgen Buhrmester als GWD-Nachwuchstrainer, der den Spielern auch eine Art väterlicher Freund war. „Der Abschied von Jürgen fällt uns unheimlich schwer. So ein Verhältnis wie zu ihm ist einmalig“, fasste Arne Niemeyer damals zusammen.

Arne Niemeyer war in den Finalspielen mit insgesamt 17 Treffern der überragende Schütze. Er blickt zurück: „Es war megacool, vor 2000 Zuschauern in der damals neu umgebauten Kampa-Halle zu spielen. Wir hatten in Jürgen Buhrmester einen absoluten Supertrainer, es war der beste, den ich je hatte. Dazu hatten wir eine geniale Mannschaft, individuell top besetzt, aber auch der Zusammenhalt war phantastisch. Das ging soweit, dass auch die Eltern größtenteils miteinander befreundet waren. Ich kann mich noch genau erinnern, dass Marcel Richter, der damals noch ein B-Jugendlicher war, meinen Hinspiel-Ausfall überragend kompensiert hat. Wir haben füreinander gefightet, waren zum Teil enge Freunde. Der Umstand, dass wir noch heute Kontakt pflegen, sagt alles über diese Truppe.“

Keeper Markus Ernst erinnert sich: „Die Kombination aus Jürgen Buhrmester, dem leitenden Jugend-Koordinator Dietmar Molthahn, der auch mal dazwischen gehauen hat, und, gerade für mich, auch Rainer Niemeyer als Trainer der 2. Mannschaft und ehemaliger Weltklasse-Keeper war einfach genial.“

Eine Dekade später schlug das Schicksal bei drei der Protagonisten der 2000er Finals gnadenlos zu. Im Jahr 2010, kurz vor dem Eintritt in den beruflichen Ruhestand, erlag Jürgen Buhrmester einem Krebsleiden. Fast alle seiner Spieler der 2000er-Meistermannschaft waren auf seiner Beerdigung zugegen und gaben ihm die letzte Ehre.

Ein Jahr später waren die Hinspiel-Schiedsrichter, die damals 47-jährigen Methe-Zwillinge aus dem hessischen Vellmar, bereits zum Schiri-Gespann Nummer eins in Deutschland aufgestiegen. Nach einem Handballspiel stießen sie mit ihrem PKW frontal mit einem LKW zusammen und verloren dabei ihr Leben.

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