Saisonabbruch eröffnet heimischen Vereinen Chancen - viele wägen aber noch ab Sebastian Külbel Minden. Die kleine Anekdote von Henning Di Meo zeigt, wie sehr die heimische Handballszene auf diese Entscheidung hingefiebert hatte. „Ich hatte nach zwei Minuten schon acht Nachrichten auf dem Handy“, erzählt der Trainer des TV Sachsenross Hille von seiner gestrigen Radtour, in deren Verlauf der Handballverband Westfalen (HVW) den Saisonabbruch bekannt gegeben hatte. Dieser hat auch für einige Teams aus dem Kreis Minden-Lübbecke gravierende Folgen – unter anderem für das von Di Meo. Denn die Hiller können trotz ihrer relativ aussichtslosen Position in der Männer-Landesliga die Klasse halten. Das gilt übrigens für alle bedrohten Mannschaften in allen Ligen unter HVW-Aufsicht, denn in der Saison 2019/2020 gibt es keine Absteiger. Dieser Punkt, eher versteckt in der am Sonntagnachmittag versendeten Mitteilung, ist die eine zentrale Entscheidung des HVW. Die andere betrifft die Aufsteiger: Denn nicht nur die Tabellenführer rücken als Meister in die nächsthöhere Spielklasse auf, sondern auch Mannschaften, die anhand einer speziellen Rechnung eine Wildcard erhalten. Der HVW folgt damit wie bereits andere Landesverbände der Empfehlung des Deutschen Handball-Bundes. „Die Wertung nach der Quotientenregelung stellt nach erfolgter ausführlicher Abwägung die beste Lösung dar, indem sie die bisherige Saison mit all den bereits erbrachten Leistungen sowie die unterschiedliche Spielanzahl der Vereine berücksichtigt“, teilte der Verband mit. Alle Regelungen werden auch auf Kreisebene übernommen. Die größten Profiteure dieser Regelungen aus heimischer Sicht sind zwei Hiller Vereine in der Männer-Landesliga: Der TuS Eintracht Oberlübbe als Tabellenzweiter erhält eine Wildcard und somit die Chance zum Aufstieg. Der Vorletzte TV Sachsenross Hille kann trotz einer durchwachsenen Saison in der Klasse bleiben. Das gilt in der Frauen-Oberliga auch für den Vorletzten TSV Hahlen. In der Frauen-Verbandsliga steht derweil die HSG Petershagen/Lahde als Meister und Aufsteiger fest und prostete sich gestern virtuell via Instagram zu. Auch HSG-Abteilungsleiter Bernd Schäkel freute sich für die Mannschaft, verkniff sich aber größeren Jubel: „Die Welt steht im Moment vor anderen Herausforderungen, da können wir uns jetzt nicht hinstellen und Hurra rufen. Wir hätten das lieber am letzten Spieltag mit einer Party gefeiert.“ Ob Petershagen/Lahdes Frauen in der nächsten Saison tatsächlich in der Oberliga antreten, ist auch noch nicht vollständig geklärt: „Wir müssen das jetzt in Ruhe mit der Mannschaft und Trainer Heiko Breuer besprechen“, sagt Schäkel. Ähnlich klingt das bei Dieter Löffelmann, der als Abteilungsleiter bei Eintracht Oberlübbe gleich zwei Entscheidungen treffen muss: Sowohl die Männer als Wildcard-Aufsteiger wie auch die dem Abstieg entronnenen Frauen könnten künftig in der Verbandsliga spielen. „Das wäre mir persönlich auch das liebste. Aber wir müssen das abwägen und mit allen Beteiligten sprechen“, sagt Löffelmann. Ähnlich vorsichtig ist auch Henning Di Meo bezüglich des Verbleibs der Hiller in der Landesliga. „Wir haben noch keine Entscheidung getroffen und müssen erst einmal schauen, wie die Mannschaft im nächsten Jahr aussieht.“ Eine Zusammenkunft sollte vor fünf Wochen in diesem Punkt Klarheit bringen, doch dann kam die Corona-Krise. Bis zum 20. Mai haben die Hiller und alle anderen Vereine noch Zeit, die wichtigsten Zukunftsfragen zu klären. Auf dieses Datum hat der HVW den Meldeschluss für die nächste Saison gelegt. Wann auch immer sie beginnen mag. Die wichtigsten Regelungen Saisonende und Wertung: Die Saison 2019/2020 wird mit Stand 12. März 2020 beendet. Die Wertung erfolgt nach dem „norwegischen Modell“: Division der Punkte durch die Anzahl der absolvierten Spiele. Der ermittelte Wert wird mit 100 multipliziert und auf eine Stelle nach dem Komma gerundet. Ausschluss von Absteigern: Damit wird die Wahrscheinlichkeit berücksichtigt, dass sich bedrohte Teams in den ausstehenden Spielen noch hätten retten können. Profiteure sind Mannschaften, die bereits deutlich zurücklagen. Ausgenommen von dieser Regelung sind zurückgezogene Mannschaften oder freiwillige Absteiger. Wildcards: Mannschaften, die theoretisch noch einen Aufstiegsplatz hätten erreichen können, erhalten eine Wildcard. Diese gibt es aber nur, wenn sie maximal einen Rückstand von 39,9 Quotientenpunkten auf die letzte aufstiegsberechtigte Mannschaft ihrer Staffel, also in der Regel den Tabellenführer, haben. In der Oberliga gibt es keine Wildcard, weil für die darüber liegende 3. Liga der DHB zuständig ist. Folgen: Der vermehrte Aufstieg könnte zu größeren Staffeln führen, die maximal zwei Saisons bestehen könnten. „Mit den Auf- und Abstiegsregelungen der Serien 2020/2021 und 2021/ 2022 ist der Spielbetrieb wieder auf die reguläre Zahl an Mannschaften je Staffel zurückzuführen“, teilt der HVW mit.

Saisonabbruch eröffnet heimischen Vereinen Chancen - viele wägen aber noch ab

Der Handball ruht: Auch in Westfalen wurde die Saison am Sonntag abgebrochen. Foto: Swen Pförtner/dpa © Swen Pförtner

Minden. Die kleine Anekdote von Henning Di Meo zeigt, wie sehr die heimische Handballszene auf diese Entscheidung hingefiebert hatte. „Ich hatte nach zwei Minuten schon acht Nachrichten auf dem Handy“, erzählt der Trainer des TV Sachsenross Hille von seiner gestrigen Radtour, in deren Verlauf der Handballverband Westfalen (HVW) den Saisonabbruch bekannt gegeben hatte. Dieser hat auch für einige Teams aus dem Kreis Minden-Lübbecke gravierende Folgen – unter anderem für das von Di Meo.

Denn die Hiller können trotz ihrer relativ aussichtslosen Position in der Männer-Landesliga die Klasse halten. Das gilt übrigens für alle bedrohten Mannschaften in allen Ligen unter HVW-Aufsicht, denn in der Saison 2019/2020 gibt es keine Absteiger. Dieser Punkt, eher versteckt in der am Sonntagnachmittag versendeten Mitteilung, ist die eine zentrale Entscheidung des HVW. Die andere betrifft die Aufsteiger: Denn nicht nur die Tabellenführer rücken als Meister in die nächsthöhere Spielklasse auf, sondern auch Mannschaften, die anhand einer speziellen Rechnung eine Wildcard erhalten.

Der HVW folgt damit wie bereits andere Landesverbände der Empfehlung des Deutschen Handball-Bundes. „Die Wertung nach der Quotientenregelung stellt nach erfolgter ausführlicher Abwägung die beste Lösung dar, indem sie die bisherige Saison mit all den bereits erbrachten Leistungen sowie die unterschiedliche Spielanzahl der Vereine berücksichtigt“, teilte der Verband mit. Alle Regelungen werden auch auf Kreisebene übernommen.

Die größten Profiteure dieser Regelungen aus heimischer Sicht sind zwei Hiller Vereine in der Männer-Landesliga: Der TuS Eintracht Oberlübbe als Tabellenzweiter erhält eine Wildcard und somit die Chance zum Aufstieg. Der Vorletzte TV Sachsenross Hille kann trotz einer durchwachsenen Saison in der Klasse bleiben. Das gilt in der Frauen-Oberliga auch für den Vorletzten TSV Hahlen. In der Frauen-Verbandsliga steht derweil die HSG Petershagen/Lahde als Meister und Aufsteiger fest und prostete sich gestern virtuell via Instagram zu.

Auch HSG-Abteilungsleiter Bernd Schäkel freute sich für die Mannschaft, verkniff sich aber größeren Jubel: „Die Welt steht im Moment vor anderen Herausforderungen, da können wir uns jetzt nicht hinstellen und Hurra rufen. Wir hätten das lieber am letzten Spieltag mit einer Party gefeiert.“ Ob Petershagen/Lahdes Frauen in der nächsten Saison tatsächlich in der Oberliga antreten, ist auch noch nicht vollständig geklärt: „Wir müssen das jetzt in Ruhe mit der Mannschaft und Trainer Heiko Breuer besprechen“, sagt Schäkel.

Ähnlich klingt das bei Dieter Löffelmann, der als Abteilungsleiter bei Eintracht Oberlübbe gleich zwei Entscheidungen treffen muss: Sowohl die Männer als Wildcard-Aufsteiger wie auch die dem Abstieg entronnenen Frauen könnten künftig in der Verbandsliga spielen. „Das wäre mir persönlich auch das liebste. Aber wir müssen das abwägen und mit allen Beteiligten sprechen“, sagt Löffelmann.

Ähnlich vorsichtig ist auch Henning Di Meo bezüglich des Verbleibs der Hiller in der Landesliga. „Wir haben noch keine Entscheidung getroffen und müssen erst einmal schauen, wie die Mannschaft im nächsten Jahr aussieht.“ Eine Zusammenkunft sollte vor fünf Wochen in diesem Punkt Klarheit bringen, doch dann kam die Corona-Krise. Bis zum 20. Mai haben die Hiller und alle anderen Vereine noch Zeit, die wichtigsten Zukunftsfragen zu klären. Auf dieses Datum hat der HVW den Meldeschluss für die nächste Saison gelegt. Wann auch immer sie beginnen mag.

Die wichtigsten Regelungen

Saisonende und Wertung: Die Saison 2019/2020 wird mit Stand 12. März 2020 beendet. Die Wertung erfolgt nach dem „norwegischen Modell“: Division der Punkte durch die Anzahl der absolvierten Spiele. Der ermittelte Wert wird mit 100 multipliziert und auf eine Stelle nach dem Komma gerundet.

Ausschluss von Absteigern: Damit wird die Wahrscheinlichkeit berücksichtigt, dass sich bedrohte Teams in den ausstehenden Spielen noch hätten retten können. Profiteure sind Mannschaften, die bereits deutlich zurücklagen. Ausgenommen von dieser Regelung sind zurückgezogene Mannschaften oder freiwillige Absteiger.

Wildcards: Mannschaften, die theoretisch noch einen Aufstiegsplatz hätten erreichen können, erhalten eine Wildcard. Diese gibt es aber nur, wenn sie maximal einen Rückstand von 39,9 Quotientenpunkten auf die letzte aufstiegsberechtigte Mannschaft ihrer Staffel, also in der Regel den Tabellenführer, haben. In der Oberliga gibt es keine Wildcard, weil für die darüber liegende 3. Liga der DHB zuständig ist.

Folgen: Der vermehrte Aufstieg könnte zu größeren Staffeln führen, die maximal zwei Saisons bestehen könnten. „Mit den Auf- und Abstiegsregelungen der Serien 2020/2021 und 2021/ 2022 ist der Spielbetrieb wieder auf die reguläre Zahl an Mannschaften je Staffel zurückzuführen“, teilt der HVW mit.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Handball