Raus aus dem Trott: Mannheim statt Minden - der Weg von GWD-Talent Jerrit Jungmann entfernt sich vom Handball Christian Bendig Minden. Die Nachricht, dass Jerrit Jungmann GWD Minden verlassen wird, kam im Sommer 2018 überraschend. Doch der mittlere der drei Jungmann Brüder hatte einen triftigen Grund. „Ich wollte einfach sehr gerne an der Universität in Mannheim studieren“, nennt der 21-Jährige rückblickend eines der Motive für den Wechsel zum Drittligisten HG Oftersheim/Schwetzingen. Seinen dort zum Sommer auslaufenden Vertrag verlängerte der Rückraumspieler erneut aus Studiengründen nicht. Das kommende Semester möchte der gebürtige Löhner anstatt an der Universität Mannheim gerne im Ausland verbringen. Das Wunschziel lautete Asien, doch die Corona-Pandemie macht nun ein Umdenken erforderlich. „Also es soll schon weit weg sein. Im Moment ist Nordamerika eine Option.“ Immerhin unterhält die deutsche Spitzen-Universität Mannheim in Jungmanns Studienfach Betriebswirtschaftslehre Beziehungen zu 53 Partneruniversitäten in den Vereinigten Staaten und 16 in Kanada. Bei der Nennung seines Studienfachs muss Jungmann lachen. „Oft heißt es ja, wer nicht weiß, was er studieren soll, macht BWL.“ Nicht so in seinem Fall. Durch ein Projekt am Besselgymnasium war das Interesse für Wirtschaftsthemen geweckt. Und die Wahl der Hochschule unterstreicht die beruflichen Ambitionen. Immerhin belegt die Mannheimer Einrichtung im BWL-Uniranking seit Jahren die Führungsposition. Das Image der Hochschule ist blendend. Das der Stadt war es über viele Jahre hinweg nicht. „Dabei lässt es sich hier richtig gut leben“, lernte Jungmann die Vorzüge des Industriestandorts mit der quadratisch angelegten Innenstadt und dem Barockschloss schnell zu schätzen. „Ich wohne nur einen Steinwurf vom Schloss und entfernt und durch die Stadt fließen mit Rhein und Neckar gleich zwei große Flüsse.“ Zudem sei das Sport-Programm mit den Handballern der Rhein-Neckar Löwen und dem Eishockey-Topteam Adler Mannheim sehr attraktiv, ebenso die Lage in der Metropolregion mit den kurzen Wegen. „Zum Training nach Schwetzingen fahre ich nur 15 Minuten.“ Dass Jungmann bei der Mannschaft des scheidenden Trainers, Ex-Nationalspieler Holger Löhr, gelandet ist, war vor drei Jahren mehr oder weniger Zufall. „Ich habe geschaut, welche Teams sind in der Nähe und habe dann den Kontakt aufgenommen.“ Der Verein signalisierte sofort Interesse. Wohnungssuche und Probetraining erledigte Jungmann in einem Abwasch, beim nächsten Abstecher in den Südwesten hat er den Vertrag unterschrieben. „Handballerisch habe ich eine gewisse Anlaufzeit benötigt, obwohl ich auf Anhieb Stammspieler war“, erinnert sich Jungmann. Zum einen war da ein komplett neues Vereinsumfeld nach sechs Jahren im GWD-Trikot. Zum anderen eine andere Art des Handballspielens. Dummerweise erlitt der Löhner im Februar 2019 einen Kreuzbandriss. Jungmann kämpfte sich wieder heran und stand im Oktober 2019 wieder auf der Platte. „Holger Löhr hatte in seiner Karriere auch viele schwere Knieverletzungen und konnte mich deshalb sehr gut unterstützen“, erinnert sich der Rückraumspieler an jene Monate zurück, aus denen er aber auch gestärkt herausging. Sportlich bleiben aus jener Zeit auch die hitzigen Derbys gegen die SG Leutershausen und dem TV Germania Großsachsen vor jeweils mehr als 800 Zuschauern in den engen Sporthallen sowie ein direktes Aufeinandertreffen mit Christian Zeitz in der Spielzeit 2018/19 in Erinnerung. Die aktuelle Saison wurde bekanntlich Anfang November abgebrochen. Jungmann und sein Team standen mit 2:8 Punkten auf einem Abstiegsplatz. Wie es nach dem sehr wahrscheinlichen Auslandssemester für ihn sportlich weitergehen wird, steht noch in den Sternen. „Das hängt davon ab, wo ich arbeiten oder meinen Masterabschluss machen werde. Vielleicht habe ich danach mehr Lust auf Handball als je zuvor.“ Der wahrscheinlichen Handballauszeit gewinnt Jungmann aber auch Positives ab: „Vielleicht ist es auch einmal ganz gut, aus dem Trott heraus zu kommen und etwas von der Welt zu sehen. Die Sommerpause ist für lange Reisen ja zu kurz.“ Die Entscheidung, im Sommer 2018 nicht auf die Karte Handball zu setzen, war übrigens nicht in Stein gemeißelt. Zwischen GWD und Jungmann liefen Gespräche über einen Anschlussvertrag für die Profimannschaft. Den Vertrag unterzeichnete schließlich sein Kumpel Simon Strakeljahn, mit dem er gemeinsam 2018 das Halbfinale um die Deutsche A-Jugend-Meisterschaft erreichte. „Zu ihm habe ich genauso wie zu Leon Grabenstein noch sehr viel Kontakt. Daher weiß ich auch, dass er sehr konkret Kontakt zu einem Verein in Norwegen hatte“, erzählt Jungmann über Mittelmann Strakeljahn, der Minden im Sommer verlässt und sich dem TuS Ferndorf anschließt. Bei den wenigen Gelegenheiten, zu denen es Jungmann zur Familie nach Löhne schafft, ist Handball natürlich ein bestimmendes Thema. Die drei Jungs Jannik, Jerrit und Jonah, der nun nach zwei dürren Corona-Spielzeiten aus der A-Jugend herauswächst, sind allesamt durch die GWD-Nachwuchsabteilung gelaufen und haben zeitweise sogar mal - wenigstens zu zweit - im Drittliga-Team zusammen gespielt. Und wer ist der beste der vier Jungmänner, schließlich spielte Vater Eckhard Jungmann ebenfalls sehr erfolgreich? „Er war Linkshänder und spielte mit dem TV Angermund in der 2. Bundesliga. Jannik argumentiert immer mit seinen Einsätzen in der Bundesliga, ich bin mit dem Besselgymnasium Deutscher Meister geworden. Jonah hat viel von uns mitbekommen“, sagt Jerrit Jungmann launig und glaubt: „Mit einem Ergebnis ist in dieser Diskussion auch nicht zu rechnen.“

Raus aus dem Trott: Mannheim statt Minden - der Weg von GWD-Talent Jerrit Jungmann entfernt sich vom Handball

Während seiner Kreuzbandverletzung absolvierte Jannik Jungmann Teile der Reha bei Philipp Roessler und schaute sich gemeinsam mit Kupel Simon Strakeljahn das Freundschaftsspiel zwischen den GWD-Profis und dem TSV Hahlen an. Foto: Bendig © Christian Bendig

Minden. Die Nachricht, dass Jerrit Jungmann GWD Minden verlassen wird, kam im Sommer 2018 überraschend. Doch der mittlere der drei Jungmann Brüder hatte einen triftigen Grund. „Ich wollte einfach sehr gerne an der Universität in Mannheim studieren“, nennt der 21-Jährige rückblickend eines der Motive für den Wechsel zum Drittligisten HG Oftersheim/Schwetzingen. Seinen dort zum Sommer auslaufenden Vertrag verlängerte der Rückraumspieler erneut aus Studiengründen nicht.

Das kommende Semester möchte der gebürtige Löhner anstatt an der Universität Mannheim gerne im Ausland verbringen. Das Wunschziel lautete Asien, doch die Corona-Pandemie macht nun ein Umdenken erforderlich. „Also es soll schon weit weg sein. Im Moment ist Nordamerika eine Option.“ Immerhin unterhält die deutsche Spitzen-Universität Mannheim in Jungmanns Studienfach Betriebswirtschaftslehre Beziehungen zu 53 Partneruniversitäten in den Vereinigten Staaten und 16 in Kanada. Bei der Nennung seines Studienfachs muss Jungmann lachen. „Oft heißt es ja, wer nicht weiß, was er studieren soll, macht BWL.“ Nicht so in seinem Fall. Durch ein Projekt am Besselgymnasium war das Interesse für Wirtschaftsthemen geweckt. Und die Wahl der Hochschule unterstreicht die beruflichen Ambitionen. Immerhin belegt die Mannheimer Einrichtung im BWL-Uniranking seit Jahren die Führungsposition.

Das Image der Hochschule ist blendend. Das der Stadt war es über viele Jahre hinweg nicht. „Dabei lässt es sich hier richtig gut leben“, lernte Jungmann die Vorzüge des Industriestandorts mit der quadratisch angelegten Innenstadt und dem Barockschloss schnell zu schätzen. „Ich wohne nur einen Steinwurf vom Schloss und entfernt und durch die Stadt fließen mit Rhein und Neckar gleich zwei große Flüsse.“ Zudem sei das Sport-Programm mit den Handballern der Rhein-Neckar Löwen und dem Eishockey-Topteam Adler Mannheim sehr attraktiv, ebenso die Lage in der Metropolregion mit den kurzen Wegen. „Zum Training nach Schwetzingen fahre ich nur 15 Minuten.“

Dass Jungmann bei der Mannschaft des scheidenden Trainers, Ex-Nationalspieler Holger Löhr, gelandet ist, war vor drei Jahren mehr oder weniger Zufall. „Ich habe geschaut, welche Teams sind in der Nähe und habe dann den Kontakt aufgenommen.“ Der Verein signalisierte sofort Interesse. Wohnungssuche und Probetraining erledigte Jungmann in einem Abwasch, beim nächsten Abstecher in den Südwesten hat er den Vertrag unterschrieben.

„Handballerisch habe ich eine gewisse Anlaufzeit benötigt, obwohl ich auf Anhieb Stammspieler war“, erinnert sich Jungmann. Zum einen war da ein komplett neues Vereinsumfeld nach sechs Jahren im GWD-Trikot. Zum anderen eine andere Art des Handballspielens. Dummerweise erlitt der Löhner im Februar 2019 einen Kreuzbandriss. Jungmann kämpfte sich wieder heran und stand im Oktober 2019 wieder auf der Platte. „Holger Löhr hatte in seiner Karriere auch viele schwere Knieverletzungen und konnte mich deshalb sehr gut unterstützen“, erinnert sich der Rückraumspieler an jene Monate zurück, aus denen er aber auch gestärkt herausging. Sportlich bleiben aus jener Zeit auch die hitzigen Derbys gegen die SG Leutershausen und dem TV Germania Großsachsen vor jeweils mehr als 800 Zuschauern in den engen Sporthallen sowie ein direktes Aufeinandertreffen mit Christian Zeitz in der Spielzeit 2018/19 in Erinnerung. Die aktuelle Saison wurde bekanntlich Anfang November abgebrochen. Jungmann und sein Team standen mit 2:8 Punkten auf einem Abstiegsplatz.

Wie es nach dem sehr wahrscheinlichen Auslandssemester für ihn sportlich weitergehen wird, steht noch in den Sternen. „Das hängt davon ab, wo ich arbeiten oder meinen Masterabschluss machen werde. Vielleicht habe ich danach mehr Lust auf Handball als je zuvor.“ Der wahrscheinlichen Handballauszeit gewinnt Jungmann aber auch Positives ab: „Vielleicht ist es auch einmal ganz gut, aus dem Trott heraus zu kommen und etwas von der Welt zu sehen. Die Sommerpause ist für lange Reisen ja zu kurz.“

Die Entscheidung, im Sommer 2018 nicht auf die Karte Handball zu setzen, war übrigens nicht in Stein gemeißelt. Zwischen GWD und Jungmann liefen Gespräche über einen Anschlussvertrag für die Profimannschaft. Den Vertrag unterzeichnete schließlich sein Kumpel Simon Strakeljahn, mit dem er gemeinsam 2018 das Halbfinale um die Deutsche A-Jugend-Meisterschaft erreichte. „Zu ihm habe ich genauso wie zu Leon Grabenstein noch sehr viel Kontakt. Daher weiß ich auch, dass er sehr konkret Kontakt zu einem Verein in Norwegen hatte“, erzählt Jungmann über Mittelmann Strakeljahn, der Minden im Sommer verlässt und sich dem TuS Ferndorf anschließt.

Bei den wenigen Gelegenheiten, zu denen es Jungmann zur Familie nach Löhne schafft, ist Handball natürlich ein bestimmendes Thema. Die drei Jungs Jannik, Jerrit und Jonah, der nun nach zwei dürren Corona-Spielzeiten aus der A-Jugend herauswächst, sind allesamt durch die GWD-Nachwuchsabteilung gelaufen und haben zeitweise sogar mal - wenigstens zu zweit - im Drittliga-Team zusammen gespielt. Und wer ist der beste der vier Jungmänner, schließlich spielte Vater Eckhard Jungmann ebenfalls sehr erfolgreich? „Er war Linkshänder und spielte mit dem TV Angermund in der 2. Bundesliga. Jannik argumentiert immer mit seinen Einsätzen in der Bundesliga, ich bin mit dem Besselgymnasium Deutscher Meister geworden. Jonah hat viel von uns mitbekommen“, sagt Jerrit Jungmann launig und glaubt: „Mit einem Ergebnis ist in dieser Diskussion auch nicht zu rechnen.“

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