Nur Männer lassen die Finger vom Ball: Im Verband Westfalen stimmen die Handballfrauen gegen eine Spielpause Marcus Riechmann Minden. Die meisten Frauen spielen weiter, die meisten Männer nicht. Das ist das Abstimmungsergebnis der Handballvereine im Verband Westfalen. Am späten Mittwochnachmittag übermittelte der Verband (HVW) die Rückmeldungen aus der Online-Umfrage, an der sich der 95 Prozent der Vereine beteiligt hatten. Für jede Liga einzeln hatten die Klubs abstimmen dürfen, ob sie angesichts der sich mit der Omikron-Variante zuspitzenden Corona-Situation eine Unterbrechung der Saison bis zunächst 31. Januar wünschen. „Das Ergebnis hat mich durchaus überrascht“, gab Andreas Tiemann auf Nachfrage zu. Der Vize-Präsident Spieltechnik beim HVW hatte bei den Männern eine größere Bereitschaft zum Weiterspielen erwartet. Doch dort gab es eine defensivere Haltung zur Corona-Problematik als bei den Frauen. Noch deutlicher fiel die Entscheidung bei der Jugend aus: Dort wird auf westfälischer Ebene in allen Ligen weitergespielt. Das diverse Meinungsbild mit insgesamt 109 Stimmen für eine Saisonfortsetzung und 105 für eine Pause bestätigte das Präsidium des HV Westfalen in der Entscheidung, die Abfrage durchgeführt zu haben. Tiemann sagte: „Der von uns eingeschlagene Weg, mit den Vereinen zu reden und sie an der Entscheidung zu beteiligen, hat sich als genau richtig erwiesen.“ Auch an den Video-Konferenzen gab es großes Interesse. „Bei den Verbands- und Landesligen hatten wir rund 200 Teilnehmer. Das bringt eine Video-Schalte an ihre Grenzen. Aber auch, wenn es nicht einfach war, haben wir sehr gute Argumente gesammelt. Es war sicher von Vorteil, dass das nicht die erste Videokonferenz war und die meisten Teilnehmer schon Erfahrungen hatten“, berichtete Tiemann. In den Konferenzen und später auch im Präsidium wurde angeregt debattiert. Im Blickpunkt stand auch die Tatsache, dass sich das Land NRW und der Landessportbund trotz der aktuell schwierigen Bedingungen für die Sportausübung eingesetzt haben und Erleichterungen für den Sport in die neue Corona-Schutzverordnung eingebracht haben.Deutlich fiel das Votum im westfälischen Oberhaus aus. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen stimmten in der Oberliga zehn der 14 Vereine für die Fortsetzung der Saison. Somit wird am Samstag in der Frauen-Oberliga das mit Spannung erwartete Kellerderby-Derby der Stadtrivalen TSV Hahlen und HSV Minden-Nord ausgetragen. Auch das Spiel der HSG Petershagen/Lahde gegen den SC Everswinkel am Sonntag findet statt. „Es ist gut, dass es weitergeht“, kommentierte HSV-Trainer Niklas Fiestelmann gestern das Votum der Klubs: „Solange noch gespielt werden kann, sollten wir das auch wahrnehmen. Wer weiß schon, wie es in drei Wochen aussieht.“ Auch André Torge, Trainer des Männer-Oberligisten TuS 09 Möllbergen, sprach sich klar für eine Fortsetzung der Saison aus. „Wir haben dafür gestimmt“, sagte der Coach des Aufstiegs-Anwärters. „Wir wollen weiter trainieren, dann können wir auch spielen“, sieht Torge im Spielbetrieb kein erheblich höheres Risiko. Er freut sich, dass mit der neuen Landesverordnung die Dritt-Impfung dem frischen Test gleichgestellt ist: „Das macht die Dinge etwas einfacher.“ In den vergangenen Tagen hatten seine Spieler vor jedem Training negative Testergebnissen vorlegen müssen. Zum Einsatz kommt der TuS am Wochenende trotz der Saisonfortsetzung nicht: Anders als die Konkurrenten ist der TuS spielfrei. Differenziert waren die Abstimmungsergebnisse in den 16 Staffeln der Verbands- und Landesligen. In fünf der sieben Frauen-Staffeln geht es weiter, lediglich zwei Staffeln legen eine Pause bis Ende Januar ein. Bei den Männern ruht der Betrieb in fünf von neun Liga-Staffeln. Für die Staffeln mit Mühlenkreis-Mannschaften ist das Ergebnis klarer: Die Frauen spielen in Verbands- und Landesliga an diesem Wochenende weiter. Neun Klubs stimmten in beiden Ligen dafür, lediglich fünf Teams der Verbandsliga und drei in der Landesliga votierten für eine Pause. Die Männer setzen in beiden Ligen aus. 5:7 hieß es in der Verbandsliga, 3:8 in der Landesliga. Das bedauerten die Trainer der beiden heimischen Top-Vereine. „Bei uns sind alle geimpft und fast alle geboostert. Wir achten auf die Einhaltung aller Vorschriften und haben die Voraussetzungen für einen sicheren Spielbetrieb geschaffen. Wir hoffen, dass es weitergeht“, äußerte Henrik Thielking, Trainer des Verbandsligisten TSV Hahlen, noch bevor das Abstimmungsergebnis bekannt wurde. Doch der Coach des Titelkandidaten sagte klar: „Es ist eine Abstimmung und wir werden das Ergebnis respektieren.“ Auch Michael Kopahs von Landesliga-Spitzenreiter HSG Petershagen/Lahde hatte auf eine Fortsetzung gehofft. Nach einer Telefonkonferenz mit Vorstand, Trainern und Mannschaftskapitänen hatte man sich bei der HSG sowohl für die Landesliga-Männer als auch für die Oberliga-Frauen einstimmig für ein Weiterspielen ausgesprochen. „Wir halten alle Vorgaben ein“, sagte Coach Kopahs. Bei einer Unterbrechung würde vieles durcheinandergeworfen. „Sportlich ist eine Pause nie schön, man verliert den Rhythmus“, sagte auch Carsten Poggemeier von Petershagen/Lahdes Landesliga-Klassenpartner HSG EURo. Doch sein Verein sprach sich angesichts der schwer einzuschätzenden Gefahren der Corona-Lage für eine Pause bis Ende Januar aus. Andreas Tiemann erläuterte den Plan des HVW für den weiteren Ablauf. Drei Spieltage fallen dort aus, wo sich die Klubs für Pause gestimmt haben. Diese Spieltage werden bei der Männer-Verbandsliga an die Saison angehängt. Damit laufen nach dem bislang für das erste Juni-Wochenende angesetzten letzten Spieltag noch drei Wochen als Sommer-Nachschlag auf. In der Landesliga der Männer soll ein ausgefallener Spieltag im laufenden Programm an einem bislang frei gehaltenen Wochenende ausgespielt werden. Damit verlängert sich das für den 22. Mai angesetzte Saisonende dann um zwei Spieltage.Offen ist noch, wie es auf Kreisebene in den Bezirks- und Kreisligen weitergeht. Auch hier hat der Handballkreisverband die Mitgliedsvereine befragt. Die Online-Abstimmung läuft bis zum Donnerstagabend um 22 Uhr. Die Ergebnisse sollen noch vor dem Wochenende veröffentlicht werden.

Nur Männer lassen die Finger vom Ball: Im Verband Westfalen stimmen die Handballfrauen gegen eine Spielpause

Nicht alle Handballer nehmen nach der Weihnachtspause das Spielgerät am kommenden Wochenende wieder auf. In Verbands- und Landesliga lassen die Männer die Finger für drei Wochen vom Ball. Foto: © Noah Wedel

Minden. Die meisten Frauen spielen weiter, die meisten Männer nicht. Das ist das Abstimmungsergebnis der Handballvereine im Verband Westfalen. Am späten Mittwochnachmittag übermittelte der Verband (HVW) die Rückmeldungen aus der Online-Umfrage, an der sich der 95 Prozent der Vereine beteiligt hatten. Für jede Liga einzeln hatten die Klubs abstimmen dürfen, ob sie angesichts der sich mit der Omikron-Variante zuspitzenden Corona-Situation eine Unterbrechung der Saison bis zunächst 31. Januar wünschen.

„Das Ergebnis hat mich durchaus überrascht“, gab Andreas Tiemann auf Nachfrage zu. Der Vize-Präsident Spieltechnik beim HVW hatte bei den Männern eine größere Bereitschaft zum Weiterspielen erwartet. Doch dort gab es eine defensivere Haltung zur Corona-Problematik als bei den Frauen. Noch deutlicher fiel die Entscheidung bei der Jugend aus: Dort wird auf westfälischer Ebene in allen Ligen weitergespielt.

Das diverse Meinungsbild mit insgesamt 109 Stimmen für eine Saisonfortsetzung und 105 für eine Pause bestätigte das Präsidium des HV Westfalen in der Entscheidung, die Abfrage durchgeführt zu haben. Tiemann sagte: „Der von uns eingeschlagene Weg, mit den Vereinen zu reden und sie an der Entscheidung zu beteiligen, hat sich als genau richtig erwiesen.“ Auch an den Video-Konferenzen gab es großes Interesse. „Bei den Verbands- und Landesligen hatten wir rund 200 Teilnehmer. Das bringt eine Video-Schalte an ihre Grenzen. Aber auch, wenn es nicht einfach war, haben wir sehr gute Argumente gesammelt. Es war sicher von Vorteil, dass das nicht die erste Videokonferenz war und die meisten Teilnehmer schon Erfahrungen hatten“, berichtete Tiemann. In den Konferenzen und später auch im Präsidium wurde angeregt debattiert. Im Blickpunkt stand auch die Tatsache, dass sich das Land NRW und der Landessportbund trotz der aktuell schwierigen Bedingungen für die Sportausübung eingesetzt haben und Erleichterungen für den Sport in die neue Corona-Schutzverordnung eingebracht haben.

Deutlich fiel das Votum im westfälischen Oberhaus aus. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen stimmten in der Oberliga zehn der 14 Vereine für die Fortsetzung der Saison. Somit wird am Samstag in der Frauen-Oberliga das mit Spannung erwartete Kellerderby-Derby der Stadtrivalen TSV Hahlen und HSV Minden-Nord ausgetragen. Auch das Spiel der HSG Petershagen/Lahde gegen den SC Everswinkel am Sonntag findet statt. „Es ist gut, dass es weitergeht“, kommentierte HSV-Trainer Niklas Fiestelmann gestern das Votum der Klubs: „Solange noch gespielt werden kann, sollten wir das auch wahrnehmen. Wer weiß schon, wie es in drei Wochen aussieht.“

Auch André Torge, Trainer des Männer-Oberligisten TuS 09 Möllbergen, sprach sich klar für eine Fortsetzung der Saison aus. „Wir haben dafür gestimmt“, sagte der Coach des Aufstiegs-Anwärters. „Wir wollen weiter trainieren, dann können wir auch spielen“, sieht Torge im Spielbetrieb kein erheblich höheres Risiko. Er freut sich, dass mit der neuen Landesverordnung die Dritt-Impfung dem frischen Test gleichgestellt ist: „Das macht die Dinge etwas einfacher.“ In den vergangenen Tagen hatten seine Spieler vor jedem Training negative Testergebnissen vorlegen müssen. Zum Einsatz kommt der TuS am Wochenende trotz der Saisonfortsetzung nicht: Anders als die Konkurrenten ist der TuS spielfrei.

Differenziert waren die Abstimmungsergebnisse in den 16 Staffeln der Verbands- und Landesligen. In fünf der sieben Frauen-Staffeln geht es weiter, lediglich zwei Staffeln legen eine Pause bis Ende Januar ein. Bei den Männern ruht der Betrieb in fünf von neun Liga-Staffeln. Für die Staffeln mit Mühlenkreis-Mannschaften ist das Ergebnis klarer: Die Frauen spielen in Verbands- und Landesliga an diesem Wochenende weiter. Neun Klubs stimmten in beiden Ligen dafür, lediglich fünf Teams der Verbandsliga und drei in der Landesliga votierten für eine Pause. Die Männer setzen in beiden Ligen aus. 5:7 hieß es in der Verbandsliga, 3:8 in der Landesliga.

Das bedauerten die Trainer der beiden heimischen Top-Vereine. „Bei uns sind alle geimpft und fast alle geboostert. Wir achten auf die Einhaltung aller Vorschriften und haben die Voraussetzungen für einen sicheren Spielbetrieb geschaffen. Wir hoffen, dass es weitergeht“, äußerte Henrik Thielking, Trainer des Verbandsligisten TSV Hahlen, noch bevor das Abstimmungsergebnis bekannt wurde. Doch der Coach des Titelkandidaten sagte klar: „Es ist eine Abstimmung und wir werden das Ergebnis respektieren.“

Auch Michael Kopahs von Landesliga-Spitzenreiter HSG Petershagen/Lahde hatte auf eine Fortsetzung gehofft. Nach einer Telefonkonferenz mit Vorstand, Trainern und Mannschaftskapitänen hatte man sich bei der HSG sowohl für die Landesliga-Männer als auch für die Oberliga-Frauen einstimmig für ein Weiterspielen ausgesprochen. „Wir halten alle Vorgaben ein“, sagte Coach Kopahs. Bei einer Unterbrechung würde vieles durcheinandergeworfen. „Sportlich ist eine Pause nie schön, man verliert den Rhythmus“, sagte auch Carsten Poggemeier von Petershagen/Lahdes Landesliga-Klassenpartner HSG EURo. Doch sein Verein sprach sich angesichts der schwer einzuschätzenden Gefahren der Corona-Lage für eine Pause bis Ende Januar aus.

Andreas Tiemann erläuterte den Plan des HVW für den weiteren Ablauf. Drei Spieltage fallen dort aus, wo sich die Klubs für Pause gestimmt haben. Diese Spieltage werden bei der Männer-Verbandsliga an die Saison angehängt. Damit laufen nach dem bislang für das erste Juni-Wochenende angesetzten letzten Spieltag noch drei Wochen als Sommer-Nachschlag auf. In der Landesliga der Männer soll ein ausgefallener Spieltag im laufenden Programm an einem bislang frei gehaltenen Wochenende ausgespielt werden. Damit verlängert sich das für den 22. Mai angesetzte Saisonende dann um zwei Spieltage.

Offen ist noch, wie es auf Kreisebene in den Bezirks- und Kreisligen weitergeht. Auch hier hat der Handballkreisverband die Mitgliedsvereine befragt. Die Online-Abstimmung läuft bis zum Donnerstagabend um 22 Uhr. Die Ergebnisse sollen noch vor dem Wochenende veröffentlicht werden.

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