Mit langem Anlauf: Beim HSV Minden-Nord führt das Projekt "B-Jugend" bis in die Verbandsliga Marcus Riechmann Minden. Am Anfang standen – wie so oft – eine Idee und ein Entschluss. „Wir müssen etwas tun“, sagte sich Alexander Röthemeier. Gemeinsam mit seinem Kumpel Florian Brinkmann und ein paar Mitstreitern tat er etwas. Das Ergebnis wird heute Abend in der Sporthalle Stemmer sichtbar: Um 19.30 Uhr präsentieren sich die Handballer des HSV Minden-Nord als frischgebackener Verbandsligist ihren Fans im reizvollen Derby gegen die HSG Porta. Die Vorgabe von Trainer Röthemeier zeugt von einem gewachsenen Selbstbewusstsein beim Aufsteiger: „Im ersten Spiel in Altenbeken haben wir gezeigt, dass wir mithalten können. Jetzt wollen wir zeigen, dass wir auch gewinnen können.“ Das 32:35 im ersten Spiel beim Titelanwärter HSG Altenbeken/Buke habe der Mannschaft den Unterschied der neuen Liga aufgezeigt: „Kleinigkeiten spielen eine größere Rolle, Fehler werden noch mehr bestraft.“ Diesen Lernprozess will das Team gegen die HSG Porta umsetzen. Es war ein langer Weg, der den HSV aus den Niederungen des Handballs zurück in die Verbandsliga führte. Im Jahr 2015 waren die Handball-Männer der Spielgemeinschaft nach zwei Abstiegen in Folge in der Bezirksliga angekommen. Zugleich hatte Trainer Alexander Röthemeier mit der B-Jugend eine talentierte Truppe mit Oberliga-Format beisammen. Dieser Mannschaft wollte er eine Perspektive geben. Aus dem Kern der Abstiegsmannschaft bildete sich das Gerüst für den langfristig angelegten Neuaufbau: „Da waren eigentlich nur noch die eigenen Spieler übrig, so wie ich. Wir haben dann entschieden, dass wir weiterspielen.“ Gemeinsam mit Florian Brinkmann und Spielern wie Mats Schmidt und Alexander Hoppe ging man das Projekt Wiederaufstieg an. „Wir waren lauter Leute, die schon immer im Verein waren, die das leben“, beschreibt Röthemeier, selbst seit der E-Jugend Teil der Stemmeraner Handballfamilie, die Keimzelle. Zeitgleich entwickelte der heute 34-Jährige die Jugendmannschaft. Als A-Jugend spielten die Jungen des 99er Jahrgangs bereits in der ebenfalls von Röthemeier trainierten 2. Männermannschaft und schafften dort den Aufstieg in die Bezirksliga. So vorbereitet rückten die Talente in die erste Mannschaft auf. „Wir wussten nicht, ob der Plan aufgeht, aber es hat funktioniert“, sagt Röthemeier rückblickend. Als HSV-Verantwortlicher im Männerhandball übernahm er 2019 auch den Job als Trainer der Männer von Hauke Hampel. Florian Brinkmann, bis dahin Co-Trainer von Hampel, rückte als Coach der zweiten Mannschaft auf den dort freigewordenen Posten. „Wir haben uns die Aufgaben immer ein bisschen hin- und hergeschoben“, war die Arbeitsteilung und das gegenseitige Vertrauen ein wichtiger Baustein. Das galt auch für die Führung des Landesligisten: „Mir war klar, dass ich das nicht alleine machen kann.“ Mit Sven Hachmeier, einem langjährigen HSV-Spieler, fand Röthemeier den passenden Partner. Die beiden Trainer formten ein stabiles Team, das auch die Abgänge wichtiger Spieler wie Gerrit Gräper (zum TuS Möllbergen), Marc Schilling (zum TSV Hahlen) oder zuletzt Marvin Vieregge (zum VfL Mennighüffen) kompensierte. „Die haben wir verloren, weil sie zu gut waren“, erzählt Röthemeier. Normal gelte: „Wer bei uns spielt, bleibt auch bei uns.“ Der Teamgeist sei ausgeprägt, auch neu zum Team stoßende Spieler würden meist dauerhaft heimisch. Das treffe auf Moritz Diehl oder Timo Zydel ebenso zu wie auf die Rückkehrer wie Torwart Levin Schmäing, der wie Rudi Braun in der Jugend bei GWD Minden spielte. Eine Ausnahme bildet der Drittliga-Routinier Jannik Jungmann, der aus beruflichen Gründen nur punktuell mit dem Team trainiert und spielt. „Das haben wir gemeinsam besprochen, die Mannschaft trägt das mit“, erzählt Röthemeier. Acht Spieler aus der alten A-Jugend bilden den Kern des Aufsteigerteams, über das der Trainer sagt: „Alle können richtig gut Handball spielen.“ Dieses Team soll bei HSV die Basis für die nächsten Jahre bilden. Für die nahe Zukunft ist gesorgt, denn in der von Peter Eckhout trainierten A-Jugend sieht Röthemeier „ein paar gute Jungs“ nachwachsen. Doch der kaufmännische Angestellte sieht Probleme: „Danach tut sich ein Loch auf.“ Eine B-Jugend fehlt. Und es fehlt an ehrenamtlichen Helfern. Mit Jugendwart Finn Steffen (zu GWD Minden) ist dem HSV im Sommer eine wichtige Stütze weggebrochen. „Das macht es nicht einfacher“, sagt Röthemeier. Ein wichtiger Schritt vollzieht sich aktuell an der Basis. Beim TV Stemmer, neben dem TuS Minderheide und den TuS Freya Friedewalde Stammverein des HSV, bildet sich ein neuer junger Vorstand, Gestern Abend kandidierte der 33-jährige Florian Brinkmann bei auf der Jahreshauptversammlung als neuer Vorsitzender und Nachfolger von Jörg Schröder. Im Frühjahr sollen weitere Wechsel folgen. Entwicklung benötigt die richtigen Leute und langen Atem, das hat man beim HSV gelernt. Und am Anfang benötigt es einen Entschluss: „Wir müssen etwas tun.“

Mit langem Anlauf: Beim HSV Minden-Nord führt das Projekt "B-Jugend" bis in die Verbandsliga

Engagiert nicht nur an der Seitenlinie: HSV-Trainer Alexander Röthemeier, hier mit seinem Partner-Coach Sven Hachmeier (rechts), hat seine Mannschaft über Jahre begleitet. Foto: Christian Bendig © Christian Bendig

Minden. Am Anfang standen – wie so oft – eine Idee und ein Entschluss. „Wir müssen etwas tun“, sagte sich Alexander Röthemeier. Gemeinsam mit seinem Kumpel Florian Brinkmann und ein paar Mitstreitern tat er etwas. Das Ergebnis wird heute Abend in der Sporthalle Stemmer sichtbar: Um 19.30 Uhr präsentieren sich die Handballer des HSV Minden-Nord als frischgebackener Verbandsligist ihren Fans im reizvollen Derby gegen die HSG Porta.

Die Vorgabe von Trainer Röthemeier zeugt von einem gewachsenen Selbstbewusstsein beim Aufsteiger: „Im ersten Spiel in Altenbeken haben wir gezeigt, dass wir mithalten können. Jetzt wollen wir zeigen, dass wir auch gewinnen können.“ Das 32:35 im ersten Spiel beim Titelanwärter HSG Altenbeken/Buke habe der Mannschaft den Unterschied der neuen Liga aufgezeigt: „Kleinigkeiten spielen eine größere Rolle, Fehler werden noch mehr bestraft.“ Diesen Lernprozess will das Team gegen die HSG Porta umsetzen.

Es war ein langer Weg, der den HSV aus den Niederungen des Handballs zurück in die Verbandsliga führte. Im Jahr 2015 waren die Handball-Männer der Spielgemeinschaft nach zwei Abstiegen in Folge in der Bezirksliga angekommen. Zugleich hatte Trainer Alexander Röthemeier mit der B-Jugend eine talentierte Truppe mit Oberliga-Format beisammen. Dieser Mannschaft wollte er eine Perspektive geben.

Aus dem Kern der Abstiegsmannschaft bildete sich das Gerüst für den langfristig angelegten Neuaufbau: „Da waren eigentlich nur noch die eigenen Spieler übrig, so wie ich. Wir haben dann entschieden, dass wir weiterspielen.“ Gemeinsam mit Florian Brinkmann und Spielern wie Mats Schmidt und Alexander Hoppe ging man das Projekt Wiederaufstieg an. „Wir waren lauter Leute, die schon immer im Verein waren, die das leben“, beschreibt Röthemeier, selbst seit der E-Jugend Teil der Stemmeraner Handballfamilie, die Keimzelle. Zeitgleich entwickelte der heute 34-Jährige die Jugendmannschaft. Als A-Jugend spielten die Jungen des 99er Jahrgangs bereits in der ebenfalls von Röthemeier trainierten 2. Männermannschaft und schafften dort den Aufstieg in die Bezirksliga.

So vorbereitet rückten die Talente in die erste Mannschaft auf. „Wir wussten nicht, ob der Plan aufgeht, aber es hat funktioniert“, sagt Röthemeier rückblickend. Als HSV-Verantwortlicher im Männerhandball übernahm er 2019 auch den Job als Trainer der Männer von Hauke Hampel. Florian Brinkmann, bis dahin Co-Trainer von Hampel, rückte als Coach der zweiten Mannschaft auf den dort freigewordenen Posten. „Wir haben uns die Aufgaben immer ein bisschen hin- und hergeschoben“, war die Arbeitsteilung und das gegenseitige Vertrauen ein wichtiger Baustein. Das galt auch für die Führung des Landesligisten: „Mir war klar, dass ich das nicht alleine machen kann.“ Mit Sven Hachmeier, einem langjährigen HSV-Spieler, fand Röthemeier den passenden Partner.

Die beiden Trainer formten ein stabiles Team, das auch die Abgänge wichtiger Spieler wie Gerrit Gräper (zum TuS Möllbergen), Marc Schilling (zum TSV Hahlen) oder zuletzt Marvin Vieregge (zum VfL Mennighüffen) kompensierte. „Die haben wir verloren, weil sie zu gut waren“, erzählt Röthemeier. Normal gelte: „Wer bei uns spielt, bleibt auch bei uns.“ Der Teamgeist sei ausgeprägt, auch neu zum Team stoßende Spieler würden meist dauerhaft heimisch. Das treffe auf Moritz Diehl oder Timo Zydel ebenso zu wie auf die Rückkehrer wie Torwart Levin Schmäing, der wie Rudi Braun in der Jugend bei GWD Minden spielte. Eine Ausnahme bildet der Drittliga-Routinier Jannik Jungmann, der aus beruflichen Gründen nur punktuell mit dem Team trainiert und spielt. „Das haben wir gemeinsam besprochen, die Mannschaft trägt das mit“, erzählt Röthemeier.

Acht Spieler aus der alten A-Jugend bilden den Kern des Aufsteigerteams, über das der Trainer sagt: „Alle können richtig gut Handball spielen.“ Dieses Team soll bei HSV die Basis für die nächsten Jahre bilden. Für die nahe Zukunft ist gesorgt, denn in der von Peter Eckhout trainierten A-Jugend sieht Röthemeier „ein paar gute Jungs“ nachwachsen. Doch der kaufmännische Angestellte sieht Probleme: „Danach tut sich ein Loch auf.“ Eine B-Jugend fehlt. Und es fehlt an ehrenamtlichen Helfern. Mit Jugendwart Finn Steffen (zu GWD Minden) ist dem HSV im Sommer eine wichtige Stütze weggebrochen. „Das macht es nicht einfacher“, sagt Röthemeier.

Ein wichtiger Schritt vollzieht sich aktuell an der Basis. Beim TV Stemmer, neben dem TuS Minderheide und den TuS Freya Friedewalde Stammverein des HSV, bildet sich ein neuer junger Vorstand, Gestern Abend kandidierte der 33-jährige Florian Brinkmann bei auf der Jahreshauptversammlung als neuer Vorsitzender und Nachfolger von Jörg Schröder. Im Frühjahr sollen weitere Wechsel folgen. Entwicklung benötigt die richtigen Leute und langen Atem, das hat man beim HSV gelernt. Und am Anfang benötigt es einen Entschluss: „Wir müssen etwas tun.“

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