Mindener Handballer Evars Klesniks hat sich mit 40 leise aus der Bundesliga verabschiedet Jörg Hagemann Minden/Lemgo. Aus dem Nichts tauchte Evars Klesniks im Januar noch einmal auf der großen Bundesligabühne auf. Ganz leise hat sich der Lette nun wieder verabschiedet. Die sieben Einsätze des Abwehrroutiniers für den TBV Lemgo Lippe hatten es in sich. Der älteste Feldspieler der Liga, der Mitte Mai seinen 40. Geburtstag feierte, blieb dabei ungeschlagen. Die vierte Null Alt fühlt er sich noch nicht. „40 ist doch nichts“, sagt Klesniks und lacht. Obwohl: Auf dem Spielfeld hat er den Verschleiß sehr wohl gespürt. Direkt nach einem Spiel sei er noch nicht kaputt gewesen. „Aber einen Tag später konnte ich mich kaum noch vernünftig bewegen. Da fragt man sich: Was ist mit dir denn passiert.“ Seinen Ehrentag hat er daheim in Minden gefeiert. „Eine Party musste ich zum runden Geburtstag nicht schmeißen. Wir haben nur mit ein paar Freunden im Garten gegrillt. Ich habe mich vorher extra erkundigt, ob wir das überhaupt dürfen“, sagt Klesniks.“ Seine weiteren Pläne „Sag niemals nie“, beantwortet Evars Klesniks die Frage nach dem Karriereende. Es habe tatsächlich schon Anfragen gegeben. „Doch ich glaube, dass man irgendwann auch mal nach vorne schauen muss. Ich plane fleißig an einer beruflichen Zukunft, möchte aber noch nichts an die große Glocke hängen.“ Sportlich will er wieder für den Drittligisten Lit 1912 (ehemals Lit Tribe Germania) zum Ball greifen. „Da fühle ich mich wohl“, sagt „Ebbe“, der nach seiner Bundesligazeit in Nordhemmern seine neue sportliche Heimat gefunden hatte und vor einem Jahr, passgenau an seinem 39. Geburtstag, in die 3. Liga aufgestiegen war. „Wenn es die Gesundheit erlaubt, werde ich bei Lit spielen“, sagt Klesniks, der zunächst aber seine Rückenprobleme in den Griff bekommen möchte Der WM-Traum 23 Jahre musste Klesniks Handball spielen, um im Januar bei der EM in Norwegen endlich an seiner ersten internationalen Meisterschaft teilnehmen zu dürfen. Das nächste Ziel wäre die WM 2021 in Ägypten. Klesniks hat seinem lettischen Verband sogar bei der Suche nach einem neuen Nationaltrainer geholfen und Aaron Ziercke als Nachfolger von Armands Uscins vorgeschlagen. Doch ob Klesniks sich das Nationaltrikot noch einmal überstreift, macht er auch davon abhängig, wann überhaupt wieder gespielt werden kann. Bis dahin gilt: „Ich halte mich fit. Mal sehen was kommt.“ Heimathafen Minden Nach Stationen beim ThSV Eisenach und Tusem Essen suchte Klesniks nach der Insolvenz des Tusem mit seiner Frau Baiba sesshaft werden. Da kam 2009 das Angebot von GWD Minden, wo Richard Ratka auf der Bank saß, gerade recht. „Minden war auch eine Entscheidung für unseren Sohn, der bald zur Schule kam. Er sollte in einem guten Umfeld aufwachsen“, sagt Evars Klesniks, der in der Nordstadt lebt. Ein Plan, der aufgegangen ist. Erlens, inzwischen 14 Jahre alt, spielt ebenfalls Handball. Allerdings als Torwart in der C-Jugend-Oberliga bei GWD. Fünf Ein-Jahres-Verträge Bei den Mittelhessen der HSG Wetzlar sei er 2013 nach dem Kreuzbandriss von Daniel Valo kurzfristig „reingerutscht“. Doch statt eines längerfristigen Vertrages gab es für den Abwehrrecken stets nur häppchenweise Nachschlag. So blieb seine Familie in Minden und „Ebbe“ brachte Opfer. Die einfache Fahrt von Minden nach Wetzlar betrug 300 Kilometer. Pro Jahr kamen auf die zahlreichen Busfahrten somit locker noch 60.000 Kilometer drauf. Was den Verbleib in Wetzlar erleichterte, war der enge Draht zu Kay Wandschneider. „Ein Supertrainer mit unheimlich viel Fingerspitzengefühl. Er trainiert nicht zu viel und nicht zu wenig und hat einen tollen Riecher für neue Spieler. Wahnsinn, was er aus den Jungs rausholt“, gerät Klesniks geradezu ins Schwärmen. Ungeschlagen in Lemgo Von seiner letzten Station kennt er kurioserweise nur die Phoenix-Contact-Arena. „In der Stadt bin ich leider nie gewesen“, gibt der Vertreter von Fabian van Olphen unumwunden zu. Obwohl er nur zwei Monate in Lemgo war, hat er vom Verein eine hohe Meinung gewonnen: „Ich kann nur Gutes und Positives vom TBV sagen. Sollte ich mal von einem Spieler gefragt werden, dann würde ich ihm Lemgo empfehlen. Der Verein, das ganze Drumherum, ist auf einem sehr ordentlichen Niveau. Der TBV ist gut aufgestellt.“ Auf der Trainerbank Evars Klesniks schüttelt mit dem Kopf. „Ich sage nicht nie. Aber ich hoffe, ich komme drum herum.“ Trainer sei ein sehr schwerer Job. „Da bist du Vater, Mutter und Betreuer in einer Person. Und du musst gleichzeitig 18 Charaktere unter einen Hut bringen. Das ist nichts für mich.“

Mindener Handballer Evars Klesniks hat sich mit 40 leise aus der Bundesliga verabschiedet

Hier ist „Ebbe“ zuhause: Das Deckungszentrum ist sein Revier auf dem Handballfeld. Mit dem TBV Lemgo, hier im Spiel gegen die Rhein-Neckar Löwen, blieb der Lette in sieben Spielen ungeschlagen. © Foto: Jörg Hagemann

Minden/Lemgo. Aus dem Nichts tauchte Evars Klesniks im Januar noch einmal auf der großen Bundesligabühne auf. Ganz leise hat sich der Lette nun wieder verabschiedet. Die sieben Einsätze des Abwehrroutiniers für den TBV Lemgo Lippe hatten es in sich. Der älteste Feldspieler der Liga, der Mitte Mai seinen 40. Geburtstag feierte, blieb dabei ungeschlagen.

Die vierte Null

Alt fühlt er sich noch nicht. „40 ist doch nichts“, sagt Klesniks und lacht. Obwohl: Auf dem Spielfeld hat er den Verschleiß sehr wohl gespürt. Direkt nach einem Spiel sei er noch nicht kaputt gewesen. „Aber einen Tag später konnte ich mich kaum noch vernünftig bewegen. Da fragt man sich: Was ist mit dir denn passiert.“ Seinen Ehrentag hat er daheim in Minden gefeiert. „Eine Party musste ich zum runden Geburtstag nicht schmeißen. Wir haben nur mit ein paar Freunden im Garten gegrillt. Ich habe mich vorher extra erkundigt, ob wir das überhaupt dürfen“, sagt Klesniks.“

Seine weiteren Pläne

Besonderer Moment: Beim Gastspiel von GWD Mindenin Lemgo begrüßt Ebbe Klesniks nach seiner Roten Karte in GWD-Physiotherapeuten Philipp Roessler auf der Tribüne einen guten Bekannten aus Minden. - © Foto: Jörg Hagemann
Besonderer Moment: Beim Gastspiel von GWD Mindenin Lemgo begrüßt Ebbe Klesniks nach seiner Roten Karte in GWD-Physiotherapeuten Philipp Roessler auf der Tribüne einen guten Bekannten aus Minden. - © Foto: Jörg Hagemann

„Sag niemals nie“, beantwortet Evars Klesniks die Frage nach dem Karriereende. Es habe tatsächlich schon Anfragen gegeben. „Doch ich glaube, dass man irgendwann auch mal nach vorne schauen muss. Ich plane fleißig an einer beruflichen Zukunft, möchte aber noch nichts an die große Glocke hängen.“ Sportlich will er wieder für den Drittligisten Lit 1912 (ehemals Lit Tribe Germania) zum Ball greifen. „Da fühle ich mich wohl“, sagt „Ebbe“, der nach seiner Bundesligazeit in Nordhemmern seine neue sportliche Heimat gefunden hatte und vor einem Jahr, passgenau an seinem 39. Geburtstag, in die 3. Liga aufgestiegen war. „Wenn es die Gesundheit erlaubt, werde ich bei Lit spielen“, sagt Klesniks, der zunächst aber seine Rückenprobleme in den Griff bekommen möchte

Der WM-Traum

23 Jahre musste Klesniks Handball spielen, um im Januar bei der EM in Norwegen endlich an seiner ersten internationalen Meisterschaft teilnehmen zu dürfen. Das nächste Ziel wäre die WM 2021 in Ägypten. Klesniks hat seinem lettischen Verband sogar bei der Suche nach einem neuen Nationaltrainer geholfen und Aaron Ziercke als Nachfolger von Armands Uscins vorgeschlagen. Doch ob Klesniks sich das Nationaltrikot noch einmal überstreift, macht er auch davon abhängig, wann überhaupt wieder gespielt werden kann. Bis dahin gilt: „Ich halte mich fit. Mal sehen was kommt.“

Heimathafen Minden

Nach Stationen beim ThSV Eisenach und Tusem Essen suchte Klesniks nach der Insolvenz des Tusem mit seiner Frau Baiba sesshaft werden. Da kam 2009 das Angebot von GWD Minden, wo Richard Ratka auf der Bank saß, gerade recht. „Minden war auch eine Entscheidung für unseren Sohn, der bald zur Schule kam. Er sollte in einem guten Umfeld aufwachsen“, sagt Evars Klesniks, der in der Nordstadt lebt. Ein Plan, der aufgegangen ist. Erlens, inzwischen 14 Jahre alt, spielt ebenfalls Handball. Allerdings als Torwart in der C-Jugend-Oberliga bei GWD.

Fünf Ein-Jahres-Verträge

Bei den Mittelhessen der HSG Wetzlar sei er 2013 nach dem Kreuzbandriss von Daniel Valo kurzfristig „reingerutscht“. Doch statt eines längerfristigen Vertrages gab es für den Abwehrrecken stets nur häppchenweise Nachschlag. So blieb seine Familie in Minden und „Ebbe“ brachte Opfer. Die einfache Fahrt von Minden nach Wetzlar betrug 300 Kilometer. Pro Jahr kamen auf die zahlreichen Busfahrten somit locker noch 60.000 Kilometer drauf. Was den Verbleib in Wetzlar erleichterte, war der enge Draht zu Kay Wandschneider. „Ein Supertrainer mit unheimlich viel Fingerspitzengefühl. Er trainiert nicht zu viel und nicht zu wenig und hat einen tollen Riecher für neue Spieler. Wahnsinn, was er aus den Jungs rausholt“, gerät Klesniks geradezu ins Schwärmen.

Ungeschlagen in Lemgo

Von seiner letzten Station kennt er kurioserweise nur die Phoenix-Contact-Arena. „In der Stadt bin ich leider nie gewesen“, gibt der Vertreter von Fabian van Olphen unumwunden zu. Obwohl er nur zwei Monate in Lemgo war, hat er vom Verein eine hohe Meinung gewonnen: „Ich kann nur Gutes und Positives vom TBV sagen. Sollte ich mal von einem Spieler gefragt werden, dann würde ich ihm Lemgo empfehlen. Der Verein, das ganze Drumherum, ist auf einem sehr ordentlichen Niveau. Der TBV ist gut aufgestellt.“

Auf der Trainerbank

Evars Klesniks schüttelt mit dem Kopf. „Ich sage nicht nie. Aber ich hoffe, ich komme drum herum.“ Trainer sei ein sehr schwerer Job. „Da bist du Vater, Mutter und Betreuer in einer Person. Und du musst gleichzeitig 18 Charaktere unter einen Hut bringen. Das ist nichts für mich.“

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