Minden hat seinen ersten Handball-Podcast: Über den Sport, den diese Stadt atmet Astrid Plaßhenrich Minden. Authentizität ist ihm am wichtigsten. Lennart Wilken-Johannes möchte nicht mit bekannten Handball-Podcasts wie „Hand aufs Harz" oder „Kreis ab" konkurrieren oder verglichen werden. Er will sich nichts von ihnen abschauen oder sie gar kopieren. Der Torwart des Verbandsligisten TSV Hahlen will sein eigenes Ding machen. Aus Minden für Minden – so kann das Motto seines Podcasts mit dem Titel „frei.vor" lauten. Der 25-Jährige möchte in seinen Gesprächen mit Protagonisten der Szene die Geschichten dieser handballverrückten Stadt erzählen. Die erste Folge war längst aufgenommen, da fehlte noch immer ein Titel für den Podcast. Sein Kumpel Stefan Rüter sei schließlich auf den Namen „frei.vor" gekommen. Der fühlte sich von der ersten Sekunde irgendwie richtig gut an. „Der Titel passt zum Handball, aber auch zum Podcast. Frei vorm Tor, frei vorm Mikro", erklärt Wilken-Johannes. Der E-Commerce-Manager sagt und fragt, was ihm in den Sinn kommt, denkt nicht lange darüber nach: „Wem das nicht gefällt, der kann ja ausschalten." Der Podcaster ist direkt, ehrlich und konsequent, seine Sprache modern. Die Kombination scheint gut zu funktionieren. Denn anstatt auszuschalten, drehen viele auf: Innerhalb von vier Tagen haben mehr als 800 Hörer die erste Folge gestreamt. „Das ist viel mehr als ich erwartet habe", sagt der Hahler, „ich habe bis auf eine Instagram-Seite auch gar keine Werbung dafür gemacht." Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Da issa....unser erster Gast. Der Countdown läuft für Mindens ersten Handball-Podcast. Ein Beitrag geteilt von Handball Podcast Minden (@frei.vor) am Okt 25, 2020 um 7:59 PDT In der ersten Folge ist Jonas Zollitsch zu Gast. „Seine Geschichte ist super interessant und ungewöhnlich", meint Wilken-Johannes. Der 22-jährige Zollitsch blickt in dem knapp einstündigen Gespräch auf sein Bundesligadebüt bei GWD Minden zurück, zu dem er kam, weil die Verletztenliste lang war und ein Torwart gebraucht wurde. Er lässt erfolgreiche Jugendzeiten wieder aufleben und erzählt über die Enttäuschung, als die GWD-Trainer nicht mehr mit ihm planten. Seine zweite Karriere nimmt aber den Großteil des lockeren Talks ein: Zollitsch ist nun Schiedsrichter und arbeitete sich zusammen mit seinem Gespannpartner Marvin Völkening innerhalb kürzester Zeit bis in die 3. Liga und in den DHB-Perspektivekader hoch. Daneben plaudern die beiden Freunde, die vor der Aufnahme gegen die Nervosität ein Bierchen tranken, auch aus dem Nähkästchen. So erfahren die Hörer zum Beispiel, was die beiden mit dem jetzigen Nationalspieler Marian Michalczik auf Zeltfesten erlebt haben. Nachdem die Folge aufgenommen, geschnitten und im Internet hochgeladen war, erhielt Wilken-Johannes schnell Feedback. Das zeigt: Er trifft den Nerv der Mindener Handballer, füllt mit dem Podcast ein Vakuum. „Mir schreiben Zwölfjährige, die das Format super finden, aber auch Rentner, die sich zum ersten Mal in ihrem Leben einen Podcast anhörten. Auch ein paar GWD-Spieler haben die Folge auf dem Weg zum Auswärtsspiel nach Kiel gestreamt. Das ist echt toll", sagt der 25-Jährige und ergänzt: „Ich möchte auch, dass das Format von den Wünschen, Vorschlägen und Rückmeldungen lebt." Neben der Authentizität ist dem Torwart auch die Regionalität extrem wichtig. „Ich mag Lokaljournalismus, lokale Medien. Ich muss keine große Bild-Schlagzeile lesen, um an Inhalten Spaß zu haben", erklärt Wilken-Johannes, der vor seiner Berufsausbildung auch für die Sportredaktion des MT gearbeitet hat: „Wir haben in Minden und Umgebung coole Typen und coole Geschichten, die ich gerne erzählen möchte." Der Hahler ist im Handballkreis sehr gut vernetzt, kennt von der Bundes- bis in die Kreisliga Spieler sowie Funktionäre und Schiedsrichter auf allen Ebenen. Seine Gästeliste steht bereits bis in den Januar fest. Wer alles mit ihm spricht, sei jedoch noch geheim. Seinen nächsten Gast gab er aber bekannt: Tim Wieling, jahrelang Spieler in der GWD-Jugend und jetzt Profi beim TVB Stuttgart, wird über den Profisport, seine Zeit in Minden und sein Mode-Start-up sprechen. Dass längst noch nicht alles so ist, wie es mal sein kann, stört den Podcaster nicht im geringsten. „Denkt euch ein kreatives Intro, denkt euch auch ein Stückweit maximale Professionalität. Die wird es – zumindest vorerst – hier nicht geben", sagt er zu Beginn der ersten Folge. Wilken-Johannes will nicht perfekt sein. Stattdessen will er sich in den Gesprächen mit seinen Gästen weiterentwickeln, sich inhaltlich und technisch stetig verbessern ohne dabei die Spontanität zu verlieren. Und schließlich kann Einzigartigkeit auch eine Art von Perfektion sein. Wohin der Weg des Podcasts in Zukunft führen wird, weiß Wilken-Johannes nicht: „Ich habe keinen blassen Schimmer. Aber ich will gar nicht, dass es eine Riesennummer wird, die ganz Deutschland hört. Es soll einfach ein cooles Ding für Minden sein.

Minden hat seinen ersten Handball-Podcast: Über den Sport, den diese Stadt atmet

Mikro und Laptop reichen Lennart Wilken-Johannes aus, um seinen Handball Podcast aufzunehmen. MT-Foto: Astrid Plaßhenrich © Astrid Plaßhenrich

Minden. Authentizität ist ihm am wichtigsten. Lennart Wilken-Johannes möchte nicht mit bekannten Handball-Podcasts wie „Hand aufs Harz" oder „Kreis ab" konkurrieren oder verglichen werden. Er will sich nichts von ihnen abschauen oder sie gar kopieren. Der Torwart des Verbandsligisten TSV Hahlen will sein eigenes Ding machen. Aus Minden für Minden – so kann das Motto seines Podcasts mit dem Titel „frei.vor" lauten. Der 25-Jährige möchte in seinen Gesprächen mit Protagonisten der Szene die Geschichten dieser handballverrückten Stadt erzählen.

Die erste Folge war längst aufgenommen, da fehlte noch immer ein Titel für den Podcast. Sein Kumpel Stefan Rüter sei schließlich auf den Namen „frei.vor" gekommen. Der fühlte sich von der ersten Sekunde irgendwie richtig gut an. „Der Titel passt zum Handball, aber auch zum Podcast. Frei vorm Tor, frei vorm Mikro", erklärt Wilken-Johannes. Der E-Commerce-Manager sagt und fragt, was ihm in den Sinn kommt, denkt nicht lange darüber nach: „Wem das nicht gefällt, der kann ja ausschalten." Der Podcaster ist direkt, ehrlich und konsequent, seine Sprache modern. Die Kombination scheint gut zu funktionieren. Denn anstatt auszuschalten, drehen viele auf: Innerhalb von vier Tagen haben mehr als 800 Hörer die erste Folge gestreamt. „Das ist viel mehr als ich erwartet habe", sagt der Hahler, „ich habe bis auf eine Instagram-Seite auch gar keine Werbung dafür gemacht."


In der ersten Folge ist Jonas Zollitsch zu Gast. „Seine Geschichte ist super interessant und ungewöhnlich", meint Wilken-Johannes. Der 22-jährige Zollitsch blickt in dem knapp einstündigen Gespräch auf sein Bundesligadebüt bei GWD Minden zurück, zu dem er kam, weil die Verletztenliste lang war und ein Torwart gebraucht wurde. Er lässt erfolgreiche Jugendzeiten wieder aufleben und erzählt über die Enttäuschung, als die GWD-Trainer nicht mehr mit ihm planten. Seine zweite Karriere nimmt aber den Großteil des lockeren Talks ein: Zollitsch ist nun Schiedsrichter und arbeitete sich zusammen mit seinem Gespannpartner Marvin Völkening innerhalb kürzester Zeit bis in die 3. Liga und in den DHB-Perspektivekader hoch. Daneben plaudern die beiden Freunde, die vor der Aufnahme gegen die Nervosität ein Bierchen tranken, auch aus dem Nähkästchen. So erfahren die Hörer zum Beispiel, was die beiden mit dem jetzigen Nationalspieler Marian Michalczik auf Zeltfesten erlebt haben.

Nachdem die Folge aufgenommen, geschnitten und im Internet hochgeladen war, erhielt Wilken-Johannes schnell Feedback. Das zeigt: Er trifft den Nerv der Mindener Handballer, füllt mit dem Podcast ein Vakuum. „Mir schreiben Zwölfjährige, die das Format super finden, aber auch Rentner, die sich zum ersten Mal in ihrem Leben einen Podcast anhörten. Auch ein paar GWD-Spieler haben die Folge auf dem Weg zum Auswärtsspiel nach Kiel gestreamt. Das ist echt toll", sagt der 25-Jährige und ergänzt: „Ich möchte auch, dass das Format von den Wünschen, Vorschlägen und Rückmeldungen lebt."

Neben der Authentizität ist dem Torwart auch die Regionalität extrem wichtig. „Ich mag Lokaljournalismus, lokale Medien. Ich muss keine große Bild-Schlagzeile lesen, um an Inhalten Spaß zu haben", erklärt Wilken-Johannes, der vor seiner Berufsausbildung auch für die Sportredaktion des MT gearbeitet hat: „Wir haben in Minden und Umgebung coole Typen und coole Geschichten, die ich gerne erzählen möchte." Der Hahler ist im Handballkreis sehr gut vernetzt, kennt von der Bundes- bis in die Kreisliga Spieler sowie Funktionäre und Schiedsrichter auf allen Ebenen. Seine Gästeliste steht bereits bis in den Januar fest. Wer alles mit ihm spricht, sei jedoch noch geheim. Seinen nächsten Gast gab er aber bekannt: Tim Wieling, jahrelang Spieler in der GWD-Jugend und jetzt Profi beim TVB Stuttgart, wird über den Profisport, seine Zeit in Minden und sein Mode-Start-up sprechen.

Dass längst noch nicht alles so ist, wie es mal sein kann, stört den Podcaster nicht im geringsten. „Denkt euch ein kreatives Intro, denkt euch auch ein Stückweit maximale Professionalität. Die wird es – zumindest vorerst – hier nicht geben", sagt er zu Beginn der ersten Folge. Wilken-Johannes will nicht perfekt sein. Stattdessen will er sich in den Gesprächen mit seinen Gästen weiterentwickeln, sich inhaltlich und technisch stetig verbessern ohne dabei die Spontanität zu verlieren. Und schließlich kann Einzigartigkeit auch eine Art von Perfektion sein.

Wohin der Weg des Podcasts in Zukunft führen wird, weiß Wilken-Johannes nicht: „Ich habe keinen blassen Schimmer. Aber ich will gar nicht, dass es eine Riesennummer wird, die ganz Deutschland hört. Es soll einfach ein cooles Ding für Minden sein.

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