MT-Serie, Schiedsrichter: Handballkreis ist mit Online-Ausbildung bundesweit Vorreiter Christian Bendig Minden. Wie so viele andere Bereiche der Gesellschaft beschreitet auch der Handballkreis Minden-Lübbecke bei der Schiedsrichterausbildung in den Zeiten der Corona-Krise und ihrer Kontaktbeschränkungen neue Wege. So fand der jüngste, am vergangenen Sonntag mit den Prüfungen zu Ende gegangene Ausbildungslehrgang erstmalig „online“ statt. Der Handballkreis Minden-Lübbecke ist bundesweit mit diesem Format einer der Vorreiter. Insgesamt 18 Schiedsrichteranwärter stellten sich der Herausforderung. 17 von ihnen bestanden die Prüfung im ersten Anlauf. An die Schiedsrichterprüfung schließt sich nun noch der verpflichtende Zeitnehmer- und Sekretär-Lehrgang an. Die hohe Anzahl bestandener Prüfungen können Schiedsrichterlehrwart Frank Begemann und die beiden Mit-Organisatoren Andreas Tiemann und Markus Mehrhoff durchaus als Erfolg werten. „In diesem Format fehlt natürlich der persönliche Kontakt. Einigen fällt es eventuell in so einer Konstellation schwerer, Fragen zu stellen“, resümiert Begemann, freut sich aber gleichwohl über die hohe Anzahl der Teilnehmer. „Nach der ersten Ausschreibung hatten wir innerhalb von nur vier Tagen den Kurs voll“, meint Begemann. Auch Interessierte aus anderen Handballkreisen konnten die Online-Ausbildung und die Prüfung absolvieren. So wie zwei Teilnehmer vom VfL Mennighüffen. Begemann kündigt an: „Es wird recht zeitnah ein zweiter Lehrgang stattfinden.“ Denn gerade nach der abgebrochenen Spielzeit und vor dem Hintergrund, dass die Jugendklassen unter Umständen auch keine Qualifikationsrunden zu den Oberligen spielen werden, hätten viele Aktive nun ausreichend Zeit, um die Ausbildung zum Schiedsrichter zu absolvieren. Denn trotz der zurzeit circa 180 aktiven Schiedsrichter im Handballkreis werde weiterhin dringend Nachwuchs benötigt. „Alleine schon, weil wir aufgrund der vermehrten Aufstiege höhere Mannschaftszahlen in den Ligen und somit auch mehr Spiele besetzen müssen. Vor allem auf Verbandsebene“, meint der Schiedsrichter-Lehrwart. Die Idee zu dem neuen, modernen Ausbildungskonzept hatte er schon länger. „Andreas Tiemann und ich hatten im Dezember bereits Ideen entwickelt“, blickt Begemann zurück. Anfangs sollten die neuen Elemente in die Präsenzveranstaltungen integriert werden, nun wurden sie zu einem kompletten Online-Kurs erweitert. „Zunächst mussten die geeigneten Programme gefunden werden. Dann mussten die ganzen Präsentationen in vielen kleinen Schritten in die Programme integriert werden“, erläutert Begemann. Zu festgelegten Zeiten schalteten sich die Teilnehmer über ihre Rechner oder Smartphones den Videokonferenzen zu. Neben der klassischen Regelkunde integrierten die Organisatoren auch Videosequenzen zu den einzelnen Regel-Themen. An die Videos schlossen sich Fragen mit zumeist vier Antwortmöglichkeiten an. Die Teilnehmer votierten über eine separate App und konnten somit ihre Regelfestigkeit überprüfen. Begemann kann sich durchaus vorstellen, dass zukünftig Teile der Schiedsrichterausbildung online absolviert werden könnten. „Das Selbststudium der Regeln und auch diverse Regelfragestunden eignen sich sehr gut dafür“, meint Begemann. Doch bei der Theorie soll es nicht bleiben. Begemann versichert: „Sobald wir uns wieder treffen können, sind Praxiseinheiten geplant.“ Neben vielen Teilnehmern, die selbst noch im Nachwuchsbereich Handball spielen, gab es auch Teilnehmer aus dem höheren Leistungsbereich. So wie Keanu Reimler, der im Sommer vom Drittligisten GWD Minden II zum Verbandsligisten TSV Hahlen wechseln wird. „Ich wollte den Handball aus einer anderen Perspektive kennenlernen“, beschreibt der Hiller seine Motivation. Einen anderen Handball-Hintergrund hat Ken Pierburg, der den Lehrgang gemeinsam mit seiner Tochter Stina erfolgreich absolvierte: „Ich bin zwar Hallensprecher bei den Verbandsliga-Männern der HSG Porta, aber ich habe selbst nie gespielt.“ Die Motivation, zukünftig Spiele zu leiten, ist auch eine andere als beispielsweise bei Keanu Reimler. „Das soll so ein Tochter-Vater-Handballding sein“, beschreibt der 49-Jährige, dessen Tochter das Tor der A-Mädchen der JSG Lit 1912 hütet, die Idee zu der auf den ersten Blick ungewöhnlichen Konstellation. Die brächte aber auch viele Vorteile: „Zum einen hat meine Tochter noch keinen Führerschein. Zum anderen stehen gerade ausschließlich junge Gespanne mehr unter Druck als eines mit gemischtem Alter“, sagt Pierburg. Vor den Augen anderer Leistung abzuliefern, ist dem früheren Hobby-Musiker nicht fremd. Doch Pierburg vermutet: „Obwohl ich viele Jahre lang Rockmusik gemacht habe, werde ich vor den ersten Spielen wie alle anderen eine gesunde Portion Nervosität haben.“ ? Folgende Vereine stellten die Kurs-Teilnehmer: HSV Minden-Nord (4), TuS Gehlenbeck (4), HSG Porta (3), TSV Hahlen (2), HCE Bad Oeynhausen (2), VfL Mennighüffen (2), TV Hille (1).

MT-Serie, Schiedsrichter: Handballkreis ist mit Online-Ausbildung bundesweit Vorreiter

Keine Berührungsängste in der Corona-Zeit: Frank Begemann entwickelte den Online-Lehrgang und sammelte mit dem neuen Angebot sehr gute Erfahrungen. © Foto: Christian Bendig

Minden. Wie so viele andere Bereiche der Gesellschaft beschreitet auch der Handballkreis Minden-Lübbecke bei der Schiedsrichterausbildung in den Zeiten der Corona-Krise und ihrer Kontaktbeschränkungen neue Wege. So fand der jüngste, am vergangenen Sonntag mit den Prüfungen zu Ende gegangene Ausbildungslehrgang erstmalig „online“ statt. Der Handballkreis Minden-Lübbecke ist bundesweit mit diesem Format einer der Vorreiter.

Insgesamt 18 Schiedsrichteranwärter stellten sich der Herausforderung. 17 von ihnen bestanden die Prüfung im ersten Anlauf. An die Schiedsrichterprüfung schließt sich nun noch der verpflichtende Zeitnehmer- und Sekretär-Lehrgang an.

Die hohe Anzahl bestandener Prüfungen können Schiedsrichterlehrwart Frank Begemann und die beiden Mit-Organisatoren Andreas Tiemann und Markus Mehrhoff durchaus als Erfolg werten. „In diesem Format fehlt natürlich der persönliche Kontakt. Einigen fällt es eventuell in so einer Konstellation schwerer, Fragen zu stellen“, resümiert Begemann, freut sich aber gleichwohl über die hohe Anzahl der Teilnehmer. „Nach der ersten Ausschreibung hatten wir innerhalb von nur vier Tagen den Kurs voll“, meint Begemann. Auch Interessierte aus anderen Handballkreisen konnten die Online-Ausbildung und die Prüfung absolvieren. So wie zwei Teilnehmer vom VfL Mennighüffen. Begemann kündigt an: „Es wird recht zeitnah ein zweiter Lehrgang stattfinden.“

Paukten gemeinsam Handballregeln: Vater Ken und Tochter Stina Pierburg. - © Foto: pr
Paukten gemeinsam Handballregeln: Vater Ken und Tochter Stina Pierburg. - © Foto: pr

Denn gerade nach der abgebrochenen Spielzeit und vor dem Hintergrund, dass die Jugendklassen unter Umständen auch keine Qualifikationsrunden zu den Oberligen spielen werden, hätten viele Aktive nun ausreichend Zeit, um die Ausbildung zum Schiedsrichter zu absolvieren. Denn trotz der zurzeit circa 180 aktiven Schiedsrichter im Handballkreis werde weiterhin dringend Nachwuchs benötigt. „Alleine schon, weil wir aufgrund der vermehrten Aufstiege höhere Mannschaftszahlen in den Ligen und somit auch mehr Spiele besetzen müssen. Vor allem auf Verbandsebene“, meint der Schiedsrichter-Lehrwart.

Die Idee zu dem neuen, modernen Ausbildungskonzept hatte er schon länger. „Andreas Tiemann und ich hatten im Dezember bereits Ideen entwickelt“, blickt Begemann zurück. Anfangs sollten die neuen Elemente in die Präsenzveranstaltungen integriert werden, nun wurden sie zu einem kompletten Online-Kurs erweitert. „Zunächst mussten die geeigneten Programme gefunden werden. Dann mussten die ganzen Präsentationen in vielen kleinen Schritten in die Programme integriert werden“, erläutert Begemann.

Zu festgelegten Zeiten schalteten sich die Teilnehmer über ihre Rechner oder Smartphones den Videokonferenzen zu. Neben der klassischen Regelkunde integrierten die Organisatoren auch Videosequenzen zu den einzelnen Regel-Themen. An die Videos schlossen sich Fragen mit zumeist vier Antwortmöglichkeiten an. Die Teilnehmer votierten über eine separate App und konnten somit ihre Regelfestigkeit überprüfen. Begemann kann sich durchaus vorstellen, dass zukünftig Teile der Schiedsrichterausbildung online absolviert werden könnten. „Das Selbststudium der Regeln und auch diverse Regelfragestunden eignen sich sehr gut dafür“, meint Begemann. Doch bei der Theorie soll es nicht bleiben. Begemann versichert: „Sobald wir uns wieder treffen können, sind Praxiseinheiten geplant.“

Neben vielen Teilnehmern, die selbst noch im Nachwuchsbereich Handball spielen, gab es auch Teilnehmer aus dem höheren Leistungsbereich. So wie Keanu Reimler, der im Sommer vom Drittligisten GWD Minden II zum Verbandsligisten TSV Hahlen wechseln wird. „Ich wollte den Handball aus einer anderen Perspektive kennenlernen“, beschreibt der Hiller seine Motivation.

Einen anderen Handball-Hintergrund hat Ken Pierburg, der den Lehrgang gemeinsam mit seiner Tochter Stina erfolgreich absolvierte: „Ich bin zwar Hallensprecher bei den Verbandsliga-Männern der HSG Porta, aber ich habe selbst nie gespielt.“ Die Motivation, zukünftig Spiele zu leiten, ist auch eine andere als beispielsweise bei Keanu Reimler. „Das soll so ein Tochter-Vater-Handballding sein“, beschreibt der 49-Jährige, dessen Tochter das Tor der A-Mädchen der JSG Lit 1912 hütet, die Idee zu der auf den ersten Blick ungewöhnlichen Konstellation. Die brächte aber auch viele Vorteile: „Zum einen hat meine Tochter noch keinen Führerschein. Zum anderen stehen gerade ausschließlich junge Gespanne mehr unter Druck als eines mit gemischtem Alter“, sagt Pierburg.

Vor den Augen anderer Leistung abzuliefern, ist dem früheren Hobby-Musiker nicht fremd. Doch Pierburg vermutet: „Obwohl ich viele Jahre lang Rockmusik gemacht habe, werde ich vor den ersten Spielen wie alle anderen eine gesunde Portion Nervosität haben.“ ?

Folgende Vereine stellten die Kurs-Teilnehmer: HSV Minden-Nord (4), TuS Gehlenbeck (4), HSG Porta (3), TSV Hahlen (2), HCE Bad Oeynhausen (2), VfL Mennighüffen (2), TV Hille (1).

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Handball