Handball: Dirk Beuchlers Schlussstrich und beruflicher Neuanfang Hans Peter Tipp Lübbecke. Hin und wieder sieht man ihn noch als Zuschauer bei Heimspielen des TuS N-Lübbecke. Längst ist der frühere Handballprofi und -trainer Dirk Beuchler im Altkreis Lübbecke heimisch geworden. Seitdem der 49-Jährige 2013 als Coach zum damaligen Erstligisten zurückkehrte, wohnt er mit seiner Frau Nadine, einer gebürtigen Lübbeckerin und seinem acht Jahre alten Sohn Jakob wieder in Lübbecke. Beruflich hat der Sportler eine zweite Karriere eingeschlagen. Handball war gestern. Heute ist Vermögensberatung. Beuchlers neuer Arbeitsplatz in Hille ist keine der Sporthallen, in denen der bullige Kreisläufer weit mehr als sein halbes Leben verbrachte, sondern das Büro des Finanzdienstleisters DVAG. Aus dem Handballtrainer ist ein Finanzcoach geworden. Digitaler Aktenkoffer statt Sporttasche, Business- statt Trainingsanzug: Schon äußerlich ist vieles anders, als es bislang in Beuchlers Leben war. Aber nicht nur Outfit und Profession haben sich verändert. Beuchlers private Prioritäten haben es auch. „Nach der Freistellung in Gummersbach war es Zeit, die Entscheidung zu treffen, wie ich mein weiteres Leben führen wollte“, sagt der frühere Handballprofi: „Ich habe mich gefragt, ist dir das alles so wichtig, dass du dafür deine Familie aufs Spiel setzt. Und da habe ich festgestellt: Nein, das ist es nicht. Deshalb habe ich mich bewusst gegen den Handball, für meine Familie und für eine gemeinsame Zukunft entschieden. Ich wollte miterleben, wie mein Sohn aufwächst und die Schule absolviert“, sagt Beuchler, dem das bei seiner heute 25 Jahre alten Tochter aus erster Ehe nicht vergönnt gewesen war. Als Handballspieler war Beuchler ziemlich weit oben und als Trainer aufeinem ordentlichen Weg. Deutscher und Spanischer Meister, DHB-Pokal, Europapokale, Spanischer Supercup, ein Erstligaaufstieg und zweifacher Champions-League-Finalist: 14 Titel in Deutschland und Spanien hat der achtfache Nationalspieler mit seinen Klubs gesammelt, darunter 1995 und 1996 auch zwei Mal den Euro-City-Cup mit dem TuS Nettelstedt, für den er von 1995 bis 2001 als Kreisläufer in der Kreissporthalle alles gab. Danach wechselte er nach Spanien. Später erwarb Beuchler dort die Trainer-A-Lizenz, stabilisierte nach seiner Rückkehr 2009 nach Deutschland den Zweitligisten SV Post Schwerin und führte den TBV Lemgo (2011 bis 2013) zunächst auf Platz sieben und anschließend in existenzbedrohender finanzieller Schieflage auf Rang neun. Auch beim TuS N-Lübbecke ging es gut los: Platz zehn in der Saison 13/14. Dann aber wendete sich das Blatt. Im März 2015 wurde Beuchler in Lübbecke freigestellt, und der Trainer dachte das erste Mal über ein Leben nach dem Handball nach. Ein Jahr lang gab er Vertretungsstunden als Sportlehrer in Hille. Fast wäre das schon der Einstieg in den Ausstieg gewesen. Doch ein Angebot des VfL Gummersbach änderte noch einmal alles. 1. Liga,Traditionsverein, Zweijahresvertrag – wer hätte da schon nein sagen können. Beuchler konnte es 2017 nicht und wurde bitter enttäuscht. Nach nur elf Spieltagen kam das Aus – es war das abrupte Ende eines Missverständnisses. „Als Handballtrainer verdienst du kein schlechtes Geld im Vergleich zu anderen Berufen. Aber du verdienst auch nicht so, dass du nach drei Jahren sagen kannst: Du hast ausgesorgt. Es ist eben nicht wie im Fußball. Und das heißt: Wenn ich als Handballtrainer nach einer gewissen Zeit kein neues Angebot bekomme, dann muss ich mir eine andere Arbeit suchen. Genau das habe ich dann getan.“ In seinem neuen Job hat Beuchler im DVAG-Büro von Stefan Kruse erfolgreich eine 18-monatige Ausbildung für Quereinsteiger absolviert. Jetzt fehlen nur noch zwei IHK-Prüfungen – dann ist der Umstieg komplett. Seine Kunden berät der Finanzexperte Beuchler in allen finanziellen Angelegenheiten, Hauptaugenmerk liegt auf Investment und Baufinanzierung. Er hilft ihnen, die für sie richtigen Entscheidungen zu treffen. Beuchlers Anspruch ist es, ihnen den richtigen Weg zu weisen. Das Handballherz schlägt aber immer noch – wenn auch nicht mehr so schnell wie früher. Angebote aus dem Amateurbereich hat er abgelehnt, weil ihm dazu die Zeit fehlt. Beuchler: „Ich glaube, wenn man in seinem Beruf neu ist und erfolgreich sein will, dann muss man sich voll darauf fokussieren. Das geht halt nicht, wenn ich nebenbei drei Mal abends in der Halle stehe und nicht vor 22 Uhr zuhause bin. Mal ganz davon abgesehen, was das privat bedeuten würde: Da könnte ich mich ja gleich scheiden lassen.” Seit kurzem berät Beuchler den Frauen-Erstligisten HSG Blomberg-Lippe. Dort fungiert er als Bindeglied zwischen Geschäftsführung, Vorstand und sportlicher Leitung. „Es macht mir Spaß, meine Erfahrungen aus 40 Jahren Handball weiterzugeben. Ich möchte einmal die Woche in Blomberg vor Ort sein, somit ist mein HSG-Engagement zeitlich überschaubar. Aber es ist neu für mich, weil ich im Frauenbereich bislang noch nicht tätig war, und es ist spannend, weil es Handball auf höchstem Niveau ist. Und höchstes Niveau hat mich schon immer fasziniert.“ Höchstes Niveau strebt Beuchler auch in der zweiten Laufbahn an. Als Finanzberater möchte er sich ein eigenes Team aufbauen – so wie als Trainer in Lemgo, wo er seine erfolgreichsten Jahre auf der Bank verbrachte. Beuchler und sein Team: Diese berufliche Perspektive gefällt dem Ex-Sportler natürlich. Der Job ist ein anderer geworden, der Ehrgeiz aber immer noch derselbe geblieben.

Handball: Dirk Beuchlers Schlussstrich und beruflicher Neuanfang

Fingerzeig: Dirk Beuchler war beim TuS N-Lübbecke als Spieler und Trainer erfolgreich. Nach seinem letzten Profi-Trainer-Engagement in Gummersbach entschied er sich für einen beruflichen Neuanfang.?Foto: WB © Oliver Schwabe

Lübbecke. Hin und wieder sieht man ihn noch als Zuschauer bei Heimspielen des TuS N-Lübbecke. Längst ist der frühere Handballprofi und -trainer Dirk Beuchler im Altkreis Lübbecke heimisch geworden. Seitdem der 49-Jährige 2013 als Coach zum damaligen Erstligisten zurückkehrte, wohnt er mit seiner Frau Nadine, einer gebürtigen Lübbeckerin und seinem acht Jahre alten Sohn Jakob wieder in Lübbecke. Beruflich hat der Sportler eine zweite Karriere eingeschlagen. Handball war gestern.

Heute ist Vermögensberatung. Beuchlers neuer Arbeitsplatz in Hille ist keine der Sporthallen, in denen der bullige Kreisläufer weit mehr als sein halbes Leben verbrachte, sondern das Büro des Finanzdienstleisters DVAG. Aus dem Handballtrainer ist ein Finanzcoach geworden.

Digitaler Aktenkoffer statt Sporttasche, Business- statt Trainingsanzug: Schon äußerlich ist vieles anders, als es bislang in Beuchlers Leben war. Aber nicht nur Outfit und Profession haben sich verändert. Beuchlers private Prioritäten haben es auch. „Nach der Freistellung in Gummersbach war es Zeit, die Entscheidung zu treffen, wie ich mein weiteres Leben führen wollte“, sagt der frühere Handballprofi: „Ich habe mich gefragt, ist dir das alles so wichtig, dass du dafür deine Familie aufs Spiel setzt. Und da habe ich festgestellt: Nein, das ist es nicht. Deshalb habe ich mich bewusst gegen den Handball, für meine Familie und für eine gemeinsame Zukunft entschieden. Ich wollte miterleben, wie mein Sohn aufwächst und die Schule absolviert“, sagt Beuchler, dem das bei seiner heute 25 Jahre alten Tochter aus erster Ehe nicht vergönnt gewesen war.

Als Handballspieler war Beuchler ziemlich weit oben und als Trainer aufeinem ordentlichen Weg. Deutscher und Spanischer Meister, DHB-Pokal, Europapokale, Spanischer Supercup, ein Erstligaaufstieg und zweifacher Champions-League-Finalist: 14 Titel in Deutschland und Spanien hat der achtfache Nationalspieler mit seinen Klubs gesammelt, darunter 1995 und 1996 auch zwei Mal den Euro-City-Cup mit dem TuS Nettelstedt, für den er von 1995 bis 2001 als Kreisläufer in der Kreissporthalle alles gab.

Danach wechselte er nach Spanien. Später erwarb Beuchler dort die Trainer-A-Lizenz, stabilisierte nach seiner Rückkehr 2009 nach Deutschland den Zweitligisten SV Post Schwerin und führte den TBV Lemgo (2011 bis 2013) zunächst auf Platz sieben und anschließend in existenzbedrohender finanzieller Schieflage auf Rang neun.

Auch beim TuS N-Lübbecke ging es gut los: Platz zehn in der Saison 13/14. Dann aber wendete sich das Blatt. Im März 2015 wurde Beuchler in Lübbecke freigestellt, und der Trainer dachte das erste Mal über ein Leben nach dem Handball nach. Ein Jahr lang gab er Vertretungsstunden als Sportlehrer in Hille. Fast wäre das schon der Einstieg in den Ausstieg gewesen.

Doch ein Angebot des VfL Gummersbach änderte noch einmal alles. 1. Liga,Traditionsverein, Zweijahresvertrag – wer hätte da schon nein sagen können. Beuchler konnte es 2017 nicht und wurde bitter enttäuscht. Nach nur elf Spieltagen kam das Aus – es war das abrupte Ende eines Missverständnisses.

„Als Handballtrainer verdienst du kein schlechtes Geld im Vergleich zu anderen Berufen. Aber du verdienst auch nicht so, dass du nach drei Jahren sagen kannst: Du hast ausgesorgt. Es ist eben nicht wie im Fußball. Und das heißt: Wenn ich als Handballtrainer nach einer gewissen Zeit kein neues Angebot bekomme, dann muss ich mir eine andere Arbeit suchen. Genau das habe ich dann getan.“

In seinem neuen Job hat Beuchler im DVAG-Büro von Stefan Kruse erfolgreich eine 18-monatige Ausbildung für Quereinsteiger absolviert. Jetzt fehlen nur noch zwei IHK-Prüfungen – dann ist der Umstieg komplett. Seine Kunden berät der Finanzexperte Beuchler in allen finanziellen Angelegenheiten, Hauptaugenmerk liegt auf Investment und Baufinanzierung. Er hilft ihnen, die für sie richtigen Entscheidungen zu treffen. Beuchlers Anspruch ist es, ihnen den richtigen Weg zu weisen.

Das Handballherz schlägt aber immer noch – wenn auch nicht mehr so schnell wie früher. Angebote aus dem Amateurbereich hat er abgelehnt, weil ihm dazu die Zeit fehlt. Beuchler: „Ich glaube, wenn man in seinem Beruf neu ist und erfolgreich sein will, dann muss man sich voll darauf fokussieren. Das geht halt nicht, wenn ich nebenbei drei Mal abends in der Halle stehe und nicht vor 22 Uhr zuhause bin. Mal ganz davon abgesehen, was das privat bedeuten würde: Da könnte ich mich ja gleich scheiden lassen.”

Seit kurzem berät Beuchler den Frauen-Erstligisten HSG Blomberg-Lippe. Dort fungiert er als Bindeglied zwischen Geschäftsführung, Vorstand und sportlicher Leitung. „Es macht mir Spaß, meine Erfahrungen aus 40 Jahren Handball weiterzugeben. Ich möchte einmal die Woche in Blomberg vor Ort sein, somit ist mein HSG-Engagement zeitlich überschaubar. Aber es ist neu für mich, weil ich im Frauenbereich bislang noch nicht tätig war, und es ist spannend, weil es Handball auf höchstem Niveau ist. Und höchstes Niveau hat mich schon immer fasziniert.“

Höchstes Niveau strebt Beuchler auch in der zweiten Laufbahn an. Als Finanzberater möchte er sich ein eigenes Team aufbauen – so wie als Trainer in Lemgo, wo er seine erfolgreichsten Jahre auf der Bank verbrachte. Beuchler und sein Team: Diese berufliche Perspektive gefällt dem Ex-Sportler natürlich. Der Job ist ein anderer geworden, der Ehrgeiz aber immer noch derselbe geblieben.

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