HSV-Chef Netzeband zur Sporthallen-Schließung: „Nur der Zeitpunkt hat uns überrascht“ Jörg Wehling Minden. Gelassenheit, Improvisationskunst und Organisationstalent sind derzeit beim HSV Minden-Nord gefragt. Jens Netzeband (54), Vorsitzender des Handballspielverbundes aus dem Mindener Norden, verkörpert diese Tugenden. Nur kurz war die Freude bei ihm und seinen Vorstandskollegen, dass das Hallendach wieder dicht ist und der Trainings- und Spielbetrieb wieder starten kann. Wenige Wochen später flatterte dann die Nachricht der Stadt Minden ins Haus, dass weitere Innenarbeiten anstehen und die Halle nun deutlich länger bis einschließlich November geschlossen bleiben muss. Die Begeisterung hielt sich natürlich in überschaubaren Grenzen. Wie erleichtert waren Sie, dass die Halle pünktlich vor dem Trainingsstart bezugsfähig ist und ihre Mannschaften dort nach Renovierung und der Corona-bedingten Pause wieder trainieren und spielen können? Die Erleichterung war natürlich riesengroß, weil uns eine permanente Last genommen wurde. Das Hallendach war ein Dauerbrenner-Thema bei uns und bei der Stadt. Trotz einiger Reparaturen in den vergangenen Jahren tröpfelte es immer wieder durch. Spiele standen sogar vor dem Abbruch oder konnten erst garnicht angepfiffen werden. Schön, dass zumindest dieses Thema vom Tisch ist. Das sichert uns auf Dauer einen geordneten Spielbetrieb. Was haben Sie gedacht, als Sie die Nachricht aus dem Rathaus in den Händen hielten, dass die Halle bis November erneut dicht sein würde? Ich habe mich eigentlich nur über den Zeitpunkt gewundert. Der kam für uns etwas überraschend. Dass weitere dringende Arbeiten erledigt werden müssen, war uns bewusst. Eine neue LED-Beleuchtung und die Sanierung der Lichtkuppeln im Innenbereich sind absolut sinnvolle Maßnahmen. Maßnahme hin oder her. Jetzt müssen Sie sich darum kümmern, dass ihre gut 20 Mannschaften woanders trainieren und ihre Heimspiel austragen können. Das stimmt einerseits. Aber das städtische Sportbüro zeigte sich äußerst kooperativ. Die sind auch nicht glücklich mit der aktuellen Lage. Unsere Idee war es, mit unseren Heimspielen weitestgehend in die Sporthalle Minden-Süd nach Bölhorst auszuweichen. Die ist am Wochenende nicht so stark von Vereinen frequentiert. Dieser Vorschlag wurde aufgegriffen und umgesetzt. Die Nutzung der Zuschauertribünen ist dort gewährleistet, Fluchtwege sind vorhanden, ebenso können die Corona-Hygiene-Regeln eingehalten werden. Das ist eine gute Lösung für uns, zumal unsere leistungsorientierten Teams dort mit Harz spielen dürfen. Also ist man Eins–zu-Eins von einer Halle in die nächste umgezogen? Nein, das stimmt so nicht. Unsere Hallenzeiten sind über die ganze Stadt verteilt worden. 16 Übungseinheiten und damit gut die Hälfte mussten neu geplant und vergeben werden. Das war für alle eine große Aufgabe. Für Sie bedeutete das sicher mehr Arbeit als in der Vergangenheit? Nur zum Teil. Denn auch schon vor der Schließung der Sporthalle Minden-Nord haben wir in anderen Hallen trainiert, weil unsere Zahl an Mannschaften die Kapazitäten der Halle bei weitem überstiegen. Nur mit dem HSV-Prinzip müssen wir jetzt aussetzen. Jede Mannschaft hat das Recht, mindestens einmal pro Woche eine Trainingseinheit in Stemmer zu bekommen. Das geht jetzt im Moment leider nicht. Befürchten Sie, dass der Hallenwechsel sich sportlich negativ auswirkt und Spieler den HSV verlassen? Das glaube ich ganz sicher nicht. Im Leistungsbereich haben wir schlagkräftige Mannschaften am Start, die zu großen Teilen mit Aktiven aus unserer eigenen Jugend agieren. Da spielt die Hallenproblematik überhaupt keine Rolle. Und die Kinder- und Jugendarbeit funktioniert weiterhin trotz des Umzugs reibungslos. Auch die Eltern zeigen Verständnis. Schauen müssen wir bei den Heimspielen, ob und wie wir ein Catering für unsere Fans anbieten können. Das ist eine wichtige Einnahmequelle für uns. Wie sehr freuen Sie sich in diesem Jahr auf den Dezember? Aus verschiedenen Gründen natürlich sehr. Wir werden dann – sofern der Zeitplan eingehalten wird – mit einer dichten Halle und einer Topbeleuchtung uns die Heimspiele etwas unbeschwerter anschauen können, auch wenn es draußen regnet. Jetzt wünsche ich mir nur noch, dass auch nach der Renovierung genug Zuschauer in die Halle kommen dürfen. Dann haben wir für die nächsten Jahre wieder einen äußerst schmucken und vor allem gemütlichen Vereinsmittelpunkt. Kein Hallentausch Olaf Grintz, Trainer des Frauenhandball-Oberligisten HSV Minden-Nord, hatte einen Heimrechttausch vorgeschlagen, um dann im Dezember alle Heimspiele in Stemmer austragen zu können. „Wir haben festgestellt, dass das bei einzelnen Teams nicht möglich ist, weil wir dann ab Dezember nicht alle Matches in der Halle Minden-Nord unterbringen können“, sagt Jens Netzeband. In der Sporthalle Minden-Süd, zuletzt 2017 saniert, kann nach Angaben der Stadt Minden ohne Einschränkung Wettkampf-Sport durchgeführt werden. Die Hallenkapazität beschränkt sich hier auf 199 Personen. In der Sporthalle Minden-Nord muss noch die Entrauchung installiert werden. Die Arbeiten für den Austausch der Lichtbänder und die Eindeckung der offenen Dachfläche wurden in dieser Woche aufgenommen. Aus Sicherheitsgründen können die Maßnahmen nicht zeitgleich stattfinden. (jöw)

HSV-Chef Netzeband zur Sporthallen-Schließung: „Nur der Zeitpunkt hat uns überrascht“

Minden. Gelassenheit, Improvisationskunst und Organisationstalent sind derzeit beim HSV Minden-Nord gefragt. Jens Netzeband (54), Vorsitzender des Handballspielverbundes aus dem Mindener Norden, verkörpert diese Tugenden. Nur kurz war die Freude bei ihm und seinen Vorstandskollegen, dass das Hallendach wieder dicht ist und der Trainings- und Spielbetrieb wieder starten kann. Wenige Wochen später flatterte dann die Nachricht der Stadt Minden ins Haus, dass weitere Innenarbeiten anstehen und die Halle nun deutlich länger bis einschließlich November geschlossen bleiben muss. Die Begeisterung hielt sich natürlich in überschaubaren Grenzen.

Jens Netzeband, Vorstandsvorsitzender des HSV Minden-Nord. MT- - © Foto: Jörg Wehling
Jens Netzeband, Vorstandsvorsitzender des HSV Minden-Nord. MT- - © Foto: Jörg Wehling

Wie erleichtert waren Sie, dass die Halle pünktlich vor dem Trainingsstart bezugsfähig ist und ihre Mannschaften dort nach Renovierung und der Corona-bedingten Pause wieder trainieren und spielen können?

Die Erleichterung war natürlich riesengroß, weil uns eine permanente Last genommen wurde. Das Hallendach war ein Dauerbrenner-Thema bei uns und bei der Stadt. Trotz einiger Reparaturen in den vergangenen Jahren tröpfelte es immer wieder durch. Spiele standen sogar vor dem Abbruch oder konnten erst garnicht angepfiffen werden. Schön, dass zumindest dieses Thema vom Tisch ist. Das sichert uns auf Dauer einen geordneten Spielbetrieb.

Was haben Sie gedacht, als Sie die Nachricht aus dem Rathaus in den Händen hielten, dass die Halle bis November erneut dicht sein würde?

Ich habe mich eigentlich nur über den Zeitpunkt gewundert. Der kam für uns etwas überraschend. Dass weitere dringende Arbeiten erledigt werden müssen, war uns bewusst. Eine neue LED-Beleuchtung und die Sanierung der Lichtkuppeln im Innenbereich sind absolut sinnvolle Maßnahmen.

Maßnahme hin oder her. Jetzt müssen Sie sich darum kümmern, dass ihre gut 20 Mannschaften woanders trainieren und ihre Heimspiel austragen können.

Das stimmt einerseits. Aber das städtische Sportbüro zeigte sich äußerst kooperativ. Die sind auch nicht glücklich mit der aktuellen Lage. Unsere Idee war es, mit unseren Heimspielen weitestgehend in die Sporthalle Minden-Süd nach Bölhorst auszuweichen. Die ist am Wochenende nicht so stark von Vereinen frequentiert. Dieser Vorschlag wurde aufgegriffen und umgesetzt. Die Nutzung der Zuschauertribünen ist dort gewährleistet, Fluchtwege sind vorhanden, ebenso können die Corona-Hygiene-Regeln eingehalten werden. Das ist eine gute Lösung für uns, zumal unsere leistungsorientierten Teams dort mit Harz spielen dürfen.

Also ist man Eins–zu-Eins von einer Halle in die nächste umgezogen?

Nein, das stimmt so nicht. Unsere Hallenzeiten sind über die ganze Stadt verteilt worden. 16 Übungseinheiten und damit gut die Hälfte mussten neu geplant und vergeben werden. Das war für alle eine große Aufgabe.

Für Sie bedeutete das sicher mehr Arbeit als in der Vergangenheit?

Nur zum Teil. Denn auch schon vor der Schließung der Sporthalle Minden-Nord haben wir in anderen Hallen trainiert, weil unsere Zahl an Mannschaften die Kapazitäten der Halle bei weitem überstiegen. Nur mit dem HSV-Prinzip müssen wir jetzt aussetzen. Jede Mannschaft hat das Recht, mindestens einmal pro Woche eine Trainingseinheit in Stemmer zu bekommen. Das geht jetzt im Moment leider nicht.

Befürchten Sie, dass der Hallenwechsel sich sportlich negativ auswirkt und Spieler den HSV verlassen?

Das glaube ich ganz sicher nicht. Im Leistungsbereich haben wir schlagkräftige Mannschaften am Start, die zu großen Teilen mit Aktiven aus unserer eigenen Jugend agieren. Da spielt die Hallenproblematik überhaupt keine Rolle. Und die Kinder- und Jugendarbeit funktioniert weiterhin trotz des Umzugs reibungslos. Auch die Eltern zeigen Verständnis. Schauen müssen wir bei den Heimspielen, ob und wie wir ein Catering für unsere Fans anbieten können. Das ist eine wichtige Einnahmequelle für uns.

Wie sehr freuen Sie sich in diesem Jahr auf den Dezember?

Aus verschiedenen Gründen natürlich sehr. Wir werden dann – sofern der Zeitplan eingehalten wird – mit einer dichten Halle und einer Topbeleuchtung uns die Heimspiele etwas unbeschwerter anschauen können, auch wenn es draußen regnet. Jetzt wünsche ich mir nur noch, dass auch nach der Renovierung genug Zuschauer in die Halle kommen dürfen. Dann haben wir für die nächsten Jahre wieder einen äußerst schmucken und vor allem gemütlichen Vereinsmittelpunkt.

Kein Hallentausch

Olaf Grintz, Trainer des Frauenhandball-Oberligisten HSV Minden-Nord, hatte einen Heimrechttausch vorgeschlagen, um dann im Dezember alle Heimspiele in Stemmer austragen zu können. „Wir haben festgestellt, dass das bei einzelnen Teams nicht möglich ist, weil wir dann ab Dezember nicht alle Matches in der Halle Minden-Nord unterbringen können“, sagt Jens Netzeband.

In der Sporthalle Minden-Süd, zuletzt 2017 saniert, kann nach Angaben der Stadt Minden ohne Einschränkung Wettkampf-Sport durchgeführt werden. Die Hallenkapazität beschränkt sich hier auf 199 Personen. In der Sporthalle Minden-Nord muss noch die Entrauchung installiert werden. Die Arbeiten für den Austausch der Lichtbänder und die Eindeckung der offenen Dachfläche wurden in dieser Woche aufgenommen. Aus Sicherheitsgründen können die Maßnahmen nicht zeitgleich stattfinden. (jöw)

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