Gute Zeiten, gute Laune: Ein Leben ohne Handball konnte sich Imke Viering nie vorstellen, nun versucht sie es Marcus Riechmann Minden. Die Bewegung, der Ball, das Spiel. Aber auch das Miteinander im Team, die Gemeinschaft und auch das, was sie ganz altmodisch „Geselligkeit“ nennt: Die gemeinsamen Feiern, die Mannschaftsreisen, das „Körbchen“ mit Getränken nach dem Training. Es gibt viele Gründe, warum Imke Viering ihren Sport liebt. „Handball ist der beste Sport“, sagt die 36-Jährige. Für die Pädagogin ist es wohl mehr als das. Sie nippt am Weißwein. „Ein Leben ohne Handball konnte ich mir nie vorstellen“, gesteht sie nachdenklich. Nun tut sie etwas, was ihre Vorstellungskraft auf die Probe stellt. Nach 31 Jahren am Ball und auf der rechten Außenbahn hört sie auf. Zwei Vereine haben die Linkshänderin geprägt. Zum einen der VfL Mennighüffen, wo sie inspiriert vom älteren Bruder Arndt mit fünf Jahren das Handballspiel erlernte, die Jugend verbrachte und eine ganze Weile auch noch Tischtennis spielte. Zum anderen der HSV Minden-Nord, der damals, als sie mit 17 Jahren das erste Mal dorthin zum Training gebracht wurde, noch HSG Stemmer/ Friedewalde hieß. Lediglich während des Lehramtsstudiums in Vechta spielte sie in anderen Klubs. „Klar, es gab auch andere Angebote. Aber wenn es mir irgendwo gefällt, warum soll ich dann wechseln?“, sagt Viering, die alle nur „Imme“ nennen und erzählt: „Wenn es im Winter um die Planung der kommenden Saison ging, war ich immer eine der ersten die zugesagt hat. Eine musste ja anfangen.“ So kamen beim HSV fast zwei Jahrzehnte zusammen. André Fuhr, heute Coach beim Bundesliga-Topklub Borussia Dortmund, hatte sie einst angesprochen. „Damals saß er bei uns zuhause auf dem Sofa“, erinnert sich Viering, die sich nach Beratung mit den Eltern – Stammgäste fast aller ihrer Heimspiele – zum Wechsel entschloss: „Aber als ich dann nach Stemmer kam, war Fufu aber schon nicht mehr da.“ Fuhr hatte ein Angebot der HSG Blomberg angenommen, für ihn übernahm Horst Bredemeier den Job beim Regionalligisten im Mindener Norden: „Mit Hotti war es immer unterhaltsam. Aber es lief für mich dann anders als gedacht, ich habe mehr trainiert als gespielt.“ Doch sie biss sich rein und wuchs ins Team. „Das war eine tolle Mannschaft, damals sind viele Freundschaften entstanden, die bis heute tragen“, erzählt sie. Über die Jahre sind immer wieder gute Freundschaften entstanden, aber über ihre erste Mannschaft sagt Viering: „Das war schon was Besonderes.“ Sie reifte als Rechtsaußen und sammelte während des Studiums Erfahrung beim Zweitligisten TV Cloppenburg und beim BV Garrel. Warum überhaupt der Studienort Vechta? „Eine lange Story. In kurz: Ich kannte mich mit Studieren überhaupt nicht aus und war spät dran. So wurde es Vechta. Im Nachhinein eine gute Wahl, das war eine richtig gute Ausbildung“, erzählt die gebürtige Löhnerin, die heute an der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule in Minden Deutsch und Sport unterrichtet. 2008 folgte dann die Rückkehr zur HSG Stemmer/Friedewalde, die frisch in die 2. Liga aufgestiegen war. „Als ich damals gegangen war, sagte unsere Betreuerin Grete: Du kommst wieder, Und ich wusste damals schon: Sie hatte recht.“ Zwei Jahre spielte das Team unter Trainer Rainer Niemeyer in der 2. Liga, danach in der Regionalliga. „Rainer war ein besonderer Trainer. Der wusste immer was los war und hatte ein gutes Gefühl für die Spielerinnen. Mit ihm verbinde ich die besten Jahre in Stemmer“, erinnert sich Viering an den 2016 verstorben Coach und Mentor. An das erste Spiel im September 2008, einem 31:30-Sieg beim TSV Travemünde verbindet sie besondere Erinnerungen: „Da war ich so nervös.“ Und auch das erste Spiel der letzten Saison ist ihr noch präsent: „Da habe ich in letzter Sekunde das Siegtor geworfen.“ Und die anderen großen Momente? „Da gibt es bestimmt eine Menge, aber die habe ich nicht mehr vor Augen“, gibt sie offen zu. Dann fällt ihr aber doch noch einer ein: Der Drittliga-Aufstieg 2016, dem eine zünftige Party mit Blaskapelle und Luftgitarren folgte. „Ich wollte unbedingt auch mal aufsteigen. Ich kam ja immer erst in Mannschaften, die schon aufgestiegen waren. Als das dann geklappt hat, war das schon cool.“ Viering feiert gern, nicht nur Aufstiege. „Ich habe meistens gute Laune, und die verbreite ich gern“, beschreibt sie sich. Und sie reimt auch gern. Ihre Version der „Weihnachtsbäckerei“, so heißt es, ist legendär. Ihre alten Mitspielerinnen können sprichwörtlich ein Liedchen davon singen. „Sie ist eine Stimmungskanone“, sagt Olaf Grintz, der sie in den vergangenen Jahren trainierte: „Sie singt sogar manchmal beim Training.“ Der Coach stimmt ein Loblied auf die Mannschaftskapitänin an: „Sie ist ein sportliches Vorbild, eine Integrationsfigur und ein Beispiel für Zuverlässigkeit. Und auch wenn wir alle wussten, dass aus ihr nie eine Abwehrspielerin wird, hat sie bis zuletzt im Training dafür gearbeitet.“ Das galt auch für den Dreher. „Damit noch ein Tor zu machen, war ihr großes Ziel, das haben wir im Training tatsächlich noch geübt“, erzählt der Coach, „aber dann war die Saison plötzlich vorbei.“ Und damit im März auch die Karriere von Imke Viering. „Ich hatte vor der Saison gesagt: Ich glaube, dass ist meine letzte. Das hatte ich vorher noch nie gedacht“, erzählt sie: „Aber ich glaube es reicht.“ Die Achillessehne schmerzt seit Jahren. „Und jünger wird man auch nicht“, sagt sie und lacht. Lacht so herzlich, dass man weiß, warum es ihr Markenzeichen geworden ist. Dann wird sie noch einmal nachdenklich: „Es gab Tage, da konnte ich kaum gehen. Es hat mich gestört, dass ich im Training nicht mehr 100 Prozent geben konnte.“ Es sei ihr in der letzten Saison manchmal schwer gefallen, zum Training zu fahren. „Das hatte ich vorher nie“, beschreibt sie, wie sich das Gefühl des Abschiednehmens verfestigte. Die Corona-Zeit hat den Übergang erleichtert. „Die anderen haben ja auch nicht trainiert“, erzählt Viering, die ihr Leben nun neu organisiert. Sie läuft, fährt Rad und Inlineskates oder macht Fitness. „Die Eile im Tag ist weg“, erzählt sie: „Man muss bei Einladungen nicht mehr sagen, dass man nicht kann oder später kommt.“ Das Ende hatte sie sich anders vorgestellt. Doch die Corona-Lage hat ihr ein richtiges „letztes“ Spiel verwehrt. Bei einer gemeinsamen Planwagenfahrt mit dem Team hat sie nun ihren Ausstand gegeben. Und natürlich hat sie zum Abschied etwas gedichtet und ein „Körbchen“ ausgegeben. Etwas größer und mit etwas mehr Bier als sonst. Für die Geselligkeit. Der Autor ist erreichbar unter (05 71) 882-159 oder unter Marcus.Riechmann@MT.de

Gute Zeiten, gute Laune: Ein Leben ohne Handball konnte sich Imke Viering nie vorstellen, nun versucht sie es

Das herzliche Lachen ist ein Markenzeichen. „Ich habe meistens gute Laune und die verbreite ich gern“, sagt Imke Viering. Das hat sich auch ohne Handball nicht geändert. © MT-Foto: Fabian Terwey

Minden. Die Bewegung, der Ball, das Spiel. Aber auch das Miteinander im Team, die Gemeinschaft und auch das, was sie ganz altmodisch „Geselligkeit“ nennt: Die gemeinsamen Feiern, die Mannschaftsreisen, das „Körbchen“ mit Getränken nach dem Training. Es gibt viele Gründe, warum Imke Viering ihren Sport liebt. „Handball ist der beste Sport“, sagt die 36-Jährige. Für die Pädagogin ist es wohl mehr als das. Sie nippt am Weißwein. „Ein Leben ohne Handball konnte ich mir nie vorstellen“, gesteht sie nachdenklich. Nun tut sie etwas, was ihre Vorstellungskraft auf die Probe stellt. Nach 31 Jahren am Ball und auf der rechten Außenbahn hört sie auf.

Zwei Vereine haben die Linkshänderin geprägt. Zum einen der VfL Mennighüffen, wo sie inspiriert vom älteren Bruder Arndt mit fünf Jahren das Handballspiel erlernte, die Jugend verbrachte und eine ganze Weile auch noch Tischtennis spielte. Zum anderen der HSV Minden-Nord, der damals, als sie mit 17 Jahren das erste Mal dorthin zum Training gebracht wurde, noch HSG Stemmer/ Friedewalde hieß. Lediglich während des Lehramtsstudiums in Vechta spielte sie in anderen Klubs. „Klar, es gab auch andere Angebote. Aber wenn es mir irgendwo gefällt, warum soll ich dann wechseln?“, sagt Viering, die alle nur „Imme“ nennen und erzählt: „Wenn es im Winter um die Planung der kommenden Saison ging, war ich immer eine der ersten die zugesagt hat. Eine musste ja anfangen.“

In Aktion: Auf Rechtsaußen war die Linkshänderin torgefährlich und zuverlässig. - © Foto: MT-Archiv
In Aktion: Auf Rechtsaußen war die Linkshänderin torgefährlich und zuverlässig. - © Foto: MT-Archiv

So kamen beim HSV fast zwei Jahrzehnte zusammen. André Fuhr, heute Coach beim Bundesliga-Topklub Borussia Dortmund, hatte sie einst angesprochen. „Damals saß er bei uns zuhause auf dem Sofa“, erinnert sich Viering, die sich nach Beratung mit den Eltern – Stammgäste fast aller ihrer Heimspiele – zum Wechsel entschloss: „Aber als ich dann nach Stemmer kam, war Fufu aber schon nicht mehr da.“ Fuhr hatte ein Angebot der HSG Blomberg angenommen, für ihn übernahm Horst Bredemeier den Job beim Regionalligisten im Mindener Norden: „Mit Hotti war es immer unterhaltsam. Aber es lief für mich dann anders als gedacht, ich habe mehr trainiert als gespielt.“ Doch sie biss sich rein und wuchs ins Team. „Das war eine tolle Mannschaft, damals sind viele Freundschaften entstanden, die bis heute tragen“, erzählt sie. Über die Jahre sind immer wieder gute Freundschaften entstanden, aber über ihre erste Mannschaft sagt Viering: „Das war schon was Besonderes.“

Rückkehr nach Stemmer: Imke Viering (2.v.l.) im Sommer 2008 mit Co-Trainer Norbert Potthoff (links), der neuen Mitspielerin Lena Heidermann und ihrem Trainer Rainer Niemeyer. Foto: Jürgen Krüger - © Jürgen Krüger
Rückkehr nach Stemmer: Imke Viering (2.v.l.) im Sommer 2008 mit Co-Trainer Norbert Potthoff (links), der neuen Mitspielerin Lena Heidermann und ihrem Trainer Rainer Niemeyer. Foto: Jürgen Krüger - © Jürgen Krüger

Sie reifte als Rechtsaußen und sammelte während des Studiums Erfahrung beim Zweitligisten TV Cloppenburg und beim BV Garrel. Warum überhaupt der Studienort Vechta? „Eine lange Story. In kurz: Ich kannte mich mit Studieren überhaupt nicht aus und war spät dran. So wurde es Vechta. Im Nachhinein eine gute Wahl, das war eine richtig gute Ausbildung“, erzählt die gebürtige Löhnerin, die heute an der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule in Minden Deutsch und Sport unterrichtet.

2008 folgte dann die Rückkehr zur HSG Stemmer/Friedewalde, die frisch in die 2. Liga aufgestiegen war. „Als ich damals gegangen war, sagte unsere Betreuerin Grete: Du kommst wieder, Und ich wusste damals schon: Sie hatte recht.“

Zwei Jahre spielte das Team unter Trainer Rainer Niemeyer in der 2. Liga, danach in der Regionalliga. „Rainer war ein besonderer Trainer. Der wusste immer was los war und hatte ein gutes Gefühl für die Spielerinnen. Mit ihm verbinde ich die besten Jahre in Stemmer“, erinnert sich Viering an den 2016 verstorben Coach und Mentor. An das erste Spiel im September 2008, einem 31:30-Sieg beim TSV Travemünde verbindet sie besondere Erinnerungen: „Da war ich so nervös.“ Und auch das erste Spiel der letzten Saison ist ihr noch präsent: „Da habe ich in letzter Sekunde das Siegtor geworfen.“ Und die anderen großen Momente? „Da gibt es bestimmt eine Menge, aber die habe ich nicht mehr vor Augen“, gibt sie offen zu.

Dann fällt ihr aber doch noch einer ein: Der Drittliga-Aufstieg 2016, dem eine zünftige Party mit Blaskapelle und Luftgitarren folgte. „Ich wollte unbedingt auch mal aufsteigen. Ich kam ja immer erst in Mannschaften, die schon aufgestiegen waren. Als das dann geklappt hat, war das schon cool.“

Viering feiert gern, nicht nur Aufstiege. „Ich habe meistens gute Laune, und die verbreite ich gern“, beschreibt sie sich. Und sie reimt auch gern. Ihre Version der „Weihnachtsbäckerei“, so heißt es, ist legendär. Ihre alten Mitspielerinnen können sprichwörtlich ein Liedchen davon singen. „Sie ist eine Stimmungskanone“, sagt Olaf Grintz, der sie in den vergangenen Jahren trainierte: „Sie singt sogar manchmal beim Training.“

Der Coach stimmt ein Loblied auf die Mannschaftskapitänin an: „Sie ist ein sportliches Vorbild, eine Integrationsfigur und ein Beispiel für Zuverlässigkeit. Und auch wenn wir alle wussten, dass aus ihr nie eine Abwehrspielerin wird, hat sie bis zuletzt im Training dafür gearbeitet.“

Das galt auch für den Dreher. „Damit noch ein Tor zu machen, war ihr großes Ziel, das haben wir im Training tatsächlich noch geübt“, erzählt der Coach, „aber dann war die Saison plötzlich vorbei.“ Und damit im März auch die Karriere von Imke Viering.

„Ich hatte vor der Saison gesagt: Ich glaube, dass ist meine letzte. Das hatte ich vorher noch nie gedacht“, erzählt sie: „Aber ich glaube es reicht.“ Die Achillessehne schmerzt seit Jahren. „Und jünger wird man auch nicht“, sagt sie und lacht. Lacht so herzlich, dass man weiß, warum es ihr Markenzeichen geworden ist. Dann wird sie noch einmal nachdenklich: „Es gab Tage, da konnte ich kaum gehen. Es hat mich gestört, dass ich im Training nicht mehr 100 Prozent geben konnte.“ Es sei ihr in der letzten Saison manchmal schwer gefallen, zum Training zu fahren. „Das hatte ich vorher nie“, beschreibt sie, wie sich das Gefühl des Abschiednehmens verfestigte.

Die Corona-Zeit hat den Übergang erleichtert. „Die anderen haben ja auch nicht trainiert“, erzählt Viering, die ihr Leben nun neu organisiert. Sie läuft, fährt Rad und Inlineskates oder macht Fitness. „Die Eile im Tag ist weg“, erzählt sie: „Man muss bei Einladungen nicht mehr sagen, dass man nicht kann oder später kommt.“

Das Ende hatte sie sich anders vorgestellt. Doch die Corona-Lage hat ihr ein richtiges „letztes“ Spiel verwehrt. Bei einer gemeinsamen Planwagenfahrt mit dem Team hat sie nun ihren Ausstand gegeben. Und natürlich hat sie zum Abschied etwas gedichtet und ein „Körbchen“ ausgegeben. Etwas größer und mit etwas mehr Bier als sonst. Für die Geselligkeit.

Der Autor ist erreichbar unter (05 71) 882-159 oder unter Marcus.Riechmann@MT.de

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