„Gute Sache“ sorgt für Probleme: Alle Spiele der 3. Liga sollen live übertragen werden Minden (cb). Der jüngst in die 2. Handball-Bundesliga aufgestiegene TuS Fürstenfeldbruck war einer Vorreiter. Der TuS Wehe nutzte als Landesligist einmal im Topspiel gegen die HSG Petershagen/Lahde die Möglichkeiten der Internetplattform Sportdeutschland.tv und übertrug das Spiel live im Internet. Der Deutsche Handballbund (DHB) macht aus der Spielerei nun einen Standard: Für die Männer-Drittligisten werden Live-Übertragungen zur neuen Spielzeit verpflichtend. Alle 1.224 Spiele der vier Drittliga-Staffeln sind somit für die Fans gegen eine Gebühr von 4,50 Euro pro Spiel zu sehen. Von den Einnahmen sollen auch die Vereine profitieren. Die Ausrüstung stellt der übertragende Sender (Streaminganbieter) zur Verfügung. Die Klubs dürfen die Übertragung auf ihren Internetseiten einbinden. Gleiches gilt auch für die Einbettung von Werbespots der jeweiligen Sponsoren. „Die Vereine haben in Zeiten der Corona-Pandemie so eine direkte Möglichkeit, angesichts nur weniger Zuschauer in den Hallen Einnahmen zu generieren“, sagt Thomas Zimmermann, DHB-Vorstand Marketing und Kommunikation. Doch die Vereine, auch die beiden heimischen Drittligisten Lit 1912 II und GWD Minden II, stehen nun vor große Herausforderungen, wie Lit-Chef Christian Niemann erklärt. „Durch die Wild-Card-Regelung spielen wir schon mit 18 Mannschaften in einer XXL-Liga, wir haben wegen Corona die Themen Kartenverkauf und Hygienekonzept zu schultern. Und obendrauf kommt nun das Thema Livestream“, sagt Niemann. Der Geschäftsmann bezeichnet das Vorhaben als eine „an sich gute Sache“ des DHB, aber als „mit der heißen Nadel gestrickt“. Für viele Teams auch eine Frage der Ressourcen. „Es gestaltet sich schwierig, das nötige Personal zu rekrutieren“, erklärt Niemann. Ganz zu schweigen von der kurzen Anlaufzeit, in der die Technik erlernt werden muss. Weiterer Pferdefuß: Nicht der DHB ist Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Technik, sondern der Betreiber des Streamingdienstes, der Deutsche Olympische Sportbund. Der DOSB ist der Vertragspartner, doch den Klubs liegen acht Tage vor dem Saisonstart am Wochenende des 3. und 4. Oktobers weder die Verträge vor, noch steht die nötige Technik zur Verfügung. Horst Bredemeier, Vorsitzender des TSV GWD Minden sieht die Angelegenheit ebenfalls kritisch. „Für die 60 ersten Mannschaften in der 3. Liga macht das durchaus Sinn“, sagt er. Doch in Bezug auf die zwölf Bundesliga-Nachwuchsmannschaften und speziell für GWD Minden II zweifelt Bredemeier den Nutzen an: „Vorsichtig ausgedrückt: Wir bräuchten das nicht unbedingt.“ Immerhin kann GWD bei der Umsetzung auf Kenntnisse einiger Vereinsmitarbeiter zurückgreifen. Diese hatten schon die Liveübertragungen des Junioren-Länderspiels zwischen Deutschland und Tschechien vor zwei Jahren und die A-Jugend-Halbfinalspiele um die Deutsche Meisterschaft zwischen GWD und den Füchsen Berlin 2017 gestemmt.

„Gute Sache“ sorgt für Probleme: Alle Spiele der 3. Liga sollen live übertragen werden

Kamera im Einsatz: Die Handballspiele der 3. Liga dre Männer sollen live übertragen werden. Archivfoto: Christian Bendig

Minden (cb). Der jüngst in die 2. Handball-Bundesliga aufgestiegene TuS Fürstenfeldbruck war einer Vorreiter. Der TuS Wehe nutzte als Landesligist einmal im Topspiel gegen die HSG Petershagen/Lahde die Möglichkeiten der Internetplattform Sportdeutschland.tv und übertrug das Spiel live im Internet. Der Deutsche Handballbund (DHB) macht aus der Spielerei nun einen Standard: Für die Männer-Drittligisten werden Live-Übertragungen zur neuen Spielzeit verpflichtend.

Alle 1.224 Spiele der vier Drittliga-Staffeln sind somit für die Fans gegen eine Gebühr von 4,50 Euro pro Spiel zu sehen. Von den Einnahmen sollen auch die Vereine profitieren. Die Ausrüstung stellt der übertragende Sender (Streaminganbieter) zur Verfügung. Die Klubs dürfen die Übertragung auf ihren Internetseiten einbinden. Gleiches gilt auch für die Einbettung von Werbespots der jeweiligen Sponsoren.

„Die Vereine haben in Zeiten der Corona-Pandemie so eine direkte Möglichkeit, angesichts nur weniger Zuschauer in den Hallen Einnahmen zu generieren“, sagt Thomas Zimmermann, DHB-Vorstand Marketing und Kommunikation. Doch die Vereine, auch die beiden heimischen Drittligisten Lit 1912 II und GWD Minden II, stehen nun vor große Herausforderungen, wie Lit-Chef Christian Niemann erklärt.

„Durch die Wild-Card-Regelung spielen wir schon mit 18 Mannschaften in einer XXL-Liga, wir haben wegen Corona die Themen Kartenverkauf und Hygienekonzept zu schultern. Und obendrauf kommt nun das Thema Livestream“, sagt Niemann. Der Geschäftsmann bezeichnet das Vorhaben als eine „an sich gute Sache“ des DHB, aber als „mit der heißen Nadel gestrickt“. Für viele Teams auch eine Frage der Ressourcen. „Es gestaltet sich schwierig, das nötige Personal zu rekrutieren“, erklärt Niemann. Ganz zu schweigen von der kurzen Anlaufzeit, in der die Technik erlernt werden muss. Weiterer Pferdefuß: Nicht der DHB ist Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Technik, sondern der Betreiber des Streamingdienstes, der Deutsche Olympische Sportbund. Der DOSB ist der Vertragspartner, doch den Klubs liegen acht Tage vor dem Saisonstart am Wochenende des 3. und 4. Oktobers weder die Verträge vor, noch steht die nötige Technik zur Verfügung.

Horst Bredemeier, Vorsitzender des TSV GWD Minden sieht die Angelegenheit ebenfalls kritisch. „Für die 60 ersten Mannschaften in der 3. Liga macht das durchaus Sinn“, sagt er. Doch in Bezug auf die zwölf Bundesliga-Nachwuchsmannschaften und speziell für GWD Minden II zweifelt Bredemeier den Nutzen an: „Vorsichtig ausgedrückt: Wir bräuchten das nicht unbedingt.“

Immerhin kann GWD bei der Umsetzung auf Kenntnisse einiger Vereinsmitarbeiter zurückgreifen. Diese hatten schon die Liveübertragungen des Junioren-Länderspiels zwischen Deutschland und Tschechien vor zwei Jahren und die A-Jugend-Halbfinalspiele um die Deutsche Meisterschaft zwischen GWD und den Füchsen Berlin 2017 gestemmt.

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