Erste Perspektiven: Verband entwickelt zwei sehr unterschiedliche Szenarien für den Handball-Neustart Christian Bendig,Jörg Wehling Minden. Michael Müller, regierender Bürgermeister von Berlin, betonte nach der Bund-Länder-Konferenz am 5. Januar, dass die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie auch dazu dienen, „dass die Perspektiven für die Mitte des Jahres geschaffen werden, um den Dingen, die uns wichtig sind, wie Kultur und Sport, wieder nachgehen zu können“. Der Amateursport und damit auch die Handballer hoffen, dass Müllers Ausblick eintrifft und es für sie vielleicht vor dem Sommer in irgendeiner Form wieder losgehen wird. Für den Fall der Freigabe will der Handballverband Westfalen gerüstet sein. Der HVW machte seine Hausaufgaben und entwickelte bereits jetzt zwei Szenarien, wie der Spielbetrieb frühestens ab dem 1. März oder später wieder aufgenommen werden kann. Für den Nachwuchsbereich wurde noch keine Lösung gefunden. Federführend entwickelte der Vorsitzende Spieltechnik Andreas Tiemann die beiden Szenarien, die mittelfristig greifen könnten. „Wir haben anhand eines Kalenders zurückgerechnet, wie viel Zeit wir noch benötigen, um die Runde zu Ende zu bringen“, erläutert Tiemann das Vorgehen. Ergebnis: Der 1. März ist der späteste Wiedereintrittstermin zur Fortsetzung der unterbrochenen Saison. Sollte das Wunschszenario aufgehen, könnte in den Ober,- Verbands- und Landesligen anhand einer Einfachrunde ein Tabellenbild ermittelt werden, das über Auf- und Abstieg entscheidet. Auf die angesetzten Auf- und Abstiegsrunden würde man aus Zeitgründen verzichten. Als realistisch schätzt man diese Variante aber innerhalb des Verbandes nicht ein. Das räumte auch Tiemann ein. Mehr Klarheit gibt es am 25. Januar. Dann richtet sich der Blick der Bürger mal wieder nach Berlin zur nächsten Bund-Länder-Konferenz. „Sollte dort die Verlängerung des Lockdowns beschlossen werden, ist der 1. März als Wiedereintrittstermin hinfällig“, unterstreicht Tiemann. In diesem Fall greift die zweite vom Verband erarbeitete Variante. Die aufstiegswilligen Teams würden die Meisterschaften in neu organisierten Spielklassen ermitteln. Für alle anderen Mannschaften, die schlicht an einem Wettkampfbetrieb teilnehmen möchten, würde der Verband eine Spielrunde unter regionalen Gesichtspunkten organisieren. Sportliche Absteiger würde es bei diesem Szenario nicht geben. Die Saison 2021/22 würde dann am letzten Augustwochenende mit einer erhöhten Anzahl an Absteigern zum Saisonende aufgenommen. Ziel ist es laut Verband „in angemessener Zeit wieder zu den Sollstärken der Ligen zurückzukehren“. Bei zwei der heimischen Amateurtrainer treffen die Beschlüsse des HVW auf Zustimmung. „Wir haben schon zwei Verlängerungen der Unterbrechung erlebt. Wir würden in jedem Fall wieder spielen wollen, auch in dem Notmodus einer Trainingsspielrunde“, sagt Sebastian Winkler vom Frauen-Oberligisten TSV Hahlen und erklärt: „Wir betreiben den Sport mit Herzblut. Also treten wir an.“ Für die kommende Saison wünschte er sich eine Regelung, in der nicht auf einen Schlag zu viele Mannschaften absteigen würden. Der Hahler Coach weiß aber auch, dass der Verband mit seinen Entscheidungen nicht immer die Zustimmung aller Beteiligten ernten wird. „In der Haut der Verbandsvertreter möchte ich nicht stecken. Wir Aktiven sollten ihnen dann vielleicht auch mal den Rücken stärken und etwas kompromissbereiter sein.“ Auch der Coach des Männer-Oberligisten TuS 09 Möllbergen, André Torge, ist mit den entworfenen Szenarien einverstanden: „Wichtig ist, dass es Aufsteiger geben wird. Die, die viel investiert haben, um nach oben zu kommen, sollen unter der Situation nicht leiden.“ Gleiches gilt für den Verzicht auf Absteiger bei Variante zwei. Torge sagt: „Durch Corona hatten schlecht gestartete Teams nicht die Möglichkeit, sich aus dem Tief durch Verstärkungen oder andere Veränderungen herauszuarbeiten. Dann wäre ein Abstieg mit den wenigen ausgetragenen Spielen unfair.“ Reinhold Kölling, Vorsitzender des Handball-Kreises Minden Lübbecke, sagt: „Wir müssen uns natürlich daran orientieren, was der Handball-Verband Westfalen macht.“ Als Basis dienen den Kreisverantwortlichen die HVW-Entwürfe. Die Kernfrage sei: Wie wird der Neustart gestaltet? „Natürlich ist immer noch alles unsicher. Ziel soll es aber sein, dass es insbesondere für die Jugendteams eine Spielrunde geben soll. Aber es bleibt natürlich vieles im Konjunktiv“, sagt Kölling. Mitte vergangenen Jahres hatte der Handball-Kreis ein Diskussionspapier zum Thema „Restart“ entwickelt. Das sah vor, dass bei einem Start im März sich die Zahl der Spieltage auf 15 reduzieren würde und bei einem noch späteren Start im April nur noch elf Spieltage möglich wären. Auf Kreisebene sind im Männer-Bereich bisher vier von 22 Spieltagen ausgetragen worden und bei den Frauen ab der Bezirksliga abwärts nur zwei von 22 Spieltagen. Im Jugendbereich hat es noch gar kein Spiel gegeben. „Die letzte Alternative wäre es“, sagte Kölling damals, „die Serie abzubrechen.“ Auch diese Alternative kann immer noch eintreten. Es sei denn, Bürgermeister Müller behält mit seinem Ausblick Recht.

Erste Perspektiven: Verband entwickelt zwei sehr unterschiedliche Szenarien für den Handball-Neustart

Hahlens Frauentrainer Sebastian Winkler hofft, dass die derzeit unterbrochene Handballsaison – in welcher Form auch immer – wieder aufgenommen wird. Er sagt: „Wenn es wieder einen Abbruch geben würde, wäre es schwierig, sich wieder bis zum Saisonstart über Monate ohne Spiele hinweg zu quälen.“ Foto: Christian Bendig © Christian Bendig

Minden. Michael Müller, regierender Bürgermeister von Berlin, betonte nach der Bund-Länder-Konferenz am 5. Januar, dass die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie auch dazu dienen, „dass die Perspektiven für die Mitte des Jahres geschaffen werden, um den Dingen, die uns wichtig sind, wie Kultur und Sport, wieder nachgehen zu können“. Der Amateursport und damit auch die Handballer hoffen, dass Müllers Ausblick eintrifft und es für sie vielleicht vor dem Sommer in irgendeiner Form wieder losgehen wird.

Für den Fall der Freigabe will der Handballverband Westfalen gerüstet sein. Der HVW machte seine Hausaufgaben und entwickelte bereits jetzt zwei Szenarien, wie der Spielbetrieb frühestens ab dem 1. März oder später wieder aufgenommen werden kann. Für den Nachwuchsbereich wurde noch keine Lösung gefunden.

Federführend entwickelte der Vorsitzende Spieltechnik Andreas Tiemann die beiden Szenarien, die mittelfristig greifen könnten. „Wir haben anhand eines Kalenders zurückgerechnet, wie viel Zeit wir noch benötigen, um die Runde zu Ende zu bringen“, erläutert Tiemann das Vorgehen. Ergebnis: Der 1. März ist der späteste Wiedereintrittstermin zur Fortsetzung der unterbrochenen Saison. Sollte das Wunschszenario aufgehen, könnte in den Ober,- Verbands- und Landesligen anhand einer Einfachrunde ein Tabellenbild ermittelt werden, das über Auf- und Abstieg entscheidet. Auf die angesetzten Auf- und Abstiegsrunden würde man aus Zeitgründen verzichten. Als realistisch schätzt man diese Variante aber innerhalb des Verbandes nicht ein. Das räumte auch Tiemann ein.

Mehr Klarheit gibt es am 25. Januar. Dann richtet sich der Blick der Bürger mal wieder nach Berlin zur nächsten Bund-Länder-Konferenz. „Sollte dort die Verlängerung des Lockdowns beschlossen werden, ist der 1. März als Wiedereintrittstermin hinfällig“, unterstreicht Tiemann.

In diesem Fall greift die zweite vom Verband erarbeitete Variante. Die aufstiegswilligen Teams würden die Meisterschaften in neu organisierten Spielklassen ermitteln. Für alle anderen Mannschaften, die schlicht an einem Wettkampfbetrieb teilnehmen möchten, würde der Verband eine Spielrunde unter regionalen Gesichtspunkten organisieren. Sportliche Absteiger würde es bei diesem Szenario nicht geben. Die Saison 2021/22 würde dann am letzten Augustwochenende mit einer erhöhten Anzahl an Absteigern zum Saisonende aufgenommen. Ziel ist es laut Verband „in angemessener Zeit wieder zu den Sollstärken der Ligen zurückzukehren“. Bei zwei der heimischen Amateurtrainer treffen die Beschlüsse des HVW auf Zustimmung. „Wir haben schon zwei Verlängerungen der Unterbrechung erlebt. Wir würden in jedem Fall wieder spielen wollen, auch in dem Notmodus einer Trainingsspielrunde“, sagt Sebastian Winkler vom Frauen-Oberligisten TSV Hahlen und erklärt: „Wir betreiben den Sport mit Herzblut. Also treten wir an.“ Für die kommende Saison wünschte er sich eine Regelung, in der nicht auf einen Schlag zu viele Mannschaften absteigen würden. Der Hahler Coach weiß aber auch, dass der Verband mit seinen Entscheidungen nicht immer die Zustimmung aller Beteiligten ernten wird. „In der Haut der Verbandsvertreter möchte ich nicht stecken. Wir Aktiven sollten ihnen dann vielleicht auch mal den Rücken stärken und etwas kompromissbereiter sein.“

Auch der Coach des Männer-Oberligisten TuS 09 Möllbergen, André Torge, ist mit den entworfenen Szenarien einverstanden: „Wichtig ist, dass es Aufsteiger geben wird. Die, die viel investiert haben, um nach oben zu kommen, sollen unter der Situation nicht leiden.“ Gleiches gilt für den Verzicht auf Absteiger bei Variante zwei. Torge sagt: „Durch Corona hatten schlecht gestartete Teams nicht die Möglichkeit, sich aus dem Tief durch Verstärkungen oder andere Veränderungen herauszuarbeiten. Dann wäre ein Abstieg mit den wenigen ausgetragenen Spielen unfair.“

Reinhold Kölling, Vorsitzender des Handball-Kreises Minden Lübbecke, sagt: „Wir müssen uns natürlich daran orientieren, was der Handball-Verband Westfalen macht.“ Als Basis dienen den Kreisverantwortlichen die HVW-Entwürfe. Die Kernfrage sei: Wie wird der Neustart gestaltet? „Natürlich ist immer noch alles unsicher. Ziel soll es aber sein, dass es insbesondere für die Jugendteams eine Spielrunde geben soll. Aber es bleibt natürlich vieles im Konjunktiv“, sagt Kölling.

Mitte vergangenen Jahres hatte der Handball-Kreis ein Diskussionspapier zum Thema „Restart“ entwickelt. Das sah vor, dass bei einem Start im März sich die Zahl der Spieltage auf 15 reduzieren würde und bei einem noch späteren Start im April nur noch elf Spieltage möglich wären.

Auf Kreisebene sind im Männer-Bereich bisher vier von 22 Spieltagen ausgetragen worden und bei den Frauen ab der Bezirksliga abwärts nur zwei von 22 Spieltagen. Im Jugendbereich hat es noch gar kein Spiel gegeben. „Die letzte Alternative wäre es“, sagte Kölling damals, „die Serie abzubrechen.“ Auch diese Alternative kann immer noch eintreten. Es sei denn, Bürgermeister Müller behält mit seinem Ausblick Recht.

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