Ehemaliger Lit-Spieler trainiert unter einem Weltmeister - und räumt mit Vorurteilen auf Minden/Hannover. Bisweilen geht es international beim TuS Vinnhorst zu. Das wurde beim 36:27-Auswärtssieg des Handball-Drittligisten bei Lit 1912 II am Sonntag vor allem bei der Abwehrarbeit deutlich. Die Kommandos gab sich die Mannschaft um die einst im Mühlenkreis spielenden Florian Freitag (GWD Minden), Fynn Wiebe (Lit) und Colin Räbiger (GWD Minden II) streckenweise auf Englisch. Denn vor dem Duell in Nordhemmern gönnte sich der Verein aus dem Hannoveraner Stadtteil mal eben einen neuen Kreisläufer. Der Portugiese Rúben Carlos Sousa wurde nachverpflichtet, weil bis dahin Milan Mazic der einzige etatmäßige Kreisläufer im Kader war. Bei der ersten Saisonniederlage in Aurich vor eineinhalb Wochen sah Mazic aber die Rote Karte. Die Verantwortlichen, die sich gegenüber der Öffentlichkeit eher bedeckt halten, erkannten die Schwachstelle und behoben sie umgehend – das in einer Zeit, in der der Großteil der Handballvereine jeden Cent zweimal umdreht. International geht es bei dem Verein, der binnen weniger Jahre den Sprung von der Landesliga bis in die 3. Liga schaffte, bereits seit einigen Jahren zu. Den kometenhaften Aufstieg hatte der Brasilianer Nei Cruz Portela mitzuverantworten. Um ihn herum entspann sich in der Sommerpause eine für Außenstehende kurios anmutende Situation. Der Erfolgstrainer, der gleichzeitig auch die Funktion des Sportlichen Leiters inne hatte, wurde vom Vereinsboss und Mäzen Martin Weiß im Mai vor die Tür gesetzt und im Juni beinahe wieder installiert. In der Zwischenzeit sorgte Weiß mit seiner Meinung für Aufsehen, dass der Verein einen Sportlichen Leiter gar nicht benötige, weil es „dafür ja Spielervermittler gibt“. Auf Portela, der tatsächlich noch Teile der Vorbereitung leitete, folgte zum 1. September in Davor Dominikovic ein echter Weltstar des Handballs. Dominikovic gewann als Spieler die Champions League, wurde zudem mit der kroatischen Nationalmannschaft Weltmeister 2003 und gewann die olympische Goldmedaille 2004. „Er ist ein sehr guter Trainer“, sagt Fynn Wiebe über seinen neuen Coach bei seinem neuen Verein. Denn bis zum vergangenen Sommer stand Wiebe noch bei Eintracht Hildesheim unter Vertrag und wäre dort auch gerne geblieben. Doch die Umwälzungen im Verein machten dem ehemaligen Lit-Spieler einen Strich durch die Rechnung. „Wie in Vinnhorst wurde der Verein einmal auf links gedreht“, berichtet Wiebe von gravierenden Veränderung in der Vereinsführung der Hildesheimer. Zum einen wurde die Vereinsikone Gerald Oberbeck, unter dem Wiebe sich zu einem gestandenen Zweitliga-Akteur entwickelt hatte, nach mehreren Jahrzehnten bei der Eintracht abserviert. Und die Verhandlungen mit dem neuen Sportlichen Leiter, Martin Murawski, verliefen trotz einer Einigung über einen neuen Vertrag ergebnislos. „Das war nicht schön. Aber ich wollte in der Region Hannover/Hildesheim bleiben“, sagt Wiebe und fand mit dem TuS Vinnhorst einen neuen Verein, dessen Ambitionen deckungsgleich mit seinen eigenen sind: „Ich habe einen Vertrag über zwei Jahre und möchte gerne noch einmal in der 2. Liga spielen.“ Für die laufende Spielzeit sieht Wiebe seine neue Mannschaft aber nicht in der Favoritenrolle. „Eintracht Hagen sehe ich noch vor uns. Wir benötigen Zeit, um das Konzept von Davor zu verinnerlichen und um es auf der Platte umzusetzen.“ In Nordhemmern gelang das vor allem in der zweiten Halbzeit gut. Nach einem ausgeglichenen ersten Durchgang kamen die Hannoveraner zum klaren Sieg. „Das war schon eine komische Situation, weil keine Zuschauer in die Halle waren“, meint Wiebe, der ansonsten sehr viel mehr frühere Weggefährten und Bekannte aus seiner Zeit in Nordhemmern wiedergetroffen hätte. Zu Lit-Trainer Daniel Gerling pflegt der Rückraumspieler übrigens nach wie vor ein recht intensives Verhältnis. „Wir telefonieren sehr regelmäßig“, sagt Wiebe. Der fühlt sich in seiner neuen Mannschaft pudelwohl und stellt klar: „Wir werden von außen als Mannschaft sehr kritisch gesehen. Es stimmt nicht, dass wir wie Erstliga-Spieler bezahlt werden. Wir sind keine Vollprofis.“ Zwar sei das Trainingspensum unter Dominikovic drastisch von drei auf sieben Trainingseinheiten pro Woche erhöht worden, aber Vollprofitum gebe es in Vinnhorst nicht. „Und“, erklärt Wiebe, „wir sind auch eine richtige Mannschaft und haben eine gute Stimmung im Team.“ Die kritischen Töne der Konkurrenz kann Wiebe durchaus nachvollziehen, schließlich kokettierte Mäzen Weiß in der Sommerpause damit, den ehemaligen Bundestrainer Christian Prokop oder auch den inzwischen bei GWD Minden unter BChristian Zeitz verpflichten zu wollen. Nicht nur mit diesen Personalien und diversen öffentlichen Auftritten, die Widerhall in der hannoveranischen Boulevardpresse fanden, machte der schillernde Weiß auf sich aufmerksam. Sondern auch mit dem Erwerb der Namensrechte an der etwa 11.000 Zuschauer fassenden Tui-Arena in Hannover. Für fünf Millionen Euro heißt die Arena nun nach dem von Weiß gegründeten Personaldienstleister ZAG-Arena. Außerdem spendierte er seinem Heimatverein Vinnhorst für 15 Millionen Eure eine neue Multifunktionshalle mit 1.000 Sitz- und 300 Stehplätzen. „Die wird aber erst im kommenden Jahr fertig“, berichtet Wiebe. Bis dahin spielt der TuS noch in einem Ausweichquartier. Die Umbenennung der Tui-Arena wandelte der umtriebige Mäzen kurzerhand in eine ZAG-Arena-Eröffnungsfeier mit 500 geladenen Gästen um. Zu dem illustren Personenkreis, vor denen die Vinnhorster Bundesliga-Turner und die Drittliga-Handballer nacheinander mit ihren Meisterschaftsduellen für die sportliche Unterhaltung sorgten, zählten unter anderem der ehemalige Profi-Fußballtrainer Mirko Slomka und auch der frühere Handball-Funktionär Benjamin Chatton. Der sollte – so berichteten Insider – für Weiß und den TuS Vinnhorst seine Kontakte spielen lassen und war auch in die Trainersuche involviert.

Ehemaliger Lit-Spieler trainiert unter einem Weltmeister - und räumt mit Vorurteilen auf

Trainer Davor Dominikovic zeigt an, wo die Entwicklung des TuS Vinnhorst hingehen soll: Der Verein aus Hannover mit Fynn Wiebe (links), Florian Freitag (Mitte) und Colin Räbiger (rechts) will nach oben. Foto: Bendig © Christian Bendig

Minden/Hannover. Bisweilen geht es international beim TuS Vinnhorst zu. Das wurde beim 36:27-Auswärtssieg des Handball-Drittligisten bei Lit 1912 II am Sonntag vor allem bei der Abwehrarbeit deutlich. Die Kommandos gab sich die Mannschaft um die einst im Mühlenkreis spielenden Florian Freitag (GWD Minden), Fynn Wiebe (Lit) und Colin Räbiger (GWD Minden II) streckenweise auf Englisch.

Denn vor dem Duell in Nordhemmern gönnte sich der Verein aus dem Hannoveraner Stadtteil mal eben einen neuen Kreisläufer. Der Portugiese Rúben Carlos Sousa wurde nachverpflichtet, weil bis dahin Milan Mazic der einzige etatmäßige Kreisläufer im Kader war. Bei der ersten Saisonniederlage in Aurich vor eineinhalb Wochen sah Mazic aber die Rote Karte. Die Verantwortlichen, die sich gegenüber der Öffentlichkeit eher bedeckt halten, erkannten die Schwachstelle und behoben sie umgehend – das in einer Zeit, in der der Großteil der Handballvereine jeden Cent zweimal umdreht.

International geht es bei dem Verein, der binnen weniger Jahre den Sprung von der Landesliga bis in die 3. Liga schaffte, bereits seit einigen Jahren zu. Den kometenhaften Aufstieg hatte der Brasilianer Nei Cruz Portela mitzuverantworten. Um ihn herum entspann sich in der Sommerpause eine für Außenstehende kurios anmutende Situation. Der Erfolgstrainer, der gleichzeitig auch die Funktion des Sportlichen Leiters inne hatte, wurde vom Vereinsboss und Mäzen Martin Weiß im Mai vor die Tür gesetzt und im Juni beinahe wieder installiert. In der Zwischenzeit sorgte Weiß mit seiner Meinung für Aufsehen, dass der Verein einen Sportlichen Leiter gar nicht benötige, weil es „dafür ja Spielervermittler gibt“.

Auf Portela, der tatsächlich noch Teile der Vorbereitung leitete, folgte zum 1. September in Davor Dominikovic ein echter Weltstar des Handballs. Dominikovic gewann als Spieler die Champions League, wurde zudem mit der kroatischen Nationalmannschaft Weltmeister 2003 und gewann die olympische Goldmedaille 2004.

„Er ist ein sehr guter Trainer“, sagt Fynn Wiebe über seinen neuen Coach bei seinem neuen Verein. Denn bis zum vergangenen Sommer stand Wiebe noch bei Eintracht Hildesheim unter Vertrag und wäre dort auch gerne geblieben. Doch die Umwälzungen im Verein machten dem ehemaligen Lit-Spieler einen Strich durch die Rechnung. „Wie in Vinnhorst wurde der Verein einmal auf links gedreht“, berichtet Wiebe von gravierenden Veränderung in der Vereinsführung der Hildesheimer.

Zum einen wurde die Vereinsikone Gerald Oberbeck, unter dem Wiebe sich zu einem gestandenen Zweitliga-Akteur entwickelt hatte, nach mehreren Jahrzehnten bei der Eintracht abserviert. Und die Verhandlungen mit dem neuen Sportlichen Leiter, Martin Murawski, verliefen trotz einer Einigung über einen neuen Vertrag ergebnislos. „Das war nicht schön. Aber ich wollte in der Region Hannover/Hildesheim bleiben“, sagt Wiebe und fand mit dem TuS Vinnhorst einen neuen Verein, dessen Ambitionen deckungsgleich mit seinen eigenen sind: „Ich habe einen Vertrag über zwei Jahre und möchte gerne noch einmal in der 2. Liga spielen.“

Für die laufende Spielzeit sieht Wiebe seine neue Mannschaft aber nicht in der Favoritenrolle. „Eintracht Hagen sehe ich noch vor uns. Wir benötigen Zeit, um das Konzept von Davor zu verinnerlichen und um es auf der Platte umzusetzen.“ In Nordhemmern gelang das vor allem in der zweiten Halbzeit gut. Nach einem ausgeglichenen ersten Durchgang kamen die Hannoveraner zum klaren Sieg. „Das war schon eine komische Situation, weil keine Zuschauer in die Halle waren“, meint Wiebe, der ansonsten sehr viel mehr frühere Weggefährten und Bekannte aus seiner Zeit in Nordhemmern wiedergetroffen hätte. Zu Lit-Trainer Daniel Gerling pflegt der Rückraumspieler übrigens nach wie vor ein recht intensives Verhältnis. „Wir telefonieren sehr regelmäßig“, sagt Wiebe. Der fühlt sich in seiner neuen Mannschaft pudelwohl und stellt klar: „Wir werden von außen als Mannschaft sehr kritisch gesehen. Es stimmt nicht, dass wir wie Erstliga-Spieler bezahlt werden. Wir sind keine Vollprofis.“ Zwar sei das Trainingspensum unter Dominikovic drastisch von drei auf sieben Trainingseinheiten pro Woche erhöht worden, aber Vollprofitum gebe es in Vinnhorst nicht. „Und“, erklärt Wiebe, „wir sind auch eine richtige Mannschaft und haben eine gute Stimmung im Team.“

Die kritischen Töne der Konkurrenz kann Wiebe durchaus nachvollziehen, schließlich kokettierte Mäzen Weiß in der Sommerpause damit, den ehemaligen Bundestrainer Christian Prokop oder auch den inzwischen bei GWD Minden unter BChristian Zeitz verpflichten zu wollen. Nicht nur mit diesen Personalien und diversen öffentlichen Auftritten, die Widerhall in der hannoveranischen Boulevardpresse fanden, machte der schillernde Weiß auf sich aufmerksam. Sondern auch mit dem Erwerb der Namensrechte an der etwa 11.000 Zuschauer fassenden Tui-Arena in Hannover. Für fünf Millionen Euro heißt die Arena nun nach dem von Weiß gegründeten Personaldienstleister ZAG-Arena. Außerdem spendierte er seinem Heimatverein Vinnhorst für 15 Millionen Eure eine neue Multifunktionshalle mit 1.000 Sitz- und 300 Stehplätzen. „Die wird aber erst im kommenden Jahr fertig“, berichtet Wiebe. Bis dahin spielt der TuS noch in einem Ausweichquartier.

Die Umbenennung der Tui-Arena wandelte der umtriebige Mäzen kurzerhand in eine ZAG-Arena-Eröffnungsfeier mit 500 geladenen Gästen um. Zu dem illustren Personenkreis, vor denen die Vinnhorster Bundesliga-Turner und die Drittliga-Handballer nacheinander mit ihren Meisterschaftsduellen für die sportliche Unterhaltung sorgten, zählten unter anderem der ehemalige Profi-Fußballtrainer Mirko Slomka und auch der frühere Handball-Funktionär Benjamin Chatton. Der sollte – so berichteten Insider – für Weiß und den TuS Vinnhorst seine Kontakte spielen lassen und war auch in die Trainersuche involviert.

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