Die Kammern der Kronjuwelen: Die Nachwuchsschmieden von GWD Minden und JSG Lit 1912 Marcus Riechmann Minden. Wenn die Jugendarbeit der zahlreichen Vereine die Kornkammer ist, aus der der sich der heimische Handball speist, dann sind die beiden Stützpunkte der A-Jugend-Bundesliga so etwas wie das Atelier der Kronjuwelen. In den Nachwuchsschmieden des TSV GWD Minden und der JSG Lit 1912 werden die besten Mühlenkreis-Talente für höhere Aufgaben entwickelt. Ganz frisch hat bei GWD Linksaußen Florian Kranzmann den Sprung in die Bundesliga geschafft, mit Fynn Hermeling klopft ein Rückraumspieler an die Tür. Junge Männer wie Jonah Jungmann und Paul Holzhacker sind bei GWD II direkt in tragende Rollen in der 3. Liga gerückt, bei Lit gehören Jungs wie Niklas Knittel, Rene Plaß und Michel Gerfen zum Drittliga-Kader. Sebastian Bagats bei GWD und Niels Pfannenschmidt bei Lit sind die Cheftrainer, in deren Händen die jungen Edelsteine auf Hochglanz poliert werden sollen. Zwei Aufgaben haben sie vordringlich im Blick: Entwicklung der jungen Spieler einerseits und nebenbei mit dem Team die direkte Qualifikation für ein weiteres Bundesliga-Jahr. Bei GWD darf es darüber hinaus ein bisschen mehr sein: Traditionell ist die Teilnahme an der Endrunde der Deutschen Meisterschaft Zielpunkt am Ende des Jugendjahres. Beide Nachwuchs-Klubs spüren steigenden Druck: Neben den etablierten Leistungszentren wie in Berlin, Leipzig oder Magdeburg haben auch andere Bundesliga-Standorte aufgerüstet. Der Wettbewerb um die besten Talente wächst, das Niveau der Top-Teams der Jugend-Bundesliga steigt. In der unmittelbaren Nachbarschaft werben der TBV Lemgo oder die TSV Hannover-Burgdorf mit GWD und Lit um dieselben Talente. „Nirgendwo ist die Konkurrenz so groß wie hier“, sagt Bagats. GWD ist fest an das Mindener Besselgymnasium angedockt. Coach Bagats ist dort Lehrer, die Handballer nutzen an der Sportschule NRW die Möglichkeiten wie Vormittagstraining und Kraftraum. Letzterer ist ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung, vor allem in diesem Jahr. „Körperlich können wir nicht an die Mannschaft des letzten Jahres anknüpfen, wir haben weniger Wucht“, sagt Bagats und folgert: „Wir werden mehr auf spielerische Elemente setzen.“ Die beiden Zugänge sind bereits im Verlauf der letzten Saison gekommen. Torwart Geza Peschel kam von SG Eintracht Berlin, Theo Teuteberg wechselte vom TV Bissendorf-Holte. Teuteberg, der im rechten Rückraum spielt, ist aktuell der einzige GWD-Junior mit Nähe zur Nationalmannschaft. „Eine guter Mix“, sagt Bagats über sein Team, in dem der A-Lizen-Coach einen besonderen Schützling betreut: Auf Rechtsaußen spielt Heinrich Bredemeier, Sohn des GWD-Vorsitzenden und langjährigen GWD-Managers Horst Bredemeier. Bagats sieht sein Team in Staffel 1 in Reichweite zu den beiden ersten Plätzen, die für die Teilnahme am 1/16-Finale um die Deutsche Meisterschaft berechtigen. „Wir hoffen, wir spielen mit der SG Flensburg-Handewitt um Platz eins“, sagt der 37-Jährige. Im ersten Spiel hat GWD den VfL Horneburg besiegt. „Das war kein Selbstläufer“, sagt der Trainer. Weitere Gegner sind MTV Lübeck, HCE Empor Rostock und die TSG Altenhagen-Heepen, die am Samstag beim ersten GWD-Heimspiel um 17 Uhr zu Gast in Dankersen sein wird. Die JSG Lit 1912 startet in Staffel 3. Trainer Niels Pfannenschmidt hat klare Erwartungen: Schwerin, Cottbus und Hildesheim will er hinter sich lassen. An Serienmeister Füchse Berlin und am SC Magdeburg hingegen führt wohl kein Weg vorbei. „Dass wir gleich beide in der Gruppe haben, ist nicht glücklich“, sagt Pfannenschmidt, der weiß: Der direkte Weg in die Endrunde ist ziemlich sicher versperrt. Zwei Zugänge sind aus anderen Klubs gekommen: Torwart Ben Wollert (Bayer Dormagen) soll in seinem zweiten A-Jungen-Jahr für Stabilität sorgen. Vom HLZ Ahlen ist aus der B-Jugend Kreisläufer Florian Denker zu Lit gewechselt. Diesen Weg hat bereits in der Vorsaison Rückraumspieler Jannis Hoff beschritten. Hoff bildet gemeinsam mit Linkshänder Haakon Wiebe und Julian Borren im Rückraum das Gerüst des neuen Teams. Aus der B-Jugend kommen mit Torwart Mikkel Wandtke und Linksaußen Ben Grüger zwei Talente, die zur deutschen Beachhandball-Nationalmannschaft der Jugend gehören. Zwei Jungs werden parallel in B- und A-Jungen spielen und trainieren: Jan Malte Diekmann (Jahrgang 2007) und Felix Ntodonke, der als Jahrgang 2006 sogar erst in seinem ersten B-Jungen-Jahr steht. Pfannenschmidt besetzt mit Lit eine Nische hinter den großen Leistungszentren: „Wir haben nicht die Möglichkeiten, die andere haben. Wir stellen uns anders auf.“ Der 47-jährige A-Lizenztrainer betont die Stärken bei der JSG: Mit dem TuS N-Lübbecke sowie den Lit-Teams in 3. Liga und Verbandsliga bietet man ein breites Feld an Anschlussförderung. Bei den Mecklenburger Stieren gewann die JSG das erste Saisonspiel 30:27. „Das war wichtig für den Kopf, denn nach der durchwachsenen Vorbereitung wussten wir überhaupt nicht, wo wir stehen“, sagt Pfannenschmidt. Im ersten Heimspiel will er gegen LHC Cottbus am Samstag in Nettelstedt (16.30 Uhr) nachlegen. Auf wenig Begeisterung stößt bei beiden Trainern die geografische Zusammensetzung der Staffeln, die weite Fahrten und hohe Kosten mit sich bringt: „Eine regionale Ausrichtung sieht anders aus. Ich weiß nicht, was man sich beim DHB mit dieser Einteilung gedacht hat“, kritisiert Pfannenschmidt. Eine Staffel mit Lit, GWD, Lemgo und Bielefeld als Kern-Quartett wäre attraktiver für Zuschauer und deutlich kostengünstiger. GWD Minden Team: Tom Budde, Geza Peschel, Mika Kordein – Lennart Schönke, Heinrich Bredemeier, Oliver Marquardt, Lennart Buschkamp, Max Langelahn, Lasse Franz, Jorit Resthöft, Hauke Kleppsch, Ben Wentrup, Justin Häseker, Theo Theuteberg, Cedric Trumpke, Joe Dohrmann. Trainer: Sebastian Bagats. Co-Trainer: Christian Potthoff. JSG Lit 1912 Team: Mikkel Wandtke, Ben Wollert – Robin Drees, Jannis Hoff, Florian Danker, Noel Wittemeier, Goswin Pörschke, Liam Lindenthal, Haakon Wiebe, Preben Barthold, Julian Borren, Jonas Tabel, Ben Grüger, Jan-Malte Dickmann, Johann Westermann, Philipp Barner, Armel Rapic, Felix Ntodonke, Marvin Buhrmester, Robin Drees. Trainer: Niels Pfannenschmidt. Co-Trainer: Hans Georg Borgmann.

Die Kammern der Kronjuwelen: Die Nachwuchsschmieden von GWD Minden und JSG Lit 1912

Coach Niels Pfannenschmidt (oben links) und die A-Jugend der JSG Lit 1912. Foto: privat © privat

Minden. Wenn die Jugendarbeit der zahlreichen Vereine die Kornkammer ist, aus der der sich der heimische Handball speist, dann sind die beiden Stützpunkte der A-Jugend-Bundesliga so etwas wie das Atelier der Kronjuwelen. In den Nachwuchsschmieden des TSV GWD Minden und der JSG Lit 1912 werden die besten Mühlenkreis-Talente für höhere Aufgaben entwickelt.

Ganz frisch hat bei GWD Linksaußen Florian Kranzmann den Sprung in die Bundesliga geschafft, mit Fynn Hermeling klopft ein Rückraumspieler an die Tür. Junge Männer wie Jonah Jungmann und Paul Holzhacker sind bei GWD II direkt in tragende Rollen in der 3. Liga gerückt, bei Lit gehören Jungs wie Niklas Knittel, Rene Plaß und Michel Gerfen zum Drittliga-Kader.

Die A-Jugend von GWD Minden mit Trainer Sebastian Bagats (oben links). MT-Foto: Jörg Wehling - © Jörg Wehling
Die A-Jugend von GWD Minden mit Trainer Sebastian Bagats (oben links). MT-Foto: Jörg Wehling - © Jörg Wehling

Sebastian Bagats bei GWD und Niels Pfannenschmidt bei Lit sind die Cheftrainer, in deren Händen die jungen Edelsteine auf Hochglanz poliert werden sollen. Zwei Aufgaben haben sie vordringlich im Blick: Entwicklung der jungen Spieler einerseits und nebenbei mit dem Team die direkte Qualifikation für ein weiteres Bundesliga-Jahr. Bei GWD darf es darüber hinaus ein bisschen mehr sein: Traditionell ist die Teilnahme an der Endrunde der Deutschen Meisterschaft Zielpunkt am Ende des Jugendjahres.

Beide Nachwuchs-Klubs spüren steigenden Druck: Neben den etablierten Leistungszentren wie in Berlin, Leipzig oder Magdeburg haben auch andere Bundesliga-Standorte aufgerüstet. Der Wettbewerb um die besten Talente wächst, das Niveau der Top-Teams der Jugend-Bundesliga steigt. In der unmittelbaren Nachbarschaft werben der TBV Lemgo oder die TSV Hannover-Burgdorf mit GWD und Lit um dieselben Talente. „Nirgendwo ist die Konkurrenz so groß wie hier“, sagt Bagats.

GWD ist fest an das Mindener Besselgymnasium angedockt. Coach Bagats ist dort Lehrer, die Handballer nutzen an der Sportschule NRW die Möglichkeiten wie Vormittagstraining und Kraftraum. Letzterer ist ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung, vor allem in diesem Jahr. „Körperlich können wir nicht an die Mannschaft des letzten Jahres anknüpfen, wir haben weniger Wucht“, sagt Bagats und folgert: „Wir werden mehr auf spielerische Elemente setzen.“ Die beiden Zugänge sind bereits im Verlauf der letzten Saison gekommen. Torwart Geza Peschel kam von SG Eintracht Berlin, Theo Teuteberg wechselte vom TV Bissendorf-Holte. Teuteberg, der im rechten Rückraum spielt, ist aktuell der einzige GWD-Junior mit Nähe zur Nationalmannschaft. „Eine guter Mix“, sagt Bagats über sein Team, in dem der A-Lizen-Coach einen besonderen Schützling betreut: Auf Rechtsaußen spielt Heinrich Bredemeier, Sohn des GWD-Vorsitzenden und langjährigen GWD-Managers Horst Bredemeier.

Bagats sieht sein Team in Staffel 1 in Reichweite zu den beiden ersten Plätzen, die für die Teilnahme am 1/16-Finale um die Deutsche Meisterschaft berechtigen. „Wir hoffen, wir spielen mit der SG Flensburg-Handewitt um Platz eins“, sagt der 37-Jährige. Im ersten Spiel hat GWD den VfL Horneburg besiegt. „Das war kein Selbstläufer“, sagt der Trainer. Weitere Gegner sind MTV Lübeck, HCE Empor Rostock und die TSG Altenhagen-Heepen, die am Samstag beim ersten GWD-Heimspiel um 17 Uhr zu Gast in Dankersen sein wird.

Die JSG Lit 1912 startet in Staffel 3. Trainer Niels Pfannenschmidt hat klare Erwartungen: Schwerin, Cottbus und Hildesheim will er hinter sich lassen. An Serienmeister Füchse Berlin und am SC Magdeburg hingegen führt wohl kein Weg vorbei. „Dass wir gleich beide in der Gruppe haben, ist nicht glücklich“, sagt Pfannenschmidt, der weiß: Der direkte Weg in die Endrunde ist ziemlich sicher versperrt.

Zwei Zugänge sind aus anderen Klubs gekommen: Torwart Ben Wollert (Bayer Dormagen) soll in seinem zweiten A-Jungen-Jahr für Stabilität sorgen. Vom HLZ Ahlen ist aus der B-Jugend Kreisläufer Florian Denker zu Lit gewechselt. Diesen Weg hat bereits in der Vorsaison Rückraumspieler Jannis Hoff beschritten. Hoff bildet gemeinsam mit Linkshänder Haakon Wiebe und Julian Borren im Rückraum das Gerüst des neuen Teams.

Aus der B-Jugend kommen mit Torwart Mikkel Wandtke und Linksaußen Ben Grüger zwei Talente, die zur deutschen Beachhandball-Nationalmannschaft der Jugend gehören. Zwei Jungs werden parallel in B- und A-Jungen spielen und trainieren: Jan Malte Diekmann (Jahrgang 2007) und Felix Ntodonke, der als Jahrgang 2006 sogar erst in seinem ersten B-Jungen-Jahr steht.

Pfannenschmidt besetzt mit Lit eine Nische hinter den großen Leistungszentren: „Wir haben nicht die Möglichkeiten, die andere haben. Wir stellen uns anders auf.“ Der 47-jährige A-Lizenztrainer betont die Stärken bei der JSG: Mit dem TuS N-Lübbecke sowie den Lit-Teams in 3. Liga und Verbandsliga bietet man ein breites Feld an Anschlussförderung.

Bei den Mecklenburger Stieren gewann die JSG das erste Saisonspiel 30:27. „Das war wichtig für den Kopf, denn nach der durchwachsenen Vorbereitung wussten wir überhaupt nicht, wo wir stehen“, sagt Pfannenschmidt. Im ersten Heimspiel will er gegen LHC Cottbus am Samstag in Nettelstedt (16.30 Uhr) nachlegen.

Auf wenig Begeisterung stößt bei beiden Trainern die geografische Zusammensetzung der Staffeln, die weite Fahrten und hohe Kosten mit sich bringt: „Eine regionale Ausrichtung sieht anders aus. Ich weiß nicht, was man sich beim DHB mit dieser Einteilung gedacht hat“, kritisiert Pfannenschmidt. Eine Staffel mit Lit, GWD, Lemgo und Bielefeld als Kern-Quartett wäre attraktiver für Zuschauer und deutlich kostengünstiger.

GWD Minden

Team: Tom Budde, Geza Peschel, Mika Kordein – Lennart Schönke, Heinrich Bredemeier, Oliver Marquardt, Lennart Buschkamp, Max Langelahn, Lasse Franz, Jorit Resthöft, Hauke Kleppsch, Ben Wentrup, Justin Häseker, Theo Theuteberg, Cedric Trumpke, Joe Dohrmann.

Trainer: Sebastian Bagats.

Co-Trainer: Christian Potthoff.

JSG Lit 1912

Team: Mikkel Wandtke, Ben Wollert – Robin Drees, Jannis Hoff, Florian Danker, Noel Wittemeier, Goswin Pörschke, Liam Lindenthal, Haakon Wiebe, Preben Barthold, Julian Borren, Jonas Tabel, Ben Grüger, Jan-Malte Dickmann, Johann Westermann, Philipp Barner, Armel Rapic, Felix Ntodonke, Marvin Buhrmester, Robin Drees.

Trainer: Niels Pfannenschmidt.

Co-Trainer: Hans Georg Borgmann.

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