Der sanftmütige Vulkan: Dieter Löffelmann wird 70 Jörg Wehling Hille. Er ist in der Sporthalle weder zu übersehen noch zu überhören: Wenn jemand mit Leidenschaft seinen Handballsport verkörpert, dann ist es Dieter Löffelmann. Bundesweit hat er sich als Trainer einen Namen gemacht, zum Beispiel als er in der Zeit von 1997 bis 2003 den Frauen-Handball-Bundesligist Eintracht Minden zu beachtlichen Erfolgen führte. Er gilt als liebenswerter, aber impulsiver Trainer mit beeindruckender Überzeugungskraft gegenüber seinen Spielerinnen und Spielern. Er geht mit ihnen schon mal hart ins Gericht, aber auch mit den Schiedsrichtern und den Zuschauern. „Nach Spielschluss muss aber alles vergessen sein, und es darf nicht beleidigend werden“, sagt Löffelmann, den alle nur „Löffel“ rufen. An diesem Sonntag feiert der gebürtige Oberlübber seinen 70. Geburtstag. Im kleinsten Kreis gemeinsam mit seiner Frau Doris, seinem Sohn Tim und seiner Schwiegertochter Farina sowie den kleinen „Löffelmännern“ Jonah und Mio, aber eben ohne Freunde und Nachbarn. „Natürlich hätte ich gerne etwas größer gefeiert. Aber die aktuelle Lage lässt eine große Sause nun mal nicht zu.“ Ein Blick in seinen kleinen Partyraum deutet an, dass er als vielfacher Funktionär viel auf die Beine gestellt hat. Plakate von Silvesterturnieren mit internationaler Ausrichtung seines Klubs Eintracht Oberlübbe zieren die vertäfelten Wände – als Erinnerung an denkwürdige Handballereignisse, die er als „Mister Eintracht Oberlübbe“ mit geprägt hat. Dazu gehören aber auch Aufstiege im Männer- und Frauenbereich mit seinem Herzensklub. Bezeichnend: Auch andere Vereine haben dort ihren Platz, etwa der SV Schnathorst, seiner ersten Trainerstation außerhalb des Vereins. Eine wichtige Episode ist sein Engagement beim SuS Veltheim Mitte der 80er-Jahre, als ihn der heutige Handballkreisvorsitzende Reinhold Kölling an die Porta lockte. Er führt Veltheim von der Kreis- in die Landesliga. Zum Abschied bekommt er ein Ziege geschenkt. Warum das so ist, zeigt sich beim Blick hinter den Tresen. Drei Schals hängen dort, und zwar neben dem seiner geliebten Eintracht, auch der von GWD Minden und der vom 1. FC Köln, die einen Geißbock als Maskottchen haben. „Vom FC bin ich länger Fan als von GWD“, sagt Löffelmann, einer seiner Freunde ist GWD-Vereinschef Horst Bredemeier. Dass, was er als Spieler und als Trainer erreicht hat, macht ihn mächtig stolz. Im Buch „Und auch der Handball ist rund“, mit bedeutenden Persönlichkeiten, die den Mühlenkreis geprägt haben, ist auch ihm ein Kapitel gewidmet. Der Titel lautet: „Der Maurer mit der A-Lizenz“. „Darüber“ so Löffelmann, „habe ich mich sehr gefreut.“ Weil er damit auch bewiesen hat, dass man nicht unbedingt Pädagoge sein muss, um die höchste Trainerausbildung zu haben und erfolgreich auf höchstem Niveau jungen Menschen das Handballspielen beizubringen. Welchen Sport er wohl gewählt hätte, wenn es kein Handball geben würde? „Dann wäre ich wohl Eishockey-Torwart geworden. Nicht weil ich mit meiner Statur das Tor ausgefüllt hätte, sondern einfach, weil mich auch dieser Sport fasziniert.“ Gestanden hat Löffelmann für seine Eintracht dann im Handballtor bis zu seinem Karriereende mit 31 Jahren. Mannschaften trainiert hat er zu diesem Zeitpunkt schon einige. Mit 14 Jahren eine Schüler-Mannschaft des Vorgängervereins CVJM Oberlübbe. In seinen besten Zeiten waren es fünf Eintracht-Teams gleichzeitig. „Ich wollte schon immer Trainer werden und dadurch dahin kommen, wohin ich als Spieler nicht gekommen bin“, wird „Löffel“ in „Und auch der Handball ist rund“ zitiert. In der Frauen-Bundesliga landete Löffelmann schließlich mit den Eintracht-Frauen und feierte hier seine sportlich größten Erfolge. 1999 erreichte er mit einem Team, das im Jahr zuvor fast aus der Bundesliga abgestiegen wäre, völlig überraschend das Pokalfinale in Riesa. Mit 29:30 nach Verlängerung ging die Partie gegen den TV Lützellinden auf dramatische Art und Weise verloren. „Rückschläge und Niederlagen gehören zum Leben nun einmal dazu“, sagt „Löffel“. Statt in den Urlaub zu fahren, bildete er sich weiter und fuhr zur Handball-Akademie nach Freiburg, um zu hören, was Vlado Stenzel und Simon Schobel zu sagen hatten. Um das anschließend in seinen Mannschaften auch zu praktizieren. Später drehte er Lehrvideos unter anderem mit Berlin-Manager Bob Hanning, Frauen-Bundestrainer Henk Groener, aber auch mit Dietmar Molthan und Jens Pfänder sowie Wetzlar-Coach Kai Wandschneider. Angebote anderer Vereine von Bayer Leverkusen bis zum TuS Nettelstedt lehnte er aber ab. Sein simple Begründung: Von Eintracht Oberlübbe gehe ich nicht weg. „Löffel ist das Beste, was dem Verein passieren konnte. Er ist ein Kümmerer und für mich ein Freund“, sagt Christian Oestreich, 2. Vorsitzender bei der Eintracht, über den fast 70-Jährigen. Oestreich kennt ihn seit mehr als 40 Jahren, erlebte ihn als Trainer und Vorstandskollegen. „Ihn kann man morgens um 3 Uhr wecken. Und er ist da, wenn er gebraucht wird.“ Eine, die ihn als Trainer der Eintracht-Frauen erlebt hat, ist auch Anika Ziercke. „Er hat uns angeschrien und hat uns gelobt. Aber hinterher war immer alles gut. Er hat uns in den Arm genommen und gesagt, wie lieb er uns hat.“ Über die vielen Episoden aus seinem Trainerleben berichtet Löffelmann gerne. Und ein Strahlen huscht über sein Gesicht, wenn er über manche Kuriosität aus dem Handball plaudert. Ob er sich nun auf sein Altenteil zurückziehen wird, das ist für Löffelmann keine Option, schließlich gibt es im Verein immer etwas zu tun. Außerdem kümmert er sich um seine ins Leben gerufene Handball-AG an der Grundschule, sofern es die Corona-Pandemie wieder zulässt. Seine Art Trainer zu sein, hat er nie bereut. „Es gibt leise Trainer und laute Trainer so wie ich einer war. Aber eines ist sicher: Bei mir war nie Show dabei, bei mir war alles echt.“

Der sanftmütige Vulkan: Dieter Löffelmann wird 70

Sein kleines Handball-Reich: Dieter Löffelmann im Partyraum seines Hauses in Oberlübbe. MT-Fotos: Jörg Wehling © Jörg Wehling

Hille. Er ist in der Sporthalle weder zu übersehen noch zu überhören: Wenn jemand mit Leidenschaft seinen Handballsport verkörpert, dann ist es Dieter Löffelmann. Bundesweit hat er sich als Trainer einen Namen gemacht, zum Beispiel als er in der Zeit von 1997 bis 2003 den Frauen-Handball-Bundesligist Eintracht Minden zu beachtlichen Erfolgen führte.

Er gilt als liebenswerter, aber impulsiver Trainer mit beeindruckender Überzeugungskraft gegenüber seinen Spielerinnen und Spielern. Er geht mit ihnen schon mal hart ins Gericht, aber auch mit den Schiedsrichtern und den Zuschauern. „Nach Spielschluss muss aber alles vergessen sein, und es darf nicht beleidigend werden“, sagt Löffelmann, den alle nur „Löffel“ rufen.

Schals von den drei Klubs, die Löffelmanns Herz eroberten: GWD Minden (von links), TuS Oberlübbe und der 1. FC Köln. - © Jörg Wehling
Schals von den drei Klubs, die Löffelmanns Herz eroberten: GWD Minden (von links), TuS Oberlübbe und der 1. FC Köln. - © Jörg Wehling

An diesem Sonntag feiert der gebürtige Oberlübber seinen 70. Geburtstag. Im kleinsten Kreis gemeinsam mit seiner Frau Doris, seinem Sohn Tim und seiner Schwiegertochter Farina sowie den kleinen „Löffelmännern“ Jonah und Mio, aber eben ohne Freunde und Nachbarn. „Natürlich hätte ich gerne etwas größer gefeiert. Aber die aktuelle Lage lässt eine große Sause nun mal nicht zu.“

Ein Blick in seinen kleinen Partyraum deutet an, dass er als vielfacher Funktionär viel auf die Beine gestellt hat. Plakate von Silvesterturnieren mit internationaler Ausrichtung seines Klubs Eintracht Oberlübbe zieren die vertäfelten Wände – als Erinnerung an denkwürdige Handballereignisse, die er als „Mister Eintracht Oberlübbe“ mit geprägt hat. Dazu gehören aber auch Aufstiege im Männer- und Frauenbereich mit seinem Herzensklub. Bezeichnend: Auch andere Vereine haben dort ihren Platz, etwa der SV Schnathorst, seiner ersten Trainerstation außerhalb des Vereins.

Eine wichtige Episode ist sein Engagement beim SuS Veltheim Mitte der 80er-Jahre, als ihn der heutige Handballkreisvorsitzende Reinhold Kölling an die Porta lockte. Er führt Veltheim von der Kreis- in die Landesliga. Zum Abschied bekommt er ein Ziege geschenkt. Warum das so ist, zeigt sich beim Blick hinter den Tresen. Drei Schals hängen dort, und zwar neben dem seiner geliebten Eintracht, auch der von GWD Minden und der vom 1. FC Köln, die einen Geißbock als Maskottchen haben. „Vom FC bin ich länger Fan als von GWD“, sagt Löffelmann, einer seiner Freunde ist GWD-Vereinschef Horst Bredemeier.

Dass, was er als Spieler und als Trainer erreicht hat, macht ihn mächtig stolz. Im Buch „Und auch der Handball ist rund“, mit bedeutenden Persönlichkeiten, die den Mühlenkreis geprägt haben, ist auch ihm ein Kapitel gewidmet. Der Titel lautet: „Der Maurer mit der A-Lizenz“.

„Darüber“ so Löffelmann, „habe ich mich sehr gefreut.“ Weil er damit auch bewiesen hat, dass man nicht unbedingt Pädagoge sein muss, um die höchste Trainerausbildung zu haben und erfolgreich auf höchstem Niveau jungen Menschen das Handballspielen beizubringen. Welchen Sport er wohl gewählt hätte, wenn es kein Handball geben würde? „Dann wäre ich wohl Eishockey-Torwart geworden. Nicht weil ich mit meiner Statur das Tor ausgefüllt hätte, sondern einfach, weil mich auch dieser Sport fasziniert.“

Gestanden hat Löffelmann für seine Eintracht dann im Handballtor bis zu seinem Karriereende mit 31 Jahren. Mannschaften trainiert hat er zu diesem Zeitpunkt schon einige. Mit 14 Jahren eine Schüler-Mannschaft des Vorgängervereins CVJM Oberlübbe. In seinen besten Zeiten waren es fünf Eintracht-Teams gleichzeitig. „Ich wollte schon immer Trainer werden und dadurch dahin kommen, wohin ich als Spieler nicht gekommen bin“, wird „Löffel“ in „Und auch der Handball ist rund“ zitiert.

In der Frauen-Bundesliga landete Löffelmann schließlich mit den Eintracht-Frauen und feierte hier seine sportlich größten Erfolge. 1999 erreichte er mit einem Team, das im Jahr zuvor fast aus der Bundesliga abgestiegen wäre, völlig überraschend das Pokalfinale in Riesa. Mit 29:30 nach Verlängerung ging die Partie gegen den TV Lützellinden auf dramatische Art und Weise verloren. „Rückschläge und Niederlagen gehören zum Leben nun einmal dazu“, sagt „Löffel“.

Statt in den Urlaub zu fahren, bildete er sich weiter und fuhr zur Handball-Akademie nach Freiburg, um zu hören, was Vlado Stenzel und Simon Schobel zu sagen hatten. Um das anschließend in seinen Mannschaften auch zu praktizieren. Später drehte er Lehrvideos unter anderem mit Berlin-Manager Bob Hanning, Frauen-Bundestrainer Henk Groener, aber auch mit Dietmar Molthan und Jens Pfänder sowie Wetzlar-Coach Kai Wandschneider.

Angebote anderer Vereine von Bayer Leverkusen bis zum TuS Nettelstedt lehnte er aber ab. Sein simple Begründung: Von Eintracht Oberlübbe gehe ich nicht weg.

„Löffel ist das Beste, was dem Verein passieren konnte. Er ist ein Kümmerer und für mich ein Freund“, sagt Christian Oestreich, 2. Vorsitzender bei der Eintracht, über den fast 70-Jährigen. Oestreich kennt ihn seit mehr als 40 Jahren, erlebte ihn als Trainer und Vorstandskollegen. „Ihn kann man morgens um 3 Uhr wecken. Und er ist da, wenn er gebraucht wird.“ Eine, die ihn als Trainer der Eintracht-Frauen erlebt hat, ist auch Anika Ziercke. „Er hat uns angeschrien und hat uns gelobt. Aber hinterher war immer alles gut. Er hat uns in den Arm genommen und gesagt, wie lieb er uns hat.“

Über die vielen Episoden aus seinem Trainerleben berichtet Löffelmann gerne. Und ein Strahlen huscht über sein Gesicht, wenn er über manche Kuriosität aus dem Handball plaudert. Ob er sich nun auf sein Altenteil zurückziehen wird, das ist für Löffelmann keine Option, schließlich gibt es im Verein immer etwas zu tun. Außerdem kümmert er sich um seine ins Leben gerufene Handball-AG an der Grundschule, sofern es die Corona-Pandemie wieder zulässt.

Seine Art Trainer zu sein, hat er nie bereut. „Es gibt leise Trainer und laute Trainer so wie ich einer war. Aber eines ist sicher: Bei mir war nie Show dabei, bei mir war alles echt.“

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