Der Favorit schaut in die Röhre: Keine vorzeitige Aufstiegsparty beim TuS N-Lübbecke Ingo Notz Würzburg. Matchball zwei vergeben: In der 2. Handball-Bundesliga muss der TuS N-Lübbecke bis zum letzten Spieltag um den Aufstieg in die 1. Liga zittern. Durch die Lübbecker 23:29-Niederlage bei der DJK Rimpar steht der HSV Hamburg vor dem Titelgewinn. In Würzburg lief bei den Lübbeckern fast von Anfang an wenig zusammen. Der Favorit holte sich zwar durch zwei Treffer von Tom Skroblien die ersten beiden Führungen, doch schon beim 2:2 fing die diesmal viel zu emsig sprudelnde Fehlerquelle an, Rimpar Oberwasser zu verschaffen. Vorne wurde zu leichtfertig abgeschlossen oder der Ball durch technische Fehler oder vermeidbare Fouls hergegeben, dazu fehlte es den Abschlüssen an Präzision, wodurch der Gegner warmgeschossen wurde. Vor allem Marino Mallwitz im Rimparer Tor profitierte davon, der sich ein ums andere Mal auszeichnen konnte. Rimpar war im Kopf schneller und auch auf den Beinen und bestrafte die Fehler der Gäste mit flotten Gegenzügen und aus Lübbecker Sicht dann viel zu einfachen Toren. Dieser Angriffswelle stand auch der sonst so zuverlässige Aljosa Rezar im Lübbecker Kasten meist hilflos gegenüber. Aus dem Lübbecker 2:1 machte Rimpar so beim 5:3 die erste Zwei-Tore-Führung und beim 8:5 lag der TuS erstmals mit drei Treffern hinten. Das war noch zu korrigieren: Beim 11:10 (21.) war das Kurtagic-Team wieder dran und nachdem Rezar dann doch erste Paraden gelangen, egalisierte Valentin Spohn in Überzahl nach gut 26 Minuten zum 12:12. In der Schlussphase der ersten Hälfte sorgten allerdings zweifelhafte Entscheidungen der Schiedsrichter dafür, dass Rimpar wieder auf zwei Tore enteilen konnte: 15:13 zur Halbzeit ließ dem TuS aber weiter alle Möglichkeiten, zumal ja bereits ein Punkt zum vorzeitigen Aufstieg gereicht hätte. Die Vorentscheidung in der zweiten Halbzeit fiel dann allerdings schon früh: Eine Zwei-Minuten-Strafe gegen Kapitän Peter Strosack nutzten die „Wölfe“ zu zwei Treffern von Schmidt und Siegler, zwischen deren Tore Lutz Heiny wie so viele Lübbecker an diesem Abend frei an Mallwitz scheiterte. Beim 20:16 (39.) sorgte auch die nächste Auszeit nicht für die Wende, im Gegenteil: Kurz danach verwarf Tom Skroblien einen Siebenmeter, Brielmeier erhöhte zum 21:16 (41.), dem ersten Fünf-Tore-Vorsprung der DJK. Bei Lübbecke brachte auch der Torwartwechsel zu Matic Gerar nichts, die TuS-Spieler haderten zurecht weiterhin mit den Schiedsrichtern, was allerdings auch nicht hilfreich war. Beim 25:19 sorgte Patrick Schmidt für die erste Sechs-Tore-Differenz. Julian Sauer beantwortete einen vergebenen Gegenstoß von Roman Becvar mit dem 26:19 (51.) – spätestens da war klar, dass Lübbecke diese Partie in den letzten Minuten nicht mehr drehen würde. Das „Wolfsrudel“ hatte nach vier Jahren seine Revanche für das „Mallorca-Gate“ und den verpassten Aufstieg 2017. Lübbecke musste zerknirscht die Heimreise antreten. Die nächste und auch letzte Chance zum Aufstieg gilt am Samstag zu nutzen: Dann gastiert zum Saisonfinale der TuS Ferndorf um 18 Uhr in der Lübbecker Kreissporthalle. Eine alte Rechnung: Die Sache mit Mallorca Bei den aktiven Spielern ist keiner mehr von damals dabei und doch mussten die Lübbecker im Saisonfinale 2021 die Suppe auslöffeln, die Ex-Lübbecker ihnen 2017 eingebrockt hatten. Stichwort: Mallorca... Vor vier Jahren wähnten sich die Rimparer schon fast in der 1. Liga. Unter dem Motto „Werdet zur Legende“ waren sie ins Saisonfinale gegangen — fest davon ausgehend, dass der souveräne Meister TuS N-L auch sein letztes Saisonspiel gewinnen würde. Da der TuS N-Lübbecke vorzeitig alle Ziele erreicht hatte, sollen sich damals einige Lübbecker einen Trip ins Epizentrum des Party-Tourismus nach Mallorca gegönnt haben. Danach verlor Lübbecke im letzten Spiel in Hüttenberg 19:25. Die Meisterschaftshoffnungen der Bayern waren plötzlich im Eimer: Sie verloren in Bad Schwartau, die „Eulen“ aus Friesenheim und der TV Hüttenberg (noch bevor Emir Kurtagic dort 2017 Trainer wurde) stiegen auf. Obwohl die Lübbecker offiziell alles abstritten und die Vorwürfe dementierten, war dieses Saisonfinale seither immer wieder in den Köpfen der Süddeutschen, wenn es gegen den TuS ging. Rimpars Trainer Rolf Brack sprach deshalb am Samstag von einer Extra-Portion Motivation: „Viele Spieler hatten das noch im Kopf.“ Sehr zum Nachteil des TuS N-Lübbecke. STATISTIK DJK Rimpar Wölfe – TuS N-Lübbecke 29:23 (15:13) DJK Rimpar Wölfe: Mallwitz (10/3 Paraden), Wiesner (7 P.) – Schöming 2, Böhm, Karle, Neagu, Schmidt 7/3, Kaufmann, Siegler 1, Wirtz 3/2, Schulz 2, Dayan 6, Kovacic 1, Brielmeier 3, Sauer 4. TuS N-Lübbecke: Rezar (12/1 P.), Gercar – Becvar, Heiny 2, Baumgärtner 2, Ebner 2, Petreikis, Bagaric, Strosack 5/1, Mundus, Dräger 1, Spohn 2, Nissen, Speckmann 2/1, Petrovsky, Skroblien 7/5. Siebenmeter: 5/6 – 7/9. Zeitstrafen: 12:8 Minuten. Disqualifikation: Wirtz (60.) nach grobem Foul an Strosack. Schiedsrichter: Kauth/Kolb. Zuschauer: 305 in der S.Oliver Arena Würzburg Das nächste Spiel: TuS N-Lübbecke – TuS Ferndorf (Sa. 26. Juni, 18.00)

Der Favorit schaut in die Röhre: Keine vorzeitige Aufstiegsparty beim TuS N-Lübbecke

Machtlos in Würzburg: Lübbeckes Trainer Emir Kurtagic schaut mit leerem Blick auf das Spielfeld und auf die sich anbahnende Niederlage, während im Hintergrund die Wölfe aus Rimpar einen Treffer bejubeln. Foto: Frank Scheuring © foto2press.de

Würzburg. Matchball zwei vergeben: In der 2. Handball-Bundesliga muss der TuS N-Lübbecke bis zum letzten Spieltag um den Aufstieg in die 1. Liga zittern. Durch die Lübbecker 23:29-Niederlage bei der DJK Rimpar steht der HSV Hamburg vor dem Titelgewinn.

In Würzburg lief bei den Lübbeckern fast von Anfang an wenig zusammen. Der Favorit holte sich zwar durch zwei Treffer von Tom Skroblien die ersten beiden Führungen, doch schon beim 2:2 fing die diesmal viel zu emsig sprudelnde Fehlerquelle an, Rimpar Oberwasser zu verschaffen. Vorne wurde zu leichtfertig abgeschlossen oder der Ball durch technische Fehler oder vermeidbare Fouls hergegeben, dazu fehlte es den Abschlüssen an Präzision, wodurch der Gegner warmgeschossen wurde.

Vor allem Marino Mallwitz im Rimparer Tor profitierte davon, der sich ein ums andere Mal auszeichnen konnte. Rimpar war im Kopf schneller und auch auf den Beinen und bestrafte die Fehler der Gäste mit flotten Gegenzügen und aus Lübbecker Sicht dann viel zu einfachen Toren. Dieser Angriffswelle stand auch der sonst so zuverlässige Aljosa Rezar im Lübbecker Kasten meist hilflos gegenüber.

Aus dem Lübbecker 2:1 machte Rimpar so beim 5:3 die erste Zwei-Tore-Führung und beim 8:5 lag der TuS erstmals mit drei Treffern hinten. Das war noch zu korrigieren: Beim 11:10 (21.) war das Kurtagic-Team wieder dran und nachdem Rezar dann doch erste Paraden gelangen, egalisierte Valentin Spohn in Überzahl nach gut 26 Minuten zum 12:12. In der Schlussphase der ersten Hälfte sorgten allerdings zweifelhafte Entscheidungen der Schiedsrichter dafür, dass Rimpar wieder auf zwei Tore enteilen konnte: 15:13 zur Halbzeit ließ dem TuS aber weiter alle Möglichkeiten, zumal ja bereits ein Punkt zum vorzeitigen Aufstieg gereicht hätte.

Die Vorentscheidung in der zweiten Halbzeit fiel dann allerdings schon früh: Eine Zwei-Minuten-Strafe gegen Kapitän Peter Strosack nutzten die „Wölfe“ zu zwei Treffern von Schmidt und Siegler, zwischen deren Tore Lutz Heiny wie so viele Lübbecker an diesem Abend frei an Mallwitz scheiterte. Beim 20:16 (39.) sorgte auch die nächste Auszeit nicht für die Wende, im Gegenteil: Kurz danach verwarf Tom Skroblien einen Siebenmeter, Brielmeier erhöhte zum 21:16 (41.), dem ersten Fünf-Tore-Vorsprung der DJK. Bei Lübbecke brachte auch der Torwartwechsel zu Matic Gerar nichts, die TuS-Spieler haderten zurecht weiterhin mit den Schiedsrichtern, was allerdings auch nicht hilfreich war.

Beim 25:19 sorgte Patrick Schmidt für die erste Sechs-Tore-Differenz. Julian Sauer beantwortete einen vergebenen Gegenstoß von Roman Becvar mit dem 26:19 (51.) – spätestens da war klar, dass Lübbecke diese Partie in den letzten Minuten nicht mehr drehen würde.

Das „Wolfsrudel“ hatte nach vier Jahren seine Revanche für das „Mallorca-Gate“ und den verpassten Aufstieg 2017. Lübbecke musste zerknirscht die Heimreise antreten. Die nächste und auch letzte Chance zum Aufstieg gilt am Samstag zu nutzen: Dann gastiert zum Saisonfinale der TuS Ferndorf um 18 Uhr in der Lübbecker Kreissporthalle.

Eine alte Rechnung: Die Sache mit Mallorca

Bei den aktiven Spielern ist keiner mehr von damals dabei und doch mussten die Lübbecker im Saisonfinale 2021 die Suppe auslöffeln, die Ex-Lübbecker ihnen 2017 eingebrockt hatten. Stichwort: Mallorca...

Vor vier Jahren wähnten sich die Rimparer schon fast in der 1. Liga. Unter dem Motto „Werdet zur Legende“ waren sie ins Saisonfinale gegangen — fest davon ausgehend, dass der souveräne Meister TuS N-L auch sein letztes Saisonspiel gewinnen würde. Da der TuS N-Lübbecke vorzeitig alle Ziele erreicht hatte, sollen sich damals einige Lübbecker einen Trip ins Epizentrum des Party-Tourismus nach Mallorca gegönnt haben. Danach verlor Lübbecke im letzten Spiel in Hüttenberg 19:25. Die Meisterschaftshoffnungen der Bayern waren plötzlich im Eimer: Sie verloren in Bad Schwartau, die „Eulen“ aus Friesenheim und der TV Hüttenberg (noch bevor Emir Kurtagic dort 2017 Trainer wurde) stiegen auf.

Obwohl die Lübbecker offiziell alles abstritten und die Vorwürfe dementierten, war dieses Saisonfinale seither immer wieder in den Köpfen der Süddeutschen, wenn es gegen den TuS ging. Rimpars Trainer Rolf Brack sprach deshalb am Samstag von einer Extra-Portion Motivation: „Viele Spieler hatten das noch im Kopf.“ Sehr zum Nachteil des TuS N-Lübbecke.

STATISTIK

DJK Rimpar Wölfe – TuS N-Lübbecke 29:23 (15:13)

DJK Rimpar Wölfe: Mallwitz (10/3 Paraden), Wiesner (7 P.) – Schöming 2, Böhm, Karle, Neagu, Schmidt 7/3, Kaufmann, Siegler 1, Wirtz 3/2, Schulz 2, Dayan 6, Kovacic 1, Brielmeier 3, Sauer 4.

TuS N-Lübbecke: Rezar (12/1 P.), Gercar – Becvar, Heiny 2, Baumgärtner 2, Ebner 2, Petreikis, Bagaric, Strosack 5/1, Mundus, Dräger 1, Spohn 2, Nissen, Speckmann 2/1, Petrovsky, Skroblien 7/5.

Siebenmeter: 5/6 – 7/9.

Zeitstrafen: 12:8 Minuten.

Disqualifikation: Wirtz (60.) nach grobem Foul an Strosack.

Schiedsrichter: Kauth/Kolb.

Zuschauer: 305 in der S.Oliver Arena Würzburg

Das nächste Spiel: TuS N-Lübbecke – TuS Ferndorf (Sa. 26. Juni, 18.00)

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