Der Corona-Plan des Verbandes: Mit Schnelltests zurück zum sicheren Spielbetrieb Christian Bendig Minden. „Das ist völlig absurd und ein schlechter Witz. Mir tun die beteiligten Spieler und Schiedsrichter leid.“ So urteilte Frank Bohmann, der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga im vergangenen Oktober. Anlass seiner drastischen Worte war das Erstligaspiel der spanischen Liga Asobal zwischen Ademar Leon und BM Sinfin, in dem beide Teams beim Handball Masken trugen. Seinerzeit hatte das örtliche Gesundheitsamt kurz vor dem Anwurf diese Maßnahme angeordnet. In seinem Bestreben, die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in den Amateurklassen zu ermöglichen, verfolgt der westfälische Verband HVW eine andere Idee, trotz der Corona-Situation die Sicherheit aller Akteure zu gewährleisten: Schnelltests sind das Mittel der Wahl. Wie berichtet, informierte der Verband Anfang Januar die Vereine über zwei mögliche Wettkampfszenarien. Mittlerweile denkt der Verband schon einen Schritt weiter. „Wenn wir etwas machen, dann machen wir es richtig“ sagt der HVW-Vizepräsident Spieltechnik Andreas Tiemann. Corona-Schnelltests sollen den Spielbetrieb sicherstellen. Im Idealfall werden vor einer Begegnung beide Mannschaften komplett getestet. Die Kosten für die Tests – circa fünf Euro pro Akteur – trägt jedes Team beziehungsweise der Verein. Auch die Schiedsrichter werden getestet. Diese Kosten übernähme der gastgebende Verein. Grund für die Test-Idee sind die vielen Spielabsagen im vergangenen Herbst. In etlichen Fällen konnten Vereine aufgrund von Infektionen oder Quarantäne-Situationen keine spielfähige Mannschaft stellen. „Einige Akteure durften auch aufgrund der Verbote von Arbeitgebern nicht spielen“, erinnert sich Tiemann. Mit den Tests soll allen Beteiligten mehr Sicherheit gegeben werden. Ob die Testungen tatsächlich eingeführt werden, entscheiden die Vereine schlussendlich selbst, wie Tiemann erläutert: „Sie müssen sich zu einem noch unbestimmten Zeitpunkt erklären. Denn von den Behörden ist es Stand heute nicht vorgeschrieben.“ Das Kostenargument, das einige Vereine in der jüngsten Videokonferenz des HVW am Mittwochabend äußerten, relativiert Tiemann: „Ein Test ist so teuer wie zwei Getränke nach dem Spiel. Das sollte es den Beteiligten wert sein, um unseren Kontaktsport sicher auszuüben.“ Falls sich die große Mehrheit der Vereine gegen verpflichtende Tests ausspricht, hat der Verband einen alternativen Plan parat: Man muss nicht testen. Wenn aber vor einem Spiel eine Mannschaft auf einer Testung besteht, dann muss der Gegner Schnelltests durchführen. Sonst findet das Spiel nicht statt. Die Kosten für die Schiedsrichter trüge wieder der Heimverein. In einer möglichen Drittliga-Aufstiegsrunde der Oberligisten findet die Freiwilligkeit aber ein Ende. Der Grund ist einfach: In der vierten Liga sind etliche Akteure – vor allem im Männerbereich – schon Vertragsspieler. „Hier greift einfach die gesetzlich vorgeschriebene Fürsorgepflicht der Arbeitgeber“, begründet Tiemann. Die Oberliga-Frauen von Lit Tribe 1912 sind als souveräner Spitzenreiter das einzige Team, das nach realistischer Einschätzung ein Kandidat für eine Aufstiegsrunde ist. Sie könnten also mit der Pflichttestung konfrontiert werden. Das würden sie in Kauf nehmen, sagt Lit-Geschäftsführer Christian Niemann: „Auf jeden Fall würden wir an einer Aufstiegsrunde teilnehmen. Auch, wenn es Kosten verursachen würde.“ Der Preis wäre jedenfalls geringer als der Weg über ein weiteres Jahr in der Oberliga.

Der Corona-Plan des Verbandes: Mit Schnelltests zurück zum sicheren Spielbetrieb

Ruckzuck Sicherheit: Das erhofft der Handballverband Westfalen von Schnelltests vor den Spielen. Symbolfoto: Berg/dpa © Oliver Berg

Minden. „Das ist völlig absurd und ein schlechter Witz. Mir tun die beteiligten Spieler und Schiedsrichter leid.“ So urteilte Frank Bohmann, der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga im vergangenen Oktober. Anlass seiner drastischen Worte war das Erstligaspiel der spanischen Liga Asobal zwischen Ademar Leon und BM Sinfin, in dem beide Teams beim Handball Masken trugen. Seinerzeit hatte das örtliche Gesundheitsamt kurz vor dem Anwurf diese Maßnahme angeordnet. In seinem Bestreben, die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in den Amateurklassen zu ermöglichen, verfolgt der westfälische Verband HVW eine andere Idee, trotz der Corona-Situation die Sicherheit aller Akteure zu gewährleisten: Schnelltests sind das Mittel der Wahl.

Wie berichtet, informierte der Verband Anfang Januar die Vereine über zwei mögliche Wettkampfszenarien. Mittlerweile denkt der Verband schon einen Schritt weiter. „Wenn wir etwas machen, dann machen wir es richtig“ sagt der HVW-Vizepräsident Spieltechnik Andreas Tiemann.

Corona-Schnelltests sollen den Spielbetrieb sicherstellen. Im Idealfall werden vor einer Begegnung beide Mannschaften komplett getestet. Die Kosten für die Tests – circa fünf Euro pro Akteur – trägt jedes Team beziehungsweise der Verein. Auch die Schiedsrichter werden getestet. Diese Kosten übernähme der gastgebende Verein.

Grund für die Test-Idee sind die vielen Spielabsagen im vergangenen Herbst. In etlichen Fällen konnten Vereine aufgrund von Infektionen oder Quarantäne-Situationen keine spielfähige Mannschaft stellen. „Einige Akteure durften auch aufgrund der Verbote von Arbeitgebern nicht spielen“, erinnert sich Tiemann. Mit den Tests soll allen Beteiligten mehr Sicherheit gegeben werden.

Ob die Testungen tatsächlich eingeführt werden, entscheiden die Vereine schlussendlich selbst, wie Tiemann erläutert: „Sie müssen sich zu einem noch unbestimmten Zeitpunkt erklären. Denn von den Behörden ist es Stand heute nicht vorgeschrieben.“

Das Kostenargument, das einige Vereine in der jüngsten Videokonferenz des HVW am Mittwochabend äußerten, relativiert Tiemann: „Ein Test ist so teuer wie zwei Getränke nach dem Spiel. Das sollte es den Beteiligten wert sein, um unseren Kontaktsport sicher auszuüben.“

Falls sich die große Mehrheit der Vereine gegen verpflichtende Tests ausspricht, hat der Verband einen alternativen Plan parat: Man muss nicht testen. Wenn aber vor einem Spiel eine Mannschaft auf einer Testung besteht, dann muss der Gegner Schnelltests durchführen. Sonst findet das Spiel nicht statt. Die Kosten für die Schiedsrichter trüge wieder der Heimverein.

In einer möglichen Drittliga-Aufstiegsrunde der Oberligisten findet die Freiwilligkeit aber ein Ende. Der Grund ist einfach: In der vierten Liga sind etliche Akteure – vor allem im Männerbereich – schon Vertragsspieler. „Hier greift einfach die gesetzlich vorgeschriebene Fürsorgepflicht der Arbeitgeber“, begründet Tiemann.

Die Oberliga-Frauen von Lit Tribe 1912 sind als souveräner Spitzenreiter das einzige Team, das nach realistischer Einschätzung ein Kandidat für eine Aufstiegsrunde ist. Sie könnten also mit der Pflichttestung konfrontiert werden. Das würden sie in Kauf nehmen, sagt Lit-Geschäftsführer Christian Niemann: „Auf jeden Fall würden wir an einer Aufstiegsrunde teilnehmen. Auch, wenn es Kosten verursachen würde.“ Der Preis wäre jedenfalls geringer als der Weg über ein weiteres Jahr in der Oberliga.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Handball