Bekämpft, zermürbt, besiegt: Im Drittliga-Spitzenspiel fehlen den Lit-Frauen gegen die aggressive Ameisen-Abwehr am Ende die Kräfte Marcus Riechmann Hille. Es war alles bereitet: Rote Luftballons schmückten die Kulisse der erwartungsfrohen Fans, die Holzhauser Bürgerhalle war am Lit-Doppelspieltag mit den Top-Partien der Frauen und der Männer mit dem Corona-Maximum ausverkauft. Und auch die Gastgeberinnen trugen am Handball-Festtag zunächst ihren Anteil bei: Zum 8:1-Vorsprung überrollten sie mit großer Wucht die Gäste des TSV Hannover-Badenstedt. Doch am Ende lief die gute Stimmung leer. 25:26 (15:12) verlor das Team von Lit Tribe 1912 das Drittliga-Spitzenspiel und kassierten die zweite Niederlage der Saison. Ausgezehrt und frustriert sahen die Lit-Frauen den Gästen zu, die nach Abpfiff jubelnd im Kreis tanzten. „Das ist total ärgerlich“ kommentierte Benica Pross die Heimpleite. Die Kreisläuferin hatte mit ihrem Team alles gegeben, doch es hatte nicht gereicht: „Uns haben irgendwann die Kräfte gefehlt.“ Trainerin Andrea Leiding fand nach einem packenden Spiel trotz der Niederlage lobende Worte: „Ich bin stolz auf die Mannschaft. Sie hat um jeden Millimeter Hallenboden gekämpft. Die Zuschauer haben ein tolles Spiel gesehen.“ Prächtig kamen die Lit-Frauen ins Spiel. Sie überrannten die Gäste mit ihrer Angriffswucht. Beim 5:0 nach gerade mal sieben Spielminuten nahm Badenstedts Mindener Trainer Frank Käber eine erste Auszeit um seine konsternierten Spielerinnen kurz zu beruhigen. Doch zunächst änderte sich nichts: Der dynamische Lit-Rückraum wirbelte die extrem offensiv stehende Gästeabwehr durcheinander. Außen- und Halbspielerinnen hinterliefen die weit aufgerückte Deckung, die Pässe kamen an. Leonie Wöbking, Ann-Cathrin Kaatze und Co. sezierten die TSV-Abwehr und erhöhten auf 8:1 und 10:3 (15.). „Wir wollten die Zweikämpfe vermeiden. So lange wir uns an den Matchplan gehalten haben, hat es gepasst“, meinte Leiding. Wer erwartet hatte, Gästecoach Käber würde nun seine Defensive neu sortieren, durfte sich wundern. Denn er blieb der Attacke-Abwehr treu. „Das ist unsere Art zu decken“, erläuterte er. „Erst finden unsere Gegner noch Lösungen. Aber es ist sehr anstrengend, gegen uns zu spielen. Das kostet Körner und dann geht die Genauigkeit irgendwann verloren“, erläuterte er seinen Matchplan. Und der ging auf. Sein Team bekämpfte die Lit-Frauen an der Grenze das Erlaubten, zermürbte und besiegte sie.Zunächst half den Gästen aber etwas anderes: Nacheinander erhielten bei Lit Madeleine Benecke und Kaatze Zeitstrafen. Hannover verkürzte zum 8:11 und war wieder im Spiel. Die Lit-Ladies hingegen hatten die Leichtigkeit verloren. Mit überhasteten Würfen und ungenauen Pässen gaben sie Bälle verloren, als ihnen zwei Badenstedter Zeitstrafen beim 14:11 die Chance zu einem Zwischenspurt öffneten. „Das Überzahlspiel war heute nicht so, wie ich es sehen möchte“, sah Leiding hier eine schmerzhafte Schwäche. Mehr als das 15:11 nahm ihre Mannschaft nicht aus der ersten Halbzeit mit – zu wenig nach dem Prachtstart. Mit Beginn der zweiten Halbzeit verletzte sich die Rückraumlinke Denise Friebe am Fuß. Die bis dahin mit sechs Toren beste Schützin des TSV fiel aus, doch ein Nachteil für die Gäste erwuchs daraus nicht. Auch Lit musste alsbald auf eine wichtige Spielerin verzichten, als Benecke nach ihrer dritten Zeitstrafe Rot sah (38.). In dieser Phase wackelte die Führung bereits, nach dem 20:19 (45./Pross) war sie dann futsch: Die Gäste hatten dem Lit-Angriff mit der bissigen Abwehr längst den Schneid abgekauft. Unablässig mussten sich die Rückraumspielerinnen der aggressiven Attacken erwehren, immer standen ihnen Gegnerinnen auf den Füßen. „Es ist super anstrengend gegen diese Deckung zu spielen“, beschrieb Pross. Die Folge: Kraft und Genauigkeit ließen nach, das Zusammenspiel zerfaserte, Einzelaktionen waren gegen die emsige Ameisen-Abwehr fruchtlos. Erst gingen Übersicht und Bälle verloren, dann der Glaube. Nach dem 21:24 rafften sich die Gastgeberinnen noch einmal auf. Mit letzter Kraft und ein paar schönen Aktionen verkürzten Rahel Rodehau und Leonie Wöbking (zwei Tore) auf 23:24 und 24:25. Doch die Wende gelang nicht. Hannover ließ sich die Punkte nicht mehr nehmen. Lit Tribe 1912: Niemann, Fischer – Benecke 2, Pross 3, Knicker, Kelle, Zelle, Rahel Rodehau 3/1, Wöbking 8/2, Bolduan 1, Rhea Rodehau, J. Rodehau 3, Kaatze 5/1.

Bekämpft, zermürbt, besiegt: Im Drittliga-Spitzenspiel fehlen den Lit-Frauen gegen die aggressive Ameisen-Abwehr am Ende die Kräfte

Es ging zur Sache: Lit-Angreiferin Ann-Cathrin Kaatze wirft sich mit Wucht in die Badenstedter Abwehr, wie so oft muss sie sich gleich zweier Gegenspielerinnen erwehren. MT-Foto: Marcus Riechmann

Hille. Es war alles bereitet: Rote Luftballons schmückten die Kulisse der erwartungsfrohen Fans, die Holzhauser Bürgerhalle war am Lit-Doppelspieltag mit den Top-Partien der Frauen und der Männer mit dem Corona-Maximum ausverkauft. Und auch die Gastgeberinnen trugen am Handball-Festtag zunächst ihren Anteil bei: Zum 8:1-Vorsprung überrollten sie mit großer Wucht die Gäste des TSV Hannover-Badenstedt. Doch am Ende lief die gute Stimmung leer. 25:26 (15:12) verlor das Team von Lit Tribe 1912 das Drittliga-Spitzenspiel und kassierten die zweite Niederlage der Saison.

Ausgezehrt und frustriert sahen die Lit-Frauen den Gästen zu, die nach Abpfiff jubelnd im Kreis tanzten. „Das ist total ärgerlich“ kommentierte Benica Pross die Heimpleite. Die Kreisläuferin hatte mit ihrem Team alles gegeben, doch es hatte nicht gereicht: „Uns haben irgendwann die Kräfte gefehlt.“ Trainerin Andrea Leiding fand nach einem packenden Spiel trotz der Niederlage lobende Worte: „Ich bin stolz auf die Mannschaft. Sie hat um jeden Millimeter Hallenboden gekämpft. Die Zuschauer haben ein tolles Spiel gesehen.“

Umzingelt: Oft genug sah es so aus wie hier. Gleich vier Abwehrspielerinnen bedrängen Lit-Kreisläuferin Benica Pross. MT-Foto: Riechmann - © Marcus Riechmann
Umzingelt: Oft genug sah es so aus wie hier. Gleich vier Abwehrspielerinnen bedrängen Lit-Kreisläuferin Benica Pross. MT-Foto: Riechmann - © Marcus Riechmann

Prächtig kamen die Lit-Frauen ins Spiel. Sie überrannten die Gäste mit ihrer Angriffswucht. Beim 5:0 nach gerade mal sieben Spielminuten nahm Badenstedts Mindener Trainer Frank Käber eine erste Auszeit um seine konsternierten Spielerinnen kurz zu beruhigen. Doch zunächst änderte sich nichts: Der dynamische Lit-Rückraum wirbelte die extrem offensiv stehende Gästeabwehr durcheinander. Außen- und Halbspielerinnen hinterliefen die weit aufgerückte Deckung, die Pässe kamen an. Leonie Wöbking, Ann-Cathrin Kaatze und Co. sezierten die TSV-Abwehr und erhöhten auf 8:1 und 10:3 (15.). „Wir wollten die Zweikämpfe vermeiden. So lange wir uns an den Matchplan gehalten haben, hat es gepasst“, meinte Leiding.

Zermürbt und besiegt: Die Lit-Frauen müssen sich nach dem Abpfiff mit der zweiten Saisonniederlage abfinden. MT-Foto: Riechmann - © Marcus Riechmann
Zermürbt und besiegt: Die Lit-Frauen müssen sich nach dem Abpfiff mit der zweiten Saisonniederlage abfinden. MT-Foto: Riechmann - © Marcus Riechmann

Wer erwartet hatte, Gästecoach Käber würde nun seine Defensive neu sortieren, durfte sich wundern. Denn er blieb der Attacke-Abwehr treu. „Das ist unsere Art zu decken“, erläuterte er. „Erst finden unsere Gegner noch Lösungen. Aber es ist sehr anstrengend, gegen uns zu spielen. Das kostet Körner und dann geht die Genauigkeit irgendwann verloren“, erläuterte er seinen Matchplan. Und der ging auf. Sein Team bekämpfte die Lit-Frauen an der Grenze das Erlaubten, zermürbte und besiegte sie.

Zunächst half den Gästen aber etwas anderes: Nacheinander erhielten bei Lit Madeleine Benecke und Kaatze Zeitstrafen. Hannover verkürzte zum 8:11 und war wieder im Spiel. Die Lit-Ladies hingegen hatten die Leichtigkeit verloren. Mit überhasteten Würfen und ungenauen Pässen gaben sie Bälle verloren, als ihnen zwei Badenstedter Zeitstrafen beim 14:11 die Chance zu einem Zwischenspurt öffneten. „Das Überzahlspiel war heute nicht so, wie ich es sehen möchte“, sah Leiding hier eine schmerzhafte Schwäche. Mehr als das 15:11 nahm ihre Mannschaft nicht aus der ersten Halbzeit mit – zu wenig nach dem Prachtstart.

Schön freigespielt: Madeleine Benecke kommt zum Wurf und erzielt das 16:13. Es war ihr letzter Treffer, danach sah sie die dritte Zeitstrafe und damit die Rote Karte. MT-Foto: Riechmann - © Marcus Riechmann
Schön freigespielt: Madeleine Benecke kommt zum Wurf und erzielt das 16:13. Es war ihr letzter Treffer, danach sah sie die dritte Zeitstrafe und damit die Rote Karte. MT-Foto: Riechmann - © Marcus Riechmann

Mit Beginn der zweiten Halbzeit verletzte sich die Rückraumlinke Denise Friebe am Fuß. Die bis dahin mit sechs Toren beste Schützin des TSV fiel aus, doch ein Nachteil für die Gäste erwuchs daraus nicht. Auch Lit musste alsbald auf eine wichtige Spielerin verzichten, als Benecke nach ihrer dritten Zeitstrafe Rot sah (38.).

In dieser Phase wackelte die Führung bereits, nach dem 20:19 (45./Pross) war sie dann futsch: Die Gäste hatten dem Lit-Angriff mit der bissigen Abwehr längst den Schneid abgekauft. Unablässig mussten sich die Rückraumspielerinnen der aggressiven Attacken erwehren, immer standen ihnen Gegnerinnen auf den Füßen. „Es ist super anstrengend gegen diese Deckung zu spielen“, beschrieb Pross. Die Folge: Kraft und Genauigkeit ließen nach, das Zusammenspiel zerfaserte, Einzelaktionen waren gegen die emsige Ameisen-Abwehr fruchtlos. Erst gingen Übersicht und Bälle verloren, dann der Glaube.

Nach dem 21:24 rafften sich die Gastgeberinnen noch einmal auf. Mit letzter Kraft und ein paar schönen Aktionen verkürzten Rahel Rodehau und Leonie Wöbking (zwei Tore) auf 23:24 und 24:25. Doch die Wende gelang nicht. Hannover ließ sich die Punkte nicht mehr nehmen.

Lit Tribe 1912: Niemann, Fischer – Benecke 2, Pross 3, Knicker, Kelle, Zelle, Rahel Rodehau 3/1, Wöbking 8/2, Bolduan 1, Rhea Rodehau, J. Rodehau 3, Kaatze 5/1.

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