Baustellen für Budde: Der stellvertretende Kreisvorsitzende sieht nach dem Saisonabbruch „viele Fragezeichen“ Marcus Riechmann Minden. In einer entscheidenden Frage herrscht nun Gewissheit: Die Saison im Handballkreis Minden-Lübbecke ist beendet. Denn der heimische Kreisverband schließt sich dem Corona-Beschluss des Handballverbandes Westfalen HVW umfänglich an. Der lautet: Saisonabbruch, Wertung nach der Quotienten-Regelung, Wildcards für weitere Aufstiegsmöglichkeiten und keine Absteiger. Der Kreisvorsitzende Reinhold Kölling betonte die gute Zusammenarbeit des Verbandspräsidiums und der Kreisvorsitzenden innerhalb des Erweiterten Präsidiums des HVW, die „in dieser bisher nie dagewesenen Situation harmonisch und zielorientiert war.“ Kreischef Kölling erklärte: „Die gefundenen Kompromisse wurden im Sinne unseres Handballsports getroffen und wir schließen uns dieser verbandsweiten Vorgehensweise auch für den Handballkreis Minden-Lübbecke an.“ Damit kann auch sein Stellvertreter Wolfgang Budde hinter einer seiner Aufgaben einen Haken setzen. Doch während für die Handballer nun die Zeit der Ungewissheit beendet ist und die offenen Fragen beantwortet sind, geht für den Leiter der Technischen Kommission die Arbeit erst richtig los. Er wird in den kommenden Tage die Abschlusstabellen erstellen und auf der Homepage des Handballkreises sowie im Portal Handball4all veröffentlichen. Dann geht die Planung für die kommenden Saison los. Mit den Abschlusstabellen ist nicht viel mehr als eine grobe Basis für die Planung der nächsten Spielzeit gelegt. Denn die durch die Wildcard-Regelung erweiterten Aufstiegsmöglichkeiten müssen von den Vereinen erst bestätigt werden. Das dauert: Erst bis zum 20. Mai müssen sich die Klubs äußern. Warum es durchaus schwierig ist, auch einen „geschenkten“ Aufstieg oder Klassenerhalt anzunehmen, verdeutlicht Dieter Löffelmann. Der Abteilungsleiter beim TuS Eintracht Oberlübbe, der den Klassenerhalt der Verbandsliga-Frauen und den Aufstieg der Landesliga-Männer erfreut zur Kenntnis nahm, betont diesen Aspekt: Jetzt werden die Ligen durch den vermehrten Aufstieg aufgebläht, in den kommenden zwei Jahren sollen sie aber mit einem verstärkten Abstieg wieder reduziert werden. „Es gibt nächste Saison womöglich drei oder vier Absteiger. Da muss man abwägen, ob der Klassenerhalt möglich ist oder ob man nur Kanonenfutter wäre und die Mannschaft dann auseinanderbricht“, sagte Löffelmann. Daher gelte: „Wir haben Zeit bis zum 20. Mai und sollten nichts übers Knie brechen. Alle Vereine betreten in dieser unklaren Situation Neuland und müssen sich sortieren. „Bislang fehlen mir die Rückmeldungen, wer sein Aufstiegsrecht auch wahrnimmt. Deshalb liegt vieles im Dunkeln“, sagt Budde im MT-Gespräch. Allein in der Frauen-Bezirksliga können bis zu vier Teams aufsteigen. Neben dem neuen Meister Lit Tribe Germania II, der den Titelgewinn über seine WhatsApp-Gruppe feierte, haben auch SG Häver-Lübbecke, TV Hille und HSV Minden-Nord III ein Aufstiegsrecht zur Landesliga erworben. Sollten alle vier Teams davon Gebrauch machen, verbleiben nur noch acht Mannschaften in der höchsten Liga des Mühlenkreises, die dann entsprechend aus der 1. Kreisliga mit dem Meister HSG Porta an der Spitze aufzufüllen wäre. Dort spielen zehn Teams, in der untersten Frauenklasse, der 2. Kreisliga, sind derzeit elf Vereine gemeldet. Gehen also maximal vier Mannschaften hoch, steht Budde vor dem Dilemma: 17 Vereine sind für zwei Ligen eigentlich zuwenig, für eine aber zuviel. Konkreter ist Budde bereits bei den Männern. In der Bezirksliga hat die HSG EURo die Rückkehr in die Landesliga geschafft, Lit Tribe Germania III erhält eine Wildcard. Hier muss die bereits zuvor auf 13 Teams geschrumpfte Liga ebenfalls aus dem Unterbau aufgefüllt werden. Weil aber in 1. und 2. Kreisliga und der bereits in dieser Saison nur noch aus acht Teams bestehenden 1. Kreisklasse immer mehr Mannschaften herausfallen steht eine Neugliederung bevor. „Wahrscheinlich werden wir hier nur noch in drei Ligen spielen“, kündigte Budde die Streichung der 2. Kreisliga an. Doch auch, wenn er am 20. Mai alle Meldungen beisammen hat, ist die Planung der neuen Spielzeit nur schwer möglich. „Wer weiß schon, wann die Kommunen die Sporthallen wieder öffnen? Vielleicht Ende August?“, vermutet Budde und stellt fest: „Nach Wiederöffnung der Hallen brauchen die Mannschaften ja auch eine Vorbereitung. Die können ja nicht einfach mit dem Spielbetrieb anfangen.“ Daher muss – nicht nur auf Kreisebene – in den vergrößerten Staffeln auch eine alternative Saisonplanung erstellt werden, die von der klassischen Variante mit Hin- und Rückspielen abweicht. Heikel wird es auch im Jugendbereich. „Hier müssten jetzt eigentlich die Qualifikationsrunden für die neue Saison laufen“, sagt Budde. Die könnte man aber frühestens nach den Sommerferien anlaufen lassen. Wenn überhaupt. „Wie wird das lösen werden ist völlig offen“, sagt Budde und zuckt verbal mit den Schultern: „Es gibt viele Fragezeichen.“ Nur eines ist verschwunden: Die Saison 2019/2020 ist beendet. Reaktionen der Handball-Szene: Video-Prosit in Petershagen/Lahde, Hahler Trikots fliegen in die Ecke Bei der Radtour, beim Nachmittagskaffee oder beim Spaziergang: Am Sonntag erreichte nach der Entscheidung des westfälischen Verbandes die Kunde von Aufstieg, Meisterschaft oder Klassenerhalt die heimischen Handballteams auf ungewöhnliche Art. Virtuell auf Videoplattformen wie Zoom oder in WhatsApp-Gruppen feierten die Mannschaften und verbanden die Freude über den Erfolg zumeist mit Glückwünschen an Mitaufsteiger. „Wir steigen in die Oberliga auf!“, frohlockten die Verbandsliga-Handballerinnen der HSG Petershagen/Lahde auf Facebook über den „Corona-Aufstieg“, sprachen zugleich vom „traurigsten aber zugleich einprägsamsten Aufstieg aller Zeiten“. Die Mannschaft traf sich im Zoom-Meeting im Netz und kündigte an: „Die derzeitige Situation lässt zum jetzigen Zeitpunkt keine fette Aufstiegsparty zu aber #aufgeschobenistnichtaufgehoben.“ Als der sportlich nur schwer zu erreichende Klassenerhalt nach der Verbandsentscheidung feststand, schrieben die Oberligafrauen des TSV Hahlen erleichtert: „Jetzt fliegen die Trikots erst mal in die Ecke.... Wir freuen uns über eine weitere Spielzeit in der Oberliga und hoffen, dass wir uns dann alle im Hahler Feld wiedersehen!“ Ob es in der Oberliga nun zur einmaligen Situation mit fünf Mühlenkreisteams kommen wird, erscheint angesichts des Postings der Frauen der HSG EURo fraglich. „Jeder hat es geahnt, aber die Gewissheit stimmt trotzdem traurig“, schrieben die HSG-Frauen über den Saisonabbruch. Sie gratulierten den Männern des Vereins zur Bezirksliga-Meisterschaft und blickten in eine angesichts zahlreicher das Team verlassender Spielerinnen ungewisse Zukunft: „Jetzt werden wir erstmal schauen wie es weitergeht und was kommt. Was wir uns aber nicht nehmen wollen: Ein letztes Mal zusammen. Wie und Wann? Das steht leider in den Sternen.“ Bis zum 20. Mai haben die Teams Zeit, sich über die Auf- und Abstiegsoptionen zu beraten. Beim TV Hille, dessen Männern der kaum noch erhoffte Klassenerhalt in der Landesliga gelang, sagte Trainer Henning Di Meo: „Wenn es nach mir ginge, gibt es keine Zweifel, dass wir diese Chance annehmen sollten. Aber ich kann das nicht alleine entscheiden. Wir haben jetzt aber Klarheit und können in die Planungen gehen.“

Baustellen für Budde: Der stellvertretende Kreisvorsitzende sieht nach dem Saisonabbruch „viele Fragezeichen“

So sieht ein Meisterfoto in Corona-Zeiten aus: Virtuell trafen sich Spielerinnen und Trainerteam der HSG Petershagen/Lahde am Sonntag, um irgendwie gemeinsam auf den Aufstieg anzustoßen. © Foto: pr

Minden. In einer entscheidenden Frage herrscht nun Gewissheit: Die Saison im Handballkreis Minden-Lübbecke ist beendet. Denn der heimische Kreisverband schließt sich dem Corona-Beschluss des Handballverbandes Westfalen HVW umfänglich an. Der lautet: Saisonabbruch, Wertung nach der Quotienten-Regelung, Wildcards für weitere Aufstiegsmöglichkeiten und keine Absteiger.

Der Kreisvorsitzende Reinhold Kölling betonte die gute Zusammenarbeit des Verbandspräsidiums und der Kreisvorsitzenden innerhalb des Erweiterten Präsidiums des HVW, die „in dieser bisher nie dagewesenen Situation harmonisch und zielorientiert war.“ Kreischef Kölling erklärte: „Die gefundenen Kompromisse wurden im Sinne unseres Handballsports getroffen und wir schließen uns dieser verbandsweiten Vorgehensweise auch für den Handballkreis Minden-Lübbecke an.“

Damit kann auch sein Stellvertreter Wolfgang Budde hinter einer seiner Aufgaben einen Haken setzen. Doch während für die Handballer nun die Zeit der Ungewissheit beendet ist und die offenen Fragen beantwortet sind, geht für den Leiter der Technischen Kommission die Arbeit erst richtig los. Er wird in den kommenden Tage die Abschlusstabellen erstellen und auf der Homepage des Handballkreises sowie im Portal Handball4all veröffentlichen. Dann geht die Planung für die kommenden Saison los.

Mit den Abschlusstabellen ist nicht viel mehr als eine grobe Basis für die Planung der nächsten Spielzeit gelegt. Denn die durch die Wildcard-Regelung erweiterten Aufstiegsmöglichkeiten müssen von den Vereinen erst bestätigt werden. Das dauert: Erst bis zum 20. Mai müssen sich die Klubs äußern.

Warum es durchaus schwierig ist, auch einen „geschenkten“ Aufstieg oder Klassenerhalt anzunehmen, verdeutlicht Dieter Löffelmann. Der Abteilungsleiter beim TuS Eintracht Oberlübbe, der den Klassenerhalt der Verbandsliga-Frauen und den Aufstieg der Landesliga-Männer erfreut zur Kenntnis nahm, betont diesen Aspekt: Jetzt werden die Ligen durch den vermehrten Aufstieg aufgebläht, in den kommenden zwei Jahren sollen sie aber mit einem verstärkten Abstieg wieder reduziert werden. „Es gibt nächste Saison womöglich drei oder vier Absteiger. Da muss man abwägen, ob der Klassenerhalt möglich ist oder ob man nur Kanonenfutter wäre und die Mannschaft dann auseinanderbricht“, sagte Löffelmann. Daher gelte: „Wir haben Zeit bis zum 20. Mai und sollten nichts übers Knie brechen. Alle Vereine betreten in dieser unklaren Situation Neuland und müssen sich sortieren.

„Bislang fehlen mir die Rückmeldungen, wer sein Aufstiegsrecht auch wahrnimmt. Deshalb liegt vieles im Dunkeln“, sagt Budde im MT-Gespräch. Allein in der Frauen-Bezirksliga können bis zu vier Teams aufsteigen. Neben dem neuen Meister Lit Tribe Germania II, der den Titelgewinn über seine WhatsApp-Gruppe feierte, haben auch SG Häver-Lübbecke, TV Hille und HSV Minden-Nord III ein Aufstiegsrecht zur Landesliga erworben. Sollten alle vier Teams davon Gebrauch machen, verbleiben nur noch acht Mannschaften in der höchsten Liga des Mühlenkreises, die dann entsprechend aus der 1. Kreisliga mit dem Meister HSG Porta an der Spitze aufzufüllen wäre. Dort spielen zehn Teams, in der untersten Frauenklasse, der 2. Kreisliga, sind derzeit elf Vereine gemeldet. Gehen also maximal vier Mannschaften hoch, steht Budde vor dem Dilemma: 17 Vereine sind für zwei Ligen eigentlich zuwenig, für eine aber zuviel.

Konkreter ist Budde bereits bei den Männern. In der Bezirksliga hat die HSG EURo die Rückkehr in die Landesliga geschafft, Lit Tribe Germania III erhält eine Wildcard. Hier muss die bereits zuvor auf 13 Teams geschrumpfte Liga ebenfalls aus dem Unterbau aufgefüllt werden. Weil aber in 1. und 2. Kreisliga und der bereits in dieser Saison nur noch aus acht Teams bestehenden 1. Kreisklasse immer mehr Mannschaften herausfallen steht eine Neugliederung bevor. „Wahrscheinlich werden wir hier nur noch in drei Ligen spielen“, kündigte Budde die Streichung der 2. Kreisliga an.

Doch auch, wenn er am 20. Mai alle Meldungen beisammen hat, ist die Planung der neuen Spielzeit nur schwer möglich. „Wer weiß schon, wann die Kommunen die Sporthallen wieder öffnen? Vielleicht Ende August?“, vermutet Budde und stellt fest: „Nach Wiederöffnung der Hallen brauchen die Mannschaften ja auch eine Vorbereitung. Die können ja nicht einfach mit dem Spielbetrieb anfangen.“ Daher muss – nicht nur auf Kreisebene – in den vergrößerten Staffeln auch eine alternative Saisonplanung erstellt werden, die von der klassischen Variante mit Hin- und Rückspielen abweicht.

Heikel wird es auch im Jugendbereich. „Hier müssten jetzt eigentlich die Qualifikationsrunden für die neue Saison laufen“, sagt Budde. Die könnte man aber frühestens nach den Sommerferien anlaufen lassen. Wenn überhaupt. „Wie wird das lösen werden ist völlig offen“, sagt Budde und zuckt verbal mit den Schultern: „Es gibt viele Fragezeichen.“ Nur eines ist verschwunden: Die Saison 2019/2020 ist beendet.

Reaktionen der Handball-Szene: Video-Prosit in Petershagen/Lahde, Hahler Trikots fliegen in die Ecke

Bei der Radtour, beim Nachmittagskaffee oder beim Spaziergang: Am Sonntag erreichte nach der Entscheidung des westfälischen Verbandes die Kunde von Aufstieg, Meisterschaft oder Klassenerhalt die heimischen Handballteams auf ungewöhnliche Art. Virtuell auf Videoplattformen wie Zoom oder in WhatsApp-Gruppen feierten die Mannschaften und verbanden die Freude über den Erfolg zumeist mit Glückwünschen an Mitaufsteiger.

„Wir steigen in die Oberliga auf!“, frohlockten die Verbandsliga-Handballerinnen der HSG Petershagen/Lahde auf Facebook über den „Corona-Aufstieg“, sprachen zugleich vom „traurigsten aber zugleich einprägsamsten Aufstieg aller Zeiten“. Die Mannschaft traf sich im Zoom-Meeting im Netz und kündigte an: „Die derzeitige Situation lässt zum jetzigen Zeitpunkt keine fette Aufstiegsparty zu aber #aufgeschobenistnichtaufgehoben.“

Als der sportlich nur schwer zu erreichende Klassenerhalt nach der Verbandsentscheidung feststand, schrieben die Oberligafrauen des TSV Hahlen erleichtert: „Jetzt fliegen die Trikots erst mal in die Ecke.... Wir freuen uns über eine weitere Spielzeit in der Oberliga und hoffen, dass wir uns dann alle im Hahler Feld wiedersehen!“

Ob es in der Oberliga nun zur einmaligen Situation mit fünf Mühlenkreisteams kommen wird, erscheint angesichts des Postings der Frauen der HSG EURo fraglich. „Jeder hat es geahnt, aber die Gewissheit stimmt trotzdem traurig“, schrieben die HSG-Frauen über den Saisonabbruch. Sie gratulierten den Männern des Vereins zur Bezirksliga-Meisterschaft und blickten in eine angesichts zahlreicher das Team verlassender Spielerinnen ungewisse Zukunft: „Jetzt werden wir erstmal schauen wie es weitergeht und was kommt. Was wir uns aber nicht nehmen wollen: Ein letztes Mal zusammen. Wie und Wann? Das steht leider in den Sternen.“

Bis zum 20. Mai haben die Teams Zeit, sich über die Auf- und Abstiegsoptionen zu beraten. Beim TV Hille, dessen Männern der kaum noch erhoffte Klassenerhalt in der Landesliga gelang, sagte Trainer Henning Di Meo: „Wenn es nach mir ginge, gibt es keine Zweifel, dass wir diese Chance annehmen sollten. Aber ich kann das nicht alleine entscheiden. Wir haben jetzt aber Klarheit und können in die Planungen gehen.“

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