Autofahrt mit Folgen: Wie im März sitzt DHB-Physiotherapeut Dennis Finke erneut im Hausarrest Marcus Riechmann Minden. Nicht nur die Bundesliga-Handballer von GWD Minden hängen derzeit in den eigenen vier Wänden fest. Auch Dennis Finke hat Stubenarrest. Wie die GWD-Profis hatte auch der langjährige Physiotherapeut der deutschen Handball-Nationalmannschaft Kontakt zu Juri Knorr und wurde unter Quarantäne gestellt. „Ich bin mit Juri zusammen aus Köln nach Hause gefahren“, berichtet Finke vom Ende der folgenreichen Länderspielwoche der Nationalmannschaft. Nach der Rückkehr des Teams vom EM-Qualifikationsspiel in Estland hatten sich Finke und Knorr am Sonntagabend gemeinsam vom Flughafen Köln-Bonn aus im Auto auf den Heimweg nach Minden gemacht. So wie einige andere Fahrgemeinschaften der Nationalspieler, wie die süddeutsche Tour mit Jogi Bitter und den beiden Göppingern Sebastian Heymann und Marcel Schiller, hatte auch diese Folgen: Als sich bei GWD-Spielmacher Knorr die Infektion mit Covid-19 bestätigte, bedeutete das für Finke: Quarantäne. Die Nachricht erreichte ihn am Donnerstag in den frühen Morgenstunden. „Juri hat mir gegen sieben Uhr eine WhatsApp geschickt und mir mitgeteilt, dass er positiv getestet wurde“, berichtet Finke. Daraufhin nahm er geistesgegenwärtig sofort Kontakt zum Gesundheitsamt auf: „Eigentlich wollte ich ja am Donnerstag mit dem TuS N-Lübbecke nach Konstanz fahren. Da konnte ich nicht warten, bis sich das Amt bei mir meldet“, erzählt Finke, der auch den Zweitligisten als Mann mit den heilenden Händen betreut, „da hängt ja eine Menge dran.“ Die Antwort aus dem Gesundheitsamt war jedenfalls eindeutig: Infolge der mehrstündigen Autofahrt wurde er als Kontaktperson ersten Grades eingestuft und sofort für 14 Tage unter Quarantäne gestellt, rückwirkend beginnend mit dem Tag der Rückfahrt aus Köln. Der 43-Jährige ist damit Leidtragender der Corona-Eskalation in der Nationalmannschaft. Nach den bestätigten Infektionen von Johannes Bitter und Marian Michalczik, der Zimmergenossen Juri Knorr und Finn Lemke sowie weiteren Krankheitsfällen der Liga sitzen mit den Füchsen Berlin, MT Melsungen und GWD Minden derzeit drei komplette Teams in Quarantäne. Bereits 13 Bundesligaspiele mussten wegen Corona verschoben werden. Auch für Finke hat die Zwangs-Auszeit Folgen: der selbstständige Physiotherapeut kann seiner Arbeit nicht nachgehen. „Ich darf nicht mal mit dem Hund spazieren gehen“, erzählt Finke. Das müssen Frau und Kinder übernehmen. Mit der Familie darf er zusammen wohnen. „Solange ich nicht positiv getestet bin, ist das erlaubt“, sagt er, „ich muss mich nicht im Zimmer einschließen, aber man soll natürlich Abstand zueinander halten.“ Er nimmt die Situation an, ändern kann er sie eh nicht: „Das machen meine Mitarbeiter“, sieht er seine Praxis in guten Händen. Finke ist nicht der Typ, der lange hadert. „Ich bin halt zu Hause“, sagt er und ist hinsichtlich der weiteren sieben Tage in häuslicher Isolation guter Dinge: Denn nach drei vorherigen Testungen brachte auch der frische Corona-Test am Samstag das ersehnte Ergebnis: Negativ. Damit scheint knapp eine Woche nach der Autofahrt mit Knorr die Gefahr einer Infektion gebannt. Seit 2011 ist der erfahrene Physiotherapeut für die Nationalmannschaft im Einsatz, damals wurde das Betreuer-Team aufgestockt und er berufen. Heute gehören vier Physiotherapeuten zum medizinischen Team, die im Wechsel die Nationalspieler betreuen: Immer zwei sind dabei, wenn die Mannschaft zu Spielen und Lehrgängen zusammenkommt. Bei der zurückliegenden Woche mit den Spielen gegen Bosnien-Herzegowina in Düsseldorf und dann gegen Estland in Tallinn war Finke dabei. Die später publik gewordenen Hygienedefizite bei der Nationalmannschaft (das MT berichtete) sind ihm nicht aufgefallen. Im Gegenteil: „Wir wurden regelmäßig getestet, es wurde darauf geachtet, dass die Regeln eingehalten werden. Das war eigentlich alles top. Wir haben uns sicher gefühlt. “ Die Infektionen einiger Nationalspieler seien daher „unerklärlich.“ Finke wundert sich: „Ausgerechnet Jogi Bitter war der erste mit Corona. Dabei hat der als Torwart im Spiel ja den geringsten Kontakt zum Gegner.“ Für Finke ist es nicht die erste Corona-Quarantäne. Bereits im März war er betroffen, auch damals als enge Kontaktperson bei der Nationalmannschaft. Seinerzeit, beim ersten Lehrgang Knorrs, hatte er den später positiv getesteten Kreisläufer Janik Kohlbacher behandelt – ohne den heute vorgeschriebenen Schutz. Die Folge: Vorsorgliche Quarantäne. „Im Frühjahr war das etwas besser, da gab es im Garten eine Menge zu tun“, erinnert sich Finke. Dank des Handballs kommt er viel rum: Er begleitet die Nationalmannschaft zu Länderspielen und internationalen Turnieren, er betreut den Zweitligisten TuS N-Lübbecke bei Heim- und Auswärtsspielen. Er kennt die Sporthallen dieser Welt. Jetzt sorgt der Handball eben für ein Pause. Seinen Humor hat er sich erhalten. Wenn die Weltmeisterschaft im Januar in Ägypten stattfinden sollte, will er gerne mit der Nationalmannschaft dabei sein: „Aber dann ist klar: Da plane ich gleich 14 Tage Urlaub für die Zeit danach ein.“ ZUM THEMA: Auch Füchse stehen unter Quarantäne Absagen prägten den Spieltag der Handball-Bundesliga. Wegen eines Corona-Falls beim Berliner Linksaußen Milos Vujovic wurde auch die Partie zwischen den Füchsen und der SG Flensburg-Handewitt am Samstag kurzfristig abgesagt. Das Team der Füchse wurde wie zuvor GWD Minden und MT Melsungen unter Quarantäne gestellt. Der THW Kiel hält derweil Anschluss an den Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen. Kiel setzte sich beim Bergischen HC, dessen Spiel bei GWD am Donnerstag ausgefallen war, mit 32:27 durch.

Autofahrt mit Folgen: Wie im März sitzt DHB-Physiotherapeut Dennis Finke erneut im Hausarrest

Bei der Arbeit: Dennis Finke taped Juri Knorr den Daumen. Das Bild entstammt dem Lehrgang der Nationalmannschaft im März unmittelbar vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Heute gehört das Tragen eines Mundschutzes für Finke und den Spieler bei jeder Behandlung dazu. Foto: Sascha Klahn © Sascha Klahn

Minden. Nicht nur die Bundesliga-Handballer von GWD Minden hängen derzeit in den eigenen vier Wänden fest. Auch Dennis Finke hat Stubenarrest. Wie die GWD-Profis hatte auch der langjährige Physiotherapeut der deutschen Handball-Nationalmannschaft Kontakt zu Juri Knorr und wurde unter Quarantäne gestellt.

„Ich bin mit Juri zusammen aus Köln nach Hause gefahren“, berichtet Finke vom Ende der folgenreichen Länderspielwoche der Nationalmannschaft. Nach der Rückkehr des Teams vom EM-Qualifikationsspiel in Estland hatten sich Finke und Knorr am Sonntagabend gemeinsam vom Flughafen Köln-Bonn aus im Auto auf den Heimweg nach Minden gemacht. So wie einige andere Fahrgemeinschaften der Nationalspieler, wie die süddeutsche Tour mit Jogi Bitter und den beiden Göppingern Sebastian Heymann und Marcel Schiller, hatte auch diese Folgen: Als sich bei GWD-Spielmacher Knorr die Infektion mit Covid-19 bestätigte, bedeutete das für Finke: Quarantäne.

Die Nachricht erreichte ihn am Donnerstag in den frühen Morgenstunden. „Juri hat mir gegen sieben Uhr eine WhatsApp geschickt und mir mitgeteilt, dass er positiv getestet wurde“, berichtet Finke. Daraufhin nahm er geistesgegenwärtig sofort Kontakt zum Gesundheitsamt auf: „Eigentlich wollte ich ja am Donnerstag mit dem TuS N-Lübbecke nach Konstanz fahren. Da konnte ich nicht warten, bis sich das Amt bei mir meldet“, erzählt Finke, der auch den Zweitligisten als Mann mit den heilenden Händen betreut, „da hängt ja eine Menge dran.“ Die Antwort aus dem Gesundheitsamt war jedenfalls eindeutig: Infolge der mehrstündigen Autofahrt wurde er als Kontaktperson ersten Grades eingestuft und sofort für 14 Tage unter Quarantäne gestellt, rückwirkend beginnend mit dem Tag der Rückfahrt aus Köln.

Der 43-Jährige ist damit Leidtragender der Corona-Eskalation in der Nationalmannschaft. Nach den bestätigten Infektionen von Johannes Bitter und Marian Michalczik, der Zimmergenossen Juri Knorr und Finn Lemke sowie weiteren Krankheitsfällen der Liga sitzen mit den Füchsen Berlin, MT Melsungen und GWD Minden derzeit drei komplette Teams in Quarantäne. Bereits 13 Bundesligaspiele mussten wegen Corona verschoben werden. Auch für Finke hat die Zwangs-Auszeit Folgen: der selbstständige Physiotherapeut kann seiner Arbeit nicht nachgehen.

„Ich darf nicht mal mit dem Hund spazieren gehen“, erzählt Finke. Das müssen Frau und Kinder übernehmen. Mit der Familie darf er zusammen wohnen. „Solange ich nicht positiv getestet bin, ist das erlaubt“, sagt er, „ich muss mich nicht im Zimmer einschließen, aber man soll natürlich Abstand zueinander halten.“ Er nimmt die Situation an, ändern kann er sie eh nicht: „Das machen meine Mitarbeiter“, sieht er seine Praxis in guten Händen. Finke ist nicht der Typ, der lange hadert. „Ich bin halt zu Hause“, sagt er und ist hinsichtlich der weiteren sieben Tage in häuslicher Isolation guter Dinge: Denn nach drei vorherigen Testungen brachte auch der frische Corona-Test am Samstag das ersehnte Ergebnis: Negativ. Damit scheint knapp eine Woche nach der Autofahrt mit Knorr die Gefahr einer Infektion gebannt.

Seit 2011 ist der erfahrene Physiotherapeut für die Nationalmannschaft im Einsatz, damals wurde das Betreuer-Team aufgestockt und er berufen. Heute gehören vier Physiotherapeuten zum medizinischen Team, die im Wechsel die Nationalspieler betreuen: Immer zwei sind dabei, wenn die Mannschaft zu Spielen und Lehrgängen zusammenkommt. Bei der zurückliegenden Woche mit den Spielen gegen Bosnien-Herzegowina in Düsseldorf und dann gegen Estland in Tallinn war Finke dabei. Die später publik gewordenen Hygienedefizite bei der Nationalmannschaft (das MT berichtete) sind ihm nicht aufgefallen. Im Gegenteil: „Wir wurden regelmäßig getestet, es wurde darauf geachtet, dass die Regeln eingehalten werden. Das war eigentlich alles top. Wir haben uns sicher gefühlt. “ Die Infektionen einiger Nationalspieler seien daher „unerklärlich.“ Finke wundert sich: „Ausgerechnet Jogi Bitter war der erste mit Corona. Dabei hat der als Torwart im Spiel ja den geringsten Kontakt zum Gegner.“

Für Finke ist es nicht die erste Corona-Quarantäne. Bereits im März war er betroffen, auch damals als enge Kontaktperson bei der Nationalmannschaft. Seinerzeit, beim ersten Lehrgang Knorrs, hatte er den später positiv getesteten Kreisläufer Janik Kohlbacher behandelt – ohne den heute vorgeschriebenen Schutz. Die Folge: Vorsorgliche Quarantäne. „Im Frühjahr war das etwas besser, da gab es im Garten eine Menge zu tun“, erinnert sich Finke.

Dank des Handballs kommt er viel rum: Er begleitet die Nationalmannschaft zu Länderspielen und internationalen Turnieren, er betreut den Zweitligisten TuS N-Lübbecke bei Heim- und Auswärtsspielen. Er kennt die Sporthallen dieser Welt. Jetzt sorgt der Handball eben für ein Pause.

Seinen Humor hat er sich erhalten. Wenn die Weltmeisterschaft im Januar in Ägypten stattfinden sollte, will er gerne mit der Nationalmannschaft dabei sein: „Aber dann ist klar: Da plane ich gleich 14 Tage Urlaub für die Zeit danach ein.“

ZUM THEMA: Auch Füchse stehen unter Quarantäne

Absagen prägten den Spieltag der Handball-Bundesliga. Wegen eines Corona-Falls beim Berliner Linksaußen Milos Vujovic wurde auch die Partie zwischen den Füchsen und der SG Flensburg-Handewitt am Samstag kurzfristig abgesagt. Das Team der Füchse wurde wie zuvor GWD Minden und MT Melsungen unter Quarantäne gestellt. Der THW Kiel hält derweil Anschluss an den Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen. Kiel setzte sich beim Bergischen HC, dessen Spiel bei GWD am Donnerstag ausgefallen war, mit 32:27 durch.

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