Aufsteiger im Wartestand: Die HSG Petershagen/Lahde bestritt bislang nur ein Spiel Christian Benidg Petershagen. An den Feiertagen zum Jahresende ist Zeit, um durchzuatmen und um Bilanz zu ziehen. Auf den ersten Blick ist Heiko Breuer, Trainer der Oberliga-Handballerinnen der HSG Petershagen/Lahde, mit seinem Resümee 2020 zügig durch. Schließlich bestritt der Aufsteiger seit dem 7. März lediglich ein einziges Meisterschaftsspiel. Der Ausspruch „alles Käse“ kommt ihm dabei nicht über die Lippen. Doch es schimmert durch, dass die zurückliegenden Monate für Breuer und seine Mannschaft unbefriedigend waren. Und dass, obwohl am 19. April der größte Erfolg der noch jungen Vereinsgeschichte der Spielgemeinschaft des TuS Lahde/Quetzen und des SC Petershagen gefeiert werden durfte. Durch den an jenem Tag vom Handballverband Westfalen offiziell verkündeten Abbruch der Saison 2019/20 wurde das Breuer-Team als Tabellenführer zum Verbandsliga-Meister und gleichzeitig zum Oberliga-Aufsteiger erklärt. Letztmalig spielte Anfang der 1990er Jahre die Frauenmannschaft des TuS Lahde/Quetzen in Deutschlands vierthöchsten Spielklasse. Für die Mission „Klassenerhalt“ zog Breuer mit Agne Staskute, Julia Huckauf und Lea Jürgens drei Verstärkungen an Land. Bei der Vorstellung sagte eine Spielerin des Trios augenzwinkernd, dass auch „das Vereinsleben nach den Spielen“ ein Wechselgrund gewesen sei. Das rege Miteinander im Vereinsheim an der Halle kam mit den coronabedingten Einschränkungen allerdings zum Erliegen. Eine sonst übliche, krachende Aufstiegsparty hat es nicht gegeben. „Wenn man es wieder dürfte, ist der Aufstieg zeitlich auch zu weit weg und hätte den Charakter von Feiern auf Kommando“, erzählt Breuer, der mit seinen Handballerinnen lediglich in einem virtuellen Zoom-Meeting auf den großen Erfolg anstieß. Mindestens genauso ärgerlich, dass auch die treuen Anhänger, die die Mannschaft in der in die Jahre gekommenen „Ackerweg-Arena“ anfeuern, nicht mit der Mannschaft auf die Oberliga anstoßen konnten. Die inzwischen fest etablierten Saison-Vorbereitungsturniere im Sommer fielen in ihrer angestammten Form ins Wasser. Stattdessen kreierte die Spielgemeinschaft um den für die Außendarstellung verantwortlichen Bennet Dragon das Format „HSG #stelltsichvor“ samt Internet-Livestream. „Hallo da draußen, es gibt uns noch“, beschreibt Breuer die Idee des Formats, das auch als Zeichen an die Anhänger und Sponsoren diente. Auch ein internes Lebenszeichen an die Handballerinnen und Handballer ließen sich Dragon und seine Mitstreiter einfallen. Das Live-Event unter dem Motto „Stay together at home“, eine Art virtuelles „Spiele ohne Grenzen“ am Ostersamstag, wurde überragend angenommen. Zu diesem Zeitpunkt – Mitte April – standen weder der Saisonabbruch samt Aufstieg fest, noch der Zeitpunkt wann und wie es mit dem Amateurhandball weitergehen würde. Mitte Juni verfügte die NRW-Landesregierung, dass Kontaktsport in der Halle wieder erlaubt ist. Ein Hoffnungsschimmer, nicht nur für die Handballer im äußersten Nordosten des Bundeslandes. Mit dem ersten Oktober-Wochenende wurde auch endlich ein Starttermin für die Oberliga-Spielzeit vom Verband bekannt gegeben. Etwas ärgerlich war es nur, dass die HSG erst sehr viel später in den Spielbetrieb einsteigen sollte. Denn der Oberliga-Aufgalopp für die HSG-Frauen fand erst am 24. Oktober statt. Am ersten Oktoberwochenende waren die Aufsteiger spielfrei, dann kamen die Herbstferien. Also ging es für den Neuling erst drei Wochen später los. Dann sollte die Fahrt aufgenommen werden. Doch nach dem Derby beim TSV Hahlen war auch gleich schon wieder Schluss. Ostwestfälisch kommentiert Breuer die Wartezeit und das was dann noch folgen würde „als ziemlich lange Vorbereitungszeit für ein einziges Spiel“. Nach einem ziemlichen Spannungsabfall innerhalb der Mannschaft stiegen Konzentration und Motivation in den Wochen vor dem sich abzeichnenden Serienstart wieder kontinuierlich an. Nach dem 24:24 beim TSV und vor dem ins Haus stehenden Lokalkampf in eigener Halle gegen den HSV Minden-Nord folgte der nächste Nackenschlag – die Aussetzung der Saison, zunächst bis zum Jahresende. Inzwischen steht der 31. Januar als Re-Starttermin im Raum. Wegen der hohen Corona-Fallzahlen erscheint dieser Termin allerdings als sehr unwahrscheinlich. Als „kompletten Spannungsabfall“, bezeichnet Breuer seine Gefühlslage und jene innerhalb der Mannschaft. Verständlich: Denn läge man Anfang März als Wiedereinstieg zugrunde, hätte die Breuer-Sieben innerhalb von zwölf Monaten lediglich das eine Mal im Derby gegen Hahlen unter Wettkampfbedingungen auf der Platte gestanden. „Bislang“, sagt Breuer, der auch als Spieler der Landesliga-Männer und auch im erweiterten Vorstand als Männerwart aktiv ist, „zeigt die Corona-Pandemie noch keine gravierenden Auswirkungen auf den Verein.“ Sponsoren hielten die Treue und auch die Zuschauer würden im Falle einer Normalisierung der Lebensverhältnisse die HSG-Teams wieder in der Halle unterstützen. Mannschaftsintern sei es hingegen deutlich schwieriger geworden, die Spielerinnen bei Laune zu halten. „Bisher“, sagt Breuer, „stellt aber noch keine Spielerin das Thema Handball generell in Frage.“ Doch erste Wellen erreichten bereits in der gerade angelaufenen Spielzeit im Oktober die Mannschaft: „Zwei Spielerinnen hatten Bedenken, zu trainieren oder die Meisterschaftsspiele zu bestreiten und damit das verbundene Infektionsrisiko einzugehen und dieses vor dem Arbeitgeber zu verantworten.“

Aufsteiger im Wartestand: Die HSG Petershagen/Lahde bestritt bislang nur ein Spiel

Auch die Gespräche mit den Schiedsrichtern blieben dieses Jahr weitestgehend aus: HSG-Trainer Heiko Breuer und sein Team bestritten 2020 aufgrund der Pandemie nur eine handvoll Spiele. Foto: Christian Bendig © Christian Bendig

Petershagen. An den Feiertagen zum Jahresende ist Zeit, um durchzuatmen und um Bilanz zu ziehen. Auf den ersten Blick ist Heiko Breuer, Trainer der Oberliga-Handballerinnen der HSG Petershagen/Lahde, mit seinem Resümee 2020 zügig durch. Schließlich bestritt der Aufsteiger seit dem 7. März lediglich ein einziges Meisterschaftsspiel.

Der Ausspruch „alles Käse“ kommt ihm dabei nicht über die Lippen. Doch es schimmert durch, dass die zurückliegenden Monate für Breuer und seine Mannschaft unbefriedigend waren. Und dass, obwohl am 19. April der größte Erfolg der noch jungen Vereinsgeschichte der Spielgemeinschaft des TuS Lahde/Quetzen und des SC Petershagen gefeiert werden durfte. Durch den an jenem Tag vom Handballverband Westfalen offiziell verkündeten Abbruch der Saison 2019/20 wurde das Breuer-Team als Tabellenführer zum Verbandsliga-Meister und gleichzeitig zum Oberliga-Aufsteiger erklärt. Letztmalig spielte Anfang der 1990er Jahre die Frauenmannschaft des TuS Lahde/Quetzen in Deutschlands vierthöchsten Spielklasse.

Für die Mission „Klassenerhalt“ zog Breuer mit Agne Staskute, Julia Huckauf und Lea Jürgens drei Verstärkungen an Land. Bei der Vorstellung sagte eine Spielerin des Trios augenzwinkernd, dass auch „das Vereinsleben nach den Spielen“ ein Wechselgrund gewesen sei. Das rege Miteinander im Vereinsheim an der Halle kam mit den coronabedingten Einschränkungen allerdings zum Erliegen. Eine sonst übliche, krachende Aufstiegsparty hat es nicht gegeben.

„Wenn man es wieder dürfte, ist der Aufstieg zeitlich auch zu weit weg und hätte den Charakter von Feiern auf Kommando“, erzählt Breuer, der mit seinen Handballerinnen lediglich in einem virtuellen Zoom-Meeting auf den großen Erfolg anstieß. Mindestens genauso ärgerlich, dass auch die treuen Anhänger, die die Mannschaft in der in die Jahre gekommenen „Ackerweg-Arena“ anfeuern, nicht mit der Mannschaft auf die Oberliga anstoßen konnten.

Die inzwischen fest etablierten Saison-Vorbereitungsturniere im Sommer fielen in ihrer angestammten Form ins Wasser. Stattdessen kreierte die Spielgemeinschaft um den für die Außendarstellung verantwortlichen Bennet Dragon das Format „HSG #stelltsichvor“ samt Internet-Livestream. „Hallo da draußen, es gibt uns noch“, beschreibt Breuer die Idee des Formats, das auch als Zeichen an die Anhänger und Sponsoren diente.

Auch ein internes Lebenszeichen an die Handballerinnen und Handballer ließen sich Dragon und seine Mitstreiter einfallen. Das Live-Event unter dem Motto „Stay together at home“, eine Art virtuelles „Spiele ohne Grenzen“ am Ostersamstag, wurde überragend angenommen. Zu diesem Zeitpunkt – Mitte April – standen weder der Saisonabbruch samt Aufstieg fest, noch der Zeitpunkt wann und wie es mit dem Amateurhandball weitergehen würde.

Mitte Juni verfügte die NRW-Landesregierung, dass Kontaktsport in der Halle wieder erlaubt ist. Ein Hoffnungsschimmer, nicht nur für die Handballer im äußersten Nordosten des Bundeslandes. Mit dem ersten Oktober-Wochenende wurde auch endlich ein Starttermin für die Oberliga-Spielzeit vom Verband bekannt gegeben. Etwas ärgerlich war es nur, dass die HSG erst sehr viel später in den Spielbetrieb einsteigen sollte.

Denn der Oberliga-Aufgalopp für die HSG-Frauen fand erst am 24. Oktober statt. Am ersten Oktoberwochenende waren die Aufsteiger spielfrei, dann kamen die Herbstferien. Also ging es für den Neuling erst drei Wochen später los. Dann sollte die Fahrt aufgenommen werden. Doch nach dem Derby beim TSV Hahlen war auch gleich schon wieder Schluss.

Ostwestfälisch kommentiert Breuer die Wartezeit und das was dann noch folgen würde „als ziemlich lange Vorbereitungszeit für ein einziges Spiel“. Nach einem ziemlichen Spannungsabfall innerhalb der Mannschaft stiegen Konzentration und Motivation in den Wochen vor dem sich abzeichnenden Serienstart wieder kontinuierlich an. Nach dem 24:24 beim TSV und vor dem ins Haus stehenden Lokalkampf in eigener Halle gegen den HSV Minden-Nord folgte der nächste Nackenschlag – die Aussetzung der Saison, zunächst bis zum Jahresende. Inzwischen steht der 31. Januar als Re-Starttermin im Raum. Wegen der hohen Corona-Fallzahlen erscheint dieser Termin allerdings als sehr unwahrscheinlich. Als „kompletten Spannungsabfall“, bezeichnet Breuer seine Gefühlslage und jene innerhalb der Mannschaft. Verständlich: Denn läge man Anfang März als Wiedereinstieg zugrunde, hätte die Breuer-Sieben innerhalb von zwölf Monaten lediglich das eine Mal im Derby gegen Hahlen unter Wettkampfbedingungen auf der Platte gestanden.

„Bislang“, sagt Breuer, der auch als Spieler der Landesliga-Männer und auch im erweiterten Vorstand als Männerwart aktiv ist, „zeigt die Corona-Pandemie noch keine gravierenden Auswirkungen auf den Verein.“ Sponsoren hielten die Treue und auch die Zuschauer würden im Falle einer Normalisierung der Lebensverhältnisse die HSG-Teams wieder in der Halle unterstützen.

Mannschaftsintern sei es hingegen deutlich schwieriger geworden, die Spielerinnen bei Laune zu halten. „Bisher“, sagt Breuer, „stellt aber noch keine Spielerin das Thema Handball generell in Frage.“ Doch erste Wellen erreichten bereits in der gerade angelaufenen Spielzeit im Oktober die Mannschaft: „Zwei Spielerinnen hatten Bedenken, zu trainieren oder die Meisterschaftsspiele zu bestreiten und damit das verbundene Infektionsrisiko einzugehen und dieses vor dem Arbeitgeber zu verantworten.“

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