2. Liga: „Ich bin ja nicht weg“ - "Schorse" Borgman und sein Abschied vom TuS N-Lübbecke Hans Peter Tipp Lübbecke/Hille. Viele Trainer gingen, doch „Schorse“ war immer da. Hans-Georg Borgmann erlebte in 14 Jahren beim TuS N-Lübbecke Höhen und Tiefen, Triumphe und Tragödien. Dabei wurde der 65-Jährige selbst zu einer Institution. Wie kein anderer verkörperte der gebürtige Nordhemmeraner beim Handball-Zweitligisten personelle Kontinuität und Zuverlässigkeit. Nie um einen flotten Spruch verlegen und nie um ein klares Wort. Als Handballer durch und durch ist er Motor des Kinderhandballs im Lübbecker Land und vielfältig in seinem Heimatverein TV Germania Nordhemmern und der dortigen Spielgemeinschaft Lit Tribe Germania engagiert. Nach 14 Jahren quittiert „Schorse“ jetzt seinen Dienst beim TuS. Grund genug, ihn ausführlich zu Wort kommen zu lassen. Das sagt Hans-Georg Borgmann über... ... den Schlussstrich „Ich habe einfach das Gefühl, es ist gut jetzt. Wie oft habe ich früher mit Spielern zusammengesessen, die traurig oder unzufrieden waren? Seit drei Jahren war ich schon nicht mehr bei jedem Training und manchmal auch bei Spielen nicht dabei, weil die A-Jugend mich brauchte. Dadurch hat man sich peu a peu ein bisschen voneinander entfernt. Jetzt ist die Zeit reif, die Rente da, und ich möchte mehr Zeit für meine Frau Doris und meine fünf Enkelkinder haben. Aber ich bin ja nicht weg: Zusammen mit Niels Pfannenschmidt werde ich weiter die A-Jugend betreuen, der E- und der D-Jugend erhalten bleiben und mich bei den Schul-AGs weiter einbringen. Ein bis zwei Einheiten pro Tag: Die sind weiter drin.“ ... seinen Weg zum Handball „Angefangen habe ich mit acht oder neun Jahren. Damals haben ja alle Handball gespielt in Nordhemmern. Und so hat sich das halt entwickelt. Nach dem frühen Tod meines Vaters – ich war bei der Bundeswehr – hat mir der Sport Halt gegeben und den richtigen Weg gezeigt. Mit 18 hätte man auch abdriften können. Männer wie Horst Leye, der mich ins Traineramt geführt hat, Hermann Kruse, fast ein väterlicher Freund, oder Erwin Ohlemeyer haben mich geprägt.“ ... seinen größten Jugendwunsch „Noch lieber als Handball wollte ich Fußball spielen. Aber mein Vater war dagegen. Als ich 13 war, hatte ich sogar ein Angebot von Hannover 96. Mit 14 hätte ich dort eine Ausbildung machen können. Aber mein Vater hat gesagt, du bleibst beim Handball. So schlecht war das ja nicht.“ ... den TVG Nordhemmern „Mein Heimatverein. Ich bin Nordhemmeraner, dort geboren und habe nie für einen anderen Verein gespielt. Zu meiner Zeit hatten wir eine Super-Truppe und sind in den 1970er-Jahren aus der Bezirksliga direkt in die Landes- und Verbandsliga aufgestiegen. 1979/80, in unserem ersten Verbandsliga-Jahr, waren wir gleich ganz oben. Wir haben aber die Entscheidungsspiele gegen Hiltrup verloren, sonst wären wir direkt in die Oberliga durchmarschiert. So musste Nordhemmern bis 2001 auf die Oberliga warten – da war ich im Trainergespann mit Frank Schoppe aktiv, mit dem ich sieben Jahre zusammengearbeitet habe.“ ... den Spieler Borgmann „Als Linkshänder habe ich Rechtsaußen gespielt. Von der Technik und der Schnelligkeit her war ich sicher kein Schlechter. Mir haben vielleicht ein paar Zentimeter gefehlt, um als Spieler etwas höher angreifen zu können.“ ... den Start beim TuS N-Lübbecke „2006 hat mich der damalige TuS-Trainer Jens Pfänder gefragt, ob ich sein Co-Trainer werden wollte. Und ob ich wollte. Das war natürlich ein toller Anreiz, bei meinem Hobby auf höchstem Niveau reinschnuppern zu dürfen. Nach Feierabend war ich doch sowieso fast jeden Tag in der Halle. Heute kann man sich so etwas gar nicht mehr vorstellen: von 8 bis 18 Uhr als Friseur im Laden, dann bis 21 oder 21.30 Uhr in der Halle und erst danach nach Hause. Aber genau das war mein normaler Ablauf. Wenn mir damals einer erzählt hätte, du kannst den ganzen Tag im Trainingsanzug herumlaufen und das ist dein Job, dann hätte ich gedacht: Mann, das ist ein Traum. Dass mir Uwe Kölling und Armin Gauselmann diese Chance gegeben haben, dafür werde ich ihnen immer dankbar sein. Der Sommer 2006 war auch ein guter Zeitpunkt und ein besonderes Jahr. Mit Nordhemmern waren wir – Vygindas „Vigar” Petkevicius war Spielertrainer und ich Trainer – in die Regionalliga aufgestiegen, die heutige 3. Liga. Mit Niels Pfannenschmidt kam ein neuer Trainer, ich hatte Zeit.“ ... seine vielen TuS-Cheftrainer „Wenn man Zlatko Feric, der ja oft genug eingesprungen ist, mal rauslässt, waren es 13 Trainer. Wer der Beste war, kann ich gar nicht sagen. Es gibt sowieso keine guten und keine schlechten, es gibt nur anders.“ ... den Umgang der Vereine mit den Trainern „Gerade wenn es nicht so gut läuft, muss man zusammenstehen. Nur wenn man gemeinsam durch schwierige Zeiten geht, entwickelt sich etwas. Es gibt immer Situation, wo man merkt, dass es nicht geht. Aber ich finde ganz allgemein im Sport: Wenn man sich für einen Trainer entscheidet, muss man länger an ihm festhalten.“ ... außergewöhnliche Momente „Der erste Aufstieg ist immer etwas Besonderes. Der prägt sich ein. Unvergesslich sind auch die beiden Final-Four-Turniere in Hamburg mit dem ganzen Drumherum. Das ist schon außergewöhnlich, denn das erleben ja nur die wenigsten Handballer live. Und der Regionalliga-Aufstieg mit Nordhemmern war einzigartig. Ich hatte damals nach dem Tod von Herbert Gerling die B-Jungen mit seinem Sohn Daniel übernommen, wir sind dann Westdeutscher Vize-Meister geworden und schließlich mit vielen Jungs aus der Mannschaft in die Regionalliga aufgestiegen. Zu Daniel ist eine besondere Beziehung entstanden. Wir telefonieren heute noch fast jeden Tag. Heute ist er der Lit-Trainer. Er war ein besonderer Spieler und ist ein sehr guter Coach geworden“ ... seinen Umgang mit den Profis „Die wichtigste Erkenntnis der ganzen Jahre ist, dass auch in der Bundesliga alles ganz normal abläuft – wie in einer Verbandsligatruppe oder in der Oberliga, nur viel intensiver. Bei den Amateuren wird drei Mal trainiert, bei den Profis acht Mal. Aber es wird auch nur mit Wasser gekocht. Die Spieler sind halt größer, schneller und ein bisschen besser. Aber das sind ja keine anderen Menschen. Vom sozialen Umgang her sind sie nicht anders, als jemand der in der Kreisliga spielt. Da schlägt ja kein anderes Herz.“ ... seine eigene Aufstiegsbilanz „Von der 1. Kreisklasse bis zur 1. Bundesliga bin ich als Spieler, Trainer oder Co-Trainer in fast jede Spielklasse (mit)-aufgestiegen. Der einzige Aufstieg, der mir fehlt, ist der von der dritten in die zweite Liga. Ansonsten habe ich sie alle. Aber ich kann gut selbst einschätzen, ob ich als Co-Trainer, Trainer oder Spieler aufgestiegen bin. Das hat jeweils für mich persönlich immer einen ganz anderen Wert.“ ... besondere Anekdoten „Cool war es, als wir Ramon Tauabo mal an einer Raststätte vergessen hatten und er auf dem Seitenstreifen dem Bus hinterhergelaufen ist, um noch mitzukommen. Nie vergessen werde ich, wie die Mannschaft nach einem Pokalspiel bei der HSG Varel mit dem Mannschaftsbus bei unserer Silbernen Hochzeit aufgetaucht ist und wir bei mir im Garten gefeiert haben. Selbst der Busfahrer ist geblieben, hat mitgefeiert und hinterher alle wieder zurückgefahren. Und noch etwas ganz Kurioses: Ich bin ungeschlagener Zweitligatrainer. Als Patrick Liljestrand im Februar 2009 wegen Magen- und Darmproblemen passen musste, habe ich ihn vertreten und gegen Wilhelmshaven mit ‚Pitti‘ Petersen 26:23 gewonnen – mein einziges Zweitligaspiel als alleiniger Chef auf der Bank.“ ... über die Bedeutung der Nachwuchsarbeit und der JSG-Kooperation zwischen Nordhemmern und dem TuS N-Lübbecke „Von Anfang an hatte ich im Hinterkopf, dass beide – Nordhemmern und der TuS – von einer Kooperation etwa durch Doppelspielrechte profitieren könnten. Als ich dann beim TuS war, da wollte ich in dieser Hinsicht etwas bewegen, weil mir die Kinder und die Jugend immer schon am Herzen lagen. Damals gab es beim TuS nur eine D-Jugend, und zusammen mit meinem alten Weggefährten Christian Hucke haben wir überlegt, wie wir den Verein in der Stadt bekannt machen könnten. Da ging es gar nicht darum, Spieler in den Verein zu bekommen, sondern dem Verein überhaupt eine Identität zu geben, ihn bekannt zu machen. Wenn du von der D-Jugend bis zur A-Jugend etwas aufbauen möchtest, dann ist das schon ein richtig weiter Weg. Aber wir alle gemeinsam haben das geschafft, und jetzt steht der TuS ziemlich gut da. Aber wenn ich ganz ehrlich bin: Ohne die Spielgemeinschaft mit Nordhemmern, die fast immer in den höchsten Jugendligen gespielt haben, wäre das gar nicht gegangen. Nun wird im männlichen Bereich daraus mit Lit 1912 sogar ein gemeinsamer Verein. Das ist sozusagen der nächste Schritt.“ ... seinen langjährigen Beruf „Ich bin immer gern Friseur gewesen. Ich habe in Minden gelernt, fast zehn Jahren im Salon Heinz Schmidt in Holzhausen II und danach rund 20 Jahre im Salon Riechmann in Hartum gearbeitet. Nachdem ich 2009 beim TuS meinen ersten Vertrag bekommen hatte, bin ich trotzdem ein Mal die Woche in meinem Beruf geblieben – immer freitags, weil es mit meinen Kolleginnen und Kollegen soviel Spaß gemacht hat. Das habe ich erst vor drei Jahren aufgegeben. Der Kontakt ist aber immer noch da. Irgendwann muss ich meine wenigen Haare ja auch mal schneiden lassen. Ich war mit der Truppe schon zwei Mal auf Mallorca. Dieses Jahr hatten sie mich auch wieder eingeladen. Aber dann kam Corona.“ ... das Rentnerdasein „Ich habe mir vorgenommen, wieder mehr selbst aktiv zu sein, öfter ins Fitnessstudio zu gehen und mich selbst weiter fit zu halten. Und ich hoffe, dass ich häufiger Spiele des 1. FC Köln, dessen Fan ich seit dem 8./9. Lebensjahr bin, besuchen kann.“ ... seinen Abschiedswunsch „Dass der Verein sich solidarisch mit dem Nachwuchs zeigt und weiter in die Jugendspielgemeinschaft investiert. Wir haben im Entwicklungsbereich unglaublich viele talentierte Spieler aus unserer Region. Ich bin überzeugt, dass wir in den nächsten Jahren ganz viele von ihnen so ausbilden können, dass sie mal auf Zweitliganiveau spielen können. Das Potenzial ist da.“

2. Liga: „Ich bin ja nicht weg“ - "Schorse" Borgman und sein Abschied vom TuS N-Lübbecke

Nachdenklich: Nach 14 Jahren als Co-Trainer beim TuS N-Lübbecke ist für Hans-Georg Borgmann nun Schluss. Foto: Mario Hommes/Eibner © EIBNER/Mario Hommes

Lübbecke/Hille. Viele Trainer gingen, doch „Schorse“ war immer da. Hans-Georg Borgmann erlebte in 14 Jahren beim TuS N-Lübbecke Höhen und Tiefen, Triumphe und Tragödien. Dabei wurde der 65-Jährige selbst zu einer Institution. Wie kein anderer verkörperte der gebürtige Nordhemmeraner beim Handball-Zweitligisten personelle Kontinuität und Zuverlässigkeit. Nie um einen flotten Spruch verlegen und nie um ein klares Wort. Als Handballer durch und durch ist er Motor des Kinderhandballs im Lübbecker Land und vielfältig in seinem Heimatverein TV Germania Nordhemmern und der dortigen Spielgemeinschaft Lit Tribe Germania engagiert. Nach 14 Jahren quittiert „Schorse“ jetzt seinen Dienst beim TuS. Grund genug, ihn ausführlich zu Wort kommen zu lassen. Das sagt Hans-Georg Borgmann über...

... den Schlussstrich

„Ich habe einfach das Gefühl, es ist gut jetzt. Wie oft habe ich früher mit Spielern zusammengesessen, die traurig oder unzufrieden waren? Seit drei Jahren war ich schon nicht mehr bei jedem Training und manchmal auch bei Spielen nicht dabei, weil die A-Jugend mich brauchte. Dadurch hat man sich peu a peu ein bisschen voneinander entfernt. Jetzt ist die Zeit reif, die Rente da, und ich möchte mehr Zeit für meine Frau Doris und meine fünf Enkelkinder haben. Aber ich bin ja nicht weg: Zusammen mit Niels Pfannenschmidt werde ich weiter die A-Jugend betreuen, der E- und der D-Jugend erhalten bleiben und mich bei den Schul-AGs weiter einbringen. Ein bis zwei Einheiten pro Tag: Die sind weiter drin.“

Großer Moment: Bundesliga-Aufstieg im Mai 2017. „Schorse“ als Co-Trainer von Coach Aaron Ziercke (2.v.links) mittendrin mit geballter Faust. MT- - © Foto: Riechmann
Großer Moment: Bundesliga-Aufstieg im Mai 2017. „Schorse“ als Co-Trainer von Coach Aaron Ziercke (2.v.links) mittendrin mit geballter Faust. MT- - © Foto: Riechmann

... seinen Weg zum Handball

„Angefangen habe ich mit acht oder neun Jahren. Damals haben ja alle Handball gespielt in Nordhemmern. Und so hat sich das halt entwickelt. Nach dem frühen Tod meines Vaters – ich war bei der Bundeswehr – hat mir der Sport Halt gegeben und den richtigen Weg gezeigt. Mit 18 hätte man auch abdriften können. Männer wie Horst Leye, der mich ins Traineramt geführt hat, Hermann Kruse, fast ein väterlicher Freund, oder Erwin Ohlemeyer haben mich geprägt.“

Linkshänder mit ordentlich Pfeffer im Arm. Borgmann im Trikot der Nordhemmeraner Germanen in der Doppelturnhalle gegen Eintracht Minden. - © Foto: privat
Linkshänder mit ordentlich Pfeffer im Arm. Borgmann im Trikot der Nordhemmeraner Germanen in der Doppelturnhalle gegen Eintracht Minden. - © Foto: privat

... seinen größten Jugendwunsch

„Noch lieber als Handball wollte ich Fußball spielen. Aber mein Vater war dagegen. Als ich 13 war, hatte ich sogar ein Angebot von Hannover 96. Mit 14 hätte ich dort eine Ausbildung machen können. Aber mein Vater hat gesagt, du bleibst beim Handball. So schlecht war das ja nicht.“

... den TVG Nordhemmern

„Mein Heimatverein. Ich bin Nordhemmeraner, dort geboren und habe nie für einen anderen Verein gespielt. Zu meiner Zeit hatten wir eine Super-Truppe und sind in den 1970er-Jahren aus der Bezirksliga direkt in die Landes- und Verbandsliga aufgestiegen. 1979/80, in unserem ersten Verbandsliga-Jahr, waren wir gleich ganz oben. Wir haben aber die Entscheidungsspiele gegen Hiltrup verloren, sonst wären wir direkt in die Oberliga durchmarschiert. So musste Nordhemmern bis 2001 auf die Oberliga warten – da war ich im Trainergespann mit Frank Schoppe aktiv, mit dem ich sieben Jahre zusammengearbeitet habe.“

... den Spieler Borgmann

„Als Linkshänder habe ich Rechtsaußen gespielt. Von der Technik und der Schnelligkeit her war ich sicher kein Schlechter. Mir haben vielleicht ein paar Zentimeter gefehlt, um als Spieler etwas höher angreifen zu können.“

... den Start beim TuS N-Lübbecke

„2006 hat mich der damalige TuS-Trainer Jens Pfänder gefragt, ob ich sein Co-Trainer werden wollte. Und ob ich wollte. Das war natürlich ein toller Anreiz, bei meinem Hobby auf höchstem Niveau reinschnuppern zu dürfen. Nach Feierabend war ich doch sowieso fast jeden Tag in der Halle. Heute kann man sich so etwas gar nicht mehr vorstellen: von 8 bis 18 Uhr als Friseur im Laden, dann bis 21 oder 21.30 Uhr in der Halle und erst danach nach Hause. Aber genau das war mein normaler Ablauf. Wenn mir damals einer erzählt hätte, du kannst den ganzen Tag im Trainingsanzug herumlaufen und das ist dein Job, dann hätte ich gedacht: Mann, das ist ein Traum. Dass mir Uwe Kölling und Armin Gauselmann diese Chance gegeben haben, dafür werde ich ihnen immer dankbar sein. Der Sommer 2006 war auch ein guter Zeitpunkt und ein besonderes Jahr. Mit Nordhemmern waren wir – Vygindas „Vigar” Petkevicius war Spielertrainer und ich Trainer – in die Regionalliga aufgestiegen, die heutige 3. Liga. Mit Niels Pfannenschmidt kam ein neuer Trainer, ich hatte Zeit.“

... seine vielen TuS-Cheftrainer

„Wenn man Zlatko Feric, der ja oft genug eingesprungen ist, mal rauslässt, waren es 13 Trainer. Wer der Beste war, kann ich gar nicht sagen. Es gibt sowieso keine guten und keine schlechten, es gibt nur anders.“

... den Umgang der Vereine mit den Trainern

„Gerade wenn es nicht so gut läuft, muss man zusammenstehen. Nur wenn man gemeinsam durch schwierige Zeiten geht, entwickelt sich etwas. Es gibt immer Situation, wo man merkt, dass es nicht geht. Aber ich finde ganz allgemein im Sport: Wenn man sich für einen Trainer entscheidet, muss man länger an ihm festhalten.“

... außergewöhnliche Momente

„Der erste Aufstieg ist immer etwas Besonderes. Der prägt sich ein. Unvergesslich sind auch die beiden Final-Four-Turniere in Hamburg mit dem ganzen Drumherum. Das ist schon außergewöhnlich, denn das erleben ja nur die wenigsten Handballer live. Und der Regionalliga-Aufstieg mit Nordhemmern war einzigartig. Ich hatte damals nach dem Tod von Herbert Gerling die B-Jungen mit seinem Sohn Daniel übernommen, wir sind dann Westdeutscher Vize-Meister geworden und schließlich mit vielen Jungs aus der Mannschaft in die Regionalliga aufgestiegen. Zu Daniel ist eine besondere Beziehung entstanden. Wir telefonieren heute noch fast jeden Tag. Heute ist er der Lit-Trainer. Er war ein besonderer Spieler und ist ein sehr guter Coach geworden“

... seinen Umgang mit den Profis

„Die wichtigste Erkenntnis der ganzen Jahre ist, dass auch in der Bundesliga alles ganz normal abläuft – wie in einer Verbandsligatruppe oder in der Oberliga, nur viel intensiver. Bei den Amateuren wird drei Mal trainiert, bei den Profis acht Mal. Aber es wird auch nur mit Wasser gekocht. Die Spieler sind halt größer, schneller und ein bisschen besser. Aber das sind ja keine anderen Menschen. Vom sozialen Umgang her sind sie nicht anders, als jemand der in der Kreisliga spielt. Da schlägt ja kein anderes Herz.“

... seine eigene Aufstiegsbilanz

„Von der 1. Kreisklasse bis zur 1. Bundesliga bin ich als Spieler, Trainer oder Co-Trainer in fast jede Spielklasse (mit)-aufgestiegen. Der einzige Aufstieg, der mir fehlt, ist der von der dritten in die zweite Liga. Ansonsten habe ich sie alle. Aber ich kann gut selbst einschätzen, ob ich als Co-Trainer, Trainer oder Spieler aufgestiegen bin. Das hat jeweils für mich persönlich immer einen ganz anderen Wert.“

... besondere Anekdoten

„Cool war es, als wir Ramon Tauabo mal an einer Raststätte vergessen hatten und er auf dem Seitenstreifen dem Bus hinterhergelaufen ist, um noch mitzukommen. Nie vergessen werde ich, wie die Mannschaft nach einem Pokalspiel bei der HSG Varel mit dem Mannschaftsbus bei unserer Silbernen Hochzeit aufgetaucht ist und wir bei mir im Garten gefeiert haben. Selbst der Busfahrer ist geblieben, hat mitgefeiert und hinterher alle wieder zurückgefahren. Und noch etwas ganz Kurioses: Ich bin ungeschlagener Zweitligatrainer. Als Patrick Liljestrand im Februar 2009 wegen Magen- und Darmproblemen passen musste, habe ich ihn vertreten und gegen Wilhelmshaven mit ‚Pitti‘ Petersen 26:23 gewonnen – mein einziges Zweitligaspiel als alleiniger Chef auf der Bank.“

... über die Bedeutung der Nachwuchsarbeit und der JSG-Kooperation zwischen Nordhemmern und dem TuS N-Lübbecke

„Von Anfang an hatte ich im Hinterkopf, dass beide – Nordhemmern und der TuS – von einer Kooperation etwa durch Doppelspielrechte profitieren könnten. Als ich dann beim TuS war, da wollte ich in dieser Hinsicht etwas bewegen, weil mir die Kinder und die Jugend immer schon am Herzen lagen. Damals gab es beim TuS nur eine D-Jugend, und zusammen mit meinem alten Weggefährten Christian Hucke haben wir überlegt, wie wir den Verein in der Stadt bekannt machen könnten. Da ging es gar nicht darum, Spieler in den Verein zu bekommen, sondern dem Verein überhaupt eine Identität zu geben, ihn bekannt zu machen. Wenn du von der D-Jugend bis zur A-Jugend etwas aufbauen möchtest, dann ist das schon ein richtig weiter Weg. Aber wir alle gemeinsam haben das geschafft, und jetzt steht der TuS ziemlich gut da. Aber wenn ich ganz ehrlich bin: Ohne die Spielgemeinschaft mit Nordhemmern, die fast immer in den höchsten Jugendligen gespielt haben, wäre das gar nicht gegangen. Nun wird im männlichen Bereich daraus mit Lit 1912 sogar ein gemeinsamer Verein. Das ist sozusagen der nächste Schritt.“

... seinen langjährigen Beruf

„Ich bin immer gern Friseur gewesen. Ich habe in Minden gelernt, fast zehn Jahren im Salon Heinz Schmidt in Holzhausen II und danach rund 20 Jahre im Salon Riechmann in Hartum gearbeitet. Nachdem ich 2009 beim TuS meinen ersten Vertrag bekommen hatte, bin ich trotzdem ein Mal die Woche in meinem Beruf geblieben – immer freitags, weil es mit meinen Kolleginnen und Kollegen soviel Spaß gemacht hat. Das habe ich erst vor drei Jahren aufgegeben. Der Kontakt ist aber immer noch da. Irgendwann muss ich meine wenigen Haare ja auch mal schneiden lassen. Ich war mit der Truppe schon zwei Mal auf Mallorca. Dieses Jahr hatten sie mich auch wieder eingeladen. Aber dann kam Corona.“

... das Rentnerdasein

„Ich habe mir vorgenommen, wieder mehr selbst aktiv zu sein, öfter ins Fitnessstudio zu gehen und mich selbst weiter fit zu halten. Und ich hoffe, dass ich häufiger Spiele des 1. FC Köln, dessen Fan ich seit dem 8./9. Lebensjahr bin, besuchen kann.“

... seinen Abschiedswunsch

„Dass der Verein sich solidarisch mit dem Nachwuchs zeigt und weiter in die Jugendspielgemeinschaft investiert. Wir haben im Entwicklungsbereich unglaublich viele talentierte Spieler aus unserer Region. Ich bin überzeugt, dass wir in den nächsten Jahren ganz viele von ihnen so ausbilden können, dass sie mal auf Zweitliganiveau spielen können. Das Potenzial ist da.“

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