Semisch teilt das Meer: Der überragende Torhüter ebnet GWD Minden den Weg zum nächsten Husarenstück gegen Berlin Marcus Riechmann Lübbecke. Die Energiespeicher waren leer. Doch die Adern pulsten voll von Adrenalin. Die GWD-Spieler pressten nach dem Abpfiff die Ekstase in kurze Worte. „Einfach nur geil“, brüllte Malte Semisch ins Mikrofon. Christoffer Rambo zitierte mit breitem Grinsen den Chorgesang der 2.325 Zuschauer, der ihn und die Sieger über die Schlussminuten getragen hatte: „Oh, wie ist das schön“, wiederholte sanft der Norweger, der mit GWD Minden soeben die Füchse Berlin in einem denkwürdigen Bundesliga-Handballspiel 30:25 (15:12) bezwungen hatte. „Wir sind hier ungeschlagen, so ein Umzug hat doch manchmal auch was Gutes“, scherzte Marian Michalczik strahlend und bezog sich auf den Umstand, dass er mit GWD im Lübbecker Exil im zweiten Heimspiel den zweiten Sieg geschafft hatte. Diesen Gedanken griff auch Frank von Behren auf. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber ich komme gerne nach Lübbecke. Das war eine Stimmung heute wie in alten Derby-Zeiten“, feixte der Geschäftsführer Sport nach dem erneuten Triumph in der Notheimat, die sich mit prachtvoller Kulisse wie schon gegen Göppingen als Festung erwies. Mit einer Energieleistung hatten sich die Männer in Grün die in Lemgo verlorenen Punkte zurückgeholt und damit den Worten nach der Pleite im Lipperland Taten gegen den Champions-League-Anwärter aus der Hauptstadt folgen lassen. Wenn Lübbecke für GWD das gelobte Land ist, dann übernahm Malte Semisch die biblische Rolle als Moses, der das Meer teilt. Nach bereits zwei bärenstarken Leistungen in den ersten beiden Spielen des Jahres setzte der baumlange Mann aus Loccum noch einen obendrauf und verdiente sich das Prädikat Weltklasse. Mit seinen Paraden raubte er den personell angeschlagenen Berlinern die Nerven, gab seinem Team Rückendeckung und verdiente sich das Lob des Trainers. „Malte war super, er ist heute derjenige gewesen, der das alles initiiert hat“, dankte Frank Carstens seinem Torhüter, der GWD auf Kurs hielt, als die im Schottenlook spielenden Gäste um Torjäger Dainis Kristopans in der Anfangsphase Druck machten und mit 4:2, 7:4 und 8:5 in Führung gingen. Wie viele Paraden ihm glückten, wusste der einstige Berliner selbst nicht: „Ich kann nur bis zehn zählen“ meinte Semisch schelmisch. Seine Vorderleute nahmen den Ball in der 12. Minute auf. Christoffer Rambo, der sich in den Anfangsminuten ein Privatduell mit dem 2,15 Meter großen Neu-Berliner Kristopans zu liefern schien, war nach einem Steal von Füchse-Spieler Frederik Simak an der LED-Bande derartig gestoppt worden, dass die Bande stürzte und halb auf die Spieler kippte. Diese Szene beim 5:8-Rückstand war der Weckruf: Minden erhöhte das Tempo. Bis zur Halbzeitpause gelangen etliche Ballgewinne, GWD lief sieben Gegenstöße und erzielte aus dem Konterspiel fünf Tore. Die Folge: Zur Halbzeit führte Minden 15:12. Die Mindener trafen die Füchse genau dort, wo sie sie treffen wollten. Mit körperbetonter und beinharter Abwehrarbeit setzten Deckungschef Miljan Pusica und Co. den Gästen zu. Der Berliner Angriff, ohne die langzeitverletzten Simon Ernst und Fabian Wiede sowie ohne den kurzfristig ausgefallenen Paul Drux seiner Spielgestalter beraubt, fand keine Balance. „Das war der Plan, wir wollten das Zentrum zumachen. Wir waren mit vier Leuten da, wo wir sein mussten“, freute sich Carstens, dass die Taktik aufging. Lücken an anderer Stelle ließ man bewusst. Die Hoffnung, dass die Berliner die freien Plätze ohne ihre Denker nicht finden würden, erfüllte sich. Und auch Teil zwei des Plans ging auf: Wie schon beim Husarenstück im Hinspiel, als Minden den Favoriten mit 29:25 düpierte, brachte der GWD-Angriff die mit lauter Zwei-Meter-Irgendwas großen Kerlen besetzte Berliner Mauer ins Wanken. Immer wieder öffneten sich Lücken, die vor allem Kreisläufer Lucas Meister fand. Und so spielte sich Minden zum 21:16 (Michalczik/41.) den ersten Fünf-Tore-Vorsprung, widerstand der folgenden Berliner Druckphase und warf am Ende einen prachtvollen Sieg heraus. GWD Minden - Füchse Berlin 30:25 (15:12). Tore für Minden: Gulliksen (6), Rambo (6), Michalczik (5/3), Meister (4), Knorr (3), Korte (2), Pusica (2), Gullerud (1), Reissky (1). Tore für Berlin: Kristopans (4), Lindberg (4/2), Koch (3), Simak (3), Mandalinic (3), Struck (3), Holm (3), Gojun (1), Munoz Cabezon (1/1). Zuschauer: 2325

Semisch teilt das Meer: Der überragende Torhüter ebnet GWD Minden den Weg zum nächsten Husarenstück gegen Berlin

Der Mann des Tages: Gegen die alten Kollegen aus Berlin zeigte GWD-Torhüter Malte "Moses" Semisch eine herausragende Leistung. Foto: Noah Wedel © Noah Wedel

Lübbecke. Die Energiespeicher waren leer. Doch die Adern pulsten voll von Adrenalin. Die GWD-Spieler pressten nach dem Abpfiff die Ekstase in kurze Worte. „Einfach nur geil“, brüllte Malte Semisch ins Mikrofon. Christoffer Rambo zitierte mit breitem Grinsen den Chorgesang der 2.325 Zuschauer, der ihn und die Sieger über die Schlussminuten getragen hatte: „Oh, wie ist das schön“, wiederholte sanft der Norweger, der mit GWD Minden soeben die Füchse Berlin in einem denkwürdigen Bundesliga-Handballspiel 30:25 (15:12) bezwungen hatte.

„Wir sind hier ungeschlagen, so ein Umzug hat doch manchmal auch was Gutes“, scherzte Marian Michalczik strahlend und bezog sich auf den Umstand, dass er mit GWD im Lübbecker Exil im zweiten Heimspiel den zweiten Sieg geschafft hatte. Diesen Gedanken griff auch Frank von Behren auf. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber ich komme gerne nach Lübbecke. Das war eine Stimmung heute wie in alten Derby-Zeiten“, feixte der Geschäftsführer Sport nach dem erneuten Triumph in der Notheimat, die sich mit prachtvoller Kulisse wie schon gegen Göppingen als Festung erwies.

Seht alle her! Mindens Marian Michalczik reckt die Finger empor, dahinter ballt Christoffer Rambo die Fäuste auf dem Weg in die Abwehr. Die GWD-Spieler genossen die Ovationen der Schlussphase. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Seht alle her! Mindens Marian Michalczik reckt die Finger empor, dahinter ballt Christoffer Rambo die Fäuste auf dem Weg in die Abwehr. Die GWD-Spieler genossen die Ovationen der Schlussphase. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel

Mit einer Energieleistung hatten sich die Männer in Grün die in Lemgo verlorenen Punkte zurückgeholt und damit den Worten nach der Pleite im Lipperland Taten gegen den Champions-League-Anwärter aus der Hauptstadt folgen lassen.

Wenn Lübbecke für GWD das gelobte Land ist, dann übernahm Malte Semisch die biblische Rolle als Moses, der das Meer teilt. Nach bereits zwei bärenstarken Leistungen in den ersten beiden Spielen des Jahres setzte der baumlange Mann aus Loccum noch einen obendrauf und verdiente sich das Prädikat Weltklasse. Mit seinen Paraden raubte er den personell angeschlagenen Berlinern die Nerven, gab seinem Team Rückendeckung und verdiente sich das Lob des Trainers. „Malte war super, er ist heute derjenige gewesen, der das alles initiiert hat“, dankte Frank Carstens seinem Torhüter, der GWD auf Kurs hielt, als die im Schottenlook spielenden Gäste um Torjäger Dainis Kristopans in der Anfangsphase Druck machten und mit 4:2, 7:4 und 8:5 in Führung gingen. Wie viele Paraden ihm glückten, wusste der einstige Berliner selbst nicht: „Ich kann nur bis zehn zählen“ meinte Semisch schelmisch.

Der Zweikampf zwischen Christoffer Rambo und Frederik Simak hatte Folgen: Erst kippte die LED-Bande, dann kippte das Spiel. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Der Zweikampf zwischen Christoffer Rambo und Frederik Simak hatte Folgen: Erst kippte die LED-Bande, dann kippte das Spiel. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel

Seine Vorderleute nahmen den Ball in der 12. Minute auf. Christoffer Rambo, der sich in den Anfangsminuten ein Privatduell mit dem 2,15 Meter großen Neu-Berliner Kristopans zu liefern schien, war nach einem Steal von Füchse-Spieler Frederik Simak an der LED-Bande derartig gestoppt worden, dass die Bande stürzte und halb auf die Spieler kippte. Diese Szene beim 5:8-Rückstand war der Weckruf: Minden erhöhte das Tempo. Bis zur Halbzeitpause gelangen etliche Ballgewinne, GWD lief sieben Gegenstöße und erzielte aus dem Konterspiel fünf Tore. Die Folge: Zur Halbzeit führte Minden 15:12.

Marko Kopljar und Dainis Kristopans (von links) schauen zu, GWD-Kreisläufer Lucas Meister vollstreckt. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Marko Kopljar und Dainis Kristopans (von links) schauen zu, GWD-Kreisläufer Lucas Meister vollstreckt. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel

Die Mindener trafen die Füchse genau dort, wo sie sie treffen wollten. Mit körperbetonter und beinharter Abwehrarbeit setzten Deckungschef Miljan Pusica und Co. den Gästen zu. Der Berliner Angriff, ohne die langzeitverletzten Simon Ernst und Fabian Wiede sowie ohne den kurzfristig ausgefallenen Paul Drux seiner Spielgestalter beraubt, fand keine Balance. „Das war der Plan, wir wollten das Zentrum zumachen. Wir waren mit vier Leuten da, wo wir sein mussten“, freute sich Carstens, dass die Taktik aufging. Lücken an anderer Stelle ließ man bewusst. Die Hoffnung, dass die Berliner die freien Plätze ohne ihre Denker nicht finden würden, erfüllte sich.

Und auch Teil zwei des Plans ging auf: Wie schon beim Husarenstück im Hinspiel, als Minden den Favoriten mit 29:25 düpierte, brachte der GWD-Angriff die mit lauter Zwei-Meter-Irgendwas großen Kerlen besetzte Berliner Mauer ins Wanken. Immer wieder öffneten sich Lücken, die vor allem Kreisläufer Lucas Meister fand. Und so spielte sich Minden zum 21:16 (Michalczik/41.) den ersten Fünf-Tore-Vorsprung, widerstand der folgenden Berliner Druckphase und warf am Ende einen prachtvollen Sieg heraus.

GWD Minden - Füchse Berlin 30:25 (15:12).

Tore für Minden: Gulliksen (6), Rambo (6), Michalczik (5/3), Meister (4), Knorr (3), Korte (2), Pusica (2), Gullerud (1), Reissky (1).

Tore für Berlin: Kristopans (4), Lindberg (4/2), Koch (3), Simak (3), Mandalinic (3), Struck (3), Holm (3), Gojun (1), Munoz Cabezon (1/1).

Zuschauer: 2325

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