Die Mindener Fans fremdeln noch - auch das Ergebnis missfällt beim ersten GWD-Heimspiel in Lübbecke Marcus Riechmann Lübbecke (rich). Das erste Heimspiel der Bundesliga-Handballer von GWD Minden in Lübbecke mündete in einer skurril-amüsanten Schlusssequenz. „Auswärtssieg, Auswärtssieg", schallte es durch die Lübbecker Kreissporthalle. Doch nicht etwa die GWD-Anhänger feierten den Triumph im Mühlenkreisderby, sondern die Fans des TuS N-Lübbecke bejubelten den 27:25-Erfolg ihres Zweitliga-Teams gegen den großen Nachbarn. Sie hatten sich im Gästeblock mit Humor in die neue Situation eingefunden, die aus der Schließung der Kampa-Halle erwachsen ist: Die beiden Profi-Klubs teilen sich in den kommenden Monaten die Arena. Am Donnerstag hatte GWD die Rolle als Ausrichter inne, der TuS und seine Anhängerschaft fand sich in der jahrzehntelangen Heimstätte in der Rolle des Gastes wieder - und sich damit auch ab. Die GWD-Gemeinde hingegen trug beim Auszug aus Halle mürrische Mienen. Die Mindener Fans fremdelten, die Niederlage gegen den Nachbarn hatte sie zusätzlich verstimmt. „Ein Sieg hätte heute geholfen", bedauerte Markus Kalusche. Der GWD-Geschäftsführer hatte vergeblich auf sportlichen Rückenwind bei der Umgewöhnung gehofft. Rund 1000 Zuschauer machten sich am Donnerstagabend ein erstes eigenes Bild von der künftigen GWD-Heimspielhalle. Dauerkartenbesitzer inspizierten ihre neuen Plätze, der Fan-Club besetzte die Trommelzone, die anders als in der Kampa-Halle nicht mehr am Spielfeldrand, sondern nun unter dem Dach liegt. Sie alle trafen auf das gewohnte Personal: Der Sicherheitsdienst aus der Kampa-Halle empfing die Zuschauer mit grün-schwarz gestreiften Krawatten, der beliebte Grillwagen war von der Hahler Straße an die Rote Mühle umgezogen, auch an den Theken oder in den grünen Ordnerpullover sahen die Zuschauer die bekannten Gesichter. Doch warm wurden beim ersten Kontakt nicht alle Fans mit der im Innenraum bereits leicht begrünten Lübbecker Arena. Vor allem die älteren Dauerkarten-Inhaber bemängelten den fehlenden Sitzkomfort auf den spielfeldnahen Plätzen ohne Rückenlehne sowie fehlende Geländer an einigen Treppenaufgängen. In vielerlei Hinsicht war der Testlauf erfolgreich. Eine wichtige Erkenntnis: Technik und Abläufe funktionieren. Die Infrastruktur für das Heimspiel am 9. Februar gegen FA Göppingen steht. Nur an der Wohlfühl-Atmosphäre wird man noch arbeiten müssen. Kommentar zum GWD-Exil in Lübbecke: Die Perspektive fehlt Von Marcus Riechmann Die Fans fremdeln, man fühlt sich der Heimat entrissen und als Gast in einem fremden Wohnzimmer nicht wohl. Doch der Testlauf hat zumindest gezeigt: GWD Minden kann in Lübbecke Bundesliga-Handball anbieten. Der Umzug hat Schweiß und Mühe gekostet. Es steckt Arbeit darin, das neue Domizil halbwegs zu einer provisorischen Heimat zu gestalten. Doch die größte Arbeit wartet an anderer Stelle. Bis zur Errichtung der Multi-Arena am Bahnhof, selbst bis zu deren Grundsteinlegung wird es Jahre dauern. Diesen Zeitraum wird der Klub in Lübbecke kaum als Bundesligist überstehen. GWD braucht zeitnah wieder Mindener Boden unter den Füßen. Und damit die von Geschäftsführer Markus Kalusche propagierte Übergangslösung: die Tempus-Halle. Wo soll sie stehen? Wer soll sie bezahlen? Wer soll sie betreiben? Wann geht sie ans Netz? Darauf sollte man bei GWD alsbald Antworten finden, um Fans und Sponsoren eine Perspektive zu bieten, die sie über die Zeit im Lübbecker Exil hinwegträgt.

Die Mindener Fans fremdeln noch - auch das Ergebnis missfällt beim ersten GWD-Heimspiel in Lübbecke

Wer nah dran sein will, wie hier beim Wurf von Joscha Ritterbach, sitzt in Lübbecke auf Plätzen und Bänken ohne Rückenlehne.?MT- © Foto: Külbel

Lübbecke (rich). Das erste Heimspiel der Bundesliga-Handballer von GWD Minden in Lübbecke mündete in einer skurril-amüsanten Schlusssequenz. „Auswärtssieg, Auswärtssieg", schallte es durch die Lübbecker Kreissporthalle. Doch nicht etwa die GWD-Anhänger feierten den Triumph im Mühlenkreisderby, sondern die Fans des TuS N-Lübbecke bejubelten den 27:25-Erfolg ihres Zweitliga-Teams gegen den großen Nachbarn.

Sie hatten sich im Gästeblock mit Humor in die neue Situation eingefunden, die aus der Schließung der Kampa-Halle erwachsen ist: Die beiden Profi-Klubs teilen sich in den kommenden Monaten die Arena. Am Donnerstag hatte GWD die Rolle als Ausrichter inne, der TuS und seine Anhängerschaft fand sich in der jahrzehntelangen Heimstätte in der Rolle des Gastes wieder - und sich damit auch ab.

Die GWD-Gemeinde hingegen trug beim Auszug aus Halle mürrische Mienen. Die Mindener Fans fremdelten, die Niederlage gegen den Nachbarn hatte sie zusätzlich verstimmt. „Ein Sieg hätte heute geholfen", bedauerte Markus Kalusche. Der GWD-Geschäftsführer hatte vergeblich auf sportlichen Rückenwind bei der Umgewöhnung gehofft.

Rund 1000 Zuschauer machten sich am Donnerstagabend ein erstes eigenes Bild von der künftigen GWD-Heimspielhalle. Dauerkartenbesitzer inspizierten ihre neuen Plätze, der Fan-Club besetzte die Trommelzone, die anders als in der Kampa-Halle nicht mehr am Spielfeldrand, sondern nun unter dem Dach liegt.

Sie alle trafen auf das gewohnte Personal: Der Sicherheitsdienst aus der Kampa-Halle empfing die Zuschauer mit grün-schwarz gestreiften Krawatten, der beliebte Grillwagen war von der Hahler Straße an die Rote Mühle umgezogen, auch an den Theken oder in den grünen Ordnerpullover sahen die Zuschauer die bekannten Gesichter.

Doch warm wurden beim ersten Kontakt nicht alle Fans mit der im Innenraum bereits leicht begrünten Lübbecker Arena. Vor allem die älteren Dauerkarten-Inhaber bemängelten den fehlenden Sitzkomfort auf den spielfeldnahen Plätzen ohne Rückenlehne sowie fehlende Geländer an einigen Treppenaufgängen.

In vielerlei Hinsicht war der Testlauf erfolgreich. Eine wichtige Erkenntnis: Technik und Abläufe funktionieren. Die Infrastruktur für das Heimspiel am 9. Februar gegen FA Göppingen steht. Nur an der Wohlfühl-Atmosphäre wird man noch arbeiten müssen.

Kommentar zum GWD-Exil in Lübbecke: Die Perspektive fehlt

Von Marcus Riechmann

Die Fans fremdeln, man fühlt sich der Heimat entrissen und als Gast in einem fremden Wohnzimmer nicht wohl. Doch der Testlauf hat zumindest gezeigt: GWD Minden kann in Lübbecke Bundesliga-Handball anbieten. Der Umzug hat Schweiß und Mühe gekostet. Es steckt Arbeit darin, das neue Domizil halbwegs zu einer provisorischen Heimat zu gestalten. Doch die größte Arbeit wartet an anderer Stelle.

Bis zur Errichtung der Multi-Arena am Bahnhof, selbst bis zu deren Grundsteinlegung wird es Jahre dauern. Diesen Zeitraum wird der Klub in Lübbecke kaum als Bundesligist überstehen. GWD braucht zeitnah wieder Mindener Boden unter den Füßen. Und damit die von Geschäftsführer Markus Kalusche propagierte Übergangslösung: die Tempus-Halle. Wo soll sie stehen? Wer soll sie bezahlen? Wer soll sie betreiben? Wann geht sie ans Netz? Darauf sollte man bei GWD alsbald Antworten finden, um Fans und Sponsoren eine Perspektive zu bieten, die sie über die Zeit im Lübbecker Exil hinwegträgt.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.