Umzug nach Lübbecke: GWD Minden kämpft an vielen Fronten um seine Zukunft Sebastian Külbel Minden. GWD Minden steht vor einer der wichtigsten Rückrunden seiner Vereinsgeschichte. Das hat auch mit der sportlichen Situation der Profi-Mannschaft zu tun, die nur drei Punkte vor einem Abstiegsplatz liegt. Vor allem aber beschäftigt den Verein der Verlust seiner Heimstätte Kampa-Halle: Auf drei großen Baustellen kämpft Geschäftsführer Markus Kalusche derzeit um die Zukunft des Bundesliga-Handballs in Minden. Ein Überblick. Der Umzug nach Lübbecke Für die Fans bedeutet der Umzug ins 20 Kilometer entfernte Lübbecke mehr Fahrzeit, für GWD sind die Rückrunden-Heimspiele in der dortigen Kreissporthalle vor allem ein Kostenfaktor: Zum einen ist das Herrichten der Halle, in der die GWD-Werbepartner bei jedem Heimspiel platziert werden müssen, nicht nur aufwendiger, sondern auch teurer. Zum anderen sind Verluste bei den Zuschauereinnahmen zu erwarten. „Die Halle wird schon gut gefüllt sein, wir werden nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielen“, betont Kalusche zwar. Aber schon die fehlenden Sitzplätze im Vergleich zur Kampa-Halle – in Lübbecke sind es 1.600 weniger – würden sich niederschlagen: „So ein Heimspiel gegen Kiel kostet uns dann schon mal 25.000 Euro“, betont der Geschäftsführer. Insgesamt rechnet Kalusche mit einem Mehraufwand in sechsstelliger Höhe. Und ein schnelles Ende der Übergangslösung sieht er nicht: „Aus jetziger Sicht müssen wir davon ausgehen, dass wir mindestens eineinhalb Jahre dort spielen.“ Die Tempus-Halle Der Weg zu einer temporären Sportarena, die Kalusche als Übergangslösung bis zum Bezug einer noch längst nicht beschlossenen Multi-Halle bevorzugt, ist länger als gehofft. „Wir sind in der Machbarkeitsstudie und müssen die Kosten definieren“, sagt der Geschäftsführer. Im Rennen sind drei mögliche Standorte: Einer in Minden am geplanten Sportpark Zähringerallee, zwei im Gewerbegebiet Porta Westfalica-Barkhausen. Hier kommen ein Grundstück am Flurweg gegenüber des Ärztehauses sowie eines bei der Firma Schäferbarthold infrage. „Wir suchen für alle Standorte die optimale Lösung. Die Frage ist: Was können wir uns leisten, und wie bezahlen wir das?“ Von einem GWD-Campus mit Trainingsmöglichkeiten als Traumlösung hat sich Kalusche bereits verabschiedet: „Wir planen erst mal mit dem Basismodell, das man dann ausbauen kann.“ Der nächste Saisonetat Auf seiner dritten Baustelle braucht der GWD-Geschäftsführer ein schnelles Ergebnis: Am 28. Februar muss er den Gesellschaftern das Budget für die nächste Saison vorlegen. „Wir sind schon gut vorangekommen, aber am Ziel sind wir noch nicht“, sagt Kalusche, der die Unsicherheit bezüglich der künftigen Spielstätte auch in den Sponsorengesprächen spürt. Umso wichtiger sei der Fortgang bei den Planungen zur Tempus-Halle, denn ein längerfristiger Umzug nach Lübbecke ist seiner Ansicht nach gegenüber den Geldgebern nicht darstellbar: „Wenn wir im Sommer nicht signalisieren, dass wir in absehbarer Zeit zurückkommen, wird es schwer, das Sponsoringniveau zu halten. Wir müssen uns dann wohl auf eine Reduzierung einstellen“, betont Kalusche. Und sagt: „Um die anstehenden Herausforderungen zu meistern, brauchen wir eine breiter aufgestellte Solidargemeinschaft der Wirtschaft in der Region.“ Nur so könne die Wettbewerbsfähigkeit in der 1. Bundesliga langfristig sichergestellt werden. Folgen und Forderungen Die Wettbewerbsfähigkeit ist auch in Bezug auf die geplante Multi-Halle von großer Bedeutung, in der ein Handball-Bundesligist GWD Minden als Ankermieter eine zentrale Rolle spielt. Auch deshalb ist Markus Kalusche die Übergangslösung so wichtig und er nimmt die öffentliche Hand in die Pflicht: „Ich hoffe auf einen kommunalen und regionalen Schulterschluss.“ Damit meint er nicht nur die Städte Minden oder Porta als mögliche Standorte der Tempus-Arena, sondern auch die umliegenden Kommunen, die ebenfalls von einem schnellen Ersatz profitieren würden. Denn GWD Minden treibt die Planungen für einen neuen Spielort zwar aus Eigennutz voran, der Geschäftsführer betont aber auch die größere Dimension: „Eigentlich übernehmen wir damit eine Aufgabe der Kommunen, denn wir reden hier nicht von einer GWD-Sportstätte, sondern von einer Veranstaltungshalle, in der wir auch nur Mieter wären.“ Tatsächlich geht der Bedarf für eine Halle deutlich über den Profi-Handball hinaus, das Programm in der Kampa-Halle war umfangreich. Ein schneller Ersatz wäre daher ein wichtiger Standortfaktor für die Region, GWD Minden ist ohnehin einer. Somit sind am Ende natürlich auch die Sponsoren des Teams gefordert. „Aber die können auch nicht immer alles bezahlen“, bekräftigt Kalusche. Details zum Umzug nach Lübbecke - Das heutige Freundschaftsspiel gegen den TuS N-Lübbecke ist für GWD Minden ab 19 Uhr in der Kreissporthalle Lübbecke nicht nur ein sportlicher Test, sondern auch ein Funktionstest. Die Dauerkarteninhaber können sich an ihre neuen Plätze gewöhnen, die Technik inklusive LED-Bande wird installiert. - Weil auf den großen Seitenwänden die Werbetafeln des TuS N-Lübbecke fest verschraubt sind, sollen diese bei GWD-Heimspielen mit einem großen Vorhang verdeckt werden, um dann die eigenen Partner zu präsentieren. Auch ein Transparent mit den Köpfen der Mindener Spieler soll wie gewohnt hinter den Toren hängen. Die Anzeigentafeln werden mit einem Ausschnitt für die Digitalanzeige abgedeckt. - „Die Halle muss bei unseren Spielen einfach grün-weiß werden“, sagt GWD-Geschäftsführer Markus Kalusche. Der wartet derzeit noch auf eine Genehmigung der Kreisverwaltung für die großen Vorhänge an den Kopfseiten der Halle: „Ich hoffe auf ein beschleunigtes Verfahren.“ Schließlich muss das Tuch bis zum ersten Heimspiel am 9. Februar gegen FA Göppingen noch zugeschnitten und bedruckt werden. - Die Mindener Zuschauer müssen sich vor allem auf ein verändertes Platzangebot einstellen. Zum einen bietet die Kreissporthalle Lübbecke mit einer Kapazität von 3.030 Besuchern rund 1.000 Plätze weniger als die zum Jahresende geschlossene Kampa-Halle. Zum anderen gibt es in der Nachbarstadt nur 1.900 Sitzplätze, in der Mindener Arena waren es 3.500. Wegen der Dauerkarteninhaber sind daher für jedes GWD-Heimspiel in Lübbecke nur 550 Sitzplätze im freien Verkauf. - Hart trifft den neuen Mieter auch der Mangel an Lagermöglichkeiten in der Kreissporthalle. „Wir müssen unsere ganze Spieltagslogistik immer mit einem Sattelschlepper hin- und herfahren“, schildert Kalusche: „Der Aufwand ist um ein Zigfaches höher als in der Kampa-Halle.“ (kül)

Umzug nach Lübbecke: GWD Minden kämpft an vielen Fronten um seine Zukunft

Mit einem T-Shirt warben GWD Minden und ein Sponsor beim letzten Heimspiel in der Kampa-Halle für den Ausweichort Lübbecke. Dort trägt der Handball-Bundesligist bis auf Weiteres seine Heimspiele aus. Das soll aber keine Dauerlösung sein. Foto: Noah Wedel © Noah Wedel

Minden. GWD Minden steht vor einer der wichtigsten Rückrunden seiner Vereinsgeschichte. Das hat auch mit der sportlichen Situation der Profi-Mannschaft zu tun, die nur drei Punkte vor einem Abstiegsplatz liegt. Vor allem aber beschäftigt den Verein der Verlust seiner Heimstätte Kampa-Halle: Auf drei großen Baustellen kämpft Geschäftsführer Markus Kalusche derzeit um die Zukunft des Bundesliga-Handballs in Minden. Ein Überblick.

Der Umzug nach Lübbecke

Für die Fans bedeutet der Umzug ins 20 Kilometer entfernte Lübbecke mehr Fahrzeit, für GWD sind die Rückrunden-Heimspiele in der dortigen Kreissporthalle vor allem ein Kostenfaktor: Zum einen ist das Herrichten der Halle, in der die GWD-Werbepartner bei jedem Heimspiel platziert werden müssen, nicht nur aufwendiger, sondern auch teurer. Zum anderen sind Verluste bei den Zuschauereinnahmen zu erwarten. „Die Halle wird schon gut gefüllt sein, wir werden nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielen“, betont Kalusche zwar. Aber schon die fehlenden Sitzplätze im Vergleich zur Kampa-Halle – in Lübbecke sind es 1.600 weniger – würden sich niederschlagen: „So ein Heimspiel gegen Kiel kostet uns dann schon mal 25.000 Euro“, betont der Geschäftsführer. Insgesamt rechnet Kalusche mit einem Mehraufwand in sechsstelliger Höhe. Und ein schnelles Ende der Übergangslösung sieht er nicht: „Aus jetziger Sicht müssen wir davon ausgehen, dass wir mindestens eineinhalb Jahre dort spielen.“

Die Tempus-Halle

Der Weg zu einer temporären Sportarena, die Kalusche als Übergangslösung bis zum Bezug einer noch längst nicht beschlossenen Multi-Halle bevorzugt, ist länger als gehofft. „Wir sind in der Machbarkeitsstudie und müssen die Kosten definieren“, sagt der Geschäftsführer. Im Rennen sind drei mögliche Standorte: Einer in Minden am geplanten Sportpark Zähringerallee, zwei im Gewerbegebiet Porta Westfalica-Barkhausen. Hier kommen ein Grundstück am Flurweg gegenüber des Ärztehauses sowie eines bei der Firma Schäferbarthold infrage. „Wir suchen für alle Standorte die optimale Lösung. Die Frage ist: Was können wir uns leisten, und wie bezahlen wir das?“ Von einem GWD-Campus mit Trainingsmöglichkeiten als Traumlösung hat sich Kalusche bereits verabschiedet: „Wir planen erst mal mit dem Basismodell, das man dann ausbauen kann.“

Der nächste Saisonetat

Auf seiner dritten Baustelle braucht der GWD-Geschäftsführer ein schnelles Ergebnis: Am 28. Februar muss er den Gesellschaftern das Budget für die nächste Saison vorlegen. „Wir sind schon gut vorangekommen, aber am Ziel sind wir noch nicht“, sagt Kalusche, der die Unsicherheit bezüglich der künftigen Spielstätte auch in den Sponsorengesprächen spürt. Umso wichtiger sei der Fortgang bei den Planungen zur Tempus-Halle, denn ein längerfristiger Umzug nach Lübbecke ist seiner Ansicht nach gegenüber den Geldgebern nicht darstellbar: „Wenn wir im Sommer nicht signalisieren, dass wir in absehbarer Zeit zurückkommen, wird es schwer, das Sponsoringniveau zu halten. Wir müssen uns dann wohl auf eine Reduzierung einstellen“, betont Kalusche. Und sagt: „Um die anstehenden Herausforderungen zu meistern, brauchen wir eine breiter aufgestellte Solidargemeinschaft der Wirtschaft in der Region.“ Nur so könne die Wettbewerbsfähigkeit in der 1. Bundesliga langfristig sichergestellt werden.

Folgen und Forderungen

Die Wettbewerbsfähigkeit ist auch in Bezug auf die geplante Multi-Halle von großer Bedeutung, in der ein Handball-Bundesligist GWD Minden als Ankermieter eine zentrale Rolle spielt. Auch deshalb ist Markus Kalusche die Übergangslösung so wichtig und er nimmt die öffentliche Hand in die Pflicht: „Ich hoffe auf einen kommunalen und regionalen Schulterschluss.“ Damit meint er nicht nur die Städte Minden oder Porta als mögliche Standorte der Tempus-Arena, sondern auch die umliegenden Kommunen, die ebenfalls von einem schnellen Ersatz profitieren würden. Denn GWD Minden treibt die Planungen für einen neuen Spielort zwar aus Eigennutz voran, der Geschäftsführer betont aber auch die größere Dimension: „Eigentlich übernehmen wir damit eine Aufgabe der Kommunen, denn wir reden hier nicht von einer GWD-Sportstätte, sondern von einer Veranstaltungshalle, in der wir auch nur Mieter wären.“ Tatsächlich geht der Bedarf für eine Halle deutlich über den Profi-Handball hinaus, das Programm in der Kampa-Halle war umfangreich. Ein schneller Ersatz wäre daher ein wichtiger Standortfaktor für die Region, GWD Minden ist ohnehin einer. Somit sind am Ende natürlich auch die Sponsoren des Teams gefordert. „Aber die können auch nicht immer alles bezahlen“, bekräftigt Kalusche.

Details zum Umzug nach Lübbecke

- Das heutige Freundschaftsspiel gegen den TuS N-Lübbecke ist für GWD Minden ab 19 Uhr in der Kreissporthalle Lübbecke nicht nur ein sportlicher Test, sondern auch ein Funktionstest. Die Dauerkarteninhaber können sich an ihre neuen Plätze gewöhnen, die Technik inklusive LED-Bande wird installiert.

- Weil auf den großen Seitenwänden die Werbetafeln des TuS N-Lübbecke fest verschraubt sind, sollen diese bei GWD-Heimspielen mit einem großen Vorhang verdeckt werden, um dann die eigenen Partner zu präsentieren. Auch ein Transparent mit den Köpfen der Mindener Spieler soll wie gewohnt hinter den Toren hängen. Die Anzeigentafeln werden mit einem Ausschnitt für die Digitalanzeige abgedeckt.

- „Die Halle muss bei unseren Spielen einfach grün-weiß werden“, sagt GWD-Geschäftsführer Markus Kalusche. Der wartet derzeit noch auf eine Genehmigung der Kreisverwaltung für die großen Vorhänge an den Kopfseiten der Halle: „Ich hoffe auf ein beschleunigtes Verfahren.“ Schließlich muss das Tuch bis zum ersten Heimspiel am 9. Februar gegen FA Göppingen noch zugeschnitten und bedruckt werden.

- Die Mindener Zuschauer müssen sich vor allem auf ein verändertes Platzangebot einstellen. Zum einen bietet die Kreissporthalle Lübbecke mit einer Kapazität von 3.030 Besuchern rund 1.000 Plätze weniger als die zum Jahresende geschlossene Kampa-Halle. Zum anderen gibt es in der Nachbarstadt nur 1.900 Sitzplätze, in der Mindener Arena waren es 3.500. Wegen der Dauerkarteninhaber sind daher für jedes GWD-Heimspiel in Lübbecke nur 550 Sitzplätze im freien Verkauf.

- Hart trifft den neuen Mieter auch der Mangel an Lagermöglichkeiten in der Kreissporthalle. „Wir müssen unsere ganze Spieltagslogistik immer mit einem Sattelschlepper hin- und herfahren“, schildert Kalusche: „Der Aufwand ist um ein Zigfaches höher als in der Kampa-Halle.“ (kül)

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