Kommentar zum Michalczik-Golla-Tausch: Das Problem liegt tiefer Marcus Riechmann Der Bundestrainer war nicht zu beneiden: Wichtige Rückraumspieler fielen vor der EM verletzt aus. Seine Reaktion war nachvollziehbar, er hatte einen Plan: Er nominierte einen jungen Rückraumspieler. Von Marian Michalczik erhoffte sich Prokop frische Impulse, zudem sollte der GWD-Mann den etablierten Kräften Ruhepausen verschaffen. Die letzten Testspiele zeigten: Die Ansätze waren da, es schien zu passen. Bei der EM passte es nicht. Michalczik machte im ersten Spiel keine gute Figur. Zögerlich, übermotiviert, und unglücklich. Prokop entzog ihm das Vertrauen. Gegen Spanien schmorte der Mindener auf der Bank, gegen Lettland kam er kurz vor Ende für ein paar Minuten, als das Schiff bereits schwer Schlagseite hatte. Es waren seine letzten Minuten. Denn Prokop vertraut weder Michalczik noch sich selbst: Er änderte den Plan, nominierte den vierten (!) Kreisläufer nach und hat damit im Kreis der EM-Teams eine ungewöhnliche Alleinstellung erlangt. Der 22-jährige Golla soll richten, was die sturmerprobte Abwehr um das Doppel Wiencek/Pekeler nicht schafft. Ein interessanter Ansatz, auf jeden Fall optimistisch. Mag sein, dass die Rechnung „Kreativität raus, Beton rein“ aufgeht: Bessere Abwehr ergibt bessere Torwartleistung ergibt weniger Gegentore und mehr Ballgewinne. Die erhoffte Folge: Gegenstoßtore, die mühsame Positionsangriffe ersparen. Ob Golla dafür der Heilsbringer ist? Wenn nicht, hat Prokop sich verzockt und die Lage verschlechtert, denn nun fehlt im Rückraum genau die spielerische Frische, die er sich von Michalczik erhofft hatte. Das Grundproblem ist nicht die Komposition des Kaders und auch nicht die Taktik: Dem deutschen Team fehlt die Überzeugung. Überzeugung ins eigene Tun und Überzeugung in das Wirken ihres Trainers. Sie vermuten: Prokop hat einen Plan. Doch sie erkennen ihn nicht und sie vertrauen ihm nicht. Und vor allem wissen sie nicht, wie lange er hält. Derzeit hat es den Anschein: Prokops Plan hält gerade mal bis zur ersten Feindberührung. Wenn das so bleibt, wird es für das Halbfinale nicht reichen.

Kommentar zum Michalczik-Golla-Tausch: Das Problem liegt tiefer

Der Bundestrainer war nicht zu beneiden: Wichtige Rückraumspieler fielen vor der EM verletzt aus. Seine Reaktion war nachvollziehbar, er hatte einen Plan: Er nominierte einen jungen Rückraumspieler. Von Marian Michalczik erhoffte sich Prokop frische Impulse, zudem sollte der GWD-Mann den etablierten Kräften Ruhepausen verschaffen. Die letzten Testspiele zeigten: Die Ansätze waren da, es schien zu passen.

Bei der EM passte es nicht. Michalczik machte im ersten Spiel keine gute Figur. Zögerlich, übermotiviert, und unglücklich. Prokop entzog ihm das Vertrauen. Gegen Spanien schmorte der Mindener auf der Bank, gegen Lettland kam er kurz vor Ende für ein paar Minuten, als das Schiff bereits schwer Schlagseite hatte. Es waren seine letzten Minuten. Denn Prokop vertraut weder Michalczik noch sich selbst: Er änderte den Plan, nominierte den vierten (!) Kreisläufer nach und hat damit im Kreis der EM-Teams eine ungewöhnliche Alleinstellung erlangt.

Der 22-jährige Golla soll richten, was die sturmerprobte Abwehr um das Doppel Wiencek/Pekeler nicht schafft. Ein interessanter Ansatz, auf jeden Fall optimistisch. Mag sein, dass die Rechnung „Kreativität raus, Beton rein“ aufgeht: Bessere Abwehr ergibt bessere Torwartleistung ergibt weniger Gegentore und mehr Ballgewinne. Die erhoffte Folge: Gegenstoßtore, die mühsame Positionsangriffe ersparen. Ob Golla dafür der Heilsbringer ist? Wenn nicht, hat Prokop sich verzockt und die Lage verschlechtert, denn nun fehlt im Rückraum genau die spielerische Frische, die er sich von Michalczik erhofft hatte.

Das Grundproblem ist nicht die Komposition des Kaders und auch nicht die Taktik: Dem deutschen Team fehlt die Überzeugung. Überzeugung ins eigene Tun und Überzeugung in das Wirken ihres Trainers. Sie vermuten: Prokop hat einen Plan. Doch sie erkennen ihn nicht und sie vertrauen ihm nicht. Und vor allem wissen sie nicht, wie lange er hält. Derzeit hat es den Anschein: Prokops Plan hält gerade mal bis zur ersten Feindberührung. Wenn das so bleibt, wird es für das Halbfinale nicht reichen.

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