Handball-EM: Junge Wilde machen Frank von Behren Freude Fabian Terwey Minden. Viel erlebt hat Frank von Behren mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Der heutige Geschäftsführer von Bundesligist GWD Minden wurde unter anderem 2002 nach dem bitteren Finaldrama gegen Gastgeber Schweden Vize-Europameister und holte zudem mit dem DHB-Team 2004 bei Olympia die Silbermedaille. Kurz nach dem Beginn der Hauptrunde reist der 167-malige Nationalspieler nun zur laufenden Europameisterschaft. „Ich fahre ein paar Tage nach Wien und schaue mir die Spiele am Samstag, Montag und Mittwoch an“, berichtet der ehemalige Rückraumspieler. Das deutsche Team von Trainer Christian Prokop trifft an diesen Tagen auf die Gruppengegner Kroatien, Österreich und Tschechien. Dabei geht es um den Einzug ins Halbfinale. Für das Mindener Tageblatt zieht von Behren seine EM-Zwischenbilanz und beurteilt die Leistungen der Vereinsspieler, aber auch die eines auftrumpfenden Akteurs, der die GWD-Verantwortlichen in einem Probetraining einst so gar nicht überzeugte. GWD-Spieler bei der EM Dem Mindener im DHB-Team stärkt von Behren den Rücken. Zu Marian Michalcziks bisherigen EM-Auftritten sagt der 43-Jährige: „Gegen die Niederlande hat Marian die Chance bekommen. Die hat er vielleicht nicht so richtig genutzt, aber danach eben auch keine richtige zweite bekommen. Nach dem Spiel gegen Spanien kam er gegen Lettland erst zu einer schwierigen Phase ins Spiel. Dafür hat er es echt gut gelöst.“ Trotzdem wurde Michalczik zuletzt als möglicher Streichkandidat für die Hauptrunde gehandelt, sollte Bundestrainer Prokop den Flensburger Johannes Golla für den 16er Kader nachnominieren. Lucas Meister und Miljan Pusica sind mit der Schweiz und Serbien bereits ausgeschieden. „Schade für die beiden. Sie haben gute Rollen gespielt“, kommentiert von Behren: „Besonders für Lucas ist das Ausscheiden mit der Schweiz enttäuschend.“ Das Team um Magnus Gullerud, Espen Christensen und Kevin Gulliksen sieht von Behren ganz vorne: „Norwegen ist reif für den Titel.“ In der Hauptrunde ist Aliaksandr Padshyvalau mit Weißrussland am heutigen Donnerstag um 20.30 Uhr (ARD) erster Hauptrundengegner des deutschen Teams. „Als Backup hat er seine Zeiten bekommen. Davon können wir bei GWD nur profitieren. Das Spiel gegen Weißrussland wird für Deutschland meiner Meinung nach ein 50:50-Spiel.“ Die deutschen Auftritte Trotz des Einzugs in die Hauptrunde wurden die EM-Auftritte der deutschen Nationalmannschaft kritisch gesehen. Auch, weil das Team nach der starken Vorbereitung mit dem ambitionierten Ziel Halbfinale angereist war. „Eine Vorbereitung ist im Vergleich zu einem Turnier aber auch etwas ganz anderes. Wenn wir das nächste Spiel gewinnen, sieht alles schon wieder besser aus. Im Grunde genommen haben wir ja nur gegen Spanien verloren“, sagt von Behren: „Die deutsche Abwehr inklusive Torwart ist aber in der Tat schlecht. Da haben uns die Spanier mit ihren Weltklassespielern deutlich die Grenzen aufgezeigt. Von solchen Spielern haben wir dagegen kaum welche.“ Auch im Vergleich zum heutigen Gruppengegner Weißrussland sieht von Behren einen eklatanten Unterschied: „Weißrussland ist seit einigen Jahren in dieser Gruppenkonstellation zusammen. Die wichtigen Leute bei ihnen spielen alle Champions League. Von der deutschen Mannschaft sind das nur wenige.“ Einen Spieler aus dem deutschen Team hebt von Behren explizit hervor: „Julius Kühn ist ein exzellenter Rückraumschütze. Er hat nicht enttäuscht, aber auch er ist keiner, der eine Mannschaft lautstark mitreißen kann.“ Das deutsche Team um den Spieler der MT Melsungen werde am Ende maximal um den fünften Platz mitspielen. „Das wäre schon ein Riesenerfolg“, sagt von Behren. Für das schwierige Unterfangen Halbfinaleinzug müsse man schon alle vier Hauptrundenspiele gewinnen. „Tschechien und Österreich müssen wir so oder so bezwingen. Gegen Kroatien sehe ich es nicht, dass wir gewinnen. Sie sind gegen Deutschland häufig richtig gut gewesen.“ Favoritensterben „Dass Dänemark sich so schwer getan hat und Frankreich ausgeschieden ist, ist schon überraschend“, sagt von Behren: „Allerdings hatten die Franzosen auch eine schwere Gruppe mit Norwegen und Portugal.“ Der Erste und Zweite der Gruppe D hatten sich vor den drittplatzierten Franzosen für die Hauptrunde qualifiziert. Dänemark schied am gestrigen Mittwochabend aus. „Russland war für mich enttäuschend - auch, wenn sie eine schwierige Gruppe hatten“, sagt von Behren: „Sie bekommen den Turnaround irgendwie nicht hin.“ Die russische Auswahl war in der dänischen Gruppe bereits nach den zwei Vorrundenniederlagen gegen Ungarn und Island vorzeitig ausgeschieden. „In der deutschen Gruppe haben sich meiner Meinung nach aber schon die Favoriten durchgesetzt“, sagt von Behren. Das war neben dem zweitplatzierten DHB-Team Gruppensieger Spanien. Überraschungen und Tipps Als Tipps für das Halbfinale nennt von Behren Spanien, Kroatien und Norwegen: „Auch Portugal und Island können es vielleicht schaffen. Das portugiesische Team hat sich riesig entwickelt. Sie gehören jetzt zu den Topnationen. Denen würden wir momentan auch nicht standhalten.“ Als weitere positive Überraschung sieht von Behren Ungarn: „Sie haben ein gutes junges Team.“ Herausragende Spieler „Wenn sie da auffällig sind, ist es für uns schon zu spät“, sagt von Behren zu einem möglichen GWD-Interesse an Spielern bei der Europameisterschaft und verrät: „Wir hatten Islands Viggó Kristjánsson mal bei uns im Probetraining. Da hat er unseren Trainer Frank Carstens und mich nicht überzeugen können. Er hat alles falsch gemacht, was er falsch machen konnte. Jetzt spielt er eine gute Rolle bei der EM. Da kann man mal sehen, wie schwer es ist, die richtige Wahl bei Spielern zu treffen.“ Auffällig seien für von Behren insbesondere die jungen Leute – so wie bei Ungarn und Portugal. Als herausragende Spieler nennt der Geschäftsführer allen voran Zoltán Szita, Mátyás Györi (beide Ungarn) und Andre Gomes (Portugal). „Mátyás Györi ist einer der Spieler, die wir verfolgt haben, bei denen wir aber hinsichtlich einer Verpflichtung keine Chance hatten.“ Der Ungar spielt in seinem Heimatland bei Grundfos Tatabanya KC. „Andre Gomes hat ebenso wie Uladzislau Kulesh bei Weißrussland alle Anlagen, um ein Weltklasse-Halblinker zu werden. Seine Tore gegen Frankreich waren schon überragend. Aber auch sein Teamkollege Miguel Martins ist ein echtes Toptalent. Es begeistert mich, zu sehen, dass es sich lohnt, auf junge Leute zu setzen.“ Gleichermaßen gebe es für von Behren auch erfahrene Spieler wie Sander Sagosen (Norwegen), Aron Pálmarsson (Island) und Kiril Lazarov (Nordmazedonien), „die bei der EM immer wieder ihren Wert für ihr Land bestätigen.“

Handball-EM: Junge Wilde machen Frank von Behren Freude

Ungarns Zoltan Szita bejubelt ein Tor gegen Dänemark. Foto: Andreas Hillergren/dpa © Andreas Hillergren

Minden. Viel erlebt hat Frank von Behren mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Der heutige Geschäftsführer von Bundesligist GWD Minden wurde unter anderem 2002 nach dem bitteren Finaldrama gegen Gastgeber Schweden Vize-Europameister und holte zudem mit dem DHB-Team 2004 bei Olympia die Silbermedaille. Kurz nach dem Beginn der Hauptrunde reist der 167-malige Nationalspieler nun zur laufenden Europameisterschaft. „Ich fahre ein paar Tage nach Wien und schaue mir die Spiele am Samstag, Montag und Mittwoch an“, berichtet der ehemalige Rückraumspieler. Das deutsche Team von Trainer Christian Prokop trifft an diesen Tagen auf die Gruppengegner Kroatien, Österreich und Tschechien. Dabei geht es um den Einzug ins Halbfinale. Für das Mindener Tageblatt zieht von Behren seine EM-Zwischenbilanz und beurteilt die Leistungen der Vereinsspieler, aber auch die eines auftrumpfenden Akteurs, der die GWD-Verantwortlichen in einem Probetraining einst so gar nicht überzeugte.

GWD-Spieler bei der EM

Dem Mindener im DHB-Team stärkt von Behren den Rücken. Zu Marian Michalcziks bisherigen EM-Auftritten sagt der 43-Jährige: „Gegen die Niederlande hat Marian die Chance bekommen. Die hat er vielleicht nicht so richtig genutzt, aber danach eben auch keine richtige zweite bekommen. Nach dem Spiel gegen Spanien kam er gegen Lettland erst zu einer schwierigen Phase ins Spiel. Dafür hat er es echt gut gelöst.“ Trotzdem wurde Michalczik zuletzt als möglicher Streichkandidat für die Hauptrunde gehandelt, sollte Bundestrainer Prokop den Flensburger Johannes Golla für den 16er Kader nachnominieren.

Junge Spieler im Fokus: Andre Gomes (Bildmitte) und Portugal feiern nach dem Sieg gegen Frankreich. Foto: Robert Michael/dpa - © Robert Michael
Junge Spieler im Fokus: Andre Gomes (Bildmitte) und Portugal feiern nach dem Sieg gegen Frankreich. Foto: Robert Michael/dpa - © Robert Michael

Lucas Meister und Miljan Pusica sind mit der Schweiz und Serbien bereits ausgeschieden. „Schade für die beiden. Sie haben gute Rollen gespielt“, kommentiert von Behren: „Besonders für Lucas ist das Ausscheiden mit der Schweiz enttäuschend.“ Das Team um Magnus Gullerud, Espen Christensen und Kevin Gulliksen sieht von Behren ganz vorne: „Norwegen ist reif für den Titel.“ In der Hauptrunde ist Aliaksandr Padshyvalau mit Weißrussland am heutigen Donnerstag um 20.30 Uhr (ARD) erster Hauptrundengegner des deutschen Teams. „Als Backup hat er seine Zeiten bekommen. Davon können wir bei GWD nur profitieren. Das Spiel gegen Weißrussland wird für Deutschland meiner Meinung nach ein 50:50-Spiel.“

Die deutschen Auftritte

Norwegens Sander Sagosen fliegt zum Torwurf. Foto: Sascha Klahn - © saschaklahn.com
Norwegens Sander Sagosen fliegt zum Torwurf. Foto: Sascha Klahn - © saschaklahn.com

Trotz des Einzugs in die Hauptrunde wurden die EM-Auftritte der deutschen Nationalmannschaft kritisch gesehen. Auch, weil das Team nach der starken Vorbereitung mit dem ambitionierten Ziel Halbfinale angereist war. „Eine Vorbereitung ist im Vergleich zu einem Turnier aber auch etwas ganz anderes. Wenn wir das nächste Spiel gewinnen, sieht alles schon wieder besser aus. Im Grunde genommen haben wir ja nur gegen Spanien verloren“, sagt von Behren: „Die deutsche Abwehr inklusive Torwart ist aber in der Tat schlecht. Da haben uns die Spanier mit ihren Weltklassespielern deutlich die Grenzen aufgezeigt. Von solchen Spielern haben wir dagegen kaum welche.“ Auch im Vergleich zum heutigen Gruppengegner Weißrussland sieht von Behren einen eklatanten Unterschied: „Weißrussland ist seit einigen Jahren in dieser Gruppenkonstellation zusammen. Die wichtigen Leute bei ihnen spielen alle Champions League. Von der deutschen Mannschaft sind das nur wenige.“

Einen Spieler aus dem deutschen Team hebt von Behren explizit hervor: „Julius Kühn ist ein exzellenter Rückraumschütze. Er hat nicht enttäuscht, aber auch er ist keiner, der eine Mannschaft lautstark mitreißen kann.“ Das deutsche Team um den Spieler der MT Melsungen werde am Ende maximal um den fünften Platz mitspielen. „Das wäre schon ein Riesenerfolg“, sagt von Behren. Für das schwierige Unterfangen Halbfinaleinzug müsse man schon alle vier Hauptrundenspiele gewinnen. „Tschechien und Österreich müssen wir so oder so bezwingen. Gegen Kroatien sehe ich es nicht, dass wir gewinnen. Sie sind gegen Deutschland häufig richtig gut gewesen.“

Favoritensterben

„Dass Dänemark sich so schwer getan hat und Frankreich ausgeschieden ist, ist schon überraschend“, sagt von Behren: „Allerdings hatten die Franzosen auch eine schwere Gruppe mit Norwegen und Portugal.“ Der Erste und Zweite der Gruppe D hatten sich vor den drittplatzierten Franzosen für die Hauptrunde qualifiziert. Dänemark schied am gestrigen Mittwochabend aus. „Russland war für mich enttäuschend - auch, wenn sie eine schwierige Gruppe hatten“, sagt von Behren: „Sie bekommen den Turnaround irgendwie nicht hin.“ Die russische Auswahl war in der dänischen Gruppe bereits nach den zwei Vorrundenniederlagen gegen Ungarn und Island vorzeitig ausgeschieden. „In der deutschen Gruppe haben sich meiner Meinung nach aber schon die Favoriten durchgesetzt“, sagt von Behren. Das war neben dem zweitplatzierten DHB-Team Gruppensieger Spanien.

Überraschungen und Tipps

Als Tipps für das Halbfinale nennt von Behren Spanien, Kroatien und Norwegen: „Auch Portugal und Island können es vielleicht schaffen. Das portugiesische Team hat sich riesig entwickelt. Sie gehören jetzt zu den Topnationen. Denen würden wir momentan auch nicht standhalten.“ Als weitere positive Überraschung sieht von Behren Ungarn: „Sie haben ein gutes junges Team.“

Herausragende Spieler

„Wenn sie da auffällig sind, ist es für uns schon zu spät“, sagt von Behren zu einem möglichen GWD-Interesse an Spielern bei der Europameisterschaft und verrät: „Wir hatten Islands Viggó Kristjánsson mal bei uns im Probetraining. Da hat er unseren Trainer Frank Carstens und mich nicht überzeugen können. Er hat alles falsch gemacht, was er falsch machen konnte. Jetzt spielt er eine gute Rolle bei der EM. Da kann man mal sehen, wie schwer es ist, die richtige Wahl bei Spielern zu treffen.“

Auffällig seien für von Behren insbesondere die jungen Leute – so wie bei Ungarn und Portugal. Als herausragende Spieler nennt der Geschäftsführer allen voran Zoltán Szita, Mátyás Györi (beide Ungarn) und Andre Gomes (Portugal). „Mátyás Györi ist einer der Spieler, die wir verfolgt haben, bei denen wir aber hinsichtlich einer Verpflichtung keine Chance hatten.“ Der Ungar spielt in seinem Heimatland bei Grundfos Tatabanya KC. „Andre Gomes hat ebenso wie Uladzislau Kulesh bei Weißrussland alle Anlagen, um ein Weltklasse-Halblinker zu werden. Seine Tore gegen Frankreich waren schon überragend. Aber auch sein Teamkollege Miguel Martins ist ein echtes Toptalent. Es begeistert mich, zu sehen, dass es sich lohnt, auf junge Leute zu setzen.“ Gleichermaßen gebe es für von Behren auch erfahrene Spieler wie Sander Sagosen (Norwegen), Aron Pálmarsson (Island) und Kiril Lazarov (Nordmazedonien), „die bei der EM immer wieder ihren Wert für ihr Land bestätigen.“

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