Ende einer Ära - Kornelia Kunisch beendet ihre Trainerzeit bei GWD Minden Christian Bendig Minden (cb). 21 Jahre lang arbeitete Kornelia Kunisch als Nachwuchstrainerin bei GWD Minden, die meiste Zeit davon mit den C1-Jungen. Nach deren Ausscheiden im Halbfinale um die Westdeutsche Meisterschaft ist für die 49-Jährige endgültig Schluss. „Sie wird für uns nur ganz schwierig zu ersetzen sein“, betont Vereinsvorsitzender Horst Bredemeier. Denn der Abschied von Kunisch ist für die Dankerser Talentschmiede ein riesiger Verlust. Zu GWD kam die frühere Weltklassespielerin über Sohn Christopher, den sie parallel zu den letzten Stationen als Spielerin beim VT Bückeburg bei den Dankersern trainierte. Die sportliche Vita Kunischs liest sich beeindruckend: Weltmeisterin mit der A-Nationalmannschaft der DDR 1978, Vize-Junioren-Weltmeisterin 1979 und Bronzemedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau. Ihre großen internationalen Erfolge feierte Kunisch unter Trainer Peter Kretzschmar. „Der war eine halbe Vaterfigur.“ Von ihm habe sie auch viel für ihre eigene Trainerkarriere übernommen. „Ich werde selten laut, kritisiere Spieler nicht in der großen Runde, sondern vorzugsweise in Einzelgesprächen“, sagt die Trainerin. Bredemeier geht noch einen Schritt weiter und stimmt eine Lobeshymne an: „Es war allererste Sahne, wie sie mit allen – Spielern, Eltern und Betreuern – umgegangen ist.“ Über das Kunischs Wirken weiß der langjährige Bundesliga-Manager von GWD ebenfalls nur Gutes zu berichten: „Sie hat an der Schwelle vom Kinderhandball zum Leistungssport gearbeitet und den Nachwuchstalenten das technische und taktische Rüstzeug mit auf den Weg gegeben.“ Unter anderem Mats Korte. „Er hat es immer geschafft, mit seiner ruhigen Art eine Mannschaft mitzureißen. Joel Birlehm zum Beispiel war einer, der neben seiner Leistung die Mannschaft über Emotionen anführte“, erzählt Kunisch. „Den Ehrgeiz hat sie immer gefördert“, erinnert sich Korte. Die Strahlkraft des Namens Konni Kunisch ging auch ihm nicht vorüber: Sie zog die jungen Talente all die Jahre an. Ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Jugendarbeit bei GWD. Der Kontakt zur Trainerin brach auch nicht ab, nachdem Korte den C-Jungen längst entwachsen war. Wie bei so vielen früheren Schützlingen von Kunisch. „Sie verfolgt die Werdegänge ganz genau“, stellt Korte fest und hebt „die teilweise mütterliche Fürsorge bei Dingen neben dem Spielfeld“ hervor: „Deshalb waren bei ihrer Verabschiedung auch so viele ehemalige Spieler in der Halle.“ Nur ein Mal gab Kunisch ein kurzes Intermezzo als Trainerin im Frauenbereich. Aber nicht als Hauptverantwortliche. „Ich habe ein Jahr lang in Holzhausen ein Mal pro Woche das Training der Frauen und der A-Mädchen geleitet. Aber das habe ich schnell beendet.“ Die Begründung ist einfach: „Mein Leistungsanspruch und der der Spielerinnen passte nicht zusammen. Dafür war mir meine Zeit zu schade.“ In der Dankerser Talentschmiede hingegen waren Kunischs Vorstellungen und die der Jugendlichen deckungsgleich. „Ich war auf dem Sportinternat und bin im Leistungshandball aufgewachsen. Der Leistungsgedanke ist eben da. Und das kann man eben nur bei GWD umsetzen.“ Eine Trainerstation im Frauenbereich war, bis auf die kleine Ausnahme in Holzhausen, nicht geplant. „Nur, wenn mir das mit der Jugend keinen Spaß gemacht hätte. Vielleicht hätte ich dann überlegt.“ Doch der Spaß war von Anfang an da. „Im C-Jungen-Bereich kannst man quasi zugucken, wie sich die Jungs weiterentwickeln“, zog die Trainerin aus den Leistungssprüngen die große Motivation. Und wenn einer seinen Weg zum Profi geschafft hatte, wurde Kunisch erst einmal nachdenklich: „Man erinnert sich dann schon zurück, was man mit dem einzelnen Spieler erlebt hat. Dann kommt die Freude.“ So auch in dieser Spielzeit. Am Ende feierten die Dankerser die Westfalenmeisterschaft. Einige Talente haben sich in den entscheidenden Spielen hervorgetan. „Bei einigen kann man schon sagen, in welche Richtung es gehen wird. Aber bis zum Profi ist es ein weiter und schwerer Weg mit vielen Unwägbarkeiten.“ Die für Außenstehende zunächst ungewöhnliche Konstellation, dass eine Frau eine Jungenmannschaft trainiert, hatte nie negative Auswirkungen auf das Verhältnis der Trainerin zu ihren Spielern. „Ich bin eine strenge Trainerin, die auf und neben dem Spielfeld sehr viel Wert auf Disziplin legt. Das bedingt sich gegenseitig. Auf dem Spielfeld kann in einer Mannschaftssportart niemand sein eigenes Ding machen.“ Ihre Spieler gaben viel zurück. „Ich habe immer gemerkt, dass das Engagement nicht einseitig, nach dem Motto, ich buttere immer rein und bekomme nichts zurück, war.“ Disziplin bedeute für sie eben auch, dass die jungen Handballer in Schule Leistung bringen, sich vernünftig ernähren und früh schlafen gehen – insgesamt auf sich selber Rücksicht nehmen. „Gerade in der heutigen Zeit ist das ein großes Thema. Wer sich für diesen Weg entscheidet, kann nicht bis tief in die Nacht mit dem Handy daddeln.“ Bei Turnieren wurden abends um zehn einfach die Handys eingesammelt. „Pädagogisch hat sie immer eine tolle Arbeit geleistet“, urteilt Bredemeier. Aus einer etwas größeren Distanz verfolgte GWD Mindens Geschäftsführer Sport Frank von Behren das Wirken der Trainerin. „So lange ich bei GWD bin, hat sie den Mindener Handball geprägt.“ Auch, wenn nun andere Aufgaben warten und Kunisch mehr Zeit für sich und die Enkelkinder hat, so ganz wird sie ihr Lieblingssport nicht loslassen. „Handball wird immer in meinem Leben sein“, meint Kunisch, die im westfälischen Verband weiterhin als Trainerin aktiv sein wird.

Ende einer Ära - Kornelia Kunisch beendet ihre Trainerzeit bei GWD Minden

Kornelia Kunisch hat sich stets vor ihre Mannschaften gestellt. Nach ihrer 21. Saison als Trainerin in GWD Mindens Nachwuchsbereich kann die frühere Weltklasse-Handballerin zufrieden und stolz auf viele Erfolge zurückblicken. Fotos: Christian Bendig

Minden (cb). 21 Jahre lang arbeitete Kornelia Kunisch als Nachwuchstrainerin bei GWD Minden, die meiste Zeit davon mit den C1-Jungen. Nach deren Ausscheiden im Halbfinale um die Westdeutsche Meisterschaft ist für die 49-Jährige endgültig Schluss. „Sie wird für uns nur ganz schwierig zu ersetzen sein“, betont Vereinsvorsitzender Horst Bredemeier. Denn der Abschied von Kunisch ist für die Dankerser Talentschmiede ein riesiger Verlust.

Zu GWD kam die frühere Weltklassespielerin über Sohn Christopher, den sie parallel zu den letzten Stationen als Spielerin beim VT Bückeburg bei den Dankersern trainierte. Die sportliche Vita Kunischs liest sich beeindruckend: Weltmeisterin mit der A-Nationalmannschaft der DDR 1978, Vize-Junioren-Weltmeisterin 1979 und Bronzemedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau.

Ihre Familie wird nach dem Ende des GWD-Engagements sehr viel mehr Zeit mit Kornelia Kunisch verbringen können.
Ihre Familie wird nach dem Ende des GWD-Engagements sehr viel mehr Zeit mit Kornelia Kunisch verbringen können.

Ihre großen internationalen Erfolge feierte Kunisch unter Trainer Peter Kretzschmar. „Der war eine halbe Vaterfigur.“ Von ihm habe sie auch viel für ihre eigene Trainerkarriere übernommen. „Ich werde selten laut, kritisiere Spieler nicht in der großen Runde, sondern vorzugsweise in Einzelgesprächen“, sagt die Trainerin. Bredemeier geht noch einen Schritt weiter und stimmt eine Lobeshymne an: „Es war allererste Sahne, wie sie mit allen – Spielern, Eltern und Betreuern – umgegangen ist.“

Über das Kunischs Wirken weiß der langjährige Bundesliga-Manager von GWD ebenfalls nur Gutes zu berichten: „Sie hat an der Schwelle vom Kinderhandball zum Leistungssport gearbeitet und den Nachwuchstalenten das technische und taktische Rüstzeug mit auf den Weg gegeben.“ Unter anderem Mats Korte. „Er hat es immer geschafft, mit seiner ruhigen Art eine Mannschaft mitzureißen. Joel Birlehm zum Beispiel war einer, der neben seiner Leistung die Mannschaft über Emotionen anführte“, erzählt Kunisch.

„Den Ehrgeiz hat sie immer gefördert“, erinnert sich Korte. Die Strahlkraft des Namens Konni Kunisch ging auch ihm nicht vorüber: Sie zog die jungen Talente all die Jahre an. Ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Jugendarbeit bei GWD.

Der Kontakt zur Trainerin brach auch nicht ab, nachdem Korte den C-Jungen längst entwachsen war. Wie bei so vielen früheren Schützlingen von Kunisch. „Sie verfolgt die Werdegänge ganz genau“, stellt Korte fest und hebt „die teilweise mütterliche Fürsorge bei Dingen neben dem Spielfeld“ hervor: „Deshalb waren bei ihrer Verabschiedung auch so viele ehemalige Spieler in der Halle.“

Nur ein Mal gab Kunisch ein kurzes Intermezzo als Trainerin im Frauenbereich. Aber nicht als Hauptverantwortliche. „Ich habe ein Jahr lang in Holzhausen ein Mal pro Woche das Training der Frauen und der A-Mädchen geleitet. Aber das habe ich schnell beendet.“ Die Begründung ist einfach: „Mein Leistungsanspruch und der der Spielerinnen passte nicht zusammen. Dafür war mir meine Zeit zu schade.“

In der Dankerser Talentschmiede hingegen waren Kunischs Vorstellungen und die der Jugendlichen deckungsgleich. „Ich war auf dem Sportinternat und bin im Leistungshandball aufgewachsen. Der Leistungsgedanke ist eben da. Und das kann man eben nur bei GWD umsetzen.“ Eine Trainerstation im Frauenbereich war, bis auf die kleine Ausnahme in Holzhausen, nicht geplant. „Nur, wenn mir das mit der Jugend keinen Spaß gemacht hätte. Vielleicht hätte ich dann überlegt.“

Doch der Spaß war von Anfang an da. „Im C-Jungen-Bereich kannst man quasi zugucken, wie sich die Jungs weiterentwickeln“, zog die Trainerin aus den Leistungssprüngen die große Motivation. Und wenn einer seinen Weg zum Profi geschafft hatte, wurde Kunisch erst einmal nachdenklich: „Man erinnert sich dann schon zurück, was man mit dem einzelnen Spieler erlebt hat. Dann kommt die Freude.“

So auch in dieser Spielzeit. Am Ende feierten die Dankerser die Westfalenmeisterschaft. Einige Talente haben sich in den entscheidenden Spielen hervorgetan. „Bei einigen kann man schon sagen, in welche Richtung es gehen wird. Aber bis zum Profi ist es ein weiter und schwerer Weg mit vielen Unwägbarkeiten.“

Die für Außenstehende zunächst ungewöhnliche Konstellation, dass eine Frau eine Jungenmannschaft trainiert, hatte nie negative Auswirkungen auf das Verhältnis der Trainerin zu ihren Spielern. „Ich bin eine strenge Trainerin, die auf und neben dem Spielfeld sehr viel Wert auf Disziplin legt. Das bedingt sich gegenseitig. Auf dem Spielfeld kann in einer Mannschaftssportart niemand sein eigenes Ding machen.“

Ihre Spieler gaben viel zurück. „Ich habe immer gemerkt, dass das Engagement nicht einseitig, nach dem Motto, ich buttere immer rein und bekomme nichts zurück, war.“ Disziplin bedeute für sie eben auch, dass die jungen Handballer in Schule Leistung bringen, sich vernünftig ernähren und früh schlafen gehen – insgesamt auf sich selber Rücksicht nehmen. „Gerade in der heutigen Zeit ist das ein großes Thema. Wer sich für diesen Weg entscheidet, kann nicht bis tief in die Nacht mit dem Handy daddeln.“ Bei Turnieren wurden abends um zehn einfach die Handys eingesammelt. „Pädagogisch hat sie immer eine tolle Arbeit geleistet“, urteilt Bredemeier.

Aus einer etwas größeren Distanz verfolgte GWD Mindens Geschäftsführer Sport Frank von Behren das Wirken der Trainerin. „So lange ich bei GWD bin, hat sie den Mindener Handball geprägt.“ Auch, wenn nun andere Aufgaben warten und Kunisch mehr Zeit für sich und die Enkelkinder hat, so ganz wird sie ihr Lieblingssport nicht loslassen. „Handball wird immer in meinem Leben sein“, meint Kunisch, die im westfälischen Verband weiterhin als Trainerin aktiv sein wird.

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