Ein Schlag ins Gesicht - GWD blamiert sich in Kiel Christian Bendig Kiel (cb). Ein Raunen ging bereits vor dem Spiel zwischen dem THW Kiel und GWD Minden durch das weite Rund der mit 10.250 Zuschauern wie immer ausverkauften Sparkassen Arena. THW-Fan Tim hatte vor dem Anwurf ein 30:18-Heimsieg der Kieler getippt. Es kam noch schlimmer für die Mindener. Nach einer desolaten Leistung hieß es am 32. Spieltag der Handball-Bundesliga 19:39 (9:19) aus Sicht der Grün-Weißen. Die rutschen in der Tabelle auf Rang 13 ab. Im GWD-Lager hatte man sich nach der bitteren Heimniederlage gegen den SC DHfK Leipzig tüchtig Mut zugesprochen. Vor allem aus den insgesamt gelungenen Kiel-Gastspielen bei den vergangenen drei Anläufen zogen Trainer Frank Carstens und seine Mannen den Optimismus, in Deutschlands heißester Handballarena vielleicht sogar etwas Zählbares mitzunehmen. Oder immerhin einen couragierten Auftritt hinzulegen und den um die Meisterschaft kämpfenden Kielern ordentlich Paroli zu bieten. In der Pressekonferenz nach Spielschluss musste Carstens mehrmals tief durchatmen und suchte nach Worten. Nach einigen Sekunden rang sich der Coach zu seinem Kommentar durch: „Ich kann versichern, dass wir hier mit anderen Erwartungen hingefahren sind. Aber wir haben uns bis auf die Knochen blamiert.“ In den ersten Spielminuten erschien es so, als könnten sich die leisen Hoffnungen erfüllen. Torwart Kim Sonne, der an seiner früheren Wirkungsstätte mit warmem Applaus begrüßt wurde, vereitelte einige Kieler Großchancen prächtig. Auf der anderen Seite leisteten sich die Dankerser in den ersten Minuten zwar einige Fehlpässe und technische Fehler gegen die offensive 3:2:1-Abwehr des Rekordmeisters. Doch Stück für Stück schwammen sich die Mindener frei und hebelten die THW-Defensive das eine oder andere Mal gekonnt aus. Doch genauso wie Sonne im GWD-Gehäuse erwischte Kiels Keeper Andreas Wolff einen Sahnetag. „Manche Würfe waren aber auch miserabel“, legte Carstens den Finger in die Wunde. Wolffs Vorderleute, die im Fernduell mit der SG Flensburg-Handewitt zum Siegen verdammt waren, leisteten sich ebenfalls einige ungewohnte Stockfehler. Auch deshalb konnten die Mindener den schnellen 2:5-Rückstand auf 4:5 (11.) verkürzen. Kreisläufer Magnus Gullerud hatte sogar den 5:5-Ausgleich auf der Hand, scheiterte aber mit einem viel zu zaghaften Wurf am herausstürmenden Wolff. Im Gegenzug erhielt Marian Michalczik, der das Team in Vertretung des kurzfristig wegen einer Muskelverhärtung in der Wade ausgefallenen Dalibor Doder aufs Feld führte, eine Zeitstrafe für ein Foul an Steffen Weinhold bei dessen Tor zum 6:4. Der frischgebackene EHF-Cup-Sieger nutzte die Einladung. In Überzahl traf das Team des isländischen Trainer Alfred Gislason zweimal ins leere GWD-Gehäuse. Mit dem 8:4 hatten die Hausherren bei den Ostwestfalen den sprichwörtlichen Stecker gezogen. „Wir wollten aus dem Spiel gehen und sagen können, was wir alles gegeben haben. Das ist nicht so“, urteilte der Mindener Trainer über seine Spieler, die sich in ihr Schicksal ergaben. „Es war die denkbar ungünstigste Situation, in der wir heute hier antreten mussten“, sagte Sport-Geschäftsführer Frank von Behren im Hinblick auf den Europapokalsieg der Gastgeber. Die konnten nach der 8:4-Führung schalten und walten wie sie wollten. Weder die vielen personellen Wechsel von Carstens noch die beiden Auszeiten in der 14. und 18. Minute entfachten eine Wirkung. Das Schema – GWD-Ballverlust oder Fehlwurf, schneller Gegentreffer – setzte sich nahtlos fort, Kiel stürmte bis zur Pause auf 19:9 davon. Als „erschreckend“, empfand von Behren die 60 Spielminuten. Linksaußen Mats Korte fand ebenfalls deutliche Worte: „Das ist einfach dämlich von uns. Wenn wir merken, dass hier nichts geht, dann dürfen wir die Bälle nicht einfach so hektisch und leicht wegschmeißen.“ Das Eigengewächs war mit vier Treffern bester GWD-Werfer. Auch nach dem Seitenwechsel trat keine Besserung ein, die Schlagzahl blieb stabil. Die Mindener ergaben sich in ihr Schicksal. Wegmarken des Debakels waren die Zwischenstände 26:10 (37.), 30:10 (41.) und 36:14 (53.). „Wir haben nicht gedacht, dass GWD so schwach sein würde. Für sie geht es um nichts mehr. Da fehlt einfach der letzte Funken Wille. Wir hatten uns vorgenommen, dass wir etwas für das Torverhältnis tun. Das kann natürlich auch nach hinten los gehen“, zeigte sich THW-Linksaußen Rune Dahmke erstaunt. „Meine Mannschaft hat heute gut gespielt“, fasste sein Trainer Gislason kurz und knapp zusammen und strich Andreas Wolff mit seinen 21 Paraden heraus. Während Dahmke in den Katakomben den Spaziergang zufrieden Revue passieren ließ, begann Michalczik mit der schonungslosen Aufarbeitung der Lehrstunde: „Das war ein Schlag ins Gesicht heute. Wenn man hierher fährt, muss man bereit sein. Das waren wir nicht. Dann kriegst du eben so eine Packung“, kritisierte der Nationalspieler, gestattete sich aber auch schon einen kleinen Blick auf das Heimspiel gegen den Bergischen HC am Mittwoch. „Das ist das Gute im Sport. Da zählt die Gegenwart. Wir machen jetzt einen Haken hinter das Spiel und hoffen darauf, es gegen den BHC wieder besser zu machen.“

Ein Schlag ins Gesicht - GWD blamiert sich in Kiel

GWD Mindens Sport-Geschäftsführer Frank von Behren mag nach dem Spiel nicht mehr hinsehen. Foto: Jörg Lühn © Jörg Lühn

Kiel (cb). Ein Raunen ging bereits vor dem Spiel zwischen dem THW Kiel und GWD Minden durch das weite Rund der mit 10.250 Zuschauern wie immer ausverkauften Sparkassen Arena. THW-Fan Tim hatte vor dem Anwurf ein 30:18-Heimsieg der Kieler getippt. Es kam noch schlimmer für die Mindener. Nach einer desolaten Leistung hieß es am 32. Spieltag der Handball-Bundesliga 19:39 (9:19) aus Sicht der Grün-Weißen. Die rutschen in der Tabelle auf Rang 13 ab.

Im GWD-Lager hatte man sich nach der bitteren Heimniederlage gegen den SC DHfK Leipzig tüchtig Mut zugesprochen. Vor allem aus den insgesamt gelungenen Kiel-Gastspielen bei den vergangenen drei Anläufen zogen Trainer Frank Carstens und seine Mannen den Optimismus, in Deutschlands heißester Handballarena vielleicht sogar etwas Zählbares mitzunehmen. Oder immerhin einen couragierten Auftritt hinzulegen und den um die Meisterschaft kämpfenden Kielern ordentlich Paroli zu bieten.

In der Pressekonferenz nach Spielschluss musste Carstens mehrmals tief durchatmen und suchte nach Worten. Nach einigen Sekunden rang sich der Coach zu seinem Kommentar durch: „Ich kann versichern, dass wir hier mit anderen Erwartungen hingefahren sind. Aber wir haben uns bis auf die Knochen blamiert.“

In den ersten Spielminuten erschien es so, als könnten sich die leisen Hoffnungen erfüllen. Torwart Kim Sonne, der an seiner früheren Wirkungsstätte mit warmem Applaus begrüßt wurde, vereitelte einige Kieler Großchancen prächtig. Auf der anderen Seite leisteten sich die Dankerser in den ersten Minuten zwar einige Fehlpässe und technische Fehler gegen die offensive 3:2:1-Abwehr des Rekordmeisters. Doch Stück für Stück schwammen sich die Mindener frei und hebelten die THW-Defensive das eine oder andere Mal gekonnt aus.

Doch genauso wie Sonne im GWD-Gehäuse erwischte Kiels Keeper Andreas Wolff einen Sahnetag. „Manche Würfe waren aber auch miserabel“, legte Carstens den Finger in die Wunde. Wolffs Vorderleute, die im Fernduell mit der SG Flensburg-Handewitt zum Siegen verdammt waren, leisteten sich ebenfalls einige ungewohnte Stockfehler. Auch deshalb konnten die Mindener den schnellen 2:5-Rückstand auf 4:5 (11.) verkürzen. Kreisläufer Magnus Gullerud hatte sogar den 5:5-Ausgleich auf der Hand, scheiterte aber mit einem viel zu zaghaften Wurf am herausstürmenden Wolff. Im Gegenzug erhielt Marian Michalczik, der das Team in Vertretung des kurzfristig wegen einer Muskelverhärtung in der Wade ausgefallenen Dalibor Doder aufs Feld führte, eine Zeitstrafe für ein Foul an Steffen Weinhold bei dessen Tor zum 6:4.

Der frischgebackene EHF-Cup-Sieger nutzte die Einladung. In Überzahl traf das Team des isländischen Trainer Alfred Gislason zweimal ins leere GWD-Gehäuse. Mit dem 8:4 hatten die Hausherren bei den Ostwestfalen den sprichwörtlichen Stecker gezogen. „Wir wollten aus dem Spiel gehen und sagen können, was wir alles gegeben haben. Das ist nicht so“, urteilte der Mindener Trainer über seine Spieler, die sich in ihr Schicksal ergaben.

„Es war die denkbar ungünstigste Situation, in der wir heute hier antreten mussten“, sagte Sport-Geschäftsführer Frank von Behren im Hinblick auf den Europapokalsieg der Gastgeber. Die konnten nach der 8:4-Führung schalten und walten wie sie wollten. Weder die vielen personellen Wechsel von Carstens noch die beiden Auszeiten in der 14. und 18. Minute entfachten eine Wirkung. Das Schema – GWD-Ballverlust oder Fehlwurf, schneller Gegentreffer – setzte sich nahtlos fort, Kiel stürmte bis zur Pause auf 19:9 davon.

Als „erschreckend“, empfand von Behren die 60 Spielminuten. Linksaußen Mats Korte fand ebenfalls deutliche Worte: „Das ist einfach dämlich von uns. Wenn wir merken, dass hier nichts geht, dann dürfen wir die Bälle nicht einfach so hektisch und leicht wegschmeißen.“ Das Eigengewächs war mit vier Treffern bester GWD-Werfer.

Auch nach dem Seitenwechsel trat keine Besserung ein, die Schlagzahl blieb stabil. Die Mindener ergaben sich in ihr Schicksal. Wegmarken des Debakels waren die Zwischenstände 26:10 (37.), 30:10 (41.) und 36:14 (53.). „Wir haben nicht gedacht, dass GWD so schwach sein würde. Für sie geht es um nichts mehr. Da fehlt einfach der letzte Funken Wille. Wir hatten uns vorgenommen, dass wir etwas für das Torverhältnis tun. Das kann natürlich auch nach hinten los gehen“, zeigte sich THW-Linksaußen Rune Dahmke erstaunt. „Meine Mannschaft hat heute gut gespielt“, fasste sein Trainer Gislason kurz und knapp zusammen und strich Andreas Wolff mit seinen 21 Paraden heraus.

Während Dahmke in den Katakomben den Spaziergang zufrieden Revue passieren ließ, begann Michalczik mit der schonungslosen Aufarbeitung der Lehrstunde: „Das war ein Schlag ins Gesicht heute. Wenn man hierher fährt, muss man bereit sein. Das waren wir nicht. Dann kriegst du eben so eine Packung“, kritisierte der Nationalspieler, gestattete sich aber auch schon einen kleinen Blick auf das Heimspiel gegen den Bergischen HC am Mittwoch. „Das ist das Gute im Sport. Da zählt die Gegenwart. Wir machen jetzt einen Haken hinter das Spiel und hoffen darauf, es gegen den BHC wieder besser zu machen.“

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