Gefährliche Situation für GWD Minden: „Wir müssen aufpassen" Marcus Riechmann Minden. Es ist das Thema dieser Tage: „Sag mal, was ist denn mit GWD los?“ Kein Gespräch der Handballszene kommt ohne einen sorgenvollen Austausch zum Leistungsstand des Mindener Handball-Bundesligisten aus, der am Samstagabend beim ewigen Kellerkonkurrenten HBW Balingen-Weilstetten sang- und klanglos 21:27 verloren hatte und Schlusslicht der Liga ist. Dabei gibt nach gerade mal zwei Spieltagen nicht der Punkte- oder Tabellenstand Anlass zu düsteren Prognosen, denn schlecht in die Saison gestartet sind die Mindener Handballer schon manches Mal. Auch Leistungstiefs sind keine Neuigkeit. In der vergangenen Saison etwa gab es neben anderen Aussetzern auch diesen: Im Februar ging das Heimspiel gegen Balingen-Weilstetten 20:27 verloren. Danach gab es Kritik, aber es wurde nicht das Ende das Abendlandes befürchtet. Das ist in diesen Tagen anders. Es ist die Art des Auftritts, die nicht nur die Fans in Sorge versetzt. Weder im Heimspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt noch beim Auswärtsspiel in Balingen wirkte das neu zusammengestellte Team erstligatauglich. Aus vielen Kleinigkeiten setzt sich ein Problempuzzle zusammen, das man bei GWD in dieser Größe nicht erwartet hat. Frank von Behren kann die Sorgen der Handballgemeinde nachvollziehen. „Nach den beiden Spielen ist es mir ähnlich ergangen“, beschreibt der Sportgeschäftsführer persönliche Frustration: „Die Enttäuschung war da, weil die Erwartungen andere waren. Ich hatte gedacht, dass wir aus der guten Saisonvorbereitung mehr in die ersten Spiele übertragen könnten. Das war leider nicht der Fall.“ Auch der Trainer hat festgestellt: „Unter Bundesliga-Bedingungen kriegen wir die Dinge nicht so hin, wie wir sie noch in der Vorbereitung gespielt haben.“ Grundsätzlich sei er nicht überrascht von den Anlaufschwierigkeiten, sagt Frank Carstens: „Es war klar, dass es schwer werden würde.“ Doch die Vielzahl der Probleme fordert den erfahrenen Coach: „Wir müssen uns da Stück für Stück rausarbeiten.“ Eine Übung, die der erfahrene Coach in seinen mittlerweile sechseinhalb Jahren bei GWD schon mehrfach vollzogen hat. Eine unerwartete Baustelle nennt von Behren: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich mir über die Abwehr Gedanken machen muss“, sagt der einstige Nationalspieler, der Ende des Monats 45 Jahre alt wird. Schließlich ist das Deckungszentrum personell unverändert geblieben. Hier macht er eine Kritik fest, die nicht an die umfangreichen Umbaumaßnahmen im Kader gebunden ist. „Wir müssen die Zweikämpfe annehmen, da kann sich jeder einbringen“, erwartet er Grundtugenden. Mental seien die Spieler in den ersten Partien nicht bereit gewesen für die Anforderungen der Bundesliga: „Da muss sich jeder kritisch hinterfragen“, sagt von Behren und spricht von Alarmsignalen: „Wir müssen aufpassen.“ Überzeugt ist er davon, dass der von ihm und Frank Carstens konzipierte Kader stark genug für die Bundesliga ist. „Wir haben ein Team, das wettbewerbsfähig ist. Wir sind gut genug. Die Mannschaft hat Potenzial“, sagt der Hiller, der seit 2017 für das Mindener Personal verantwortlich ist. Mit Männern wie Niklas Pieczkowski, Jan Grebenc, Nikola Jukic oder Tomas Urban habe man Qualität und Erfahrung in den Kader geholt. Amine Darmoul sei eine besondere Bereicherung: „So einen Zweikampfspieler hatten wir noch nie“, betont von Behren die außergewöhnlichen Fähigkeiten des tunesischen Nationalspielers. Dem neuen Rückraumkonstrukt müsse man Zeit zur Reifung geben, sagt der Sportchef: „Das geht nicht auf Knopfdruck.“ Doch zugleich sei Zeit im eng getakteten Spielplan ein knappes Gut: „Wir müssen vorankommen.“ Das gilt spielerisch, aber eben auch mental. Der Rückraum müsse auch aus der Distanz mehr Druck und mehr Torgefahr ausstrahlen. Da habe zuletzt die Durchschlagskraft gefehlt. „Das macht es jeder Abwehr einfach, die stellen sich einfach hinten rein, wenn keiner von hinten wirft“, sagt von Behren. Er setzt Hoffnungen auf den jungen Miro Schluroff, der nach seiner Fingerverletzung erst jetzt wieder fit ist: „Auch Jukic kann das. Aber er hat sich bisher noch nicht richtig getraut“, wünscht sich von Behren mehr Mumm vom kroatischen Nachfolger von Christoffer Rambo. Der Mut, das Selbstvertrauen, die Leistungs- und Leidensbereitschaft – all das müsse neben den spielerischen Fähigkeiten wachsen. Der Fortschritt in diesen Bereichen sei der wichtige Indikator, nicht das Punktekonto. „Das macht uns so schnell nicht nervös“, sagt von Behren: Auch mit besseren Leistungen wäre ein 0:10-Start nicht utopisch gewesen. Der Blick dürfe jetzt nicht auf die Tabelle gehen. „Wir müssen auf uns schauen. Wir müssen besser werden“, definiert er die Marschrichtung und verbreitetet Optimismus: „Ich bin kämpferisch. Ich bin fest davon überzeugt davon, dass wir mit dieser Mannschaft bestehen werden.“

Gefährliche Situation für GWD Minden: „Wir müssen aufpassen"

Nicht nur im Angriff hat GWD Probleme. Auch in der Deckung läuft es noch nicht rund. Hier enteilt der Balinger Gregor Thomann dem Mindener Innenblock mit Lukas Meister und Max Janke (von links). Foto: Duddek/ Eibner © Eibner-Pressefoto Info: 0172/8374655

Minden. Es ist das Thema dieser Tage: „Sag mal, was ist denn mit GWD los?“ Kein Gespräch der Handballszene kommt ohne einen sorgenvollen Austausch zum Leistungsstand des Mindener Handball-Bundesligisten aus, der am Samstagabend beim ewigen Kellerkonkurrenten HBW Balingen-Weilstetten sang- und klanglos 21:27 verloren hatte und Schlusslicht der Liga ist.

Dabei gibt nach gerade mal zwei Spieltagen nicht der Punkte- oder Tabellenstand Anlass zu düsteren Prognosen, denn schlecht in die Saison gestartet sind die Mindener Handballer schon manches Mal. Auch Leistungstiefs sind keine Neuigkeit. In der vergangenen Saison etwa gab es neben anderen Aussetzern auch diesen: Im Februar ging das Heimspiel gegen Balingen-Weilstetten 20:27 verloren. Danach gab es Kritik, aber es wurde nicht das Ende das Abendlandes befürchtet.

Das ist in diesen Tagen anders. Es ist die Art des Auftritts, die nicht nur die Fans in Sorge versetzt. Weder im Heimspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt noch beim Auswärtsspiel in Balingen wirkte das neu zusammengestellte Team erstligatauglich. Aus vielen Kleinigkeiten setzt sich ein Problempuzzle zusammen, das man bei GWD in dieser Größe nicht erwartet hat.

Frank von Behren kann die Sorgen der Handballgemeinde nachvollziehen. „Nach den beiden Spielen ist es mir ähnlich ergangen“, beschreibt der Sportgeschäftsführer persönliche Frustration: „Die Enttäuschung war da, weil die Erwartungen andere waren. Ich hatte gedacht, dass wir aus der guten Saisonvorbereitung mehr in die ersten Spiele übertragen könnten. Das war leider nicht der Fall.“

Auch der Trainer hat festgestellt: „Unter Bundesliga-Bedingungen kriegen wir die Dinge nicht so hin, wie wir sie noch in der Vorbereitung gespielt haben.“ Grundsätzlich sei er nicht überrascht von den Anlaufschwierigkeiten, sagt Frank Carstens: „Es war klar, dass es schwer werden würde.“ Doch die Vielzahl der Probleme fordert den erfahrenen Coach: „Wir müssen uns da Stück für Stück rausarbeiten.“ Eine Übung, die der erfahrene Coach in seinen mittlerweile sechseinhalb Jahren bei GWD schon mehrfach vollzogen hat.

Eine unerwartete Baustelle nennt von Behren: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich mir über die Abwehr Gedanken machen muss“, sagt der einstige Nationalspieler, der Ende des Monats 45 Jahre alt wird. Schließlich ist das Deckungszentrum personell unverändert geblieben. Hier macht er eine Kritik fest, die nicht an die umfangreichen Umbaumaßnahmen im Kader gebunden ist. „Wir müssen die Zweikämpfe annehmen, da kann sich jeder einbringen“, erwartet er Grundtugenden. Mental seien die Spieler in den ersten Partien nicht bereit gewesen für die Anforderungen der Bundesliga: „Da muss sich jeder kritisch hinterfragen“, sagt von Behren und spricht von Alarmsignalen: „Wir müssen aufpassen.“

Überzeugt ist er davon, dass der von ihm und Frank Carstens konzipierte Kader stark genug für die Bundesliga ist. „Wir haben ein Team, das wettbewerbsfähig ist. Wir sind gut genug. Die Mannschaft hat Potenzial“, sagt der Hiller, der seit 2017 für das Mindener Personal verantwortlich ist. Mit Männern wie Niklas Pieczkowski, Jan Grebenc, Nikola Jukic oder Tomas Urban habe man Qualität und Erfahrung in den Kader geholt. Amine Darmoul sei eine besondere Bereicherung: „So einen Zweikampfspieler hatten wir noch nie“, betont von Behren die außergewöhnlichen Fähigkeiten des tunesischen Nationalspielers.

Dem neuen Rückraumkonstrukt müsse man Zeit zur Reifung geben, sagt der Sportchef: „Das geht nicht auf Knopfdruck.“ Doch zugleich sei Zeit im eng getakteten Spielplan ein knappes Gut: „Wir müssen vorankommen.“ Das gilt spielerisch, aber eben auch mental. Der Rückraum müsse auch aus der Distanz mehr Druck und mehr Torgefahr ausstrahlen. Da habe zuletzt die Durchschlagskraft gefehlt. „Das macht es jeder Abwehr einfach, die stellen sich einfach hinten rein, wenn keiner von hinten wirft“, sagt von Behren. Er setzt Hoffnungen auf den jungen Miro Schluroff, der nach seiner Fingerverletzung erst jetzt wieder fit ist: „Auch Jukic kann das. Aber er hat sich bisher noch nicht richtig getraut“, wünscht sich von Behren mehr Mumm vom kroatischen Nachfolger von Christoffer Rambo.

Der Mut, das Selbstvertrauen, die Leistungs- und Leidensbereitschaft – all das müsse neben den spielerischen Fähigkeiten wachsen. Der Fortschritt in diesen Bereichen sei der wichtige Indikator, nicht das Punktekonto. „Das macht uns so schnell nicht nervös“, sagt von Behren: Auch mit besseren Leistungen wäre ein 0:10-Start nicht utopisch gewesen. Der Blick dürfe jetzt nicht auf die Tabelle gehen. „Wir müssen auf uns schauen. Wir müssen besser werden“, definiert er die Marschrichtung und verbreitetet Optimismus: „Ich bin kämpferisch. Ich bin fest davon überzeugt davon, dass wir mit dieser Mannschaft bestehen werden.“

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