Weihnachten ohne Handball - die GWD-Profis freuen sich auf ein paar ruhige Tage Astrid Plaßhenrich,Jörg Wehling Minden. Frank Carstens’ Stimme war ungewöhnlich leise. Unmittelbar nach dem 23:20-Sieg gegen den SC DHfK Leipzig schien die gesamte Anspannung von zwölf herausfordernden Monaten von dem Trainer des Handball-Bundesligisten GWD Minden abzufallen. „Das stimmt. Es war ein extrem anstrengendes Jahr mit permanenten Dauerstress und neuen Problemen, auf die wir flexibel reagieren mussten“, sagt Carstens, „umso mehr freue ich mich, dass wir jetzt die Feiertage genießen können.“ Weihnachten läuft dieses Jahr bei den GWD-Profis anders ab. Ohne Handball. Normalerweise hätten die Mindener am zweiten Weihnachtstag noch bei FA Göppingen spielen müssen. Aufgrund der Quarantäne der Schwaben muss die Partie ins neue Jahr verlegt werden. „Wir wären am ersten Weihnachtstag morgens nach Göppingen gefahren, hätten am zweiten Weihnachtstag gespielt und wären dann erst sonntagmorgens wieder in Minden gewesen“, erklärt Carstens. So schwer jede Spielabsage wiegt, freut es den GWD-Trainer doch, den Heiligabend ohne Handball im Hinterkopf genießen zu können und am ersten Feiertag beim Gänseessen dabei sein zu können. Das Jahr steckt dem Handball-Bundesligisten in den Knochen: die ständigen Umzüge von einer Trainingshalle in die nächste, die Quarantäne, Corona, die Verletzungen. „Routine kann auch nachteilig sein, aber gibt auch Sicherheit“, sagt Carstens. Der GWD-Trainer ist stolz darauf, wie sein Team mit allen Problemen umgegangen und nach allen Rückschlägen zurückgekommen ist. Es war sicherlich auch eine Genugtuung für das Mindener Umfeld, mit einem Sieg das Jahr zu beschließen. Jetzt ist Zeit, um den Kopf frei zu bekommen, um Kräfte zu sammeln. Am 11. Januar bittet Carstens seine Spieler wieder zum Training. Für Joshua Thiele geht es auch darum, seinen Bänderriss und die Prellung im linken Sprunggelenk auszukurieren. Der Kreisläufer ist in der 40. Minute nach einem Block auf den Fuß seines Gegenspielers aufgekommen und weggeknickt. „Es hat einmal geknackt und im ganzen Körper gekribbelt. Da wusste ich, dass es nicht weitergeht“, sagt Thiele, „bis zur Vorbereitung sollte ich aber wieder fit sein.“ Für den 22-Jährigen lief es in den vergangenen Wochen nach seinem Syndesmosebandriss richtig gut. Nach den Verletzungen von Miljan Pusica (Kreuzbandriss) und Lucas Meister (Abriss der Bizepssehne) bildete Thiele zusammen mit Doruk Pehlivan den Innenblock. „Wir haben ziemlich schnell zueinander gefunden“, sagt der Kreisläufer. Als Thiele gegen Leipzig ausfiel, rückte vor allem Justus Richtzenhain auf die Innenverteidiger-Position. „Wir haben uns durch alle Phasen durchgekämpft“, sagt das GWD-Eigengewächs, „und Malte war im Tor ein toller Rückhalt.“ Richtzenhain, genauso wie Thiele erst 22 Jahre, schließt das Jahr mit einem positiven Fazit ab: „Wir verlieren als Mannschaft in hektischen Situationen nicht den Kopf. Das ist ein enomer Entwicklungsschritt.“ Er selbst habe auch wichtige Schritte nach vorne gemacht: „Aufgrund der angespannten Personallage musste ich mehr Verantwortung übernehmen. Dazu war ich jetzt bereit.“ Simon Strakeljahn übernahm gegen Leipzig ebenfalls Verantwortung und wurde der Rolle gerecht. „Simon ist extrem cool, ein absolut sachlicher, nüchterner Typ“, urteilt Frank Carstens, „er hat dem Spiel die Struktur gegeben. Das war seine Aufgabe, und das hat er toll gemacht.“ Auch Strakeljahn ist wie der treffsichere Mats Korte, Max Staar und Richtzenhain bei GWD ausgebildet worden. „Ich freue mich, dass der Mindener Weg funktioniert“, sagt Sportgeschäftsführer Frank von Behren. Einst mit Anschlussverträgen ausgestattet, gehören sie nun fest zum Profi-Kader. Diesen Weg hat auch Mats Korte hinter sich, der seit dieser Saison mehr Verantwortung übernimmt. „Früher war ich nur der Linksaußen. Jetzt bin ich auch der Siebenmeterschütze“, beschreibt Korte seine gestiegene Wertschätzung. Dass er gegen Leipzig kurz vor Schluss den wichtigen Siebenmeter zum 22:19 verwandelte, da war er sich sehr sicher. „Wenn das Selbstvertrauen stimmt, dann denkt man nicht groß nach“, berichtet Korte. Dass er gegen Leipzig eine perfekte Quote hatte mit acht Toren aus acht Versuchen, macht ihn ein wenig stolz. Gezeigt hatte er sein Wurfrepertoire kurz nach der Pause, als er per Tempogegenstoß, per Siebenmeter und von Außen traf und dafür sorgte, dass sein Team auf 16:10 davonzog. Nach fünf Jahren endlich mal wieder im Kreise der Familie Weihnachten zu feiern, darauf freut sich jetzt der Linksaußen. „Mal nicht an Handball denken“, nennt Korte als Ziel seiner mentale Regenerationsphase, die ab heute nach der Testung beginnt. Das Handy ab und an auf stumm stellen will auch GWD-Geschäftsführer Sport Frank von Behren, um im kleinsten Familienkreis Weihnachten zu feiern. „Die Pause haben sich die Jungs verdient. Die Mannschaft hat nach dem Ludwigshafen-Spiel die richtige Reaktion gezeigt“, sagt von Behren und freut sich gleichzeitig, dass Strakeljahn und Richtzenhain ihre Chance genutzt haben. „Beide haben einen großen Sprung nach vorne gemacht.“ Personell auf die Verletzungen reagieren, will von Behren dennoch. „Vielleicht tut sich was zum Jahresanfang“, lässt er sich aber nicht in die Karten schauen.

Weihnachten ohne Handball - die GWD-Profis freuen sich auf ein paar ruhige Tage

Kommt ein Justus geflogen: Hier setzt sich Kreisläufer Justus Richtzenhain am Kreis durch und trifft gegen Torwart Joel Birlehm. Foto: Noah Wedel © Noah Wedel

Minden. Frank Carstens’ Stimme war ungewöhnlich leise. Unmittelbar nach dem 23:20-Sieg gegen den SC DHfK Leipzig schien die gesamte Anspannung von zwölf herausfordernden Monaten von dem Trainer des Handball-Bundesligisten GWD Minden abzufallen. „Das stimmt. Es war ein extrem anstrengendes Jahr mit permanenten Dauerstress und neuen Problemen, auf die wir flexibel reagieren mussten“, sagt Carstens, „umso mehr freue ich mich, dass wir jetzt die Feiertage genießen können.“

Weihnachten läuft dieses Jahr bei den GWD-Profis anders ab. Ohne Handball. Normalerweise hätten die Mindener am zweiten Weihnachtstag noch bei FA Göppingen spielen müssen. Aufgrund der Quarantäne der Schwaben muss die Partie ins neue Jahr verlegt werden. „Wir wären am ersten Weihnachtstag morgens nach Göppingen gefahren, hätten am zweiten Weihnachtstag gespielt und wären dann erst sonntagmorgens wieder in Minden gewesen“, erklärt Carstens. So schwer jede Spielabsage wiegt, freut es den GWD-Trainer doch, den Heiligabend ohne Handball im Hinterkopf genießen zu können und am ersten Feiertag beim Gänseessen dabei sein zu können.

Das Jahr steckt dem Handball-Bundesligisten in den Knochen: die ständigen Umzüge von einer Trainingshalle in die nächste, die Quarantäne, Corona, die Verletzungen. „Routine kann auch nachteilig sein, aber gibt auch Sicherheit“, sagt Carstens. Der GWD-Trainer ist stolz darauf, wie sein Team mit allen Problemen umgegangen und nach allen Rückschlägen zurückgekommen ist. Es war sicherlich auch eine Genugtuung für das Mindener Umfeld, mit einem Sieg das Jahr zu beschließen.

Jetzt ist Zeit, um den Kopf frei zu bekommen, um Kräfte zu sammeln. Am 11. Januar bittet Carstens seine Spieler wieder zum Training. Für Joshua Thiele geht es auch darum, seinen Bänderriss und die Prellung im linken Sprunggelenk auszukurieren. Der Kreisläufer ist in der 40. Minute nach einem Block auf den Fuß seines Gegenspielers aufgekommen und weggeknickt. „Es hat einmal geknackt und im ganzen Körper gekribbelt. Da wusste ich, dass es nicht weitergeht“, sagt Thiele, „bis zur Vorbereitung sollte ich aber wieder fit sein.“ Für den 22-Jährigen lief es in den vergangenen Wochen nach seinem Syndesmosebandriss richtig gut. Nach den Verletzungen von Miljan Pusica (Kreuzbandriss) und Lucas Meister (Abriss der Bizepssehne) bildete Thiele zusammen mit Doruk Pehlivan den Innenblock. „Wir haben ziemlich schnell zueinander gefunden“, sagt der Kreisläufer.

Als Thiele gegen Leipzig ausfiel, rückte vor allem Justus Richtzenhain auf die Innenverteidiger-Position. „Wir haben uns durch alle Phasen durchgekämpft“, sagt das GWD-Eigengewächs, „und Malte war im Tor ein toller Rückhalt.“ Richtzenhain, genauso wie Thiele erst 22 Jahre, schließt das Jahr mit einem positiven Fazit ab: „Wir verlieren als Mannschaft in hektischen Situationen nicht den Kopf. Das ist ein enomer Entwicklungsschritt.“

Er selbst habe auch wichtige Schritte nach vorne gemacht: „Aufgrund der angespannten Personallage musste ich mehr Verantwortung übernehmen. Dazu war ich jetzt bereit.“

Simon Strakeljahn übernahm gegen Leipzig ebenfalls Verantwortung und wurde der Rolle gerecht. „Simon ist extrem cool, ein absolut sachlicher, nüchterner Typ“, urteilt Frank Carstens, „er hat dem Spiel die Struktur gegeben. Das war seine Aufgabe, und das hat er toll gemacht.“

Auch Strakeljahn ist wie der treffsichere Mats Korte, Max Staar und Richtzenhain bei GWD ausgebildet worden. „Ich freue mich, dass der Mindener Weg funktioniert“, sagt Sportgeschäftsführer Frank von Behren. Einst mit Anschlussverträgen ausgestattet, gehören sie nun fest zum Profi-Kader.

Diesen Weg hat auch Mats Korte hinter sich, der seit dieser Saison mehr Verantwortung übernimmt. „Früher war ich nur der Linksaußen. Jetzt bin ich auch der Siebenmeterschütze“, beschreibt Korte seine gestiegene Wertschätzung. Dass er gegen Leipzig kurz vor Schluss den wichtigen Siebenmeter zum 22:19 verwandelte, da war er sich sehr sicher. „Wenn das Selbstvertrauen stimmt, dann denkt man nicht groß nach“, berichtet Korte.

Dass er gegen Leipzig eine perfekte Quote hatte mit acht Toren aus acht Versuchen, macht ihn ein wenig stolz. Gezeigt hatte er sein Wurfrepertoire kurz nach der Pause, als er per Tempogegenstoß, per Siebenmeter und von Außen traf und dafür sorgte, dass sein Team auf 16:10 davonzog.

Nach fünf Jahren endlich mal wieder im Kreise der Familie Weihnachten zu feiern, darauf freut sich jetzt der Linksaußen. „Mal nicht an Handball denken“, nennt Korte als Ziel seiner mentale Regenerationsphase, die ab heute nach der Testung beginnt.

Das Handy ab und an auf stumm stellen will auch GWD-Geschäftsführer Sport Frank von Behren, um im kleinsten Familienkreis Weihnachten zu feiern. „Die Pause haben sich die Jungs verdient. Die Mannschaft hat nach dem Ludwigshafen-Spiel die richtige Reaktion gezeigt“, sagt von Behren und freut sich gleichzeitig, dass Strakeljahn und Richtzenhain ihre Chance genutzt haben. „Beide haben einen großen Sprung nach vorne gemacht.“ Personell auf die Verletzungen reagieren, will von Behren dennoch. „Vielleicht tut sich was zum Jahresanfang“, lässt er sich aber nicht in die Karten schauen.

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