Wackelige Vertragssituation: Strakeljahn hängt in der Luft Christian Bendig Minden. Hochbetrieb trotz WM-Pause: Handball-Bundesligist GWD Minden bereitet sich auf die Zukunft vor. Der Fokus richtet sich bei den Verantwortlichen zum einen auf die Anfang Februar beginnende Restrunde, zum anderen auf die Kaderplanung für die kommende Saison. Einige Personalentscheidungen sind bereits getroffen. Simon Strakeljahn hängt noch in der Luft. Obwohl die Leistungskurve des Eigengewächs nach oben zeigt. „Ich bin Realist. Ich denke, für konkrete Gespräche stehen viele andere vor mir auf der Liste“, sagt der 21-Jährige, der am Dienstag Geburtstag feiert. Trotzdem bleibt der junge Mittelmann gelassen. Vielleicht kommt ihm dabei auch sein Psychologiestudium zugute. Oder aber auch der sportliche Aufwärtstrend im Bundesliga-Jahresendspurt. Vor allem der markante Treffer zum 29:28 gegen Tusem Essen (Endstand: 30:29) kann symbolisch für Strakeljahns deutlich selbstbewussteres Auftreten stehen. Trotz der Umklammerung von Essens Noah Beyer hämmerte Strakeljahn den Ball fast aus dem Stand in die Maschen. Der Rechtshänder riss die Arme hoch, schrie gleichzeitig die Anspannung des Kellerkrimis beim Sprint zum Angriff-Abwehr-Wechsel hinaus, und sein Trainer Frank Carstens schlug ihn anerkennend und mit voller Wucht auf den Brustkorb. „An das Tor an sich kann ich mich gut erinnern. An das, was unmittelbar danach passierte, nicht“, sagt der Spielmacher. Strakeljahn unterzeichnete vor drei Jahren einen Anschlussvertrag, der zu dieser Saison zu einem einjährigen Profivertrag führte. Seine Spielanteile in der Bundesliga blieben bisher aber überschaubar. In der 3. Liga rief er dagegen seine Leistung Woche für Woche ab und zählt zu wichtigsten Spielern von GWD II. Das registrierten Anfang 2020 auch einige Zweitligisten. Doch Strakeljahn schlug die Angebote aus. „Ich weiß, was ich in Minden habe“, sagte der Student im Mai 2020. Mit ausschlaggebend für den Verbleib in Minden war auch die Hoffnung, von nun an fest dem Profikader anzugehören. Der Osnabrücker absolvierte die Sommervorbereitung beim Bundesligateam und gehörte dem Kader auch während der ersten Spiele an. „Ich fühle mich auch als fester Teil der Mannschaft“, meint der Spielmacher, dessen Leistungen die sportliche Leitung im Oktober wohl doch nicht vollends überzeugten. Deshalb musste Strakeljahn wieder vermehrt bei der Zweiten trainieren und bei Termin-Überschneidungen der beiden Mannschaften im Team von Trainer Moritz Schäpsmeier ran. Von der Romantik des Jugend- oder Amateurhandballs hat sich Strakeljahn schon lange verabschiedet. „Das ist dann eben so“, sagt er, „es geht darum, ob man funktioniert und das Vertrauen des Trainers genießt, oder eben nicht.“ Der Spaß am Spiel ging ihm trotz allem nicht verloren. Auch der inzwischen entspannte Umgang mit der Leistungsgesellschaft „Profisport“ nicht. Stattdessen kämpfte er sich wieder ins Team zurück. Und: Strakeljahn nutzte seine Chance, als Juri Knorr wegen Covid 19 ausfiel. Ob Knorrs Wechsel zu den Rhein-Neckar Löwen und Strakeljahns zuletzt gezeigten Leistungen eine Vertragsverlängerung nach sich ziehen wird, ist noch unklar. Der 21-Jährige muss auch abwägen, ob ein weiteres Jahr als dritter Mann auf der Mitte für ihn und seine Entwicklung Sinn macht. Darüber, wie die Karten für eine Vertragsverlängerung stehen, tappt Strakeljahn noch im Dunkeln. Signale von Vereinsseite blieben bisher aus. Dabei drückt nach Knorrs bevorstehenden Wechsel auf der Spielmacher-Position der Schuh. Denn der Vertrag von Aliaksandr Padshyvalau endet ebenfalls im Sommer. Eine Hängepartie bis weit ins Frühjahr möchte Strakeljahn, der 2016 von der JSG NSM-Nettelstedt nach GWD wechselte, trotz der coronabedingten Unsicherheiten vermeiden und hofft „auf klare Signale im Januar“. Am liebsten auf positive von seinem aktuellen Verein. Bleiben diese aus, da ist der Rückraumspieler ganz pragmatisch, suche er sich einen neuen Klub. „Die Nachfrage ist größer als noch vor einem Jahr. Dieses Mal kommen sie nicht von Zweitligisten aus der unteren Tabellenregion“, sagt Strakeljahn. Zudem bringt das Fernstudium an der Universität Göttingen eine räumliche Unabhängigkeit mit sich. Deshalb ist auch das Ausland ein Thema für ihn. „Skandinavien würde mich schon reizen“, verschließt sich Strakeljahn auch diesem, für deutsche Handballer eher ungewöhnlichen Schritt, nicht.

Wackelige Vertragssituation: Strakeljahn hängt in der Luft

„Simon ist ein klarer Typ“, sagt GWD-Trainer Frank Carstens, der in dieser Szene der Partie gegen den SC DHfK Leipzig Simon Strakeljahn Instruktionen für den nächsten Einsatz gibt. Foto: Noah Wedel © Noah Wedel

Minden. Hochbetrieb trotz WM-Pause: Handball-Bundesligist GWD Minden bereitet sich auf die Zukunft vor. Der Fokus richtet sich bei den Verantwortlichen zum einen auf die Anfang Februar beginnende Restrunde, zum anderen auf die Kaderplanung für die kommende Saison. Einige Personalentscheidungen sind bereits getroffen. Simon Strakeljahn hängt noch in der Luft. Obwohl die Leistungskurve des Eigengewächs nach oben zeigt.

„Ich bin Realist. Ich denke, für konkrete Gespräche stehen viele andere vor mir auf der Liste“, sagt der 21-Jährige, der am Dienstag Geburtstag feiert. Trotzdem bleibt der junge Mittelmann gelassen. Vielleicht kommt ihm dabei auch sein Psychologiestudium zugute. Oder aber auch der sportliche Aufwärtstrend im Bundesliga-Jahresendspurt. Vor allem der markante Treffer zum 29:28 gegen Tusem Essen (Endstand: 30:29) kann symbolisch für Strakeljahns deutlich selbstbewussteres Auftreten stehen.

Trotz der Umklammerung von Essens Noah Beyer hämmerte Strakeljahn den Ball fast aus dem Stand in die Maschen. Der Rechtshänder riss die Arme hoch, schrie gleichzeitig die Anspannung des Kellerkrimis beim Sprint zum Angriff-Abwehr-Wechsel hinaus, und sein Trainer Frank Carstens schlug ihn anerkennend und mit voller Wucht auf den Brustkorb. „An das Tor an sich kann ich mich gut erinnern. An das, was unmittelbar danach passierte, nicht“, sagt der Spielmacher.

Strakeljahn unterzeichnete vor drei Jahren einen Anschlussvertrag, der zu dieser Saison zu einem einjährigen Profivertrag führte. Seine Spielanteile in der Bundesliga blieben bisher aber überschaubar. In der 3. Liga rief er dagegen seine Leistung Woche für Woche ab und zählt zu wichtigsten Spielern von GWD II. Das registrierten Anfang 2020 auch einige Zweitligisten. Doch Strakeljahn schlug die Angebote aus. „Ich weiß, was ich in Minden habe“, sagte der Student im Mai 2020.

Mit ausschlaggebend für den Verbleib in Minden war auch die Hoffnung, von nun an fest dem Profikader anzugehören. Der Osnabrücker absolvierte die Sommervorbereitung beim Bundesligateam und gehörte dem Kader auch während der ersten Spiele an. „Ich fühle mich auch als fester Teil der Mannschaft“, meint der Spielmacher, dessen Leistungen die sportliche Leitung im Oktober wohl doch nicht vollends überzeugten. Deshalb musste Strakeljahn wieder vermehrt bei der Zweiten trainieren und bei Termin-Überschneidungen der beiden Mannschaften im Team von Trainer Moritz Schäpsmeier ran.

Von der Romantik des Jugend- oder Amateurhandballs hat sich Strakeljahn schon lange verabschiedet. „Das ist dann eben so“, sagt er, „es geht darum, ob man funktioniert und das Vertrauen des Trainers genießt, oder eben nicht.“ Der Spaß am Spiel ging ihm trotz allem nicht verloren. Auch der inzwischen entspannte Umgang mit der Leistungsgesellschaft „Profisport“ nicht. Stattdessen kämpfte er sich wieder ins Team zurück. Und: Strakeljahn nutzte seine Chance, als Juri Knorr wegen Covid 19 ausfiel.

Ob Knorrs Wechsel zu den Rhein-Neckar Löwen und Strakeljahns zuletzt gezeigten Leistungen eine Vertragsverlängerung nach sich ziehen wird, ist noch unklar. Der 21-Jährige muss auch abwägen, ob ein weiteres Jahr als dritter Mann auf der Mitte für ihn und seine Entwicklung Sinn macht. Darüber, wie die Karten für eine Vertragsverlängerung stehen, tappt Strakeljahn noch im Dunkeln. Signale von Vereinsseite blieben bisher aus. Dabei drückt nach Knorrs bevorstehenden Wechsel auf der Spielmacher-Position der Schuh. Denn der Vertrag von Aliaksandr Padshyvalau endet ebenfalls im Sommer.

Eine Hängepartie bis weit ins Frühjahr möchte Strakeljahn, der 2016 von der JSG NSM-Nettelstedt nach GWD wechselte, trotz der coronabedingten Unsicherheiten vermeiden und hofft „auf klare Signale im Januar“. Am liebsten auf positive von seinem aktuellen Verein.

Bleiben diese aus, da ist der Rückraumspieler ganz pragmatisch, suche er sich einen neuen Klub. „Die Nachfrage ist größer als noch vor einem Jahr. Dieses Mal kommen sie nicht von Zweitligisten aus der unteren Tabellenregion“, sagt Strakeljahn.

Zudem bringt das Fernstudium an der Universität Göttingen eine räumliche Unabhängigkeit mit sich. Deshalb ist auch das Ausland ein Thema für ihn. „Skandinavien würde mich schon reizen“, verschließt sich Strakeljahn auch diesem, für deutsche Handballer eher ungewöhnlichen Schritt, nicht.

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